Angekommen in Liga 2?

Die Frage ist beliebt bei Journalisten und auch Trainer greifen gerne auf diese Phrase zurück: Ist die Mannschaft/der Verein/der Gegner bereits in der Liga angekommen? Jetzt, sagen Trainer nach hart erkämpften Auswärtssiegen dann gerne, sind wir in der Liga angekommen. Was ist mit Hertha? Ist das Team von Markus Babbel schon angekommen im Unterhaus? Ausgestiegen aus dem Fahrstuhl in die Zweitklassigkeit?

Die Antwort ist nein, Hertha BSC ist noch nicht angekommen in Liga 2. Doch am Samstag, so gegen 15 Uhr, wenn sich der Rest der Republik so langsam auf die Bundesliga-Konferenz freut, könnte es soweit sein.

Denn am Samstag, so gegen 13 Uhr, spielt die Mannschaft nicht vor 30 oder gar 50.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion oder der Düsseldorfer Esprit-Arena und auch nicht in aufgeheizter Derby-Atmosphäre in Stadien der näheren Umgebung an. Nein, am Samstag tritt Hertha in Frankfurt. Vor circa 7000 Zuschauern im Frankfurter Volksbank Stadion (auf gar keinen Fall zu verwechseln mit der Commerzbank Arena, in der die erstklassige Eintracht spielt).

Dort entscheiden sich Aufstiege. In der (vermeintlichen) Provinz. In kleinen und engen Stadien, in denen man von der Stimmung eingelullt wird. Weil man gar nicht erwarten würde, dass dort hochklassiger Fußball gespielt wird. Und schon liegt man 0:1 hinten. Hertha hat das oft genug im DFB-Pokal erlebt. Nicht umsonst hat der FSV in dieser Saison von vier Heimspielen drei gewonnen. Gegen Düsseldorf, Bielefeld und Cottbus. Nur gegen Aachen verlor das Team von Hans-Jürgen Boysen, dessen Mitglied übrigens (und für mich überraschenderweise) Mark Stein ist. Dass Stein dort bisher nur sporadisch zum Einsatz kommt, gibt Markus Babbel recht, der gar keinen Wert mehr auf ihn legte.

Worauf Babbel nach der Verletzung von Maikel Aerts ebenfalls keinen Wert zu legen scheint, sind die Dienste von Sascha Burchert. Die BZ will erfahren haben, dass der Trainer auf den 38-jährigen Marco Sejna setzt. Auch Uwe Bremer von der Morgenpost glaubt, dass Sejna den Vorzug erhält. Hertha-Fans, die schon vor den erfolgreichen Spät-Neunzigern die Fahne auf der Brust trugen, werden sich erinnern. Damals machte er sechs Erst- und 55 Zweitliga-Spiele für Hertha, bevor er über die Stationen Ahlen, Essen, Ahlen, Union, Yesilyurt und Ingolstadt sowie die Regionalligen Nord und Süd, die Bayernliga und die NOFV-Oberliga wieder bei Hertha landete. Sejna hat also Erfahrung. Ob es allerdings das richtige Zeichen ist, den jungen Sasche Burchert schon wieder nicht zu berücksichtigen, wenn man doch in Zukunft auf ihn bauen will (will man das noch?), bezweifle ich.

Das Ganze wird aber ohnehin hoffentlich nur eine Randgeschichte bleiben. Denn wenn Hertha sich am Samstag, gegen 15 Uhr, mit einem Sieg und drei Punkten im Gepäck aus Frankfurt verabschiedet, ist Hertha immer noch nicht in der Zweitklassigkeit angekommen. Wenn Hertha am Samstag in Frankfurt gewinnt, können wir darauf hoffen, dass der Verein das gar nicht tut – und wie im Pater Noster einfach wieder nach oben fährt.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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12 Kommentare

  1. Tillet
    Am 16. Oktober 2010 um 01:42 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Kleine Anmerkung aus Bernem. Ich verstehe schon die Überschrift nicht. Wer nach sieben Spieltagen Tabellenführer ist, ist in der Liga angekommen, egal ob ihm die Liga schmeckt oder nicht. Und egal, ob man immer brilliant gespielt hat oder nicht. Aber richtig ist sicherlich, dass das Spiel beim FSV für Euch ein Härtetest sein wird. Unsere Truppe ist seit der Winterpause der letzten Saison unangenehm zu spielen.

