Die Tabelle ist schuld

Die Tabelle ist schuld.

Na klar kann man sich über dieses 1:3 in Leverkusen ärgern. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die ersten beiden Gegentore jeweils ein Geschenk zunächst von Hertha selbst (Valentin Stocker schießt Marvin Plattenhardt an) und dann vom Schiedsrichter (Wie war das mit der Handspielregel?) waren.

Na klar kann man sich ärgern, vor allem, wenn man bedenkt, dass Vedad Ibisevic die Chance zum 2:2 hatte und das Wort Chance ist hier eigentlich die Untertreibung des Jahres, denn das, was sich Ibisevic da bot, war quasi ein leeres Tor, in das dann eben doch noch ein Torhüter hineinhechtete, was deshalb Erfolg hatte, weil Ibisevic den Ball unplatziert in die Mitte schob, statt ihn unter die Latte zu jagen oder neben den Pfosten oder halt irgendwo anders hin als genau in die Mitte.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

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Na klar, kann man sich ärgern. Andererseits: So richtig verdient wäre es eben einfach nicht gewesen an diesem Sonntag. Hertha hat in Leverkusen „ein gutes Auswärtsspiel“ gemacht, wie Pal Dardai nach dem Spiel sagte. Nur das Ergebnis, das stimmte halt nicht. Und ja, die Chance von Ibisevic, da mache er seinem Kapitän keinen Vorwurf, schließlich sei auch das Fußball, dass man so eine Chance nicht verwerte.

Tatsächlich spielte Hertha zumindest in der ersten Hälfte gar nicht schlecht. Die beiden Leverkusener Tore hatten sich wirklich nicht angedeutet, Hertha hatte sich hier und da dem Leverkusener etwas angenähert, aber das Spiel blieb mit Ausnahme der Szene, die zum Anschlusstreffer führte, ein ungenaues Unterfangen. Das ist ja so ein bisschen das Phänomen an dieser Mannschaft. An guten Tagen sieht das alles aus wie einstudiert. An schlechten Tagen wirkt es dann eben so, als hätten diese Profis da unten noch nie miteinander trainiert. Da werden Pässe ins Aus gespielt oder in Räume, die so frei sind, das sie nur von Leverkusenern besetzt werden. Oder Genki Haraguchi rutschen von vier Flanken drei über den Schlappen…

Als Hertha dann das Visier herunternahm, war Leverkusen stets näher dran am 3:1 als Hertha am 2:2. So eine Mannschaft ist die von Pal Dardai nicht. Sie erzwingt in der Regel nichts, sondern nimmt die Situationen wie sie kommen und je nach dem, wer dann auf dem Platz steht, erzielt Hertha ein Tor oder eben nicht. Hertha ist eine merkwürdige Mannschaft, die zwar als Kollektiv gut funktioniert, also in der Regel schwer zu schlagen ist (wenn sie oder der Schiedsrichter dem Gegner keine Tore schenkt), ihre Spiele aber sehr häufig auch nur durch einzelne Geistesblitze gewinnt. Bleiben diese aus, geht das Spiel unentschieden aus oder es geht eben verloren.

Foto: Lars Baron/Bongarts/Getty Images

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Die Hinrunde ist mit diesem 1:3 in Leverkusen abgeschlossen. Und es ist schon kurios, dass Hertha durch die Niederlage punktemäßig sogar schlechter dasteht, als in der Vorsaison. Da waren es nach 17 Spielen 32 Punkte, aktuell sind es „nur“ 30. Das ist für Hertha immer noch eine hervorragende Ausbeute, über die ich mich immer noch wahnsinnig freue.

Die Tabelle ist schuld.

Denn nur wegen dieser unsäglichen Tabelle hat Hertha nach dieser großartigen Hinrunde jetzt plötzlich etwas zu verlieren. Und mit jeder Niederlage ist es wahrscheinlicher, dass es am Ende wieder nicht für Europa reicht. Was ich persönlich erneut gar nicht so dramatisch fände. Aber für die Außenwirkung und die Entwicklung der Mannschaft wäre es, sagen wir mal, ungünstig.

Nächste Woche spielt Hertha bei den extrem heimstarken Freiburgern. Da reicht noch so „ein gutes Auswärtsspiel“ nicht. Es muss schon sein sehr gutes sein.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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