Bayerischer Singsang an der Spree

Sports News - December 01, 2008
Heute Mittag habe ich noch überlegt, ob ich einen Artikel schreibe, in dem ich mich mit den Fehlern der vergangenen Saison beschäftige oder ob ich in einem Beitrag über mögliche Trainerkandidaten philosophiere. Ich habe mich für die Analyse entschieden, weil das erstens die Grundlage für die Bewertung weiterer Entscheidungen ist und weil ich keine Lust hatte über Spekulationen zu schreiben.

Nun ist Schluss mit dem Gerate. Markus Babbel wird neuer Trainer bei Hertha BSC. Gleich vorweg möchte ich sagen, dass ich diese Personalentscheidung begrüße, wenngleich ich sie nicht umfassend beurteilen kann. Grundsätzlich denke ich, dass Markus Babbel viel mitbringt, um ein guter Trainer zu werden. Er hat in Stuttgart bewiesen, dass er erfolgreich arbeiten kann. Allerdings ging seine persönliche Doppelbelastung von Trainingsarbeit und Trainerausbildung zu Lasten des sportlichen Erfolgs des VfB Stuttgart (Was im Übrigen kein Einzelfall war. So „überlebte“ einzig und allein Holger Staniwlaski die Trainerausbildung in einer aktiven Anstellung als Fußballleherer).

Ich werde jetzt erst einmal Erkundigungen über die Trainingsarbeit, Konzepte und Merthoden einholen müssen, mit denen Babbel beim VfB Stuttgart gearbeitet hat. Da er aber aus der Stuttgarter Schule und den Trainingsarbeiten von Armin Veh kommt, bringt er zumindest nicht die schlechtesten Gene mit.

Viel wichtiger für eine erste Bewertung ist für mich jedoch ein ganz anderer Aspekt. Im Gegensatz zu Lucien Favre beispielsweise hat sich Markus Babbel respektvoll und aufrichtig von seinem Arbeitgeber verabschiedet und dabei überregional Anerkennung erfahren:

Was von Markus Babbel bleiben wird, ist sein Abschied: Wie er sich am Sonntagabend in Stuttgart vor die Presse setzt, um sich von Verein und Journalisten zu verabschieden. Wie er Verständnis für die Entscheidung aufbringt, ihn zu entlassen. Vor allem, wie er die Diskussion um Moral und Anstand in der Liga, die nach dem Tod Robert Enkes aufgekommen war, als Heuchelei entlarvt. (…) Er wird jetzt seinen Trainerschein in Köln machen, doch schon jetzt lässt sich sagen, dass der Job in Stuttgart nicht sein letzter gewesen sein wird. Aus ihm kann ein guter Trainer werden, das hat dieser Abschied gezeigt.

Man muss diese Einschätzung nicht in ihrer gesamten Konsequenz teilen. Ich finde beispielsweise, dass das Thema Enke damals auf zu vielen Kanälen für zu viele Zwecke instrumentalisiert wurde und man auch in diesem Fall Bedenken anmelden konnte. Darum geht es mir an dieser Stelle jedoch nicht. Es geht darum, dass es Markus Babbel gelungen ist, einen Abschied hinzulegen, der ernsthaft und uneitel rüber kam. Es gehört ein gutes Stück Persönlichkeit dazu, um solch einen Auftritt authentisch und unaufgeregt rüber zu bringen.

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Persönlichkeit ist das Stichwort, das mich an dieser Personalie am meisten fasziniert. Babbel hat als Spieler und als Trainer Charakter gezeigt. Er ist jung, hat Ziele und bringt sicherlich Ideen und Perspektiven mit nach Berlin. Er wird die Willensstärke und die Durchsetzungskraft haben, die es in der überdrehten Medienlandschaft der Hauptstadtpresse braucht. Ich bin sehr zuversichtlich, dass Markus Babbel nicht nur erfolgreich bei Hertha agieren wird, sondern das Bild der alten Dame prägen wird.

Er wird nicht viel Zeit bekommen, um sich auf die Aufgabe vorzubereiten. Schon ab Montag müssen weitere Transfers entschieden werden. Babbel wird sich also sofort positionieren und einbringen müssen. Ich wünsche ihm dabei viel Erfolg und heiße ihn herzlich willkommen! Nur an den bayerischen Singsang werde ich mich noch gewöhnen müssen…

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  • Wer hat das geschrieben?