    Was Marc Steins Rolle betrifft, täuschst Du Dich völlig. Der hat bisher kaum gespielt, weil er spät verpflichtet wurde und mit Verletzungen zu kämpfen hatte. Von seinen fussballerischen Fähigkeiten her zählt er zu den begabtesten Bernemern (so viel zum Unterschied zu Euch. Was nicht so überraschend ist, wir müssen mir einem Etat auskommen, der nicht viel mehr als ein Zehntel Eures Luxusetats ausmacht). Wenn Stein fit ist, spielt er. Er wurde übrigens letzte Woche in der Innenverteidigung getestet, wo er auch eine gute Figur machte.

    Über den Pater Noster braucht Ihr Euch keine Sorgen zu machen. Wer mit Eurer Mannschaft nicht aufsteigt, sollte sich vom Spielbetrieb abmelden. Ich könnte mit aber trotzdem vorstellen, dass Ihr am Bornheimer Hang heute ein paar kleinere Probleme bekommen werdet-;(

  2. Daniel
    Am 16. Oktober 2010 um 10:17 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Danke für die Einschätzung :)

    Wie gesagt: Ich will gar nicht, dass wir ankommen. Ich will direkt durchfahren. Dass das mit diesem Etat selbstverständlich ist, mag stimmen, aber Fußball ist ja nicht nur Geld und Spielermaterial, da sind schon ganz andere gescheitert.

    Was Mark Stein betrifft habe ich keine Verletzungsmeldungen gefunden, gebe aber zu, dass meine einziger Helfer gestern Abend die Google-Suche und der sonst eigentlich zuverlässige Transfermarkt-Status waren. Und da er bisher am 2. und 7. Spieltag nur eingewechselt wurde, hab ich mich da ein bisschen zu sehr drauf verlassen. Trotzdem hat Babbel ja dann doch wieder alles richtig gemacht, weil du auf ständig verletzte Spieler natürlich keinen Wert legen kannst.

    Ich freue mich jedenfalls auf das Spiel und hoffe drauf, dass ihr uns ein paar Probleme bereiten werdet. Sonst ist Fußball schließlich langweilig. Ich gehe aber davon aus, dass Hertha diese Probleme natürlich lösen wird.

  3. herthawolf
    Am 16. Oktober 2010 um 10:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die zweite Liga ist derzeit ein Rampenlicht für gute Torhüter, sich auszeichnen zu können. Bestes Beispiel gestern abend: Männel von Aue (9 Paraden zu meinem Leidwesen!). Warum hier so viele Nachschusslorbeeren an Sascha Burchert verteilt werden, weiß ich nicht. Als ich den das erste Mal im Herthakasten beim Freundschaftsspiel Juli 09 an der Alten Försterei beobachten konnte (stand direkt eine Halbzeit lang hinter seinem Tor), sah ich viele Unsicherheiten, so dass mich das Spiel gegen den HSV nicht weiter verwunderte. In jedem Falle ist Aerts ein guter Arzt zu wünschen, denn wir brauchen ihn bald wieder.

  4. Tillet
    Am 16. Oktober 2010 um 11:22 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Zum Thema Stein hättste Du besser hier recherchiert:

    http://www.bornheimer-hang.de/?p=553

    Es wurde dann etwas länger als acht bis vierzehn Tage. Ich gehe aber davon aus, dass er gleich spielt, zumindest aber eingewechselt wird.

  5. Am 16. Oktober 2010 um 14:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Angekommen! Jetzt gleich weiter! :)

  6. Schoddie
    Am 16. Oktober 2010 um 14:53 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Da ist er wieder, der Bayern äh Hertha-Dusel! :)
    Aber egal, Haken dran und weiter geht’s.

    • Anonymous
      Am 16. Oktober 2010 um 21:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Neee nee Du das ist nicht Bayern äh Hertha Dusel, wer bis zum Schluss den Abschluss sucht kann das Tor erzielen. Ich muss aber zugeben das vom Chancenverhältnis (gefühlt und vermutlich auch tatsächlich) Hertha auch mit einer Niederlage sich absolut zufrieden geben hätte müssen.

      Hoffe sie schaffen es gegen Greuther und können dann auch spielerisch die Führung behaupten.

      Vielleicht klappte es ja, wenn auch wieder Djuricin und Co wieder ins Team dazustossen, wobei Babbel verstehen kann das er an Friend festhält.

