Dem Abstieg so nah

Maximilian Beister mag ein hervorragender Fußballer sein, der größte ist er nicht. Seine 1,80 Meter werden von allen seinen Mannschaftskollegen im Angriff von Fortuna Düsseldorf geschlagen, am deutlichsten von Ranisav Jovanovic mit 1,91 Meter. Deshalb war es auch eine deutliche Umstellung für die Hertha-Abwehr, als die langen Bälle der Düsseldorfer Verteidiger im Relegationsspiel Nummer 1 ab der 57. Minute plötzlich nicht mehr bei Giftzwerg Beister, sondern bei Wandschrank Jovanovic landeten. Jovanovic gewann fast alle Kopfballduelle und hatte großen Anteil daran, dass Hertha nach dem 1:2-Eigentor durch Ramos nicht mehr zurück ins Spiel kam. Die Stimmung war zerknittert nach dem Abpfiff.

Jovanovics Einwechslung war, wenn man so will, der Schlüssel zum Sieg. Und wenn Düsseldorfs Trainer Norbert Meier nicht komplett weggeschaut hat und in geistiger Umnachtung alle seine Analyse-DVDs verbrennt, dann wird er diese Karte auch im Rückspiel ziehen. Vielleicht sogar von Anfang an.

Denn wo in der ersten Halbzeit Düsseldorfer Befreiungsschläge eine sichere Beute von Hubnik und Niemeyer waren, da war nun plötzlich Kampf um jeden hohen Ball angesagt. Noch bevor die beiden Herthaner realisiert hatten, dass sie nun so richtig gefordert sein würden, hatte Adrian Ramos schon das Eigentor geköpft – nach einem Freistoß, der eben aus einer solchen Szene mit Jovanovic entstanden war.  Der Düsseldorfer war zum Zeitpunkt des Führungstreffers gerade 14 Minuten auf dem Platz.

Vorher hatte Hertha das Spiel trotz den für diese Saison üblichen Wacklern im Griff. Zwar hatte Düsseldorf die ersten beiden Chancen des Spiels, doch danach übernahm Hertha die Kontrolle und kombinierte nach Hubniks Führungstor teilweise sogar sehr ansehnlich – allerdings nur selten bis zum Tor. Dort hatte die größte Chance Levan Kobiashvili, der einem Düsseldorfer Verteidiger den Ball abgejagt hatte und ihn dann dem Fortunen-Keeper in die Arme schob. Da wäre deutlich mehr drin gewesen.

Wie ohnehin in diesem Spiel deutlich mehr drin gewesen wäre. Dass einzelne Spieler Fehler machen, ist in dieser Saison einfach so, wichtig ist, dass dann andere in die Bresche springen. Das Gegenteil war beim Ausgleichstreffer der Fall. Wie gesagt, Fehler passieren, sie können normalerweise korrigiert werden. Aber Hertha konnte wie so oft in dieser Saison auch gegen Düsseldorf nicht die Gefahr nach vorne entwickeln, die es braucht, um eine dicht gestaffelte Abwehr auszuhebeln. Schlimmer noch, Änis Ben-Hatira merkte kurz nach dem Spiel an, dass die 90 Minuten „sehr viel Kraft gekostet haben.“ Die Pause bis Dienstag ist nicht besonders lang. Und Düsseldorf wird einen Teufel tun, dann auch nur einen Meter weiter vorzurücken.

Näher mit dem Rücken zur Wand als Hertha jetzt kann man eigentlich nicht mehr stehen. In Düsseldorf müssen erst einmal zwei Tore her. Egal, was der Gegner macht. Egal, ob Hertha einen Treffer kassiert. Zwei Tore, um überhaupt darüber nachdenken zu dürfen, dass da vielleicht doch noch ein Wunder drin ist. Das ist immerhin mal eine klare Zielvorgabe.

Dass vor diesem Spiel am Dienstag wirklich alles für Düsseldorf spricht, muss nicht schlecht sein. Sie werden ihre Spielchen mit dem Schiedsrichter spielen, sie werden versuchen, Hertha zu verunsichern (obwohl ich nicht glaube, dass da noch Spielraum ist), sie werden vor über 50.000 erwartungsfrohen Zuschauern spielen. Hertha muss schon eine heroische Leistung abrufen, um da noch den Spielverderber zu mimen.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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18 Kommentare

  1. unionkommt
    Am 11. Mai 2012 um 00:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wie viele Eigentore waren es diese Saison?

    • dns
      Am 11. Mai 2012 um 13:48 Uhr veröffentlicht | Permalink

      pro Spieler oder insgesamt. ^^

  2. Am 11. Mai 2012 um 00:33 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Sagen wir es mal so: Das war der erste Test. An dem ist die Mannschaft krachend gescheitert. Jetzt kommt einer, der noch viel schwerer wird.

    Gott wird kein Wunder auf sowas verschwenden.

  3. alnus.glutinosa
    Am 11. Mai 2012 um 07:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ok, dann eben wieder Liga zwee. 13:30 Uhr Anstoss find ich eh besser, kann man danach noch schön frühstücken gehen. *Galgenhumormodusaus*
    Was Hoffung macht: http://www.herthabsc.de/index.php?id=3503&tx_ttnews%5Btt_news%5D=13409&cHash=7fa3006de51645126ffd70b3191fe3d7

  4. Am 11. Mai 2012 um 20:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wenn ihr nächstes Jahr in Liga zwei spielt wird euer Stadion gegen uns sicher voll ;-)
    Aber trotzdem fände ich es gut wenn Hertha in Liga 1 bleibt.

