2:2 in Hamburg – fast schon zu wenig

Vor dem Spiel hätten wir dieses Ergebnis vielleicht sogar unterschrieben. 2:2 in Hamburg, das reine Ergebnis sagt es aus: immerhin nicht verloren. Doch man muss sich nur die Torschuss-Statistik anschauen, um zu wissen, was in Hamburg los war: Hertha 22, Hamburg 9. Hertha traf alleine viermal das Aluminium des von Jaroslav Drobny gehüteten Tores. Der BILD-Live-Ticker (hätte gerne den von SpiegelOnline genommen, aber da stimmen die Verlinkungen nicht) beschreibt im Spielfazit:

„Dieser Punkt ist für den HSV nicht nur glücklich, er ist mehr als schmeichelhaft. 60 Minuten lang wurden die Hanseaten von Aufsteiger Berlin nicht nur vorgeführt, sie wurden nach allen Regeln der Kunst zerlegt.“

Nun, ich selbst habe leider nur die Konferenz gesehen und kann nicht bestätigen, dass das wirklich so war. Trotzdem reichten die wenigen Szenen, die dort gezeigt wurden aus, um zu sehen, dass es Hertha an Spielkultur nicht mangelt. Allein die Torchance kurz vor der Halbzeit, als Torun den Ball noch einmal ans Außennetz schoss, war in ihrer Entstehung bundesligareif. Und nur darum geht es in dieser Saison.

Zu Beginn musste man ja schon befürchten, dass es genau so weitergehen würde, wie gegen Nürnberg. Der für einen Bundesliga-Abwehrspieler unwürdige Griff ans Trikot von Petric (unwürdig nicht, weil das in der Bundesliga nicht vorkommt, sondern weil es so offensichtlich war), wurde zurecht mit einem Elfmeterpfiff bestraft. Umso wichtiger für die Moral von Andre Mijatovic, dass er kurz vor Schluss den Ausgleichstreffer köpfen konnte – mit dankbarer Mithilfe des Ex-Herthaners Jaroslav Drobny.

Dazwischen lagen die erwähnten vier Latten- oder Pfostentreffer, das erste Saisontor von Tunay Torun und der erneute Führungstreffer des HSV durch Son. Letzterer kam aus dem Nichts und man war schon versucht zu sagen: Jetzt geht das schon wieder so los, wie in der Rückrunde der letzten Bundesliga-Saison. Da machte Hertha auch gute Spiele, war mitunter sogar oft die bessere Mannschaft. Wenn es dann aber darum ging, die Punkte mitzunehmen, war Hertha immer zu spät. Dieses Mal langte es zumindest zu einem Punkt.

Die Hereinnahme von Raffael hat dann heute nicht mal mehr mich überrascht. Dass Babbel ihn für Lasogga brachte, dagegen schon. Es ist müßig, darüber zu diskutieren, ob Lasogga die Bälle im Tor untergebracht hätte. Aber bei der Chancenauswertung muss Babbel zusätzlich zu den anderen Mängeln aus dem Nürnberg-Spiel ansetzen.

Denn eins ist klar: Ein Maßstab für die beweglichen Teams wie Mainz, Hannover, ganz zu schweigen von Dortmund oder Stuttgart, war der Hamburger SV nicht. Dass es am Ende zu einem Punkt gereicht hat, muss unter dieser Voraussetzung fast schon negativ gesehen werden.

Aber bis zum Montag reichen mir die beiden Tore und die Tatsache, dass wir nicht verloren haben, um von diesen pessimistischen Tendenzen abzurücken.

Wie habt ihr das Spiel gesehen?

This entry was posted in Hertha BSC and tagged , , , , , , , , . Bookmark the permalink. Both comments and trackbacks are currently closed.
  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

    Ich würde mich freuen, deine Meinung zum Artikel zu erfahren. Schreib doch einen Kommentar und diskutiere mit!

    Und bleib auf dem Laufenden: Abonniere neue Beiträge des Hertha BSC Blogs (RSS-Feed / E-Mail)

12 Kommentare

  1. Klaus
    Am 13. August 2011 um 17:40 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Spiel in Herthakneipe gesehen (nicht Konferenz). Der Bild-Ticker hatte recht. Hertha ist jetzt angekommen und hat aber leider gegen einen weit schwächeren Gegner zwei Punkte liegenlassen. Wollen mal trotzdem zufrieden sein!

  2. Am 13. August 2011 um 18:48 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wie schon letzte Woche erwähnt: Wird schon, man braucht eben Geduld! Erst wenn man nach sieben, acht Spieltagen im Schnitt so wenig an Punkten aus guter Leistung herausgeholt hat, müsste man sich Sorgen machen.

