Die Fußballspieler-Affäre – eine Satire

Der heiße Sommer der CZ-Sportredaktion zwischen Aufstiegseuphorie und Erstliga-Fieber. Doch einige Journalisten verbrachten ihn nicht im Frührentner-Paradies auf Usedom oder im heilklimatischen Kurort Bad Lippspringe, sondern im schönen Schloss Pichlarn SPA & Golf Resort in Irdning, im Trainingslager einer Fußballmannschaft.

Die CZ-Reporter und der Fußballspieler.

Nach einem Pressetermin boten CZ-Reporter 1, CZ-Reporter 2 und CZ-Reporter 3 dem Spieler statt sportlichen Fragen das “Du” an. Flüchtige Konversationen hin und her, nur acht Tage später führte CZ-Reporter 2 das erste Interview. Nachmittags-Gespräch in der Irdninger Juli-Hitze. Doch kaum war der Reporter weg, stieg schon der nächste aus dem Fahrstuhl vor dem Hotelzimmer des Fußballspielers mit den neongelben Schuhen.

Diesmal geht es nicht nur um Fußball. Der Spieler und der CZ-Reporter 3 quatschen, schäkern, albern – den Fußballer und den CZ-Reporter trennen nur ein paar Jahre. Fast wie Freunde, die sich schon lange kennen: Der CZ-Reporter zeigt den jüngeren Kollegen des Spielers ein paar alte Reportertricks, sie sehen gemeinsam Fernsehen, “Watergate”, Reporterkitsch. Ein Physiotherapeut kommt zufällig vorbei, die Männer plaudern im Wohnzimmer, der Spieler serviert Kaffee.

Zu schön, um wahr zu sein.

Nachdem der CZ-Reporter endlich mit dem Spieler allein ist, zeigt er sein wahres Gesicht.

“Er war wie ausgewechselt”,  erzählt der Profi im Gespräch mit dem Hertha-Blog. “Wir führten ein privates Interview, aber er war plump und respektlos. Ich habe ihn kaum wiedererkannt.”

Er hat sich wichtig gefühlt, erwachsen, begehrt, als sich die großen CZ-Reporter mit ihm verabredeten. Aber kann ein junger Fußballer einschätzen, was er da tut?

Dem Fußballer dämmert zum ersten Mal: Er hat sich auf ein Spiel eingelassen, in dem andere die Regeln machen. Harte Regeln. Boulevard-Regeln. CZ-Reporter-Regeln.

Trotzdem macht der Fußballer weiter.

Wo hört eine absurde PR-Beziehung auf, wo beginnt, moralisch gesehen, Missbrauch? Vielleicht dort, wo ein naiver Jungstar einem Erwachsenen, gerissen, nachrichtengeil, ohne Rücksicht auf Verluste, nichts anderes entgegenzusetzen hat, als seine sportlichen Leistungen.

“Er ist danach schnell gegangen und hat sich so verhalten, wie man es einem Menschen gegenüber nicht macht.”

Trotzdem beantwortet der Spieler weiter die Fragen, die das Reporter-Trio ihm schickt. Nicht mit allen kommt es zu einem privaten Interview. CZ-Reporter 1 drängt, doch er sagt, er habe keine Zeit. CZ-Reporter 2, der Mann für das Nachmittags-Interview, will Fotos von ihm. Er schickt professionelle Sportfotos. Der Reporter will etwas anderes: “Sehr schick, junger Mann. Ich muss Dich mir mal wieder live anschauen. Dann darfst du auch eine Jeans anziehen.”

Knappe Grammatik, knappes Wertegerüst. Noch einmal: Der Spieler war jung. Und der CZ-Reporter mehr als zehn Jahre älter und ein Vorbild für so viele kleine “Was-mit-Medien-”Studenten.

CZ-Reporter 2 schickt Fotos von sich: fülliger Oberkörper, eine Jogginghose über den Hüften. Beim Dönermann.

Die Geschichte von dem Jungspund mit dem Hang zum netten Chat spricht sich herum, auch in erweiterten CZ-Reporter-Kreisen. Der Spieler bekommt eine SMS von einem ehemaligen CZ-Reporter. Er schreibt ihn über Facebook an, er kennt seine Geschichte. Er schickt seine Handynummer, ein paar SMS später kommt es zum Treffen im Hotelzimmer. Danach schickt er ein Foto von einem Reporter, der etwas in seinen Block schreibt. Er will ein Bild von seinem Ohrläppchen. Wofür? Der Spieler schickt nichts zurück.

