Das Ausmaß der Misere

Durchmessen wir einmal das Ausmaß der aktuellen Misere und machen eine kleine, bunte Presseschau. Soviel und so ausführlich wurde schon lange nicht mehr über Hertha BSC berichtet. Knackpunkte sind: der Trainer, die Defensive, die Offensive, die Abgänge, die Zugänge. die Verletzten, ja eigentlich alles ist schlecht derzeit. Aber lest selbst:

Die Mannschaft, die so katastrophal gestartet ist, hat Favre zusammengestellt und aufgestellt. Dass er einen Hoffnungsträger wie Neu-Stürmer Ramos nur sieben Minuten bringt, ist seine Entscheidung. Genauso ist die Krise sein Werk. Zur Mainz-Pleite sagte er: „Ich verstehe nicht.“ Ein ratloser Trainer nach fünf Spieltagen? Favre muss jetzt ganz schnell Antworten auf seine bisher größte Pleiten-Serie finden.Sonst wird es nicht lange dauern, bis man sich im Klub nach jemandem umschaut, der sic im Abstiegskampf auskennt. (Bild)

Denn Fakt ist: Zu 40 Prozent ist Hertha jetzt auch schon abgestiegen! (…) Der Abstiegskampf hat begonnen! (Bild)

Doch die Hertha präsentierte sich nach der Führung nicht wie eine spanische Spitzenmannschaft: Sie war unfähig, Konter zu Ende zu spielen, dazu kamen viele Fehlpässe. (taz)

Die Schönredner der Branche nennen das eine Ergebniskrise. Deren Auswirkungen könnte bedrohliche Ausmaße für die Berliner Vereinsführung annehmen. Die Erfolge der Vorsaison dienen Herthas Fans als Maßstab ihrer Zukunftserwartungen. Sie leben in ihren Hoffnungen noch nach dem Dreistufenplan, den der im Frühjahr geschasste Manager Dieter Hoeneß vor zwei Jahren entwarf. Demnach sollten die Berliner nun in den Kampf um die Champions-League-Plätze eingreifen. Da hilf es wenig, dass die neue Führung um Manager Michael Preetz angesichts der Sparzwänge diesen Stufenplan als Treppenwitz verworfen hat. (taz)

Dass das nun schwer wird, hat sich die Mannschaft selbst zuzuschreiben. Der Defensive fehlt es im Jahr eins nach Josip Simunic am Vermögen, über volle 90 Minuten konzentriert zu bleiben. Gegen Mainz hatten die Verteidiger das Geschehen 80 Minuten gut im Griff, ehe es zum kollektiven Zusammenbruch kam, der dem Gegner noch die zwei Tore zum Sieg gestattete. Der Offensive fehlt es schlichtweg an Qualität. Der auch nach acht Pflichtspielen noch torlose Artur Wichniarek verbreitet beim Gegner ebenso wenig Furcht und Schrecken wie sein polnischer Landsmann Lukasz Piszczek und der Bulgare Waleri Domowschiski. (welt)

Nun muss man aber auch nüchtern feststellen, dass Hertha BSC so arg gerupft wurde wie kein anderes Team in der deutschen Eliteliga. Der Substanzverlust konnte in Mainz noch erstaunlich lange kaschiert werden. (FR)

Der Saisonstart hat gezeigt, dass die Struktur in Herthas Kader nicht stimmt. Es steckt zu viel Zukunft darin und zu wenig Gegenwart. Trainer Lucien Favre hat sich zu sehr auf Spieler gestürzt, die vor allem entwicklungsfähig und formbar sind, damit er sie auf Systemtauglichkeit trimmen kann. Das ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern auch der Einstellung. (tagesspiegel)

Der Reihe nach: Der Defensive fehlt es im Jahr eins nach Josip Simunic am Vermögen, über die volle Dauer eines Spieles konzentriert zu bleiben. Gegen Mainz hatten die Verteidiger das Geschehen zwar immerhin 70 Minuten im Griff. Dann aber kam es zum Ausgleich – und anschließend dem kollektiven Zusammenbruch, der dem Gegner noch das Siegtor gestattete. Der Offensive fehlt es nach dem Abschied der Torjäger Marko Pantelic und Andrey Voronin schlichtweg an Qualität. Der auch nach acht Pflichtspielen (529 Einsatzminuten) noch torlose Artur Wichniarek verbreitet beim Gegner ebenso wenig Furcht und Schrecken wie sein polnischer Landsmann Lukasz Piszczek und der Bulgare Valeri Domovchiyski. (morgenpost)