    • Daniel
      Am 14. August 2011 um 11:58 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Die Geduld muss man haben, da hast du völlig Recht. Das Abstiegsjahr hat da allerdings eine tiefe Narbe hinterlassen, die immer juckt, wenn die Gefahr einer Wiederholung eines solchen Jahres besteht. Und dass sie nach dem Spiel gegen Nürnberg gejuckt hat wie Hulle wirst du verstehen ;)

      • Am 17. August 2011 um 04:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Ja, klar verstehe ich das :) aber ich denke nicht, dass das wieder passiert. Die Hertha scheint mir stark genug für einen gesicherten Platz, irgendwo zwischen 10 und 14.

  3. Am 13. August 2011 um 23:34 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hertha war besser. Besser als letzte Woche, besser als der HSV. Aber der war auch schlechter als Nürnberg. In der Verfassung wird er enorme Probleme bekommen.

    Aber endlich mal Direktspiel im Mittelfeld und mehr Variabilität im Angriff. Ich würde sogar sagen, nicht nur die Hereinnahme von Raffael, sondern eben auch gerade die Herausnahme von Lasogga tat dem Spiel der Hertha gut. Die ständige Versuchung, den langen Ball zu spielen, war damit raus, und die Botschaft an alle Mannschaftsteile wurde deutlich: Kombiniert! Alle haben sich mehr bewegt, und insbesondere das Mittelfeld mit Ottl, Niemeyer und Ebert (Raffa sowieso) zeigte sich stark verbessert. Die standen jetzt statt des Mannes ganz vorne immer als Anspielstationen zur Verfügung. Hatten aber, wie gesagt, auch etwas mehr Platz als gegen Nürnberg.

    Wenn alle begriffen haben, dass man so spielen muss, dann kann auch ein Lasogga in guter Form wieder helfen, wie man gegen Schluss gesehen hat. Der muss den Ball aber erst einmal vor sich haben, damit er mit Wucht hineingehen kann. Und da müssen sie ihn vor allem über Außen (jaja, die alte Leier) hintragen.

    Ich glaube, es war für die Moral ungeheuer wichtig, dass Mijatovic noch den Ausgleich geköpft hat. Man sollte angesichts des schwachen HSV die Leistung der Hertha nicht überbewerten, aber die Art des Spiels und wie die Mannschaft an sich geglaubt hat, das gibt Anlass zur Hoffnung. Auch wenn ich nach wie vor skeptisch bin wegen Babbel. Aber ich lasse mich sehr, sehr gerne widerlegen.

    • Daniel
      Am 14. August 2011 um 12:00 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Genau, sie hatten mehr Platz als gegen Nürnberg. Und das ist in der Bundesliga leider nicht mehr die Regel. Ich hoffe, es werden die richtigen Schlüsse aus dem 2:2 gezogen. Wichtig jetzt: Nicht zufrieden zurücklehnen, weil man ja gezeigt hat, dass man es kann, sondern im Gegenteil: Noch viel mehr tun.

  4. Am 14. August 2011 um 11:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Dass Hertha ein ausgesprochen gutes Spiel abgeliefert hat lässt sich hier im Blog gut an der Anzahl der Kommentare ablesen. Ich traute meinen Augen kaum als ich sah wie mühelos das Mittelfeld kontrolliert wurde und sich die Mannschaft zum Teil mit gut 20 Ballkontakten in Folge in Richtung Drobny kombinierte. Es war nicht fast schon zu wenig, sondern definitiv zu wenig! Der HSV hatte bis zum 2:1 keine einzige Chance herausgespielt und kam erst zu Möglichkeiten als Babbel wechselte.

    Warum Morales für Ebert gebracht wurde habe ich allerdings nicht so ganz verstanden. In der Kneipe fehlte mir ein wenig der Überblick so das ich nicht erkennen konnte, ob positionsgetreu gewechselt wurde. Lasogga kam für meinen Geschmack etwas zu spät.

    Die kleine Überraschung bei der Verkündugung der Startelf hab ich begrüßt. Wie schon in meinem letzten Artikel erwähnt gefällt mir Lasogga derzeit überhaupt nicht. Weiter auf Torun zu setzen war mutig, aber es zahlte sich ja dann doch aus. Abgesehen vom Tor tat der Neuzugang auch sonst dem Spiel sehr gut.

