Damals, in Dessau

Den folgenden Artikel hat uns Moritz im Rahmen des Schreibwettbewerbs “Mein erstes Mal mit der alten Dame” zugeschickt. Vielen Dank dafür! Alle bisherigen und auch die kommenden Berichte findet ihr hier.

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Wir schreiben das Jahr 2003, genauer genommen den Sommer des Jahres. Fußball war damals etwas, dass ich im Radio oder ab und zu auch in der Sportschau beobachtete. Die erfolgreichen Auftritte in den Vorjahren und das lustige Emblem hatten mich damals bereits eine kleine Zuneigung für die Berliner entwickeln lassen.

Es war auch die Zeit, als der Ligapokal noch durch fußballerische Notstandsgebiete tingelte. Vor allem das Sendegebiet des MDR war bevorzugtes Terrain, der, wie es der Zufall so wollte, bei seinem Nachrichtenradio zur besten Sendezeit Karten für das Viertelfinale verloste. An die Frage kann ich mich nicht mehr erinnern. Einzig, dass der nette Herr Redakteur die Antwort “Dynamo Dresden” akzeptierte, weiß ich noch.

Wenige Tage später lagen sie dann im Briefkasten und die Fahrt vom heimatlichen Leipzig an den Austragungsort des ersten Pflichtspiels der Saison gegen den HSV konnte beginnen – nach Dessau ins Paul-Greifzu-Stadion mit seiner frisch hergerichteten Tribüne. Auch wenn es naheliegen mag, war der Namenspatron nicht der überragende Torwart der Dessauer in längst vergessenen Äonen.

Nachdem ich auf der glitschigen Gegengerade einen Stehplatz eingenommen hatte, konnte ich sie also das erste Mal live und in voller Größe sehen, die damaligen Stars der Hertha. Marcelinho, Goor, Kiraly, Dardai und auch Beinlich, wenn auch im falschen Trikot. Mit von der Partie war natürlich auch das neue Traumsturmduo Fredi Bobic und Artur Wichniarek, das die Abgänge von Preetz und Alves kompensieren sollte.

Anhand der letztgenannten Namen lässt sich der Ausgangs des Spiels erahnen. Am Ende hatte der HSV das Glück auf seiner Seite und gewann 2-1. Ob verdient oder nicht vermag ich nicht mehr einzuschätzen. Einzig die Tatsache, das nicht mehr herausgesprungen war, stimmte mich ein wenig traurig, während andere jubeln konnten. Ich werde wohl nie das Bild vergessen, wie zwei ältere, nicht gerade groß gewachsene Herren mit einer noch größeren HSV-Fahne neben mir standen und nach “ihren” Toren schüchtern zu mir 14-Jährigem aufblickten, ob ich etwas dagegen habe könnte, wenn sie ihre Fahne schwenkten, was sie dann auch vorsichtig für wenige Sekunden taten.

Der eigentlich Höhepunkt des Tages sollte mich beim Ausmarsch aus dem Stadion ereilen, als sich der an diesem Tag glücklose Wichniarek wenige Zentimeter entfernt durch die Zuschauer den Weg in die Umkleidekabine bahnte. Ob ich nun behaupten soll er hat mich an die Hertha gebunden weiß ich nicht, hätte ich aber damals schon geahnt wie sehr ich noch an ihm verzweifeln sollte, wäre ich wohl nicht so stolz gewesen.

Es war wohl der letzte Schritt auf dem Weg vom Sympathisanten zum Fan, denn danach ließ mich die Zuneigung zur alten Dame nicht mehr los. Ein kleiner Schritt für mich, aber wohl auch kein großer für Hertha, denn das, was folgte, darf man getrost als eine Katastrophensaison bezeichnen. Zum Glück fing sich die Mannschaft im Laufe der Saison noch und hielt eindrucksvoll die Klasse. Möge es noch lange so bleiben.

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2 Kommentare

  1. Thomas
    Am 23. Januar 2010 um 02:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Moritz schreibt, „das lustige Emblem“ sei unter anderem schuld daran, dass er schon 2003 „eine kleine Zuneigung“ für Hertha BSC entwickelt habe.

    Da zeigt sich einmal mehr, wie bescheuert der Versuch von Dieter Hoeneß war, im Jahr 2006 das bewährte Hertha-Logo mit der Fahne durch einen goldenen Adler zu ersetzen.

  2. Sebastian
    Am 23. Januar 2010 um 19:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ligapokal, das war unser Wettbewerb!