8000 Kilometer für 13 Minuten

Eigentlich dachte ich, man könnte sich als Zweitligist getrost zurücklehnen, was Länderspielabstellungen und die Angst von Verletzungen eben jener bei Freundschaftsspielen auf irgendwelchen Kartoffeläckern dieser Welt angeht. Doch Hertha hat immer noch eine stattliche Anzahl dieser Auswahlspieler, die nun auf den Kartoffeläckern dieser Welt um die Gunst ihrer Nationaltrainer oder sogar um Punkte für die Europameisterschafts-Qualifikation kämpfen.

In die erste Schublade gehört ohne Frage Adrian Ramos, der mal eben über 8000 Kilometer ins venezolanische Puerta de la Cruz geflogen ist, um dort mit seiner kolumbianischen Nationalmannschaft ein Freundschaftsspiel auszutragen. Ramos spielte sagenhafte 13 Minuten beim bei seiner Einwechslung bereits feststehenden 2:0-Erfolg seines Teams. Naja, vielleicht werden ja noch zwei oder drei Spieler krank, sodass sich seine Flugmeilen auch noch sportlich ein bisschen lohnen.

Zur ersten Kategorie gehört dagegen Levan Kobiashvili, der mit Georgien beim 1:1 in Griechenland einen Punkt holte und dabei 90 Minuten durchspielte. Für ihn waren es aber auch „nur“ 1800 Kilometer bis ins griechische Piräus. Die Quote ist also deutlich besser.

Valeri Domovchiyski hatte am wenigsten Kilometer zurückzulegen, seine Bulgaren spielten in London gegen England. Für ihn lohnte sich der Nationalmannschaftstrip bisher am wenigsten: Beim 0:4 saß er 90 Minuten lang nur auf der Bank.

Dann doch lieber gar nicht nominiert werden wie Fabian Lustenberger (nach Verletzung völlig ohne Fitness), Nikita Rukavytsya (?) und Pal Dardai (Karriere dort beendet).

Rob Friend spielt heute (Samstag) Nachmittag mit seinen Kanadiern gegen Peru (bei ihm waren es „nur“ 7000 Kilometer), Ramos ist wahrscheinlich schon wiedert unterwegs nach Mexiko, wo die Kolumbianer am Dienstag das nächste „wichtige“ Freundschaftsspiel austragen. Domo „spielt“ mit Bulgarien ebenfalls am Dienstag gegen Montenegro. Und Herthas deutsche Jungnationalspieler treten am Montag in der Schweiz ebenfalls zu einem Freundschaftsspiel an.

Hoffentlich kommen sie alle heile wieder nach Hause.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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7 Kommentare

  1. Rudi Radlos
    Am 4. September 2010 um 18:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Der Interessenkonflikt zwischen Verein und Nationalteam ist in allen Profisportarten systemimmanent. Ähnliches gilt für das Verhältnis zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, wie auch zwischen evangelischer und katholischer Kirche. Vorschläge zur Mediation all dieser Konflikte sind jederzeit herzlich willkommen.

  2. Am 4. September 2010 um 18:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Anscheinend gab es sogar noch einen medizinischen Zwischenfall mit Ramos:

    http://www.immerhertha.de/2010/09/04/herzrasen-bei-ramos/

    • Rudi Radlos
      Am 4. September 2010 um 19:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Diagnose bei Ramos: Leichtes Herzrasen infolge von Mineralstoffmangel. Der Mediziner nennt dies Dehydration (nach 13 Minuten Spielzeit?).
      Yo consejo: Educion de nutricion para los deportistas de Hertha, para Ramos, Rafael y Ronny por los menos.

      • Rudi Radlos
        Am 4. September 2010 um 19:14 Uhr veröffentlicht | Permalink

        es correcto decir „Educacion de nutricion“

  3. Am 4. September 2010 um 21:56 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Zumindest was Rukavytsya betrifft, gab es laut Tageszeitungen zwar eine Einladung zur australischen Nationalmannschaft, die er aber aufgeschlagen hat.

  4. Daniel
    Am 5. September 2010 um 09:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Friend verlor mit Kanada gegen Peru mit 0:2.

    Die Sache mit Ramos war wohl halb so schlimm, aber natürlich trotzdem bedenkenswert: http://www.bild.de/BILD/sport/fussball/international/2010/09/04/sorgen-um-adrian-ramos/brustschmerzen-hertha-star-bricht-auf-dem-platz-zusammen.html

  5. Enno Enno
    Am 6. September 2010 um 09:50 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Mal von dem medizinischen Zwischenfall bei Ramos abgesehen, müssen wir jedoch froh sein, dass er diese Strapazen auf sich nimmt. Schließlich war es sein größter Wunsch, nach wie vor für die Nationalmannschaft spielen zu können. Ramos ohne Flugstress gab es für unsere Hertha einfach nicht.