Das Puzzle wird zum Bild

Als ich vom 5:0-Erfolg in Aachen hörte, schoss mir sofort eine Frage durch den Kopf, die ich mir nach enttäuschenden Spielen wie gegen Cottbus und Union schon öfter gestellt hatte. Ist Hertha ohne Raffael besser?

Natürlich kann man diese Frage unmöglich mit Ja beantworten, zumal der Brasilianer vor etwas mehr als zwei Wochen mit einem Dreierpack den KSC abgeschossen hat. Aber auch sonst wird niemand ernsthaft die Qualitäten von Raffael bestreiten. Wenn man sie allerdings beschreiben soll, fallen einem fast ausschließlich offensive Attribute ein. Dribbelstärke, Passgenauigkeit, Torgefährlichkeit, solche Sachen. Zweikampfstärke, Hartnäckigkeit oder schnelles Umschalten sind nicht Raffaels Spezialitäten, so gerne Markus Babbel das von seinem Spielmacher auf der Sechs sehen würde. Doch aus den Beobachtungen der vergangenen Spiele lässt sich schlussfolgern, dass Raffael als Sechser nicht nur verschenkt ist. Sondern auch ein Risiko für die eigene Defensive.

In Karlsruhe durfte Raffael endlich wieder dort spielen, wo er sich zu Hause fühlt. Nah am gegnerischen Strafraum, hinter der einzigen Spitze. Unterstützt von Fabian Lustenberger und Peter Niemeyer. Hertha beherrschte dieses Spiel spätestens in Halbzeit Zwei klar, so deutlich wie noch nie in dieser Saison und Raffael erzielte – wie schon erwähnt – drei Tore. Es folgte eines der schlechtesten Saisonspiele beim 2:2 gegen Cottbus – mit Raffael auf der Sechs. Dann verletzte sich der Brasilianer. Und Hertha gewann in noch nicht da gewesener Souveränität in Aachen mit 5:0.

Es geht hier gar nicht um Raffael. Das ist die Schlussfolgerung aus den letzten Wochen. Tore schießen und vorbereiten, das schaffen die Kollegen Ruka, Ramos, Lasogga und Ebert (!) auch. Der eigentliche Erfolgsfaktor steht knapp dahinter. Herthas Doppelsechs, die – wenn beide fit sind – ab sofort nur noch aus Peter Niemeyer und Fabian Lustenberger bestehen kann. Mit ihnen wird das Hertha-Puzzle, das Markus Babbel schon seit Monaten zu lösen versucht, endlich zu einem Bild. Sie sind die Balance zu Herthas überfallartiger Offensive, sie sind der Ruhepol in einem hin- und herwogenden Fußballspiel.

Dabei wurde Peter Niemeyer damals nur verpflichtet, weil sich Lustenberger verletzt hatte. Der Neuzugang aus Bremen machte seine Sache souverän, keine Frage. Aber der Funke Genialität, der Fabian Lustenberger umweht, der fehlte halt immer im Zentrum vor der Abwehr. Gut, Raffael hatte ihn in der Tasche, musste ihn auf der Sechs aber immer öfter stecken lassen, weil er noch zu weit vom gegnerischen Tor entfernt war. Mit Lustenberger und Niemeyer im Zentrum, sowie Raffael davor, ist das Hertha-Mittelfeld im Gleichgewicht.

Natürlich wird es dann zu den für Trainer berühmten Luxusproblemen kommen. Wenn Raffael wieder hinter die einzige Spitze rückt, braucht Ramos einen neuen Platz. Rotiert Ebert für ihn raus? Oder sogar Lasogga?

Markus Babbel hat durch die Rückkehr von Ebert und Lustenberger so viele Optionen wie noch nie in dieser Saison. Es liegt jetzt an ihm, das Puzzle zu vollenden. Wenn sich niemand mehr verletzt bin ich sehr zuversichtlich, dass Babbel das hinbekommt. Denn anders als bisher in der Saison sind alle Puzzleteile vorhanden. Babbel muss sie nur noch zusammensetzen.

