Die Krux mit der Vorfreude

Es gibt undankbarere Aufgaben am ersten Spieltag nach der Winterpause, als beim Tabellenletzten der zweiten Liga antreten zu müssen.

Könnte man meinen.

13 Punkte hat der Jahn aus Regensburg bisher ansammeln können – entsprechend aktiv war Geschäftsführer Franz Gerber aber auch in den letzten Wochen. Er hatte es nach dem Rausschmiss von Trainer Oscar Corrochano sieben Spiele lang selbst versucht. Sein größter Erfolg waren drei niederlagenlose Spiele in Folge gegen Kaiserslautern, Dresden und 1860 München. Es musste ein neuer Trainer her. Und Spieler.

Wirklich namhaft wird die Mannschaft dadurch zwar immer noch nicht. Aber Ex-Herthaner Timo Ochs, das Leverkusener Talent Carlinhos und der ehemalige Profi von Hannover 96 Julian de Guzman geben dem neuen Trainer Franciszek Smuda – ja, der Trainer, der Polen bei der EM betreut hat – zumindest ein paar zusätzliche Optionen.

Und dann ist da noch ein bis Donnerstag arbeitsloser Spanier namens Sergio Contreras Pardo – genannt Koke – der zuletzt in Aserbaidschan spielte, zuvor aber auch schon beim FC Malaga oder Olympique Marseille. Den stellte Franz Gerber erst am Donnerstag vor, die Rückennummer 10 lässt aber darauf schließen, dass er direkt in die Schaltzentrale der Regensburger gesetzt werden könnte.

Es ist also alles neu beim Jahn – und genau das ist die Gefahr für Hertha.

Im Hinspiel hakte es noch ein wenig bei der Mannschaft von Jos Luhukay. Die Partie in Regensburg war die nach der einzigen Hinrunden-Pleite in Frankfurt und vor dem Derby gegen Union. Und außerdem hatte Luhukays goldener Oktober noch nicht begonnen. Andererseits: Hatte er ja doch. Und Hertha ließ am Ende trotz des Anschlusstreffers noch ungefähr soviel anbrennen, wie ein notgeiler Macho um kurz nach fünf im Kudorf.

In den Wochen der Winterpause war es jedenfalls sehr ruhig im blau-weißen Lager. Neuzugänge waren nicht notwendig, schließlich hatte Michael Preetz noch namhafte Leistungsträger auf der Verletzten- oder Gesperrten-Liste stehen. Doch Levan Kobiashvili, Maik Franz und Pierre-Michel Lasogga sind zurück. Jos Luhukay muss nun sehen, was er mit der höheren Konkurrenz-Situation anfängt. Rotiert er noch mehr? Bleiben die jungen Spieler jetzt hinten dran? Oder wird er das ganze einfach wieder mit einem Lächeln wegmoderieren und seine Mannschaft von Sieg zu Sieg eilen lassen?

Es wirkte jedenfalls in den letzten Wochen so, als würde Luhukay lediglich ein paar Schrauben andrehen, Scharniere ölen und den Bordcomputer an den entscheidenden Stellen noch einmal umprogrammieren. Feintuning war angesagt in Belek – dem Mekka der Fußball-Wintertrainingslager. Eigentlich ein Wunder, dass nicht noch mehr aus dem mittlerweile doch recht großen Hertha-Kader den Weg zu anderen Vereinen gefunden haben. By the way: Malik Fathi hat heute bei 1860 München unterschrieben.

Ich traue mir keine Prognose darüber zu, welche elf Herthaner gegen Regensburg für einen guten Start und eine ruhige Derby-Vorwoche sorgen sollen. Gut, Peter Niemeyer ist nicht mit dabei – hat er auf seiner Facebook-Seite verkündet. Aber sonst? Ich freue mich auf die Überraschung am Sonntag. Überhaupt ist die Vorfreude auf den Rückrundenstart wieder einmal grenzenlos. Und ganz tief in mir gärt die Hoffnung, dass Hertha diese Vorfreude in echte Freude umwandelt.

Andererseits ist mein Verein aber ja genau dafür nicht bekannt.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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