Blumen von der Tankstelle

Schon klar, Hertha hatte Geburtstag, da sollte es vom Ambiente mindestens Champions League sein, denn da gehört der größte Berliner Fußball-Verein schließlich hin, nicht wahr?  Ich kann mir nicht helfen, aber dieses Geburtstagsspiel gegen Juventus Turin war so sehr Dieter Hoeneß, dass ich mich gefragt habe, ob er das nicht schon Jahre zuvor abgemacht hatte, als er noch Manager in Berlin war.

Worum geht es denn bei einem Geburtstag? Man soll sich mit Freunden treffen, Spaß haben, der alten Zeiten wegen. Ich bin zwar erst seit Mitte der 90er dabei, aber dass Hertha und Juve alte Freunde von früher sind, davon hätte ich doch was mitbekommen oder? Klar, es gab da dieses Zweitrunden-Spiel im Uefa-Cup 1969, das Hertha mit 3:1 und 0:0 für sich entschied. Aber sonst? Warum nicht der 1. FC Nürnberg, der erste Hertha-Gegner in der Bundesliga? Warum nicht 1860 München – die Mannschaft, gegen die Hertha 1931 letztmalig Deutscher Meister wurde? Oder warum nicht eine Berliner Mannschaft? Warum nicht Union? Oder eine Berliner Amateurauswahl? Warum Juventus?

Weil sie dort auch „Alte Dame“ genannt werden? Weil Juventus auch durch die niederen Gefilde der zweiten Liga musste und sich in Italien gerade eindrucksvoll mit der Meisterschaft zurückgemeldet hat? Ich habe wirklich lange überlegt, aber mir ist kein plausibler Grund eingefallen. (Ihr dürft gerne helfen – in den Kommentaren)

Natürlich ist so ein Hertha- Härte-Test eine Woche vor dem Saisonstart eine gute Sache. Aber diesen Gegner den Fans in Berlin als Geburtstagsgeschenk zu verkaufen, ist ungefähr so, als würde man seiner Mutter Blumen von der Tankstelle mitbringen. Die sind auch völlig überteuert und haben ebenfalls überhaupt keinen persönlichen Bezug.

Hertha (bzw. Sportfive, wie ich dankenswerter Weise in den Kommentaren erfahren habe) war bereit 400.000 Euro für den italienischen Meister hinzublättern. Es werden jetzt weniger sein, weil die EM-Spieler entgegen der vertraglich ausgehandelten Verpflichtungen gefehlt haben. Wobei es natürlich völlig lächerlich ist, zu glauben, dass das Olympiastadion besser gefüllt gewesen wäre, wenn Buffon & Co. aufgelaufen wären. Mehr als diese knapp 33.000 ist nunmal nicht drin nach dem zweiten Abstieg in Folge. 400.000 Euro ist eine Summe, mit der man einige (alle?) der Ende Juni entlassenen Geschäftsstellenmitarbeiter ein weiteres Jahr hätte beschäftigen können.

Ich weiß nicht, ob Union nicht konnte oder wollte. Ich weiß nicht, ob Hertha da überhaupt nachgefragt hat. Und es liegt nahe, dass man von einem Derby kurz vor Beginn der Saison abgesehen hat, weil es am 3. September in der Alten Försterei ja ohnehin dazu kommt. Ich weiß auch nicht, ob man überhaupt darüber nachgedacht hat, dem Geburtstagsspiel eine gewisse Symbolik zu geben. Aber ein Berliner Aufeinandertreffen zum 125. 120. Geburtstag von Hertha BSC hätte mit Sicherheit mehr Zuschauer ins Olympiastadion gelotst, als ein teures Einlagespiel gegen einen gelangweilten italienischen Meister.

Was hat es sportlich gebracht? Jos Luhukay weiß jetzt nach dem 0:2 (0:1), dass seine Mannschaft noch nicht die Cleverness vor dem Tor besitzt, die für die Champions League reicht. Wahrscheinlich reicht sie immer noch nicht für die Bundesliga, denn das, was Hertha da fabrizierte, erinnerte in weiten Teilen doch sehr stark an die vergangenen Saison. An das süße Kaninchen, das man gerne bis vor das eigene Tor eskortiert, weil man ja ohnehin nichts zu befürchten hat. Vor dem Tor war das mal wieder kläglich.