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    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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9 Kommentare

  1. Tunnfish
    Am 1. März 2011 um 09:04 Uhr veröffentlicht | Permalink

    In der Zeit in der Raffael gegen KArlsruhe hinter de als Spitzen gespielt hat, war er abgemeldet. Erst nach der Umstellung als Reaktion auf Neumanns Verletzung wurde er besser, spielte aber auch viel weiter hinten.
    Ich finde ihn defensiv stark aber auch zu ballverliebt, das verschleppt das spiel manchmal ein wenig.

    • Daniel
      Am 1. März 2011 um 09:16 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Dass er das Spiel verschleppt, ist mir halt auch aufgefallen. Oft rennt er mit dem Ball los – und wenn er dann in Tornähe angekommen ist, fehlt vielleicht die Kraft für mehr. Lustenberger und Niemeyer können ihm die Bälle nach vorne servieren, da kann er sich dann austoben.

  2. BSC
    Am 1. März 2011 um 09:35 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Also ich persönlich finde Raffael auf der 6 stark. Er zeigt in dieser Saison gerade die Defensivqualitäten, die ihm oft abgesprochen wurden und erkämpft häufig im Mittelfeld die Bälle und leitet dann schnelle Gegenangriffe ein. Dass er nicht immer als erstes den Pass sucht, finde ich nicht so wild, da er es selten mit mehreren Gegenspielern aufnimmt, sondern eher 2, oder 3 auf sich zieht und eben dann mit seinen Fähigkeiten in der Lage ist, die dann zwangsläufig freien Spieler zu suchen. Was ich allerdings nicht so prall finde ist, das er bevorzugt auf Ronny/Ramos spielt und Ruka zu häufig übersieht… Aber das lässt sich besprechen und abstellen.
    Zur mangelnden Torgefahr, wenn er auf der 6 spielt möchte ich nur an das Bielefeldspiel erinnern, bei dem er 2 Tore erzielt hat von hinten kommend… Ich finde, es tut ihm gut, wenn er das Spiel mehr vor sich hat und etwas Raum, den er kreativ füllen muss.
    So, is meine Meinung, aber ich kann auch verstehen, dass man nach dem Spiel gegen Aachen anderer Ansicht ist. Da lief schon wirklich vieles richtig gut, besonders das 3:0 könnt ich in ner Dauerschleife laufen lassen und an dem war Raffael nachweislich in keinster Weise beteiligt (außer vielleicht, dass er es den anderen im Training mal gezeigt hat ;-) )

    Lg und HaHoHe

    felix

  3. Am 1. März 2011 um 10:00 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich finde Raffael auf der 6 nicht verschenkt. Ich sehe bei ihm nur bedingt Torgefahr. Sicherlich er macht ab und an Treffer und gegen Karlsruhe sogar mal drei, aber er ist kein Marcelinho. Ich denke auf der Sechs kann Raffael einer Rolle wie Xavi bei Barcelona spielen und ist dazu noch torgefährlicher als der Spanier. Aber auch Raffael muss noch viel lernen und erst recht auf der neuen Postition. Gelernt hat Raffael aber bereits, dass er in der Bundesliga die Gegenspieler nicht nach Belieben ausspielen kann und die Gangart in der Bundesliga härter ist als in der Schweiz. Das ist ein eindeutiger Fortschritt zu erkennen, wenn man da an Saison 1 und 2 denkt.

    Dieser Spieler hat unheimliches Potential und vielleicht kann er das in Zukunft sogar mal komplett ausschöpfen. Niemeyer würde ich ggf. des öfteren mal in der Abwehr ausprobieren.