    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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21 Kommentare

  1. Am 16. Mai 2010 um 16:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Also ich hab gerad noch im Radio gehört, dass noc gar nichts entschieden ist und dass Hertha mitgeteilt hat, dass die Infos aus der Bild falsch sind! O_o

    • Enno Enno
      Am 16. Mai 2010 um 16:50 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Selbst der Kicker vermeldet mit Bezug auf eigene Informationen die Verpflichtung von Babbel (Zweijahresvertrag) und seinem Assi Rainer Widmayer. Dann ist da in der Regel mehr dran als nur Bild-Spekulationen.

      • Am 16. Mai 2010 um 16:55 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Wie gesagt,das hab ich vor ner knappen Stunde auf Inforadio gehört!
        Kann ja in der Zeit schon einiges passiert sein ;)

        • Enno Enno
          Am 16. Mai 2010 um 17:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

          Der Tagesspiegel schreibt, dass der Verein die Verpflichtung bestätigt hätte. Damit ist es „offiziell“. Vorstellung dann Montag oder Dienstag.

          Bei Hertha weiß scheinbar die eine Hand häufig nicht so recht, was die andere Hand gerade macht. Der eine unterschreibt Verträge, der andere dementiert…

  2. Am 16. Mai 2010 um 17:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Babbel ist sicher ein guter Trainer, und ganz gewiss eine integre Persönlichkeit, aber »die Willensstärke und die Durchsetzungskraft haben, die es in der überdrehten Medienlandschaft der Hauptstadtpresse braucht«, das halte ich für gewagt.

    Immer, wenn ich von Babbel lese, habe ich ein altes Bild vor Augen: Das war ein Pokalspiel in Fürth, Stuttgart befand sich in einer sehr verzweifelten Phase der damaligen Leistungserosion. Babbel hatte resigniert, noch nie zuvor habe ich einen dermaßen frustrierten Trainer gesehen. Ich glaubte, in seinem Verhalten, auch seiner Körpersprache, zu lesen: Der Mann war beleidigt, der fühlte sich von seiner Mannschaft verraten.

    Ob das nun tatsächlich eine richtige Interpretation ist, sei dahingestellt, sie würde bedeuten, dass er noch zu jung in seinem Beruf ist, und zu nah an seiner eigenen Karriere als Spieler. Da fehlt die notwendige Distanz. Zu beobachten war eine solche Haltung in ähnlicher Situation beispielsweise auch bei Dariusz Wosz in Bochum.

    Dass ich mich irre, das würde ich Babbel gönnen, und der Hertha.

    • Enno Enno
      Am 16. Mai 2010 um 17:08 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Der Einwand ist sicherlich berechtigt. Es deckt sich mit der Skepsis, die aus mangelnder Erfahrung resultiert. Die kann er als junger Trainer nicht mitbringen.

      Es wird sich zeigen, ob er durch sein Engagement beim VfB, durch das Absolvieren des Trainerscheins und seiner Auszeit dazu gelernt hat. Ich bin in diesem Falle (zweck-)optimistisch eingestellt.

  3. Mirko030
    Am 16. Mai 2010 um 18:42 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Also ich finde die Entscheidung pro Babbel genau die richtige. Er ist Jung und hat, wenn auch nur kurz, ein Mannschaft erfolgreichtrainiert. Das solche eine Doppelbelastung und damit auch eine Abwesenheit beim Training nicht von Vorteil ist haben ja schon mehrere mitbekommen.

    Ein Vorteil von Babbel ist auch, dass er unverbraucht ist. Vielleicht kann er ja eine neue Ära bei Hertha einleiten so wie einst Jürgen Röber. Vielleicht kann er ja auch eher mit den jungen Spieler als mit den älteren.

    Meines erachtens ist es für sollte man ihm auch Zeit geben. Auch wenn der sofortige Wiederaufstieg nicht klappt. Es braucht nun mal Zeit ein funktionierendes Team aufzubauen (auch wenn einige Stützen bleiben sollte). Ich denke das er bei den Spielern auch genügend Respekt und Ansehen aufgrund seiner jahrelangen Erfahrung.

