Chance vertan

Die Chance war da. Ein Blick, ein Pass und ein Torabschluss.

Aber Valeri Domovchiyski traf nicht. Sein Schuss aus nicht einmal zwei Metern Entfernung blieb am Bochumer Towart Heerwagen hängen. Der bulgarische Hertha-Stürmer hatte versucht, den Ball durch den nicht vorhandenen Korridor zwischen Torpfosten und -hüter zu schieben. Ein kompromissloser Schuss unter die Latte wäre die bessere Wahl – und vermutlich der Ausgleich gewesen. Aber nachher ist sicherlich auch Domovchiyski schlauer.

Dass dieser Ausgleich nicht verdient gewesen wäre, ist nur deshalb noch interessant, weil er auch danach nicht mehr fiel. Hertha verlor in Bochum mit 0:1, nach teilweise erschreckenden 90 Minuten, was ja nichts Neues ist. In der vergangenen Saison spielte die Mannschaft auch nicht in jedem Spiel über die gesamte Zeit Champagner-Fußball, aber so zehn, zwanzig Minuten zum mit der Zunge schnalzen waren doch meistens dabei.

Aber die fehlen momentan.

Anlass zur Hoffnung geben Spielstrecken von der 1:2-Niederlage in Gladbach. Da musste Hertha das Spiel machen und tat es. Vor allem Raffael und Cicero merkte man die Spielfreude sichtlich an, der Ball lief durchs Mittelfeld, die Hacke kam zum Einsatz und als sie so zehn, zwanzig Meter vor dem Tor ankamen, wirkten die Spieler plötzlich hilflos, als würden sie fragen: „Und wer macht ihn jetzt rein?“ Denn in der vergangenen Saison waren da ja immer Stürmer, die in den Raum gestartet waren oder sich den Ball schon vorher abgeholt hatten, um ihn kurze Zeit später im Tor unterzubringen.

Aber die fehlen momentan.

Was ja gar nicht so schlimm wäre. Man hat es doch gegen Hannover gesehen. Wenn hinten die Null steht, geht vorne irgendwann ein Ball rein. Auch das hat die vergangene Saison unabhängig von den Stürmern gezeigt. Aber die Defensive – und auch Torwart Drobny (selbst wenn ich das bis vor diesem Spieltag noch nicht einsehen wollte) – macht vor allem bei Standards einen unsicheren Eindruck. Ganz davon ab, dass eine Vier-Mann-Mauer bei einem Freistoß aus 17 Metern für mich ein Novum darstellt. Man hat einfach ständig das Gefühl, dass der Gegner jederzeit ein Tor schießen kann. Als Joe Simunic noch da war, hatte man sich ja irgendwann gar keine Sorgen mehr gemacht, soviel Sicherheit, wie der Kroate stets ausgestrahlt hatte.

Aber auch die fehlt momentan.

Trotzdem (oder deswegen?) bekomme ich einen Hals, wenn sich Arne Friedrich nach dem Spiel hinstellt und von fehlender Qualität spricht.

Nicht bei 61% verlorenen Zweikämpfen am Boden (43% insgesamt). Nicht bei einer gefühlten Fehlpassquote von 80%. Und schon gar nicht nach einem 0:1 gegen den VfL Bochum.

Ich war nie so vermessen, mir einzubilden, dass Hertha es in dieser Saison mit den Bayern, Wolfsburg, Stuttgart oder dem HSV aufnehmen könnte. Selbst bei Leverkusen, Schalke, Hoffenheim und Dortmund bin ich mir alles andere als sicher. Aber dann, Herr Friedrich, sollte Hertha doch langsam drankommen, oder?

Natürlich will ich hier nach dem dritten Spieltag nicht schon den ganzen Blog und die Zukunft von Hertha schwarz anmalen. Dafür hält der Fußball einfach zu viele Überraschungen bereit. Wer von uns weiß schon, welches Leistungsvermögen Herthas Abwehr-Neuzugang Rasmus Bengtsson hat? Oder wie der neue Mann für die Offensive heißt, der laut Michael Preetz in der kommenden Woche verpflichtet werden soll? Und ob sich, wenn alle fit sind, nicht eine ähnliche Dynamik entwickelt, wie in der vergangenen Saison – selbst wenn es dann nur zu Platz Acht, aber wenigstens zu ansehnlichem Fußball reicht?

Eins dürfte jetzt allerdings klar sein: Der Heilsbringer, den Felix und ich uns erhofft hatten, ist Valeri Domovchiyski allein (immer) noch nicht.

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    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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12 Kommentare

  1. dns
    Am 24. August 2009 um 09:35 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Schade, aber nach diesem Start wird es wohl erstmal wieder eine ganze Weile dauern, bis das Stadion wieder einen ähnlichen Füllstand aufweist, wie zum Ende der vergangenen Saison.

    Das einzige, was ich im Moment richtig positiv sehe, ist die Tatsache, dass wir noch vor den Bayern stehen.

