Arne Friedrich ließ den Kopf hängen. Sein Gesicht sprach die Sprache des Enttäuschten. Soeben hatte sein Team trotz bester Chancen ein Spiel verloren, das es niemals hätte verlieren dürfen. Beste Chancen hatten seine Mitspieler vergeben. Der Schiedsrichter hatte sich auch nicht gerade als Fan seiner Mannschaft geoutet. Und dann war Friedrich in dieser einen Szene eben nicht so wach gewesen, wie er es selbst von sich erwarten würde. Deshalb schlich Friedrich niedergeschlagen vom Platz. Sollte es das bereits gewesen sein…mit dem Klassenerhalt?
Die Parallelen zwischen der Gefühlslage nach dem Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Serbien hatte frappierende Ähnlichkeit mit der nach Hertha-Spielen in der vergangenen Saison. Alles gegeben, trotz merkwürdigen Schiedsrichterentscheidungen gut gespielt, Chancen gehabt – und am Ende trotzdem verloren. Friedrich wurde in Südafrika von der eigenen Vergangenheit eingeholt. Man hat das in dieser Bundesligasaison häufiger gesehen, dass Friedrich, wenn der Ball aus seinem Planquadrat verschwand, abschaltete oder zumindest sein Tempo stark verlangsamte. Der 31-Jährige ist ohne Frage ein hervorragender Verteidiger, der auch den Weg nach vorne nicht scheut. Gegen Serbien sah man ihn vor allem in der zweiten Hälfte häufiger aus der eigenen Abwehrkette heraus ins gegnerische Sturmzentrum sprinten. Doch weil der einzige Spieler, der sich solche Pässe zutraut, zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr auf dem Platz stand, blieb es ein Engagement ohne Wert. 
Friedrich kennt sich damit aus. Er ging in der vergangenen Hertha-Rückserie (in der Hinrunde ging er, wie alle anderen, unter) stets vorne weg, hat versucht für seinen Verein alles ihm Mögliche in die Wagschale zu werfen und war in den entscheidenden letzten Spielen immer einer der besten Hertha-Spieler auf dem Platz. Doch von Fans oder Öffentlichkeit wertgeschätzt wurde das selten.
Das liegt eben auch an diesen kleinen Auszeit-Momente, von denen einer nun – nach einer Reihe von Vorfehlern – zum einzigen Treffer Serbiens geführt haben. Für den (ehemaligen) Hertha-Kapitän ist es seine letzte Weltmeisterschaft. Er ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere angekommen und wird sie nach der Weltmeisterschaft wohl in Wolfsburg ausklingen lassen. Dass er mit 33 Jahren noch einmal zur Europameisterschaft eingeladen wird, glaubt er hoffentlich selbst nicht. Zumal mit Mats Hummels und Benedikt Höwedes junge Kräfte auf seiner Position nachrücken.
Arne Friedrich darf sich nun – bevor er in Wolfsburg unterschreibt – selbst fragen, ob er die Konzern-Atmosphäre Wolfsburg gegen den Hauptstadt-Flair von Berlin eintauschen möchte. Es ist klar, dass Dieter Hoeneß Friedrich mit der Aussicht auf Titel gelockt haben wird. Aber das hat er damals, als er Friedrich nach Berlin lockte, mit Sicherheit auch getan. Hoeneß sagt: “Es stimmt. Arne ist bei uns ein Thema. Wir müssen jetzt nur gucken, was Hertha macht” – was die Wolfsburger Nachrichten als “ein sicheres Zeiten” werten, “dafür, dass man sich mit Friedrich über einen Wechsel bereits einig ist.”
Fakt ist: Dort wäre er einer von vielen, hier wäre er – wie schon in den Jahren zuvor – der Chef. Klar positioniert hat er sich in den letzten Woche nie. Leider macht das den Eindruck, dass es ihm egal ist, solange das Geld stimmt. Doch so hat sich Friedrich zumindest nach außen in Berlin nie präsentiert. Vielleicht geht ja doch noch was.
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14 Kommentare
Alter Optimist! Friedrich hat bei Hertha um die drei Millionen Euro pro Jahr verdient. Wolfsburg wird in ähnlichen Dimensionen zahlen können. Hertha dagegen kann selbst im Fall des Aufstiegs mit Sonderprämien und allem Drum und Dran wohl kaum mehr als die Hälfte zusammenkratzen. Da finde ich es verständlich, wenn er nach Wolfsburg wechselt.