    Des Weiteren betrachte ich seine Verpflichtung als ein Zeichen an die nach unter Vertrag stehenden Spieler, vielleicht doch bei Hertha zu bleiben und so für den sofortigen Wideraufstieg zu sorgen. Vielleicht bleiben ja dann doch noch ein paar Spieler, die auf solch ein Zeichen gewartet haben. Mit Hubnik, Kobi und Lusti hat Preetz ja schon nen guten Anfang gemacht. Übrigends finde ich es nicht so schlecht, dass Drobny geht. Er hat bei der Mannschaft zum Schluss einfach zu viel Porzellan zerschlagen. Auch wenn es sportlich sicherlich ein Verlust sein wird.

  4. Chuk
    Am 16. Mai 2010 um 19:59 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wenn ich mal aus einem anderen Forum zitieren darf …

    „Eine sehr, sehr gute Entscheidung!
    Wenn wir davon ausgehen, dass es bei der Trainerwahl niemals eine eingebaute Erfolgsgarantie gibt

    und

    wenn wir sehen, welche Fehler an dieser Stelle möglich gewesen wären…

    dann

    haben wir unter allen hier angesichts unserer Lage und aller bereits genannten zu berücksichtigenden Gesichtspunkten tatsächlich die beste Wahl getroffen.“

    • Mirko030
      Am 16. Mai 2010 um 20:10 Uhr veröffentlicht | Permalink

      @Chuk: Ich stimme Dir da voll und ganz zu.

  5. Am 16. Mai 2010 um 21:14 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wenn die Entscheidung als beste Wahl erachtet wird stellt sich mir die Frage, welche Wahlmöglichkeiten des denn gegeben hat.
    Die Person Babbel hat den großen Vorteil, dass man sie mit viel Hoffnung beladen kann. Er war eine Weile erfolgreich und seine Entlassung lässt sich mit der Trainerausbildung begründen. Ob es das trifft oder nicht weiß man nicht, ist aber auch nicht mehr wichtig.

    • Enno Enno
      Am 16. Mai 2010 um 21:57 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Das ist doch großartig! Die gleichen Voraussetzungen, die Magath mit auf Schalke gebracht hat.

  6. Tanja*
    Am 16. Mai 2010 um 21:35 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Also ich kann nur aus dem Bauch herraussagen, dass ich die Entscheidung für Babbel nicht gut finde, er hat keinerlei Erfahrung in der 2. Liga als Trainer. Man darf sich nichts vormachen in der zweiten Liga geht es viel mehr um das kämpferische beim Spiel. Ich hoffe mein Bauchgefühl trügt, aber da ich Preetz in seinen Entscheidungen in keiner Weise vertraue bin ich sehr, sehr skeptisch…

    • Enno Enno
      Am 16. Mai 2010 um 21:57 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Dass du skeptisch sein würdest, wundert mich nicht. Zumal du die selbsterfüllende Prophezeiung ja selbst aufschreibst: Jede Entscheidung von Preetz wird bei dir Skepsis auslösen. Das bringt uns allerdings auch nicht weiter, weil es zu Preetz keine Alternative gibt. Zumindest habe ich von dir noch keine lesen können.

      • Mirko030
        Am 17. Mai 2010 um 12:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

        selbsterfüllende Prophezeiung: Das ist sehr gut Enno.

        Ich stimme dir da auch voll und ganz zu, dass Tanja, solange sie so negativ über Preetz denkt, auch alle Entscheidungen von Ihm negativ sehen wird. Für mich war Babbel die einzig wahre Lösung, da alle anderen Trainer, welche zur Auswahl standen nicht wirklich eine Chance in der Berliner Medienlandschaft gehabt hätten. Er kennt das aus seiner Zeit als Bayernspieler und wird entsprechend mit den Medien umgehen. Jeder andere genannte Kandidat wäre doch gleich bei der ersten Niederlage daran gescheitert.