    Dennoch vertraue ich einfach blind weiter darauf, dass sich die Hertha noch fängt und LF eine Zusammenstellung findet, die passt. (Seid ihr auch so gespannt, wer da aus dem Hut gezaubert wird? Verfallr ihr auch der Hoffnung, dass es ein Kracher wird?)

  2. Daniel
    Am 24. August 2009 um 10:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Also die in Sachen Transfers ja immer „sehr zuverlässige“ BZ zaubert heute den Namen Rosenberg auf den Tisch. Das wäre jetzt nicht der Kracher, den ich mir erhoffe…

    http://www.bz-berlin.de/sport/hertha-bsc/hertha-will-werders-rosenberg-ausleihen-article560705.html

    Außerdem sieht es so aus, als wäre Raffael verletzt. Und in diesem Fall muss ich einer Springer-Publikation zustimmen: Das wäre der Super-GAU.

    http://www.bild.de/BILD/sport/fussball/bundesliga/vereine/hertha/2009/08/24/raffael/verdacht-auf-ellenbogenbruch.html

  3. Felix Felix
    Am 24. August 2009 um 11:11 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Nach Informationen des Fussball-Magazins „Kicker“ soll Brasiliens Shootingsstar Fernandinho auf dem Sprung nach Berlin sein. Aktuell steht der 1,71 Meter grosse Stürmer bei Gremio Barueri unter Vertrag, hat sich aber bereits von dort verabschiedet. Fernandinho gilt als äusserst schneller Stürmer, der vor allem stark im Dribbling ist und einen hervorragenden linken Fuss besitzt. Für ihn wird eine Ablösesumme von rund zwei Millionen Euro aufgerufen.“
    Auf Kicker online kann ich allerdings nichts finden.
    noows.de

    Die Morgenpost nennt einen brasilianischen Internetdienst als Quelle.

    Ich bin mal gespannt was daraus wird. In ein paar Tagne wissen wir mehr.

  4. Daniel
    Am 24. August 2009 um 11:19 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Bei Transfermarkt.de wurde der auch schon diskutiert. Da gibts auch ein Video.

    http://www.youtube.com/watch?v=diutvHdzhMI

    Darauf sieht er allerdings eher wie ein potentieller Lucio-Ersatz aus und nicht wie ein Stürmer.

  5. Tanja*
    Am 24. August 2009 um 13:37 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Raffael fällt für drei Wochen aus, hab ich eben im Info Radio gehört :(

  6. Herthinho
    Am 24. August 2009 um 16:14 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Lieber Daniel,
    Dein Vertrauen in alle Ehren. Ich bin seit 25 Jahren Fan und hatte selten soviel Bammel vor einer Saison wie dieses Jahr.
    Und: Arne hat doch Recht. Die Qualität reicht einfach nicht, um in der oberen Tabellenhälfte mit zuspielen. Wenn ich die Typen von Bergen, Jancker oder Stein schon sehe.. Ebert ist völlig überschätzt. Raffael ein Phlegmatiker, Nicu völlig außer Form.
    Wo ist denn die vielgespriesene Hertha Jugendarbeit? die werden toll ausgebildet und wechseln dann alle den Verein. Ich würde lieber einige Jahre mit jungen, eigenen Talenten gegen den Abstieg spielen, als mit zweitklassigen Zukäufen voll alle Fans vergraulen. Wenn nicht schleunigst etwas geändert wird, spielen wir gegen den Abstieg. Hear my words

  7. Daniel
    Am 24. August 2009 um 16:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Und: Arne hat doch Recht. Die Qualität reicht einfach nicht, um in der oberen Tabellenhälfte mit zuspielen.“

    Hab ja auch nix Anderes behauptet :) Allerdings spielt Bochum wahrscheinlich eher nicht in der oberen Tabellenhälfte. Und das ist das Problem. Nach einer Niederlage gegen Dortmund oder Leverkusen kann er das sagen. Aber mit so einer Aussage nach einem Spiel lenkt er vom eigentlichen Problem ab: Dass die Mannschaft elementare Dinge des Fußballs nicht umgesetzt hat. Woran auch immer das gelegen hat. Jedenfalls nicht an der grundsätzlichen Qualität.

    Guckt mal nach England. Da spielt der FC Burnley, dem keinerlei Chancen auf gar nichts eingeräumt wurden. Und am zweiten Spiel schlagen die zu Hause Manchester mit 1:0. Weil sie gekämpft haben und das – Hertha momentan sicherlich abgehende – Quäntchen Glück hatten.

    (Ich glaub, ich muss nochmal n HTML-Kurs machen…blockquote und so…)

  8. Tanja*
    Am 24. August 2009 um 19:03 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Herthino da fällt mir immer Sahad Salihovic ein ich könnte heute noch heulen, dass Hertha ihn verkauft hat, waren die blind oder was???? Ich glaube ja das Götz ihn nicht mochte. Ich finde du hast Recht mit der Jugendarbeit, kann man die nicht irgendwie vertraglich an sich binden für eine Zeit? Das hab ich mich schon soooo oft gefragt!!!