“Ich habe ja nicht geglaubt, dass ein Reporter das Interview für mich schreiben würde. Aber irgendwie habe ich gemerkt, dass es sich nicht richtig anfühlt.”

Ein Reporter bot 1000 Euro für ein Video-Interview

Das Spiel aber, dass er angepfiffen hat, ist noch nicht beendet. Ein weiterer Ex-CZ-Reporter, von dem er noch nie vorher gehört hat, versucht sein Glück ebenfalls über Facebook. Er schickt ein Foto seines halb aufgerichteten Kugelschreibers. Später erzählt ein Kollege dem Spieler, dass er einen seiner Facebook-Freunde angeschrieben hat und ihm 1000 Euro für ein Video-Interview geboten hat.

Die Chatverläufe und Bilder liegen dem Hertha-Blog natürlich nicht vor.

“Die Reporter haben eine gute Taktik, sie sprechen sich offenbar untereinander ab. Ich finde das komisch, weil man doch unter seriösen Journalisten eigentlich nicht so gerne erzählt, dass man ein Boulevard-Interview mit einem jungen Spieler gemacht hat.”

Ist der Spieler naiv?

Ja, was sonst. Und hat er nicht alles Recht dazu, naiv zu sein?

Respekt ist ein Wort, das in Redaktionen gerne benutzt wird, um die Vorbildfunktion der Journalisten zu betonen.

Der Spieler bricht den Kontakt mit den CZ-Reportern ab. Da ist ein Spieler in seinem Alter, mit dem er sich vorstellen kann, die Bundesliga durcheinander zu wirbeln.

(Achtung: Bevor jemand hier auf dumme Gedanken kommt: Das ist natürlich Satire. Nichts davon ist wahr oder ernst gemeint, die handelnden Personen und Institutionen erfunden, Ähnlichkeiten sind rein zufällig. Macht man doch so, oder?)

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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8 Kommentare

  1. Schoddie
    Erstellt am 27. August 2013 um 21:40 | Permanent-Link

    Das ist richtige geile Satiere!! Respekt! Genialer Blog!

  2. Erstellt am 27. August 2013 um 21:55 | Permanent-Link

    Toll gemacht. So geht Boulevardjournalismus heute. Natürlich rein fiktiv, ist ja die CZ – die Chemnitzer Zeitung… oder so

    • Erstellt am 28. August 2013 um 08:34 | Permanent-Link

      Hey, jetzt zieh da nicht meine Heimatstadt mit rein! ;-)

      Toll geschrieben, Daniel. Spätestens beim Kugelschreiber hab ich laut losgelacht.

  3. Enno
    Erstellt am 28. August 2013 um 07:50 | Permanent-Link

    Wunderbar den Spiegel vorgehalten, toll!

  4. Recman
    Erstellt am 28. August 2013 um 10:44 | Permanent-Link

    Sauber recherchiert. So macht man das!

  5. Erstellt am 28. August 2013 um 11:32 | Permanent-Link

    @Recman
    Seltsam. Genau das wollte ich auch anmerken.

  6. mikl1892
    Erstellt am 28. August 2013 um 13:26 | Permanent-Link

    Perfekt! Perfekt! Perfekt!

  7. Jens
    Erstellt am 28. August 2013 um 16:33 | Permanent-Link

    Ein absolut angemessener Umgang mit dieser “Affäre” – eine der wenigen, an einer Hand abzählbaren, Beiträge, die ich unterstützen kann.

    Sehr gut gesehen und verarbeitet, weil eigentlich kann man es fast nur falsch machen.

    Vielen Dank für diesen Beitrag, bei dem ich einige Male lachen musste.

2 Trackbacks

  1. Von Sportmedien unter der Lupe am 27. August 2013 um 22:02

    Der Sexskandal bei Hertha BSC – Eine Ente…

    Viele Sportinteressierte werden es in den letzten Tagen mitbekommen haben. Mehrere Profis von Hertha BSC sollen Sex mit einer Minderjährigen gehabt haben – eine Ente. An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich Sodomie nicht gutheiße, sondern a…

  2. Von #Link11 Tag der Freiheit | Fokus Fussball am 28. August 2013 um 09:09

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