  7. Oliver
    Am 17. Mai 2010 um 04:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Das wird ja jetzt schon fast zu einer Wahnvorstellung, Tanja, eine Entscheidung grundsätzlich anzuzweifeln, nur weil sie von Preetz kommt. Da wirst du mit deiner Skepsis noch sehr beschäftigt sein, alle was jetzt kommt, kommt von Preetz, vielleicht kannst du mal zu einer positiveren Einstellung finden.
    Ich finde die Verpflichtung von Babbel großartig und er ist bestimmt auch für die zweite Liga, die kleine Klopperliga mehr ist, der richtige Mann. Er ist eine Kämpfernatur, darum war er in England auch so beliebt und ehrgeizig genug, um seine mangelnde „Erfahrung“ mit der zweiten Liga durch seine anderen Qualitäten wettzumachen. Das ist der beste Trainer, den Hertha kriegen konnte. Ich will keinen Trainer mit Stallgeruch aus der zweiten Liga, das hatten wir gerade.
    Seine Abschiedsstellungnahme in Stuttgart ist in der Tat bemerkenswert, vielleicht sollten sich das auch noch mal die Ostkurven-Ultras anhören.
    Und Enno, in München ist man von Berlin aus ja auch genauso schnell wie im Ruhrgebiet, in zweieinhalb Stunden sogar schon in Franken, also im süddeutschen Sprachraum schneller als in Bielefeld, das sollte uns also nicht fremd sein.

  8. streiflicht
    Am 17. Mai 2010 um 11:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Babbel bei der Alten Damen zu installieren ist eine weise Entscheidung.
    Aus vielerlei Gründen, die hier bereits genannt wurden. Er ist ein Winner, ein Kämpfer, intelligent, eloquent, erfahren. Jung und unverbraucht. Ein bischen Jogi und Favre und ein bischen Meyer.

    Ein Bayer in Berlin! HOHO. Erst auf den zweiten Blick erkennt man die Möglichkeit die Babbel mitbringt, Hertha auch bei der dringenden Identitätsfindung zu helfen.
    Ein wichtiger Aspekt, finde ICH. Und hoffen wir, dass es gelingt.

    • Oliver
      Am 17. Mai 2010 um 11:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Mit Erich „Ete“ Beer hatten wir schon mal einen sehr populären beliebten Bayern, genauer Oberfranken, bei Hertha, das geht also. Und jetzt kommt sogar ein echter ehemaliger Bayernspieler, vorher hat das ja nur mit Hoeneß geklappt. Und da die Bayern gerade zu Fussballlieblingen der Nation aufsteigen, passt es sowieso. Außerdem war Babbel früher aufgrund seiner Intelligenz schon einer der sympathischen Bayernspieler.

      • streiflicht
        Am 17. Mai 2010 um 12:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Ja, mir gefällt der Gedanke an Babbel.

        Soll er mal schön sein Siegergen hier implantieren und Herthas rampuniertes Image aufpolieren. Ich halte ihn für so aufgeschlossen und loyal, dass er auch sein Herz mitbringt.

        Ergo: Passt!

  9. alexander
    Am 17. Mai 2010 um 17:30 Uhr veröffentlicht | Permalink

    ich freu mich auf babbel :)

  10. Best-Berliner
    Am 17. Mai 2010 um 17:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Lass uns in die 1. Liga babbeln!
    Bin eigentlich immer verärgert über Preetz Handeln, aber den Babbel zu holen, ist schon ne gute Nummer. Wenn man sich seine Profikarriere ansieht, ist er auf jedenfall ein Kämpfertyp. Kann der „Alten Dame“ nur gut tun! Sympathisch ist er auch noch und das sage ich sehr selten über einen Bazi.
    Ich denke so einen brauchen wa.

  11. Chuk
    Am 17. Mai 2010 um 20:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Na das ist doch mal ein guter Einstieg. Da sagt Babbel gerade in der Abendschau (genauen Wortlaut kriege ich nicht mehr zusammen, aber so in etwa): Es ist wichtig gleich gut zu starten, um eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Es muss Kult sein, 70.000 Leute gegen Paderborn im Stadion zu haben!!
    Na also, auf geht’s Hertha!

    Btw. Kobi. und Hubnik bleiben – bisher muss ich Preetz mal ein Lo … nee, ich warte damit mal lieber, man soll ja schließlich den Tag nicht vor dem Abend loben. Aber die Richtung stimmt.

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  • Von Menschen und Maßstäbe | Hertha BSC Blog am 3. Juni 2010 um 11:20 Uhr veröffentlicht

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