    Ach ja und ich hatte und habe auch toootalen Bammel vor dieser Saison, wenn Hertha nicht gegen den Abstieg spielt haben wir schon Glück, glaube ich… Ich glaube aber auch das viele Fans das alles sehr realistisch eingeschätzt haben.

  9. Daniel
    Am 24. August 2009 um 19:21 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Stimmt schon irgendwo, Salihovic hatte diese Standards zumindest damals schon drauf. Aber er hat selbst gesagt, dass er sich im Berliner Umfeld, wo man ständig weggehen konnte, nicht so hätte entwickeln können, wie in der Ruhe von Hoffenheim:

    „Man muss nur wissen wann und wie. Zu Berliner Zeiten hatte das einfach überhand genommen. Ich habe mich nicht immer wie ein Profi verhalten, war zu oft auf der Piste und habe mich nicht gut ernährt. Hier bin ich ein ganz neuer Mensch geworden. “

    Mit den anderen Jungs sehe ich das so ziemlich genau so. Bei Jerome sieht man, was ein ordentliches Umfeld bewirken kann, das Gleiche gilt mit Abstrichen für Dejagah. Die drei würden uns qualitativ nach vorne bringen, keine Frage. Aber ich glaube nicht, dass sie hierher zurück wollen. Und damit meine ich nicht mal Hertha. Für ihre fußballerische Entwicklung ist es mit ziemlicher Sicherheit sogar die besser, die alten Freunde von damals nicht ständig um sich zu haben – was natürlich eine reine Vermutung ist, ich war ja nicht in deren Freundeskreis unterwegs ;)

    Jedenfalls bleibe ich dabei: Man sollte sich nicht beschweren, dass irgendeine Qualität nicht reicht, sondern aus der Qualität die da ist – und noch kommt – das Beste machen. Wenn man sich ständig einredet, dass die Qualität nicht reicht, muss man sich nicht wundern, wenn die Leistungen entsprechend sind.

    Das ist zwar jetzt sehr plakativ und populistisch, aber mein Trainer hat früher schon immer gesagt: Einstellung ist wichtiger als Aufstellung.

    Die drei Euro schick ich direkt an den Doppelpass ;)

  10. Enno Enno
    Am 24. August 2009 um 20:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Es fehlt tatsächlich an der Einstellung. Ich weiß gar nicht, wer gestern bei sky das Spiel kommentiert hat, aber der Kommentator stellte Patrick Ebert gestern mehrfach als den besten Herthaner heraus. Und das einzige, was ich bei Patti gesehen habe, waren arrogante Fehlpässe und überharte Fouls. Er hat grottenschlecht gespielt. Aber der Rest der Mannschaft trat nahezu körperlos auf. Und da Hertha nicht über die spielerischen Mittel von Barcelona verfügt, geht die Mannschaft unter. Gnadenlos. Die Niederlage gegen Bochum war ein Einstellungsproblem. Qualität fehlt fraglos. Aber wie schon mehrfach gesagt: Kämpfen muss jede Mannschaft, die nicht Barcelona ist.

    • Tanja*
      Am 24. August 2009 um 21:01 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ja, wenigstens kämpfen sollen sie, wenn sie dann mal verlieren – Schwamm drüber – aber sie sollen kämpfen, das macht mich auch immer so wütend wenn sie es nicht tun.
      Was die jungen Spieler angeht, ich kann mir das gut vorstellen, dass es in Berlin viele Verlockungen gibt, aber es zeugt von Charakterschwäche, wenn man sich ablenken lässt, ich meine verdienen tun die doch alle genug und Salihovic war auch schon bei Hertha ein genialer Spieler ich war bei vielen Spielen der Bubis bei denen er gespielt hat, das war erste Sahne!!!! *schluchz*

  11. dns
    Am 25. August 2009 um 08:32 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Zum Thema Ausbildung gibt es einen netten Artikel auf der offiziellen Homepage, den ich aber nicht mehr finde. Dort wurde jedenfalls auf die bis vor kurzem weitgehend fehlende psychologische Ausbildung eingegangen. Die wurde wohl erst vor kurzem eingeführt, nachdem man feststellen musste, dass bei den ganzen guten Talenten Probleme im Bereich professionelles Verhalten und Aussenwirkung vorlagen (u.A. mit Bezug auf Rennfahrten aufm Kudamm). Vielleicht kommt ja bei der nächsten Runde etwas rum.
    Ist jemand von euch öfter Mal beim Training? Gibt es da wirklich noch soviel Abstand zwischen den jungen und einigen der Akteure, die nicht unbedingt als Leistungsträger auffallen? (Der Trainer weiß es natürlich besser als ich, sonst wär ich ja Trainer. :p)