Das kalte Derby

Es gibt einen Moment, den man bei Abendspielen im Berliner Olympiastadion ohne Umschweife als magisch bezeichnen kann. Das hat nichts mit sportlichen Highlights zu tun, nicht mit einem dramaturgischen Kniff des Fußball-Gottes (Tor in der letzten Minute, Tor direkt nach dem Anstoß, Rettungstat auf der Linie in der letzten Minute usw.), nicht mit den Spielern, die auf dem Platz stehen – denn es kommt bei jedem Flutlichtspiel vor.

Es ist der Moment, in dem sich die Nacht über die Tribünen hebt und das Stadion zur Fußballbühne wird. Wenn die Strahler, die sonst das Publikum beleuchten ausgeschaltet werden und nur noch das Grün des Rasens im schönsten aller Töne erstrahlt. Saftig.

Das Olympiastadion bei Nacht ist eine der schönsten Erscheinungen, die der Fußball zu bieten hat – und nein, die Strahler wurden nicht deshalb so eingestellt, damit im Fernsehen nicht die Lücken auf der Gegentribüne oder dem Oberring zu sehen sind.

Zumal es am Montag keine geben wird. Das Olympiastadion wird endlich mal wieder ausverkauft sein, WM-Atmosphäre in der zweiten Liga. Wenn ich mir ein Montagsspiel hätte wünschen dürfen, es wäre dieses gewesen.

Auch wenn mich das Derby an sich fast ein bisschen kalt lässt. Ich weiß nicht, ob es an der im Moment doch recht komfortablen Tabellensituation liegt oder einfach an der Tatsache, dass sich die viel beschworene Rivalität trotz des am Ende doch hitzigen Hinspiels bei mir noch überhaupt nicht eingebrannt hat. Ich freue mich auf das Spiel, ich freue mich sehr auf den Abend in Berlin, aber ich freue mich nicht irgendwie besonders darauf, Union eins auszuwischen.

Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich am nächsten Morgen nicht befürchten muss, auf der Arbeit von Unionern mit einem breiten Lächeln empfangen zu werden. Einmal, weil ich Urlaub habe, dann weil ich in Dortmund wohne und natürlich: Weil Hertha das Spiel nicht verlieren wird. Ich glaube aber, dass die Fangruppen untereinander generell wenig miteinander zu tun haben (berichtigt mich bitte in den Kommentaren).

Union und Hertha, das sind trotz Wiedervereinigung immer noch zwei unterschiedliche Welten. Ich kenne Union-Sympathisanten nur dank des Internets, persönlich ist mir in über 20 Jahren Berlin keiner über den Weg gelaufen. Vielleicht hat sich das in den letzten fünf Jahren geändert (auch hier: gerne eure Beiträge in die Kommentare). Vielleicht aber auch nicht.

Deshalb wird es am Montag vor allem darum gehen, den Anschluss an Braunschweig nicht zu verlieren oder sogar an ihnen vorbeizuziehen – die Hoffnung stirbt wenn, dann schon am Freitag, wenn sie gegen Aalen spielen. Der Rest ist vor allem: Ambiente. Flutlicht, 74.000 Menschen und das bisschen Rivalität, was das Wort Derby ausmacht.

2 Grad Celsius sind für Montag vorhergesagt. Ja, es wird ein kaltes Derby.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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2 Kommentare

  1. boRp
    Am 8. Februar 2013 um 15:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hm, ich habe viele „Unioner“ hier erlebt. Lustigerweise aber nur, wenn ich ein Hertha-Trikot/-Schal/-irgendwas trug. Und irgendwie stellte sich auch fast immer heraus, dass sie auch mal gerne in die Försterei gehen würden.

    Einen einzigen echten Union-Fan habe ich getroffen. In der Woche nach dem letzten Derby im Olympi habe ich mit dem gearbeitet. Ich glaube, der hat selten so viel Spaß auf Arbeit gehabt…

    Und ich wünsche mir nie wieder ein Heimspiel am Montag, erst recht nicht, wenn ich so gerne da gewesen wäre…

    • Illdre
      Am 8. Februar 2013 um 17:19 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Unioner gibt’s in meiner Umgebung zum Glück wie Sand am Meer.
      Interesssant ist, dass viele Zugereiste eher mal in die alte Försterei gehen würden bzw. schon dort waren als dass sie das Olympiastadion besuchen würden.
      Viele haben Erstligamannschaften aus ihrem Heimatgebiet als Favoriten, da wird die Hertha wohl eher noch als Gegner wahrgenommen.

      Egal, ich freue mich auf’s Derby, auch weil die Tabellensituation für beide komfortabel ist.
      Der Hertha würde eine Niederlage allerdings weniger weh tun. Hauptsache das Spiel ist gut und die Schreihälse auf beiden Seiten halten die Klappe.