Spiele wie gegen Mainz wurden von den Berlinern in der vergangenen Saison noch mit Glück und Geschick über die Zeit geschaukelt – mit einer eingespielten Mannschaft. Ein paar Wochen Zeit wird Trainerfuchs Favre noch brauchen, um seine jetzigen Kritiker zu überzeugen und die Rufe nach Marko Pantelic verstummen zu lassen. Wie ein Absteiger spielt die Hertha in dieser Saison nicht. Genauso wenig wie sie in der letzten Spielzeit wie ein Meisterschaftsanwärter auftrat. Noch ist es zu früh den Berlinern eine missglückte Saison zu attestieren – trotz der derzeit trüben Stimmung. (yahoo)

Die Berliner, Vierter im Vorjahr, sind erst einmal im Abstiegskampf angekommen und der Gipfel liegt unerreichbar fern. (spon)

Die Hertha-Krise wird immer schlimmer! Nach vier Pleiten in Folge und dem Absturz in den Keller steht jetzt auch Trainer Lucien Favre (51) unter Druck. (…) Noch stellen sich die Spieler vor den Schweizer, nehmen die Schuld auf ihre Kappe. (…) Sonst könnte es ganz schnell passieren, dass es bei der nächsten Krisensitzung um Favre geht. (BZ)

Was ist nur los? Die Angst vor einer Horror-Saison wird immer größter. Kein Mumm, kein Herz, keine Ideen! Hertha im Herbst 2009 – da regiert nur noch die Angst. (BZ)

Vier Niederlagen in Serie in der Bundesliga gab es noch nie unter Trainer Favre. Die gegenwärtige Krise, die seit dem 1:2 bei Mainz 05 niemand mehr bei Hertha schönredet, nahm aber nicht erst im August 2009 ihren Anfang, sie ist schon älter und begann – wenn man so will – am 33. Spieltag der Vorsaison. (Berliner Zeitung)

Wer einen Hang zur Symbolik besitzt, kann den auf Krücken davonhumpelnden Mittelfeldmann, der unendlich traurig war, durchaus als Synonym für die gegenwärtige Situation in der Mannschaft betrachten. Hertha geht am Anfang der Saison schon am Stock,(…). Favre weiß, dass sein Team durch Abgänge prominenter Spieler an Qualität verloren hat; er weiß, dass die Neuzugänge, die allesamt preisgünstig sein mussten, Zeit zur Integration benötigen, und er weiß, dass einige Leistungsträger aus der Vorsaison noch nicht ihre alte Form gefunden haben. Doch die Probleme sind heftiger als angenommen und deren Lösung noch nicht in Sicht. (Berliner Zeitung)

Unfassbar! Mit einer echten Charakterleistung waren die Herthaner fleißig dabei, sich aus der Krise zu kämpfen. Aber in der Schlussphase vergeigten sie wieder mal alles. (kurier)

Wir reden über Hertha BSC. Da ist es völlig logisch, dass alle Euphorie, alle Begeisterung und aller Kredit sofort wieder weggeworfen wird. Andere Vereine haben ein Sieger-Gen, Hertha hat die Lizenz zum Enttäuschen. Seit 1931. Jedem Aufschwung folgt ein genauso sensationeller Absturz. Donnerstag kommt Ventspils ins Olympiastadion. Wird das ein Fußball-Fest! Wir fordern: Freier Eintritt für Masochisten! (kurier)

This entry was posted in Hertha BSC and tagged , , , , . Bookmark the permalink. Both comments and trackbacks are currently closed.
  • Wer hat das geschrieben?

    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

    Ich würde mich freuen, deine Meinung zum Artikel zu erfahren. Schreib doch einen Kommentar und diskutiere mit!

    Und bleib auf dem Laufenden: Abonniere neue Beiträge des Hertha BSC Blogs (RSS-Feed / E-Mail)

16 Kommentare

  1. Honsor
    Am 14. September 2009 um 13:56 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Im Moment eh´alles überhitzt…

    Aber freier Eintritt gegen Ventspils wäre eine Idee gewesen.Nicht das mehr kommen würden,als die üblichen Verdächtigen-aber als Geste an alle DK-Inhaber und Mitglieder.

    • dns
      Am 14. September 2009 um 14:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

      zumal die Einnahmen ja eh nicht an die Hertha gehen :p

    • Kugelblitz
      Am 14. September 2009 um 17:33 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Meine Vorschläge Freikarten im großen Still an Kinderheime oder Schulen zu verteilen, grad bei solchen Spielen, stoßen ja regelmäßig auf taube Ohren.
      Leider

  2. Daniel
    Am 14. September 2009 um 13:59 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich fürchte, wir werden einen neuen Negativrekord erleben…

    • dns
      Am 14. September 2009 um 14:10 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich geh aus Protest hin. :D

  3. Theo
    Am 14. September 2009 um 15:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

    wer hat da eig bei wem abgeschrieben?
    welt bei morgenpost, oder andersherum? (:

    • Enno Enno
      Am 14. September 2009 um 15:17 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Zweimal war Daniel Stolpe am Werk. Wenn er für zwei Redaktionen schreibt, braucht er wohl die Texte nur minimal zu ändern…

    • Felix Felix
      Am 14. September 2009 um 15:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Beide Zeitungen kommen aus dem Axel-Springer-Verlag. Die Texte sind sich häufig etwas ähnlich. :)

  4. Am 14. September 2009 um 16:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

    zu 40% abgestiegen finde ich klasse.
    Ist der HSV denn auch schon Meister und der FCSP aufgestiegen.