Außerdem hatte Friedrich nicht nur in den Medien kaum die Aufmerksamkeit, sondern auch von den Fans relativ wenig Unterstützung. Er wurde meist toleriert. Aber Anerkennung für seine Leistungen gab es selten. Für seine stille Interpretation des Kapitänsamts gab es in Berlin in der Regel eher auf die Mütze. Warum sollte sich Arne Friedrich also so sehr mit Hertha identifizieren, dass er auf eine Menge Geld verzichtet?
Weil er immer gesagt, dass er sich in Berlin wohl- und als Herthaner fühlt. Und wenn er einem Vertrag zustimmen würde, bei dem sich seine Bezüge bei einem sofortigen Wiederaufstieg auf die alten Höhen regelt, würde ich persönlich dem zustimmen, bevor ich in die Provinz gehe…
Ich hoffe nur das er endlich geht. Er ist das Geld, dass er bei Hertha verdient hat einfach nicht wert. Das hat man ja auch beim Spiel gegen Serbien gesehen, wo er den Torschützen wieder mal aus dem Auge verloren hatte, sodass dieser ein Tor schießen konnte. Ebenso ist er für mich nur ein Arschkriecher gewesen, der immer nur nach dem Trainer geredet hat. Darum war er ja bei DH und den Trainern so beliebt. Ein Kapitän muss seine Meinung sagen und nicht die des Trainer oder Mangers.
Wie sagte Horst Evers mal so schön?
Das einzig Gute an Wolfsburg: Man fährt dorthin, um ein Auto zu kriegen und schnell wieder weg zu kommen.
Als ich neulich da durch musste, stand an der Ausfahrt “Erlebnisstadt Wolfsburg”. Das klingt so, wie wenn jemand in eine Kontaktanzeige als Selbstanpreisung “attraktiv” schreibt (merkt man sonst wohl nicht?).
radio1 sagt in den nachrichten das er nen 2 jahres vertrag bekommt
In Wolfsburg wohlgemerkt!
auf jeden ^^ hab ich doch glatt vergessen dazu zu schreiben.
jau…koof mir jetzt aber keenen golf “arne” oder jibbts rabbatt uff ditt auslaufmodell? ;-)
Heute wurde der Vollzug von Preetz dementiert. Zudem hat er klar gemacht, dass Kohle fließen muss, wenn man ihn haben will. Hertha wird seinen zum Monatsende auslaufenden Vertrag verlängern um eine Ablösesumme zu erzielen.
http://de.fifa.com/worldfootball/clubfootball/news/newsid=1257995.html?cid=rssfeed&att=?cid=google_igoogle ….
wie es aussieht ist ramos weg…
wär schade, aber bei zehn millionen sicher nicht falsch
Aber das ist doch nichts Neues, dass Hoffenheim Interesse gezeigt hat. Laut Bild waren sich Spieler und Verein auch schon einig. Hoffenheim ging aber davon aus, dass Hertha die Option nicht ziehen würde und Ramos ablösefrei wechseln könne. Preetz hat (zum Glück und zu Recht) die Option gezogen. Jetzt stellt sich für Hoffenheim die Frage, ob sie einen zweistelligen Millionenbetrag für Ramos zahlen. Das halte ich für unwahrscheinlich. Also ist es derzeit sogar wahrscheinlicher geworden, dass Ramos bleibt. Alles andere ist das übliche Blabla der Medien.
arne hat gestern super gut gespielt! da sieht man wieder was in ihm steckt, was er kann und dass es nur auf den trainer ankommt, der es schafft zu motivieren und das optimale aus den spielern rauszuholen. funkel war mit hertha überfordert. mit babbel bewegt sich was und arne liefert zumindest eine gute ablöse.
Es kommt zu nicht unwesentlichen Teilen auch darauf an, wie gut die Mitspieler sind. Das mag bei Mertesacker zur Zeit nicht allzu gut aussehen, ist aber sicher immer noch besser als die meisten anderen in der Bundesliga. Wer selbst gespielt hat, weiß, dass man mit besseren Mitspielern automatisch selbst besser spielt und besser aussieht (in Bezug auf seine Leistung). Weshalb sehr gute Spieler auch gut daran tun, nicht bei ihrem Heimatverein zu bleiben, sondern in ähnlich gute Kreise zu wechseln. Ohne dass ich Friedrich jetzt als “sehr guten” Spieler wahrnehmen würde. Aber offensichtlich besser als viele andere in der Bundesliga.
AF nach Wolfsburg für mind. 2mio. ablöse, sagt Radio eins in den nachrichten
Ein Trackback
[...] Armine in die Fußstapfen von Arne Friedrich (sein Wechsel ist nur eine Frage der Zeit, auch wenn Romantiker das noch nicht glauben wollen). Andererseits füllt er als Kroate die große Lücke, die Josip Simunic hinterlassen hat. Zwei [...]