Drei Punkte? Warum nicht?

Ich wohne in Dortmund und allein deshalb ist das Spiel am Samstag etwas Besonderes für mich. Ich glaube nicht, dass ich zu erzählen brauche, dass man als Hertha-Fan vor einem Spiel gegen die Borussia von oben herab behandelt wird. „Ja, ja, ist ja schön und gut mit deiner Hertha, aber am Samstag könnt ihr die Punkte an sich auch vor dem Stadion abliefern, die Chance, dass es euch gelingt dabei welche zu klauen sind größer, als im Stadion selbst.“

Naja, ich versuche darauf nicht einzugehen. Aus Selbstschutz natürlich, denn es gibt wenige Leute die schlechter verlieren können als ich. Und wenn um einen herum dann auch noch alle jubeln und einem sagen: „Hab ich dir doch gesagt, dass ihr hier nichts holen werdet“, dann wird die Situation natürlich nicht gerade besser.

Da ich zurzeit krank im Bett liege, muss ich wenigstens nicht mit irgendwelchen Dortmundern zusammen gucken, sondern kann es mir zu Hause gemütlich machen. Ja, ich werde nicht im Stadion sein. Ich weiß nicht mal, ob es das erste Mal ist, seit ich hier hergezogen bin und Hertha in Dortmund spielt. Ich hab mich zu spät um Karten gekümmert, aber da ich jetzt wie gesagt krank im Bett liege, ist das halb so schlimm. Fakt ist, dass Hertha seitdem noch nicht in Dortmund gewonnen hat.

Und so werde ich unseren Sieg also zu Hause vor dem Fernseher verfolgen.

Der BVB hat mich in dieser Saison nur am ersten Spieltag beim 3:1 gegen den HSV wirklich überzeugt. Aber welches Team hat das in dieser Saison nicht? Und danach? Die für den BVB mittlerweile obligatorische 0:1-Pleite in Hoffenheim, ein standesgemäßes, aber längst nicht souveränes 2:0 zu Hause gegen Nürnberg und das für manche sogar schmeichelhafte 0:0 in Leverkusen. Der überlegene Tabellenführer der Vorsaison ist das noch nicht.

Die Dortmunder Tore werden häufig durch schnelles Kurzpassspiel herausgespielt, dessen Ausgangspunkt sehr häufig der gegen Hertha gesperrte Mario Götze ist. Für Götze wird voraussichtlich Blaszczykowski ins Team rücken und zusammen mit dem Ex-Herthaner Piszczek die rechte Außenbahn bearbeiten. Da kommt einiges auf Kobiashvili und den davor aufgestellten linken Mittelfeldspieler zu.

Ob dieser möglicherweise schon Änis Ben-Hatira heißen wird, wollte Markus Babbel auf der abschließenden Pressekonferenz nicht sagen. Mir persönlich wäre ein defensiv denkender Spieler, der die Abläufe im Hertha-System bereits verinnerlicht hat, lieber. Denn Lücken sind das, was man sich gegen den BVB niemals leisten darf, weil sie sofort ausgenutzt werden. Aber außer Ruka fällt mir da spontan niemand ein. Und der war zuletzt bei Markus Babbel eher hinten dran. Ich bin auf die taktische Ausrichtung ohnehin gespannt. Hinten rein und auf Konter? Oder vorne drauf das Aufbauspiel der Borussen früh unterbinden? Ich persönlich glaube, dass es gegen den BVB wichtig ist, den Platz vor dem Tor zu verengen und ihn dort nicht kombinieren zu lassen. Zumal ein 0:0 in Dortmund sicherlich nicht das schlechteste Ergebnis wäre (egal, was ich am Anfang erzählt habe).

Sollen es drei Punkte werden, wird es offensiv wichtig sein, die Konter vernünftig und zielstrebig zu Ende zu spielen. So viel Platz und Möglichkeiten wie gegen Stuttgart werden Raffael und Ramos nicht wieder bekommen. Die ein, zwei Chancen, die der BVB zulässt, müssen sitzen.

Und warum sollte es dann nicht die Sensation geben, wie damals am 18. November 2006, als Andreas Schmidt und Gilberto die beiden Tore beim 2:1-Erfolg in Dortmund schossen. Auch schon wieder fast fünf Jahre her. Seitdem holte Hertha dort drei Unentschieden (eins davon ging in die DFB-Pokal-Verlängerung, in der Klimowicz den BVB eine Runde weiter schoss) und verlor nur einmal. So eine Festung ist der Signal-Iduna-Park also gar nicht.

Und Punkte für Hertha sind deshalb auch nicht so abwegig, wie es die Dortmunder hier alle behaupten.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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4 Kommentare

  1. Blauer Montag
    Am 9. September 2011 um 16:50 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Gute Besserung Daniel!
    Ich hoffe steinstark, dass ein Punktgewinn der Hertha in Dortmund zu deiner raschen Genesung beiträgt, und du mit brieter Brust durch Dortmund gehen kannst.

    Das wird schon.

    • Blauer Montag
      Am 9. September 2011 um 18:33 Uhr veröffentlicht | Permalink

      …will sagen… mit breiter Brust…

  2. Halblinks
    Am 9. September 2011 um 19:19 Uhr veröffentlicht | Permalink

    gute Besserung, Daniel, auch von mir!
    Ich denke, 3 Punkte sind extrem fern der Realität. Ich könnte aber schon sehr gut mit einem ermauerten 0:0 leben. Aber selbst an sowas kann ich kaum glauben und befürchte doch eher eine Demütigung. Wenn die Dortmunder Offensive auch ohne Götze erstmal ins Laufen kommt, kann sich Herthas IV warm anziehen.

    • Joel
      Am 12. September 2011 um 08:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Na halblinks dann bist du auch von Glauben abgekommen, wie wir alle oder? ;-)

2 Trackbacks

  • […] – doch ein Spitzname erinnert ihn an den …Hertha geht's nicht!Berliner KurierDrei Punkte? Warum nicht?Hertha BSC Blog (Blog)Sport: Oben ist leichterTagesspiegelBZAlle 7 […]

  • Von Babbel der Konzepttrainer | Hertha BSC Blog am 13. September 2011 um 09:50 Uhr veröffentlicht

    […] Denn mal ehrlich: Zu wissen, dass der BVB vor allem durch die Mitte den Torerfolg sucht, dafür braucht man offensichtlich nicht mal Ahnung vom Fußball zu haben. Das ist offensichtlich. Auch die daraus logisch Schlussfolgerung, den Gegner häufig über die […]