Das nächste Super-Talent

 

„Er ist eine Maschine.“

(Jugend-Trainer von Hertha BSC im Jahr 2007 über Abu Bakarr Kargbo)

Als Praktikant bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von Hertha BSC ist man unter anderem auch für die Vereinswebsite mitverantwortlich. Es müssen Fan-Informationen, Sponsorenmeldungen, PR-Artikel, Marketing-Nachrichten und natürlich auch Spielberichte geschrieben und online gestellt werden. Der Vorteil: Man ist nicht nur auf dem Laufenden was die Profi-Mannschaft angeht, sondern bekommt auch regelmäßig mit, wie es im Jugendbereich aussieht. Das geht bis runter zur U15 und teilweise sogar noch weiter.

Als ich damals bei Hertha war, telefonierte ich meist mit den Trainern, um die Spielberichte einzuholen. Lustigerweise war der damalige U15-Trainer von Hertha ein ehemaliger Trainer von mir und ich konnte gut einschätzen, ob er nur von einem Spieler erzählte oder ob er schwärmte. Das obige Zitat ist aus einem persönlichen Gespräch bei uns im Büro, denn der Name Abu-Bakarr Kargbo fiel in dieser Saison nicht häufig – er fiel immer, wenn wir telefonierten.

Abu-Bakarr Kargbo war allgegenwärtig, obwohl er nur in der U15 von Hertha spielte. Alle schwärmten von dem bulligen C-Jugendlichen, es war von dem Talent überhaupt die Rede. Allerdings hatte ich das über Trond Ludvigsen, Nderim Nedzipi und Alexander Mladenov auch schon gehört. Als mein Jahr bei Hertha beendet war, wartete ich eigentlich jedes Jahr darauf, dass der Name Kargbo es irgendwann zu den Profis schaffen würde. Nun ist es also endlich soweit. Mit 18 Jahren.

Dabei ist sein Name in den letzten Jahren nicht mehr ganz so häufig gefallen, wie noch 2007. Das liegt einerseits natürlich daran, dass er seit er die C-Jugend-Regionalliga aufgemischt hatte, jeweils einen Jahrgang höher spielen musste. Eine Ausbildungsmaßnahme, die ihn schneller daran gewöhnen sollte mit der härteren Gangart in oberen Bereichen klarzukommen. Andererseits könnte man aber auch vermuten, dass Kargbo in seiner Entwicklung stehen geblieben ist. Das Risiko ist groß bei Jugendspielern, wenn sie in ein Alter kommen, in dem viele Dinge plötzlich wichtiger erscheinen, als das Training am Abend oder das Spiel am Sonntagmorgen.

Kargbo jedoch hatte das Ziel Profivertrag immer klar vor Augen. Als er es vor dieser Saison erreichte, war seine Reaktion kein übermäßiger Jubel, sondern nur ein zufriedenes Nicken. Kargbo spielt nicht nur für sich, sondern auch für seine Mutter. Ihr widmete er sein erstes Gehalt. Sie holte ihn 2001 aus Sierra Leone nach Deutschland. Aus einem der ärmsten Länder der Welt ins Profi-Team eines deutschen Bundesligisten – es gibt langweiligere Geschichten.

In dieser Saison soll Kargbo sich – mal wieder – mit höheren Jahrgängen messen. Eingeplant ist er für die U23, aber man weiß ja spätestens seit Pierre-Michel Lasogga wie schnell sowas gehen kann. Im ersten Testspiel gegen Amtzell erzielte er vier Tore, geschenkt. Das Tor im zweiten, ebenfalls. Gegen die Grasshopper aus Zürich spielte Kargbo zwar 90 Minuten durch, blieb beim 0:2 aber genauso blass, wie alle anderen. Ist auch egal. Wichtiger ist, wie es jetzt weitergeht.

Startet Hertha gut in die Saison, treffen also Lasogga, Ramos, Raffael und Co., dann wird es schwierig für Kargbo. Dann heißen die Gegner Magdeburg, Plauen und Meuselwitz in der Regionalliga Nord. Für Kargbo der letzte Schritt, bevor die Gegner aus München, Dortmund und Bremen kommen. Er wird die Geduld haben, er wird weiter an sich arbeiten und es am Ende schaffen. Ob bei Hertha oder woanders, das wird die Zeit zeigen. Denn:

„Wenn es einer schafft, dann er.“

(Jugend-Trainer von Hertha BSC im Jahr 2007 über Abu-Bakarr Kargbo)

This entry was posted in Hertha BSC and tagged , , , , , . Bookmark the permalink. Both comments and trackbacks are currently closed.
  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

    Ich würde mich freuen, deine Meinung zum Artikel zu erfahren. Schreib doch einen Kommentar und diskutiere mit!

    Und bleib auf dem Laufenden: Abonniere neue Beiträge des Hertha BSC Blogs (RSS-Feed / E-Mail)

Ein Trackback

  • Von Friedrichs Nachfolger | Hertha BSC Blog am 10. November 2011 um 23:19 Uhr veröffentlicht

    […] Abu Bakarr Kargbo (18) hat bisher sämtliche U-Mannschaften bis zur U20 durchlaufen. Das Supertalent wurde diesen Sommer von Babbel aus Herthas U23 in den Profikader geholt. In der Bundesliga gespielt […]