  4. BSC
    Am 1. März 2011 um 10:21 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Was denke ich auch sehr zum starken Spiel in Aachen beigetragen hat war, dass Ruka mal auf links gespielt hat und Lell scheinbar besser damit zurechtkommt, wenn jemand vor ihm spielt, der nicht immer den Weg in die Mitte sucht. er hat sehr gut mit Ebert harmoniert und so endlich auch mal nach vorne Gefahr ausstrahlen konnte. Hab jetzt nicht so genau beobachtet, ob Ebert nach hinten besser absichert, als es Ruka oder Ronny getan haben, aber an irgendwas muss es ja liegen. Alles in Allem hat das Spiel gezeigt, dass Hertha bei einem kompletten Kader fast jeden ersetzen kann und somit nicht mehr so leicht auszurechnen ist, wie in den Jahren zuvor.
    Die Idee, Niemey öfter mal in der IV zu testen finde ich gar nicht so schlecht, auch wenn in meinen Augen Mijatovic häufig zu schlecht wegkommt in der Betrachtung. Auch wenn er selbst nicht der größte Künstler am Ball ist, so strahlt er in einer insgesamt sehr jungen Mannschaft doch immer Ruhe aus…

  5. Am 1. März 2011 um 17:25 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Gratulation zu deiner headline Daniel
    „Das Puzzle wird zum Bild“
    Gegen Cottbus hat keiner die Teile zusammen setzen können.
    In Aachen ergab es dagegen ein stimmiges Bild.
    Welches Teilchen war der Unterschied? Raffael.
    Egal auf welcher Position er spielt, irgendwo fehlt immer die Verbindung zu seinen Mitspielern.

    Raffa gehört genauso wie Ramos, Lasogga und Ruka zu den Topscorern bei HERTHA wie in der gesamten 2. Liga. Scorer müssen offensiv spielen. Aber die drei anderen spielen mannschaftsdienlicher – mit Abstrichen bei Ruka.

    Für mich ist Raffa derzeit auf der Bank am wertvollsten. Er ist von dort aus jederzeit in der Lage, einen der anderen 3 Scorer zu ersetzen.

  6. Am 2. März 2011 um 08:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hi Daniel.
    Auch in Karlsruhe hat Raffa auf der Sechs gespielt. Denn nach dem Ausfall von Neumann rückte Niemeyer in die Innnenverteidigung. Erst als der Brasilianer im defensiven Mittelfeld aktiv war, ging der Angriffswirbel los! ;)
    Zuvor mit Raffa im Angriff war das Hertha-Spiel sehr schwach…

    • Daniel
      Am 2. März 2011 um 09:04 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Siehste, das kommt davon, wenn man sich nicht alle Spiele angucken kann :-/

      Naja, das da oben ist dann halt der subjektive Eindruck eines Gelegenheits-Guckers – der jetzt schon gespannt ist, ob seine Super-Sechs (Lustenberger und Niemeyer) gegen Frankfurt genau so brilliert :)

  7. Halblinks
    Am 2. März 2011 um 10:16 Uhr veröffentlicht | Permalink

    ich bin tatsächlich auch dafür, gegen Frankfurt erstmal die gleiche Truppe aufs Feld zu schicken, wie in Aachen. Bei Niemeyer deutet ja einiges daraufhin, dass er wieder spielen können wird. Bei Raffa scheinen die Fragezeichen noch größer.
    Selbst wenn Raffa wieder fit ist, sollte er lieber als Joker zur Verfügung stehen, damit Babbel eventuell mal endlich eine wirksame Auswechslung vornehmen. kann.
    Bei alle Genialität und teilweise auch Leichtfüßigkeit, die Raffa haben kann, ich war bisher nie ein großer Freund von ihm, Zu oft schleicht er auch lethargisch über den Platz und scheint am Geschehen nicht wirklich teilhaben zu wollen. Das war zugegebenermaßen in der Bundesliga offenkundiger, als in der 2. Liga. Vielleicht hilft es da tatsächlich, ihn stärker auf der 6 einzusetzen, da er sich dort diese Auszeiten nicht nehmen kann (oder weniger), als hinter den Spitzen.