Aber für das Feintuning hat der Trainer, hat die Mannschaft, ja jetzt noch ein paar Tage Zeit. Denn am Freitag um 20.30 Uhr heißt die Realität nicht Turin, nicht Champions League, nicht Geburtstag, sondern Paderborn.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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15 Kommentare

  1. Halblinks
    Am 30. Juli 2012 um 08:17 Uhr veröffentlicht | Permalink

    gute Beitrag, Daniel!
    letztlich zeigt sich doch die instinktlose Konzeptlosigkeit mit der die aktuelle Führung bei Hertha agiert. Man ist nicht in der Lage, der Mannschaft und dem Verein ein tragfähiges Image zu geben. Selbst mit dem zweiten Abstieg gelingt das nicht und man wurschtelt (vor allem finanziell) weiter am Abgrund herum. Zudem wird man insgeheim nämlich dennoch vom alten DH-Gedanken geleitet, ja eigentlich zu den ganz Großen in Europa zu gehören/gehören zu wollen.

  2. Meckerkopp
    Am 30. Juli 2012 um 08:25 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ist mir jetzt neu, dass Inter „Alte Dame“ genannt wird. Meines Wissens ist in Italien Juventus Turin die „Alte Dame“. Ich lasse mich aber gern vom Gegenteil überzeugen, man lernt ja schließlich immer dazu…

    An dieser Stelle auch gleich ein Danke an Euch Jungs für den Blog.

    Ciao.

    • Halblinks
      Am 30. Juli 2012 um 10:00 Uhr veröffentlicht | Permalink

      wie Inter?
      Hier hat doch niemad etwas von Inter geschrieben, oder? Und man hat doch auch gegen Juve gespielt!

  3. Wolfgang
    Am 30. Juli 2012 um 09:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hallo Daniel,

    auch wenn es weh tut, der Header Eures Blogs muss leider wieder geändert werden, spätestens Freintag. :(

    Zu Deinem Beitrag: Ganz soo negativ habe ich das Spiel nicht gesehen, Es gab gute Ansätze und ein wenig Pech vor dem Tor war auch dabei. Wie auch immer, es wird schwer, aber wenn sich alle zusammenreißen, kann Hertha in der kommenden Saiso was erreichen.
    Gruß
    Wolfgang

  4. Schoddie
    Am 30. Juli 2012 um 09:25 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Es geht hier nur um Juve und nicht um Inter….

    Zum Beitrag:
    Absolut meine Meinung! Hätte man nicht einfach irgendeinen Bundesligisten nehmen können, der so ein Testspiel im Zuge der Saisonvorbereitung auch ernst genommen hätte?! Da hätte man wahrscheinlich gar kein Antrittsgeld zahlen müssen. Vielleicht fragt man im nächsten Jahr einfach mal den HSV. Ob die nämlich in nächster Zeit auch nochmal eine große Mannschaft fragen werden, sei einmal dahingestellt…. ;-)

    Aber es ist wie immer. Kohle rausschmeissen an falschen Stellen ist gar kein Problem. Nur der kleine Mann muss leiden. Was die Trainerentlasseungen der letzten 3 Jahre wohl insgesamt gekostet haben? Dafür hätten die entlassenen Geschäftsstellenmitarbeiter jahrelang arbeiten können…

  5. Ramon
    Am 30. Juli 2012 um 10:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Den Einwand mit „hat 400.000 € gekostet, warum gibt man das aus, davon kann man Mitarbeiter bezahlen“ kann ich so nicht verstehen.

    Sicherlich zahlt man das als Gage und das ist viel Geld. Aber dafür kriegt man Einnahmen aus Ticketverkäufen und weil Juve so ein großer Name ist eben auch Einnahmen aus der TV-Vermarktung.

    Letztlich wird da am Ende mit hoher Wahrscheinlichkeit Ende ein Plus bei Rauskommen…

    • Halblinks
      Am 30. Juli 2012 um 10:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

      da man in der vergangenen Woche um das Erreichen der 35.000 Zuschauer ja quasi gebettelt hatte, muß man davon ausgehen, dass dieser Break-Even eben wohl nicht erreicht wurde. Wird man jetzt wahrscheinlich „krampfhaft“ versuchen zu erreichen, indem man Juve die Gage reduziert.

  6. Robert
    Am 30. Juli 2012 um 10:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hallo Daniel,
    ich stimme Dir zu 100% zu!!
    Ich bin froh, dass ich nicht der Einzige bin, der es so sieht.
    Ich bin echt gespannt auf die ersten Spiele in Liga 2.
    Hoffe, über den Willen werden die Jungs es besser machen als letzte Saison.

