Destruktive Stärke

Morgen profitiere ich als Exil-Herthaner durchaus von dem neuen DFL-Spielplan, der zwei separate Sonntags-Spiele vorsieht. Weil ich mir derzeit kein Pay-TV leisten kann (und bei den Preisen auch nicht leisten wollen würde), bin ich auf andere Quellen angewiesen. Bielefelder Kneipen boten sich bisher nur für eine Partie am Freitag-Abend an. Nun kann ich auch Sonntags und ggf. Samstags-Abends in jede Fußball-Kneipe spazieren und mir die Hertha in voller Länge anschauen. Ich bin sicher nicht repräsentativ (kein Pay-TV, Exil-Fan, keine Hertha-Freunde mit Pay-TV, keine Hertha-Kneipe in der Stadt), aber ich freue mich auf die kommenden Sonntage, an denen ich dies Spiele ohne Problem sehen kann (Vom Werfen fauler Eiern oder von äquivalent böswilligen Kommentaren, bitte ich abzusehen).

Foto: mrschnabel

Zum Spiel gegen die Borussia aus Gladbach gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Hertha BSC wird in der derzeit gesetzten Formation auflaufen: Wichniarek und Raffael werden stürmen, Domovchisky wird wieder als Joker kommen. Gesetzt sind Cicero und Kacar in der Zentrale, und auf der linken Seite Nicu. Fraglich ist, ob Piszczek oder Ebert auf Rechts spielt. Egal, wer hier zum Zuge kommt, wird auf dieser Position der erste Wechsel stattfinden. Die Position im rechten Mittelfeld ist derzeit wohl die offenste Frage. Dardai wird wohl wieder erst dann zum Einsatz kommen, wenn Favre auf ein offensives 4-3-3 umstellen muss. Die Defensive ohne Veränderungen und wie gehabt: Pejcinovic rechts, von Bergen und Friedrich innen, Stein mangels Alternativen links und Drobny im Tor. Ein mögliches – aber wohl unwahrscheinliches –  Szenario wäre Piszczek auf rechts zu bringen und Pejcinovic auf links verteidigen zu lassen. So fänden Ebert und Piszczek Platz in der Mannschaft und Marc Stein hätte Zeit, ein wenig über seine schwachen Leistungen nachzudenken. Diese Formation hängt letztlich an der Frage, ob Pejcinovic tatsächlich so flexibel einsetzbar ist und auch auf links ein gutes Spiel machen könnte.

Ansonsten begegnen sich zwei Mannschaften, die sich beide noch nicht verorten können. Sowohl Gladbach als auch Hertha hatten Mühen gegen einen schwachen Gegner im Pokal und erlebten eine durchwachsene erste Partie in der Bundesliga. Bei Hertha ist ungewiss, ob sie an die Leistungen der vergangenen Saison wird anknüpfen können. Die Magerkost gegen Hannover hat trotz des Sieges kaum die berechtigten Zweifel beseitigen können. Gladbach startete gegen Bochum furios, um sich in der zweiten Halbzeit noch drei Tore zu fangen. Ob die Leistungsfähigkeit des Teams ausreicht, um dieses Jahr nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben, ist für die Gladbacher nach wie vor eine unbeantwortete Frage. Die Begnung zwischen Gladbach und Hertha in der letzten Saison war eines der seltenen Spiele (wenn nicht sogar das einzige), in dem Voronin und Pantelic zusammen aufliefen und Hertha als Sieger vom Platz ging. Aber auch damals wurde kein ansehnliches Spiel präsentiert und es war dann auch folgerichtig Kacar, der das Spiel durch ein frühes Tor entschied. Überhaupt scheint es so zu sein, dass sich der junge Serbe zu einem Spieler entwickeln könnte, der in mäßigen Spielen den entscheidenden Ausschlag für die Berliner gibt. Für morgen bedeutet das: Wenn Hertha das Spiel bestimmen kann, dann bedeutet das, dass kaum Fußball gespielt wird und die Partie durch ein einziges Tor eines Mittelfeldspielers für Hertha entschieden wird. Sollte dies nicht gelingen, ist eine offene Partie mit einer Vielzahl von Toren zu erwarten, deren Ausgang völlig ungewiss ist. Nur ein Sieg für Gladbach ist kaum vorstellbar, weil Trainer Frontzeck noch nie gegen Hertha gewinnen konnte. Ich vertraue daher der destruktiven Stärke von Hertha BSC und tippe ein 1:0 für Berlin. Für Gladbach könnte eine erste Niederlage dann dieses Jahr schon zu einem (unverhofftem) Wiedersehen führen:

Foto:

Foto: martinstelbrink

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    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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2 Kommentare

  1. Am 15. August 2009 um 11:59 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ach was, hier wirft keiner faule Eier :-) Ich selbst habe auch gar nichts gegen den Spielplan, da ich flexibel bin und kein Leben habe :-P

  2. Kathy
    Am 15. August 2009 um 14:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Deine Vorschau auf das Spiel ist an sich nicht schlecht, aber einen entscheidenden Faktor hast du nicht bedacht: Ich bin im Stadion.
    Also wird, wenn alles gut läuft, höchstens ein Punkt geholt. Ist offenbar ein Naturgesetz. Sorry.

    Bei den Anstoßzeiten bin ich ganz auf deiner Seite. Die sind zwar wirklich unter aller Sau, aber für mich persönlich eine Verbesserung. Da bin ich Opportunist und stehe dazu. Eier bitte per Post.

    Ich hoffe, wie du bereits erwähnt hattest, auf eine Viererkette mit Pejcinovic links und Piszczek rechts. Stein hat mich doch arg enttäuscht. Er hat sich in der letzten Saison, die auch katastrophal für ihn angefangen hatte, von Spiel zu Spiel gesteigert und war zwischenzeitlich zumindest solide. Aber soll das jetzt wieder von vorn anfangen? Nein, danke. Dann lieber Pitsche. Der hat zwar auch seine Schwächen in der Defensive, sorgt aber zumindest ab und zu für gelungene Offensivaktionen und kann flanken. Dann wäre auch der Platz im rechten Mittelfeld für Ebert frei, mit dessen Einwechslung letzte Woche gegen Hannover mehr Feuer ins Spiel kam und der m.M.n. bei dieser Konkurrenz auf der Bank nichts verloren hat. Begrüßen würde ich auch Dardai statt Nicu in der Startelf. Cicero gefällt mir auf der linken Seite besser als in der Zentrale und Kacar könnte sich etwas mehr in die Offensive einschalten, es muss ja nicht gleich ein 4-3-3 sein. Ob der aber nach der Länderspielreise bei 100% ist, ist auch nicht sicher.

    Ach, wir werden sehen. Es lohnt sich eigentlich gar nicht, wegen dem einen Punkt so viele Überlegungen anzustellen. ;-)