    Herrlich.

  5. Daniel
    Am 14. September 2009 um 16:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Daran sieht man die eigentliche Panikmache – denn natürlich heißt das auch, dass die Statistik für Hertha spricht, weil 60% NICHT abgestiegen sind ;)

  6. spreekicker
    Am 15. September 2009 um 00:11 Uhr veröffentlicht | Permalink

    auch was nettes:

    http://goal.com/de/news/827/bundesliga/2009/09/14/1501242/5-bundesliga-trainern-droht-der-schleudersitz-wer-sitzt-unsicher-

    das mit den verkauften zuschauereinnahmen rächt sich doppelt und dreifach. die bei s5 kalkulieren ja nach maximalen umsatz. preetz würde vermutlich liebend gern auf 100k-200k zuschauereinnahmen verzichten, wenn dafür 10k-20k mehr zuschauer da wären, welche ja noch auf anderem weg geld im stadion lassen, bzw. gerne wieder kommen, bzw. einen preisnachlass als eine nette geste sehen oder es sich so erst überhaupt leisten können. das hat mich schon letzte saison aufgeregt, dass man über die eintrittspreise es eventuell drastisch vermasselt hat fans dauerhaft zu binden, bzw. es neufans leichter zu machen.
    für s5 rechnet sich etwas langfristiges immer nur bis zum ablauf des vermarktervertrages.

  7. Sascha Zipser
    Am 16. September 2009 um 16:11 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Andere Vereine haben ein Sieger-Gen, Hertha hat die Lizenz zum Enttäuschen.“

    Irgendwie was dran, auch wenn es der Kurier ist. Hertha-Fan zu sein heißt halt auch leiden, aber welchem Fussballfan geht es denn nicht so?

  8. Phantomias
    Am 16. September 2009 um 20:34 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich habe eine dringende Bitte an Artur Wichniarek:
    Er wusste auf was er sich einlässt, als er zu Hertha zurückkam. Er musste auf Anhieb Erfolg haben, denn mit ihm hatten die Fans schon damals sehr viel Geduld. Die ist aufgebraucht.
    Das Ausharren und nach Besserung beten ist Unfug. Lieber Herr Wichniarek, Sie tun weder sich noch dem Verein noch den Fans noch Ihren polnischen Landsleuten einen guten Dienst. Die Vorurteile gerade in Richtung polnischer Bürger sind vorhanden, in hohem Maße vorhanden. Weitere Erfolglosigkeit oder gar ein Abstieg mit Hertha wäre für die Integration in Berlin eine Katastrophe.

    Bitte, lieber Artur Wichniarek, schützen Sie sich ´, uns und Ihre Landsleute vor dieser Entwicklung
    Heben Sie von sich aus den Vertrag mit Hertha auf. Sie sind kein armer Mann. Übernehmen Sie einen Teil der Transferkosten, die Hertha entstanden sind. Das würde Ihnen echten Respekt eintragen. Weitere extrem schwache Leistungen bewirken das Gegenteil. Bitte denken Sie an Ihre Ehre und die Ehre Ihres Heimatlandes.

    • Daniel
      Am 16. September 2009 um 20:42 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Also wenn ich engstirnig und dumm wäre, könnte ich deiner Argumentation vielleicht folgen, aber so komm ich einfach nicht dahinter, wie du auf so einen Blödsinn kommen kannst, dass Wichniareks Leistung irgendwelche Auswirkungen auf die Integration seiner Landsleute hätte. Oh mann…

    • Enno Enno
      Am 16. September 2009 um 22:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Mal davon abgesehen, dass der Zusammenhang zwischen der Leistung von Artur Wichniarek, bzw. Hertha BSC und der Integration von polnischen Mitbürgern überaus fraglich erscheint, muss man doch erst einmal anerkennen, dass Artur Wichniarek für seinen Wechsel von Bielefeld nach Berlin bereits ein knappes Drittel der Transferkosten, immerhin 300.000 Euro, selbst getragen hat. Er hat Vertrag, wie man so sagt. Und das ist auch gut so. Er soll sein Gehalt weiterhin bekommen. Als Herthaner muss man hoffen, dass er demnächst endlich mal gescheite Zuspiele aus dem Mittelfeld bekommt. Dann klappt es auch mit dem Toreschießen.

  9. Tanja*
    Am 17. September 2009 um 11:25 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Mal was am Rande weiß nicht wo ich das hinschreiben kann, dann halt hier sorry ;)
    Götz wurde bei Kiel entlassen die haben es früher geschnallt als die hier in Berlin…