  5. Fürth Fan
    Am 14. Mai 2012 um 16:07 Uhr veröffentlicht | Permalink

    sehr gute Spielanalyse! Ich hätte niemals damit gerechnet, dass Fortuna Düsseldorf das Hinspiel gewinnt. Und für die Hertha muss jetzt ein Fussballwunder her um den Verbleib in der Bundesliga zu sichern.

  6. berlinerin
    Am 15. Mai 2012 um 13:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

    hab mal ne frage: möglicherweisse ist sie etwas dumm,nunja: was genau muss passieren (beim spiel heute abend) damit die hertha in liga 1 bleibt?ein wunder klar,aba wie genau?kann mir das mal jmd genau ausrechnen?danke!!!lg

    • Daniel
      Am 15. Mai 2012 um 13:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Klar: Hertha braucht einen Sieg mit mindestens zwei Toren Unterschied ODER einen Sieg mit mindestens drei geschossenen Toren.

      Das heißt: 1:0 und 2:1 würde nicht reichen (bei 2:1 gäbe es eine Verlängerung).

      2:0, 3:1, 4:2 oder 5:3 reichen genauso wie höhere Siege!

      Außerdem würde auch ein 3:2, 4:3 oder 5:4 aufgrund der mehr geschossenen Auswärtstore zum Klassenerhalt führen.

  7. Süven
    Am 15. Mai 2012 um 15:04 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Fußballwunder nötig? Mitnichten! Einfach nur ein Auswärtssieg bei einem doch recht biederen Zweitligisten, der jetzt alles zu verlieren hat. Und bei unserer Wundertüte kann man froh sein, nicht mit nem 2-1 dort hinzufahren und in der 85. min den entscheidenden Gegentreffer zu kriegen..so wirds ein ganz deutlicher Auswärtssieg! Sonst fall ich halt aus dem Fenster! Hahohe

    • Herthana
      Am 15. Mai 2012 um 16:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

      bitte nicht aus dem Fenster fallen!! Wunder geschehen immer wieder … HaHoHe

  8. Joel
    Am 15. Mai 2012 um 15:07 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich bin für eines der berühmt berüchtigten Fußballwunder :-)

  9. Oliver
    Am 15. Mai 2012 um 16:54 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Da war ich irgendwie müde und dachte zum ersten Mal auch, es soll nur endlich vorbei sein und jetzt lese ich, daß ja doch einige noch auf ein Wunder hoffen. Sehr gut, auch wenn ich nicht mehr kann, ich halte durch: Und warum soll es nicht dazu kommen? Ich will auch noch immer an Ottos Aura glauben, daß er sich noch etwas aufgehoben hat, für sein letztes Spiel. Ich sage wieder, daß ich mich einfach überraschen lasse, von der Wundertüte Hertha.
    Und Daniel vielen Dank für deine Artikel, sie sind sachlich, bewahren aber immer eindeutig den Blick durch die blauweiße Brille, und so muß das bei einem Fan auch sein. Solche Artikel wie von dir müßten in der Zeitung stehen, so daß man merkt, daß der Autor für den Verein ist und trotzdem objektiv bleibt.
    Also Leute, nehmt noch mal alle eure Kräfte zusammen. Daß da so viele heimlich hoffen, das gefällt mir.

  10. Am 15. Mai 2012 um 17:43 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Gebt mir Tiernamen, aber alles andere als ein deutlicher Sieg der Düsseldorfer ist nicht drin.

  11. Oliver
    Am 15. Mai 2012 um 22:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Unfaßbar, wenn das in Berlin passiert wäre, wäre es abgebrochen worden.
    Der Hertha-Protest wird sowieso vom DFB abgeschmettert, die lachen sich ins Fäustchen, daß Hertha wieder weg ist aus der Bundesliga. Dann könnt ihr aber euer beklopptes Pokalfinale auch wieder irgendwo bei euch und nicht in unserem Stadion stattfinden lassen. Der DFB-Präsident sitzt auf der Tribüne neben Günter Netzer, dessen Firma Fortuna Düsseldorf vermarktet, super. Und Mehmet Scholl sagt, wie schockiert er ist, aber dieser häßliche Vogel Helmut Krug, Schiedsrichterexperte, legt nur sein dümmliches Grinsen auf, als sie den Elfmeterpunkt-Klauer zeigen. Ich bin wirklich gespannt, was passiert, es kann doch nicht sein, daß so ein Spiel noch einmal angepfiffen wird.

    • Oliver
      Am 15. Mai 2012 um 22:56 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Und wie nahe waren sie dran. Das nur für alle, die vor dem Spiel schon wußten, daß Hertha es nicht schafft.

      • Joel
        Am 17. Mai 2012 um 00:42 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Rayson will ja das wir ihm Tienamen für seine Blasphemie geben ;-)

        • Am 17. Mai 2012 um 09:50 Uhr veröffentlicht | Permalink

          Lasse ich nicht gelten, das war ja kein reguläres Spiel ;-)

          • Joel
            Am 17. Mai 2012 um 10:42 Uhr veröffentlicht | Permalink

            Hoffe der DFB sieht das auch so ;-)