Blick über den Kurvenrand #2

Hertha verliert mit 1:3 am Bornheimer Hang gegen den FSV Frankfurt. Dort feiert man zurecht die “erste handfeste Überraschung der Saison” (Hessischer Rundrunk online) oder, eine Nummer kleiner, den Sieg “gegen den großen Aufstiegsfavoriten” (FAZ).

Der Hessische Rundfunk sucht auch nach Gründen für den Frankfurter Sieg und findet sie vor allem in einem taktischen Kniff des Trainers:

Benno Möhlmann hatte vor dem Duell mit den Hauptstädtern eigens die taktische Ausrichtung geändert: Manuel Konrad, Yannick Stark und Moise Bambara machten im Mittelfeld das Zentrum dicht, davor wirbelten mit Michael Görlitz, Odise Roshi und Edmond Kapllani drei Offensivkräfte. (…) Im Testspiel unter der Woche gegen Bayer Leverkusen (1:7) waren die Bornheimer im gewohnten System mit zwei Spitzen noch ins offene Messer gelaufen.

Michael Helms von der Frankfurter Neuen Presse erkannte, dass die Frankfurter den knapp 7000 Zuschauern “keine fußballerischen Delikatessen präsentiert” hatten, dafür aber die von Jos Luhukay bei seiner Mannschaft so vermissten Tugenden an den Tag legten:

…mit viel Kampf, einer beeindruckenden Laufarbeit, viel Geduld und auch einer gehörigen Portion Glück haben die Bornheimer den großen Aufstiegsfavoriten in die Knie gezwungen, am Ende verdient mit 3:1 (0:1) gewonnen und sind in diesem Jahr im Frankfurter Volksbank Stadion weiterhin unbesiegt.

Ingo Durstewitz vom FSV-Blog der Frankfurter Rundschau nutzte für seinen kurzen Bericht Adjektive wie “erstaunlich” und “unglaublich”, kam aber zu einem wenig überraschenden Schluss:

Ein unerwarteter, letztlich aber nicht mal unverdienter Erfolg.

Die Bestnote vergibt Durstewitz für das Spiel gegen Hertha an Verteidiger Tim Heubach, über den er dann auch für die Frankfurter Rundschau eine eigene Geschichte gemacht hat. Heubach hat nämlich vor nicht allzu langer Zeit noch mit Elias Kachunga zusammen bei Borussia Mönchengladbach gespielt. Der Artikel beschreibt die Szene, in der Kachunga plötzlich frei auf Keeper Patrick Klandt zulief – und von Heubach noch eingeholt wurde.

„Ich dachte nur, das darf jetzt nicht wahr sein. Wenn der reingeht, kann ich mir für immer irgendwelche Sprüche anhören.“ (…) Hinterher tauschten sie die Trikots und flachsten. „Wir bleiben Freunde“, sagte Heubach grinsend.

Zum Grinsen war bei Hertha nach der Pleite niemand aufgelegt. Im Gegenteil. Jos Luhukay hatte ja schon kurz nach dem Spiel ordentlich Dampf abgelassen. Doch die Berliner Morgenpost (ist es so schwer einen Autorennamen auch online zu nennen?) weiß: “Luhukay hat sich nach Hertha-Debakel noch nicht beruhigt.

“Die Probleme liegen tief”, analysierte Luhukay später. Die Mannschaft habe in der Vergangenheit viele Niederlagen verkraften müssen, “viel Negativismus” sei zu spüren.

Auch Jörg Leopold und Stefan Hermanns vom Tagesspiegel sehen bei Luhukay einen Kampf mit der düsteren Vergangenheit.

Seine Mannschaft sei mental noch nicht so stark, wie er es gedacht hätte, so Luhukay weiter. Dabei ist der Holländer nach dem Abstieg auch deshalb als Trainer verpflichtet worden, weil er einen neuen Geist der Stärke in die Mannschaft bringen sollte. Am Sonntag zeigte sich, dass dies eine höchst anspruchsvolle Aufgabe für Luhukay werden wird.

Uwe Bremer vom Morgenpost-Blog immerhertha.de findet “es richtig, dass der Trainer schon zu diesem frühen Zeitpunkt so deutlich wird.”

Und sich nicht an der Elfmeter/Roten-Karten-Entscheidung entlang hangelt. Es geht um ein Phänomen, das in Berlin ja nur bei Fußball-Profis anzutreffen ist (nicht aber bei Journalisten,  Commentaristi oder Hauptstadt-Bewohnern ;-) ) – um Überheblichkeit, um eine wenig realistische Selbsteinschätzung.

Der Linienrichter vom Schiedsrichtergespann hat eine Hertha gesehen, die sich “wie eine Gurkentruppe” präsentiert habe und hadert mit den Geistern der Vergangenheit, die noch gar nicht so lange her ist.

Das ein junger Abwehrspieler einen Fehler macht, der dann leider zu einem Gegentor führt, ist absehbar und gehört zum Lernprozeß. Aber warum der junge Torwart eine Fehlerkette initiiert, in der das Gegentor noch durch einen sinnlosen Platzverweis erweitert wird, ist klassisch Hertha BSC der Abstiegssaison.

Auch Marxelinho weiß, dass junge Spieler Fehler machen dürfen. Er glaubt aber (ähnlich wie ich, denn das Nico Schulz da hinten verschenkt ist, habe ich auch schon erwähnt), dass sie auf den falschen Positionen spielen.

Vernünftige Mannschaften stellen die unerfahrenen Kräfte auf Positionen, auf denen sie nicht unter sich sind. Hertha aber beginnt die Saison mit einem Fehlerblock.

Dieser Fehlerblock hat sich dann bis zum Torhüter durchgezogen. Dabei wollte sich Sascha Burchert doch endlich einmal von seiner guten Seite zeigen, das hat er zumindest vor der Saison Dominik Bardow vom Tagesspiegel erzählt. Seine Leistungen in den ersten vier Spielen sollten auch dafür sorgen, dass die Leute nicht immer wieder dieser Geschichte vom Spiel gegen den HSV auskramen, wenn der Name Sascha Burchert fällt. Ich fürchte, das hat nicht funktioniert.

Nachtrag: Hatte ich schon länger gespeichert, aber wiederholt vergessen. Harris hat einen neuen Hertha-Song rausgebracht. Auszug:

Es ist Spiel, Spaß, Bier, Lachen und ne Menge Ärger, doch am Ende dreht sich alles immer nur um die Hertha.

“Alles um die Hertha” könnt ihr euch hier anhören.

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    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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Ein Kommentar

  1. Carsten
    Erstellt am 14. August 2012 um 11:03 | Permanent-Link

    Der Burchert hat die Seuche ,Sorry er sollte sich einen anderen Verein suchen und oder gegangen werden.Der wird es nie schaffen jedenfalls nicht bei uns es stehen mit Sprint und Gersbeck, ist bestimmt nenn Jahrhunderttalent was der alles hält GRANATE ist leider erst 17 immer leute wieder da die ihn den rang ablaufen werden.Und ich würde mir sooooooooo gern nenn Aufstieg wünschen obwohl ich erst 10 Spiele abwarten sollte was dann los ist.Aber Sorry mein Glaube meint das wir damit nichts zu tun haben werden,aber ich hoffe ich irre nicht,weil dann werden wir jahre brauchen um überhaupt wieder in der Fußballwelt ne rolle zu spielen und das ist traurig schnief.HAHOHE

Ein Trackback

  1. [...] Blick über den Kurvenrand #2 [...]

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