    Es lässt sich natürlich immer drehen und wenden wie man will und nach jedem Spiel stellt sich die Frage, ob Hertha so gut oder der Gegner so schwach war. Beim ersten Spiel gegen Nürnberg war es ziemlich eindeutig die Schwäche von Hertha, die zur Niederlage führte, denn auch Nürnberg machte einen schlechten Eindruck. Gestern jedoch war für mich ziemlich offensichtlich, dass es an Herthas Stärke lag. Das lässt sich ziemlich einfach an der Moral festmachen. Wenn der Gegner aus nichts viel macht und man trotzdem bereit ist weiter zu spielen, Latten- und Pfostentreffer landet, dann ist das an nichts geringeren als der eigenen Leistung festzumachen.

    Für mich persönlich war die Punkteteilung in finanzieller Hinsicht auch bitter. Seit bestimmt einem halben Jahr habe ich nicht mehr gewettet, aber gesetern setzte ich aus einer Laune heraus 20 Euro auf Bayern, Schalke und Hertha zu einer Quote von knapp über 12. Jetzt weiß ich wenigstens wieder warum ich aufgehört habe zu wetten. :)

    • Daniel
      Am 14. August 2011 um 11:56 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich wette ja noch ab und zu mit kleinen Beträgen auf Unentschieden (meistens 3er Quote), allerdings lasse ich Hertha seit Jahren außen vor, weil ich da einfach nicht neutral drüber entscheiden kann. In Tippspielen tippe ich genauso lange schon immer gegen Hertha, weil sich das (mit Ausnahme des Abstiegsjahres, in dem ich erstaunlich gut war ;) ) so eingespielt hat, dass ich immer, wenn ich sicher war, sie würde gewinnen, verloren und umgekehrt. Den Ärger tue ich mir also nicht mehr an.

      • Am 14. August 2011 um 12:01 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Eigentlich wette ich auch nur ungerne auf Hertha, aber bei einer Quote von 5,8 gepaart mit zwei „sicheren“ Wetten konnte ich da einfach nicht widerstehen. :)

      • Daniel
        Am 14. August 2011 um 12:01 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Und zum Spiel: Wie hat denn Morales nach seiner Einwechselung gespielt? Hat er die kleine Chance genutzt?

  5. Andi
    Am 15. August 2011 um 06:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich war live vor Ort und muss sagen, dass sich jeder HSVler hier eigentlich entschuldigen müsste und auf allen Vieren sich bedanken müsste für den Punkt … Hertha war in 90 Minuten das dermaßen überlegen Team, dass der 1 Punkt schon schmerzt … das Mittelfeld wurde teilweise im one-touch-football überbrückt und einige Male über außen gut kombiniert … gewundert hab ich mich für Lells Flanken … die kamen ja an ? wasn DA passiert ? Kraft hat Sicherheit ausgestrahlt und bei 1 – 2 hohen Bällen souverän zugepackt … bei den Gegentoren chancenlos … er war viel Pech im Spiel – aber so ist das … wir waren uns einig, dass Hertha das Spiel vor 2 Jahren definitiv verloren hätte … Zu Morales kann ich gar nix sagen, da er zwar eingewechselt wurde, aber nicht viel zu sehen war … Lasogga trat auch kaum in Erscheinung, aber bei den paar Minütchen kein Wunder … die Leistung gegen Hannover und ich bin guter Dinge … Raffa super Spiel !!!

  6. junichi
    Am 15. August 2011 um 17:11 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Nach dem Ausgleich in der 87. ist mir nicht nur ein Stein vom Herzen gefallen. Für Mijatovic persönlich war das auch sehr wichtig.
    Zum Spiel:
    Vielleicht kapiert der Trainer jetzt endlich, dass Raffael in die Startelf gehört. Ohne ihn gehts nicht. Sowohl beim 1. als auch beim 2. Tor war er entscheidend beteiligt. Bei Sons Tor sieht die Defensive ganz schlecht aus, ansonsten guter Defensivblock. HSV war extrem schwach. Werden in dieser Runde wahrscheinlich kein so leichtes Spiel mehr haben. Ich hoffe nun inständig, dass Hertha beim viel stärkeren Hannover 96 punkten kann, um danach endlich, endlich die sagenhafte Heimschwäche in Liga 1 zu beenden. Dass Hertha das Spiel machen kann, haben sie noch nicht bewiesen. Also weitermachen!

Ein Trackback

  • Von Ohne Stürmer zum Erfolg | Hertha BSC Blog am 15. August 2011 um 09:14 Uhr veröffentlicht

    […] Hertha BSC Blog auch in der ersten Liga noch erstklassig Zu Inhalt springen Start↓ AutorenMitschreibenShopZuschauertippspielErgebnisseRegistrierenLoginLogoutHertha NewsBlogrollNewsletter↓ ImpressumKontaktDatenschutzerklärungKommentar-Regeln « 2:2 in Hamburg – fast schon zu wenig […]