Die Statistik lügt nicht

Eine Saison in der Fußball-Bundesliga lässt sich nicht Vierteln oder Dritteln. Das ist eine Feststellung, die man zwangsläufig macht, wenn man nach acht Spieltagen so etwas wie eine Bilanz ziehen will. Man könnte jetzt darüber nachdenken, was wäre, wenn die Bundesliga nach ihrer Gründung im Jahr 1963 zwei Jahre später nicht auf 18 Vereine aufgestockt worden wäre (zumal Hertha daran durch den Zwangsabstieg 1965 unmittelbar beteiligt war). Bei 30 Spieltagen hätten sich wohl jahrelang Vereine als Drittel-Meister bezeichnen lassen müssen. Außerdem wären Statistiken aufgestellt worden: Wer nach dem ersten Drittel der Saison oben stand, hat in so und so vielen Fällen die Meisterschaft gewonnen. Und so weiter.  Doch weil dieser Zustand eben nur zwei Jahre anhielt, halten wir uns nicht länger mit Gedankenspielen auf, sondern ziehen einfach nach acht Spieltagen eine erste Bilanz.

Acht Spieltage, zwölf Punkte, zwölf Tore, neun Gegentore. Macht unter dem Strich Platz zehn.

Zum Vergleich:

In der Abstiegssaison 09/10 hatte Hertha zu diesem Zeitpunkt einen Sieg und sieben Niederlagen auf dem Konto, also drei Punkte und 7:20 Tore, Platz 18. Am Ende: Platz 18. (+-0)

In der ersten Saison nach dem Aufstieg, 97/98, stand ebenfalls nur ein Sieg auf der Habenseite. Bei zwei Unentschieden und fünf Niederlagen war Hertha mit fünf Punkten Tabellenletzter, das Torverhältnis: 5:15. Am Ende: Platz 11. (+7)

Desweiteren:

  • 2008/2009: 14 Punkte, 4 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen, 10:9 Tore, Platz 4. Am Ende: Platz 4. (+-0)
  • 2007/2008: 12 Punkte, 4 Siege, 4 Niederlagen, 11:12 Tore, Platz 9. Am Ende: Platz 10. (-1)
  • 2006/2007: 13 Punkte, 3 Siege, 4 Unentschieden, 1 Niederlage, 14:9 Tore, Platz 3. Am Ende: Platz 10. (-7)
  • 2005/2006: 14 Punkte, 4 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen, 12:9 Tore, Platz 5. Am Ende: Platz 6. (-1)
  • 2004/2005: 11 Punkte, 2 Siege, 5 Unentschieden, 1 Niederlage, 10:7 Tore, Platz 7. Am Ende: Platz 4. (+3)
  • 2003/2004: 5 Punkte, 5 Unentschieden, 3 Niederlagen, 6:13 Tore, Platz 15. Am Ende: Platz 12. (+3)
  • 2002:/2003: 12 Punkte, 3 Siege, 3 Unentschieden, 2 Niederlagen, 9:7 Tore, Platz 7. Am Ende: Platz 5. (+2)
  • 2001/2002: 11 Punkte, 3 Siege, 2 Unentschieden, 3 Niederlagen, 11:11 Tore, Platz 7. Am Ende: Platz 4. (+3)
  • 2000/2001: 15 Punkte, 5 Siege, 3 Niederlagen, 20:13 Tore, Platz 4. Am Ende: Platz 5. (-1)
  • 1999/2000: 10 Punkte, 2 Siege, 4 Unentschieden, 2 Niederlagen, 12:14 Tore, Platz 9. Am Ende: Platz 6. (+3)
  • 1998/1999: 13 Punkte, 4 Siege, 1 Unentschieden, 3 Niederlagen, 13 Punkte, Platz 4. Am Ende: Platz 3. (+1)

Was auffällt: Mit exakt der gleichen Bilanz wie in dieser Saison startete Hertha auch in der Saison 2002/2003 – und wurde am Ende 5. Viel wichtiger allerdings: Mit einer Ausnahme (die, die Regel bestätigt) war Hertha seit 1997 am Ende der Saison nie mehr als einen Platz schlechter als am achten Spieltag einer Bundesliga-Saison.

Zudem geht die Mannschaft mit viel Selbstvertrauen aus dem Saisonstart hervor. Die Maßnahmen des Trainers fruchten, die Nachrücker, die für gesperrte oder verletzte Spieler ins Team kommen, fügen sich nahtlos ins Gesamtbild ein und dann gelingen eben auch solche Experimente, wie die Rückholaktion von Änis Ben-Hatira. In Hamburg hat man ihm kaum eine Träne nachgeweint, für Hertha hat er jetzt schon drei Punkte fast im Alleingang geholt. Die Spielfreude, die er gegen Köln auf den Platz brachte, war ansteckend, sein Kölner Gegenspieler Andrezinho ist wohl heute noch dabei, sich die Beine zu entknoten.

Hinzu kommt, dass der Zusammenhalt in der Mannschaft stimmt. Da sind die Freigeister, die vom Trainer und von den Defensiv-Spezialisten immer wieder auf den Boden geholt werden, alle profitieren voneinander und so fügt sich alles positiv ineinander. Wenn es Markus Babbel weiterhin so gut gelingt, das Hertha-Puzzle zusammenzufügen, dann könnte Marcel Reif recht behalten. Obwohl er mit seiner Annahme, dass Hertha im „ausgesprochen gesicherten Mittelfeld“ landet, ja auch nur die ohnehin für Hertha sprechende Statistik unterstreicht.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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4 Kommentare

  1. Blauer Montag
    Am 8. Oktober 2011 um 18:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ja Daniel,
    Stand heute sieht die Tabelle schick für Hertha aus.
    Ich bin riesig gespannt darauf, wieviele Siege der Mannschaft noch gelingen werden bis zum Ende der Hinrunde. Schlecht fand ich bis jetzt nur die Spiele gegen Augsburg und Nürnberg. Es sähe sehr, sehr gut aus bezüglich des Klassenerhalts, falls die Hertha schon zur Winterpause mehr als 24 Punkte erreicht hätte.

  2. Andi
    Am 9. Oktober 2011 um 17:10 Uhr veröffentlicht | Permalink

    man sollte mal Mario Basler fragen, was er zur Hertha sagt … dieser hatte vor der Saison eindeutig festgestellt, dass die Mannschaft nicht bundesligatauglich ist und wir definitiv absteigen …

  3. Blauer Montag
    Am 11. Oktober 2011 um 08:57 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Mario Basler, Andi?
    War das nicht mario Barht gewesen?

  4. Blauer Montag
    Am 11. Oktober 2011 um 08:59 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Nochmal Andi … :-(
    Mario Basler?
    War das nicht Mario Barth gewesen?