Berolinum Berlin gegen Wormatia Worms

Vereine mit Supernamen: MTV Alrebekesa Ahnsbeck, Olympia Bocholt und definitiv auch: Wormatia Worms. Das ist nicht despektierlich gemeint, im Gegenteil: Unter den ganzen VfBs, TSGs und FCs heben sich andersartige Vereinsnamen wohltuend aus der Masse ab. Bei Wormatia Worms mag es für Lateinkenner zwar ein wenig komisch anmuten, dass sich ein Verein übersetzt “Worms Worms” nennt – Hertha würde ambivalent äquivalent dazu Berolinum Berlin heißen – aber solche Namen deuten heutzutage nunmal mehr als deutlich auf eines hin: Tradition.

Ja, Wormatia Worms ist ein Traditionsverein, 1908 in einer Gaststätte mit dem schönen Namen “Hopfenblüte” gegründet, später Gründungsmitglied der zweiten Bundesliga und irgendwann so sehr in finanziellen Problemen ertrinkend, dass der Verein sich in der fünften Liga wiederfindet. Dafür hat der Klub aber ein großartiges Wappen.

Ein paar Jahre zuvor kommt es außerdem zu einem legendären Aufeinandertreffen mit Hertha BSC. Im DFB-Pokal 1978/79 schafft der damalige Zweitligist gegen den hohen Berliner Favoriten in Worms ein 1:1. Das Heimrecht wird dadurch umgekehrt, Hertha muss in einem Wiederholungsspiel in Berlin noch einmal ran. Das Problem: Da die Berliner mit diesem Spiel nicht geplant haben, fehlen zahlreiche Spieler (aus welchen Gründen auch immer). Während die Wormser auf dem Weg ins Olympiastadion sind, erhalten sie die Nachricht: Das Spiel fällt aus. Angeblich sei das Notstromaggregat des Stadions kaputt gegangen. Ein Zusammenhang mit der Spielerarmut wird von Hertha natürlich dementiert. Der Tagesspiegel titelt am Tag danach: “Schmierentheater.” Das später angesetzte Spiel gewinnt Hertha – in Bestbesetzung (und trotzdem knapp) – mit 2:0. Die ganze Geschichte hat die Fußball-Woche aufgeschrieben.

Die Wormser haben also noch eine Rechnung offen mit Hertha. Die Mannschaft von Trainer Ronald Borchers hat allerdings derzeit – genauso wie das aktuelle Hertha-Team – mehr mit sich selbst zu kämpfen. Die als Mitfavorit um den Aufstieg in die dritte Liga gestarteten Wormser haben nach zwei Spieltagen erst zwei Punkte auf dem Konto. Genau wie Hertha sind sie mit einem eher ernüchternden 2:2 in die Saison gegangen. Bekannte Spieler sucht man bei den Wormaten vergebens. Die Favoritenfrage im sonntäglichen DFB-Pokalduell ist auch deshalb völlig überflüssig.

Hertha muss sich durchsetzen, nicht nur für Fans und Öffentlichkeit, sondern vor allem für sich selbst. Für die Stimmung in der Mannschaft. Für den Glauben an die eigene Stärke. Man macht nichts falsch, wenn man das Luhukay-Team derzeit als angeknockt bezeichnet. Ein klarer Sieg gegen den Regionalligisten würde moralisch gut tun. Aufrichten muss sich die Mannschaft dann gegen Regensburg – ebenfalls selbst.

Jos Luhukay hat mit seiner Ansprache nach der Niederlage in Frankfurt ein bisschen Porzellan zerschlagen. Nachdem, was ich danach von einigen Spielern (unter anderem auf Facebook von Peter Niemeyer und Änis Ben-Hatira) gelesen habe, scheinen die Spieler es wieder zusammensetzen zu wollen. In der vergangenen Saison hätten sie noch eine Vase hinterher geworfen. Aber geredet wurde in Berlin ja schon immer eine ganze Menge. Sonntag, 14.30 Uhr in der EWR-Arena in Worms – so sie eine ganz nette Haupttribüne haben – muss die Mannschaft zeigen, dass sie die Worte des Trainers tatsächlich ernst nimmt.

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    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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8 Kommentare

  1. Halblinks
    Erstellt am 16. August 2012 um 12:16 | Permanent-Link

    das immer wieder “gerne” missbrauchte Hertha BSC Berlin geht ja in die gleiche Richtung des Namen-Doppelgemoppels.

    Man kann nur für Luhukay hoffen, dass die Mannschaft nicht “in alter Tradition” das “Frühe-Runden-DFB-Pokal-Desater”-Programm abfährt. Denn dann stellt sich die Frage, was die Steigerung von zwei Tagen Gardinenpredigt noch sein kann.
    Diesbezüglich dürfte er sofort das Maximalprogramm abgezogen zu haben, ohne eine realistische Chance auf Steigerung ;-)

  2. Josh
    Erstellt am 16. August 2012 um 12:24 | Permanent-Link

    “Das Heimrecht wird dadurch umgekehrt, Hertha muss in einem Wiederholungsspiel in Berlin noch einmal ran. Das Problem: Da die Berliner mit diesem Spiel nicht geplant haben, fehlen zahlreiche Spieler (aus welchen Gründen auch immer). ”

    Das klingt einfach in allen Facetten nach Hertha BSC ;)

  3. Fußballfreund
    Erstellt am 16. August 2012 um 22:59 | Permanent-Link

    es müsste “äquivalent” und nicht “ambivalent” heißen…ansonsten ein schöner beitrag – danke!

    • Daniel
      Erstellt am 17. August 2012 um 08:29 | Permanent-Link

      Nächstes Mal benutz ich einfach ein deutsches Wort. Danke für Hinweis und Lob ;-)

  4. Erstellt am 17. August 2012 um 19:02 | Permanent-Link

    Ich bin mal so frei und verweise auf meinen Blogbeitrag zum Spiel: http://rheintal.blog.de/2012/08/12/hertha-warten-14468294/
    Da habe ich auch eine PDF hinterlegt mit allen Zeitungsartikeln zur damaligen Pokalbegegnung :-)

    Grüße aus Worms

  5. Ludwig
    Erstellt am 19. August 2012 um 14:24 | Permanent-Link

    DFB-Pokal 1.Runde oder “Alles wie immer”

  6. xyz
    Erstellt am 19. August 2012 um 17:08 | Permanent-Link

    OMG Hertha ist einfach nur noch peinlich! Hertha und Pokal hat noch nie gepasst außer bei den Bubis. Wie gut das ich demnächst austrete frag mich nur warum ich mir wieder ne Dauerkarte geholt habe – war wohl ne alte und liebgewordene Marotte – warum weiß nur der Wind… Immer wieder traurig – Hertha könnte ein neues Club Philosophie heißen oder doch gleich: Einfach muß peinlich!

  7. Sebastian
    Erstellt am 19. August 2012 um 17:29 | Permanent-Link

    Cool. Nach jahrelanger Arbeit rege ich mich mittlerweile nur noch ne gute halbe Stunde tierisch auf ;)…

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