      Warten wir auf:
      Lusti
      Beichler
      Ebert
      Lasogga

      Auf das es reicht und wir nur zu Gast sind für diese Saison… :-)

  7. Enno Enno
    Am 17. Oktober 2010 um 10:54 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich habe das Spiel ja leider nicht sehen können und habe stattdessen eine elendig zähe Odyssee durch die niedersächsische Pampa hinter mir. Allerdings habe ich den Spielbericht und eine 70-sekündige Zusammenfassung des Spiels gehabt und muss wohl zu dem Schluss kommen, dass das Spiel nicht unbedingt die bessere Unterhaltung gewesen wäre.

    Man muss diese Spiele in Frankfurt auf genau diese Art und Weise gewinnen, um souverän aufzusteigen. Hertha scheint mir auf einem guten Weg zu sein.

    • Am 17. Oktober 2010 um 14:33 Uhr veröffentlicht | Permalink

      dass das Spiel nicht unbedingt die bessere Unterhaltung gewesen wäre

      Dem war definitiv so. Wenn man sich anschaut, was für Gurkenpässe und Stockfehler die Hertha am laufenden Band produziert hat, kann einem das nackte Grausen kommen. Wäre ich Trainer, hätte ich z.B. Ramos spätestens in der 60. Minute wegen erwiesener Unfähigkeit ausgewechselt. Zum Glück für alle Beteiligten bin ich’s nicht…

      Aber (und zwar ein großes): Die Frankfurter haben davon nicht profitieren können, weil die Abwehr trotz zeitweisen Dauerdrucks aufgrund leichtsinnig im Mittelfeld vertändelter Bälle gut stand und auch der neue alte Keeper Sicherheit ausstrahlte. Und das will was heißen, denn der FSV hat durchaus spielerische Qualität, insbesondere dieser Gjasula kann an einem guten Tag eine Abwehrreihe allein in die Verzweiflung treiben.

      Und dann zeigt Lell eben wieder einmal, dass er bei Bayern gelernt hat, gute Flanken zu schlagen, und Ramos beweist dem verhinderten Cheftrainer Rayson, wie hoch er springen kann. Inklusive des Passes auf Lell (weiß gar nicht mehr, von wem der kam) drei geniale Momente, die andere Zweitliga-Mannschaften nicht so mal eben hätten produzieren können.

      Luft nach oben ist dann auch noch genug…

  8. Daniel
    Am 17. Oktober 2010 um 21:07 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Bei mir hätte Domo die 60. nicht überlebt.

    Und der überragende Pass kam – wenn ich mich nicht völlig irre (ich hab die Szene dreimal gesehen und jedesmal bis auf einmal den Pass knapp verpasst) vom eingewechselten Perdedaj. Also hat Babbel auch da alles richtig gemacht.

  9. Tillet
    Am 18. Oktober 2010 um 00:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Und das will was heißen, denn der FSV hat durchaus spielerische Qualität, insbesondere dieser Gjasula kann an einem guten Tag eine Abwehrreihe allein in die Verzweiflung treiben.“

    Truly so. Leider hat der Jürgen nicht immer gute Tage. Am Samstag habe ich allerdings bei seinem ersten Freistoss eine Hertha-Hand im Strafraum am Ball gesehen. Aber egal. Gegen die Bayern des Unterhauses muss man wohl mit so eínem Spielverlauf leben. Auch wenn es weh tut.

  10. Oliver
    Am 19. Oktober 2010 um 13:30 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ja, dieser Jürgen Gjasula war auffällig. Eigentlich darf es ja solche Spieler im „modernen“ Fußball gar nicht mehr geben, die das ganze Spiel an sich ziehen. Ich habe überlegt, an wen mich diese Spielweise erinnert hat und schon fiel es mir ein: Marcelinho. Deshalb hat ihn Magath bei Wolfsburg aussortiert. Hätten Frankfurts Spieler die Ruhe und Abgeklärtheit Marcelinhos vor dem Tor gehabt, wäre Hertha 0:5 untergegangen. Dafür werden auch FSV-Frankfurt-Spieler nach wie vor zu gut bezahlt, daß sie frei vor dem Torwart diesem Kullerbälle in die Arme spielen, ohne vorher nur einmal die Größe des Tores ins Visier zu nehmen. Aber gut für Hertha, daß es so ist.