  7. Berlindorfer
    Am 30. Juli 2012 um 11:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hallo,

    wer informiert ist, der weis, dass Hertha dieses Spiel nicht ausgerichtet hat. Sämtliche Kosten und Einnahmen hat der Vermarkter übernommen (eingenommen bei der Zuschauerzahl wohl eher nicht).

    Ich ertrage diese Schwarzmalerei nicht mehr! Wer von den ewigen Kritikern überlässt unserer Hertha endlich die erforderlichen Millionenbeträge, damit Hertha das geforderten spielstarke Personal verpflichten kann?

    Ich habe sehr vielen Spiele in der abgelaufenen Saison miterlebt. Diese Mannschaft ist nicht mehr zu vergleichen und spielt bisher sehr viel Schwungvoller! Endlich werden auch wieder Chancen heraus gespielt und nicht von Einzelkönnern heraufbeschworen. Einiges Manko in diesem zitierten Spiel ist die Chancenverwertung gewesen. Das wird sich aber ganz schnell ändern…

  8. MIC
    Am 30. Juli 2012 um 12:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Es wären viele vernünftige Argumente benannt, aber Hertha ist gar nicht Veranstalter gewesen! Risiko/Gewinn der Veranstaltung trägt zu 100% S5 . Hertha partizipiert lediglich am Nebengeschäft (bspw. Merchandise). Daher laufen Querverweise und aufgestellte Gegenrechnungen von gekündigten Angestellten völlig ins Leere.

    • MIC
      Am 30. Juli 2012 um 12:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

      kann gelöscht werden, siehe über mir

  9. Daniel
    Am 30. Juli 2012 um 12:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Danke für die Info, die mir nicht bekannt war. Allerdings ändert das nichts daran, dass das Spiel für mich als Geburtstagsgeschenk an die Fans oder meinetwegen auch als Geburtstagsspiel für Hertha keinen Sinn gehabt hat. Es bleibt für mich ein lieblos ausgewählter Gegner.

    Und wer die 400.000 Euro bezahlt hat, ist deshalb auch egal. Es mildert nur den – zugegebenermaßen – überzogenen Vergleich zu den Entlassungen auf der Geschäftsstelle.

  10. Joel
    Am 30. Juli 2012 um 12:19 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Zitat:“..Ich weiß auch nicht, ob man überhaupt darüber nachgedacht hat, dem Geburtstagsspiel eine gewisse Symbolik zu geben. Aber ein Berliner Aufeinandertreffen zum 125. Geburtstag von Hertha BSC hätte mit Sicherheit mehr Zuschauer ins Olympiastadion gelotst, als ein teures Einlagespiel gegen einen gelangweilten italienischen Meister…“

    Zum wievielten Purzeltag?
    Ich denke nämlich zum 125ten können wir es besser machen… ;-) und heuer schon bei Union anklopfen ;-)

    • Daniel
      Am 30. Juli 2012 um 13:08 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ach mann…ich sollte einfach nicht mehr versuchen, zu für mich nachtschlafender Zeit Texte zu fabrizieren. Dann kommt nämlich sowas dabei raus :-/

  11. herthawolf
    Am 31. Juli 2012 um 10:23 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Also, wiewohl ich kein Juve-Fan bin, sondern Romanista – ich wäre gern gekommen, wenn ich nicht schon am Nachmittag einen Termin gehabt hätte.
    Man muss doch nicht immer einen direkten historischen Bezug sehen zum Gegner, Daniel. Die olle Hertha feiert, und „la vecchia signora“ kommt – das ist doch witzig!
    Pirlo und Buffon nochmal zu sehen (hatte ich schon in Posen bei der EM)…Aber als ich dann hörte, mit was für einer B-Elf Juve angekommen ist, da war ich echt krachsauer. Wahrscheinlich hat es gar keinen Zweck, am Samstag abend nach Wolfsburg zu fahren, um Man City zu sehen, weil die dann wahrscheinlich auch ohne Balotelli auflaufen werden.
    Jetzt muss Freitag erstmal gewonnen werden.

Ein Trackback

  • Von Zwei Trainer gegen ihre Vergangenheit | Hertha BSC Blog am 2. August 2012 um 08:44 Uhr veröffentlicht

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