Eichhörnchen-Taktik

Man möge doch gefälligst etwas mehr Schwung im Abstiegskampf entwickeln, bat Kapitän Arne Friedrich höflich, nachdem Hertha gegen Bochum ein zweites torloses Unentschieden in Folge „erspielte“. Und weil man (!) von einem Kapitän eines Bundesligaklubs erwartet, dass er sich prägnant ausdrückt, sagte Arne Friedrich eventuell: „Wir müssen einfach noch mehr aus dem Arsch kommen!“ Erstaunlich ist doch, dass nur einige Agenturen und die Zeitung mit den großen Buchstaben diese Formulierung wörtlich (?) übernommen haben. Woanders heißt es nämlich: „Wir müssen endlich den Hintern hochkriegen.“ Die Morgenpost umschreibt die Aussage mit der Bemerkung, Friedrich sei wohl frustriert gewesen. Was hat er nun tatsächlich gesagt? Ist das ein kreativer Spielraum, den Journalisten nutzen dürfen? Nachdem wir hier schon mal über vermeintlich echte Aussagen von Arne Friedrich diskutiert haben, wollte ich das Thema an dieser Stelle noch mal aufgreifen.

Eigentlich geht es mir jedoch um die Ursache von Friedrichs Frustration. Er hat nämlich genug von der Eichhörnchen-Taktik. Ich dachte bisher eigentlich, dass ich über ein solides Grundwissen über Spielsystem verfüge, aber eine Eichhörnchen-Taktik ist mir bisher nicht unter gekommen. Das wird wahrscheinlich vielen so gehen. Und ich kann euch sagen, dass ihr einen Trend verpasst habt. Die Eichhörnchen-Taktik findet schon lange Anwendung im Fußball. Christoph Daum hat sie schon angewendet. Uli Hoeneß weiß bescheid. Und ja, auch Friedhelm Funkel kennt sich bestens damit aus. Er schaffte mit der Eichhörnchen-Taktik 1999 den Klassenerhalt mit dem MSV Duisburg.

Sicher hätten neun oder sieben Punkte bessere Voraussetzungen für die weitere Aufholjagd geschaffen. Aber gibt es tatsächlich einen Grund genervt zu sein? Um diese Frage zu beantworten, schauen wir uns doch am besten die Entwicklung des Abstiegsquotienten an. Hier die aktuelle, grafische Aufbereitung (Für eine Großansicht, bitte klicken):

Ich habe das heute mal nicht in den bekannten „Badezimmermatten“ designt, sondern eine schlichte Variante gewählt. So kann man nämlich einen Trend berechnen lassen, der durch die dünnen Linien markiert wird. Und wie man sehen kann, wird das Ziel – unten rechts in der Ecke anzukommen – bei Weitem verfehlt. Insofern kann man zwar sehen, dass sich der Quotient verringert hat. Aber rechnet man die aktuellen Leistungen auf die Saison hoch, reicht es derzeit nicht einmal für die Relegation. Hier noch einmal die aktuelle Tabelle:

Insofern stimme ich Arne Friedrich zu: Die Eichhörnchen-Taktik nervt kollossal, weil Hertha einfach nicht vom Fleck kommt. Zwar kristallisiert sich heraus, dass Hertha, Hannover, Nürnberg und Freiburg den Klassenerhalt unter sich aus machen werden. Aber um überhaupt noch eine Chance zu haben, muss Hertha in den kommenden Spielen punkten. Das Spiel gegen angenockte Bremer könnte am nächsten Freitag schon ein Schicksalsspiel werden.

Abschließend noch ein wichtiger Hinweis in eigener Sache: Felix wird am Dienstag Abend zwischen 21 und 22 Uhr bei 90elf zu hören sein und sich zur aktuellen Situation von Hertha BSC äußern. Schaltet alle ein! Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt.

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  • Wer hat das geschrieben?

    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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6 Kommentare

  1. Am 1. Februar 2010 um 19:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Zu dem Friedrich-Zitat: Das hat er genauso gesagt (also das mit dem „aus dem Arsch kommen“), nämlich in eine Kamera. Konnte man gestern im Doppelpass sehen.

  2. DM101
    Am 1. Februar 2010 um 20:00 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wenn alle ihre Position so gut ausgefüllt hätten wie Friedrich dies getan hat, stünde jetzt ein Sieg statt einem Unentschieden für Hertha zu Buche.

    Schon komisch, gefühlt wird der AkQ größer aber in Wirklichkeit eben nicht. Vielleicht weil man weiß wer noch alles kommt, als Gegner.
    Für den Trend müsste man eigentlich den 17 Spieltag rausnehmen, das verzehrt das Bild meines Erachtens etwas, aber trotzdem ’ne gute Idee Enno.

    Übrigens sind die AkQ-Werte in der rechten Spalte des Blogs noch vom letzten Spieltag.

    • catunn
      Am 1. Februar 2010 um 22:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Versteh ich jetzt nicht die Grafik. Laut Abstiegskampfwoeo…Abstiegskaprfkdss…..Abst…. also laut der Zahlen da oben, reichte zwischenzeitlich ein Quotient aus maximal 1,63 für Platz 15. Nach den Drei spielen hat man im Schnitt 1,666666666usw pro Spieltag geholt. Das müßte doch dann nach der Eichhörnchentaktik auch grafisch reichen…..wunder. Widersprechen sich da Tabelle und Weltabstiegsformel nicht irgendwie, oder liegt es einfach nur an der Uhrzeit oder meinem Abstiegskampfintelligenzquotienten, dass ich es nicht versteh?

  3. Morix
    Am 2. Februar 2010 um 09:13 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Quotient hin oder her 6 Punkte sind 6 Punkte und nicht mehr 10.

    Friedrich hat in meinen Augen gegen Bochum ein ziemlich gutes Spiel gemacht, wo es hapert sind die Aktionen nach vorne über die Außen und das Mittelfeld. Raffa verrennt sich zu oft, teilweise auch, weil sich keiner anbietet, beim 16er wird in die Mitte gezogen anstatt mal ein Flanke von Außen zu bringen und die weiten Abschläge von Drobny landen zu 80% beim Gegner. Gegen Bochum war man ja schon froh, wenn aus der Kopfwehrabwehr nach einem Abschlag der Ball ins Aus ging und Hertha dadurch einen Einwurf hatte.

  4. Am 2. Februar 2010 um 20:57 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ach, die Richtigkeit der Zitate von Arne Friedrich. Das ist ein gutes Stichwort. „Hand aufs Herz: Haben Sie in der Winterpause an einen Wechsel gedacht? Wolfsburg hatte Interesse, mein Berater hat Gespräche geführt.“ Nachzulesen in Gänze also hier: http://www.bz-berlin.de/sport/hertha-bsc/hertha-friedrich-glaubt-an-die-rettung-article719627.html

    Es wurde also doch von Jörg Neubauer bei Hertha angefragt, ob AF in der Pause gehen darf. Nur weil MP Nein sagte – kategorisch -, wurde der Plan zu den Akten gelegt. Also das nach außen durchsickerte, soll es also nicht wahr gewesen sein. Und die Medien waren die Bösen …

    Wenn mein Berater so etwas ohne mein Wissen macht, wäre er die längste Zeit mein Berater gewesen. Ich glaube da nicht an unwisentliches handeln …
    Und da es also doch gestimmt hat, darf man schon die Frage stellen, ob man sich seinerzeit wirklich so 1000%-tig mit der Sache noch identifiziert habe, wie dann im Brustton der Überzeugung vorgetragen. Das aber nur nebenbei.

    Tatsächlich muss Hertha nicht irgendwann einmal gewinnen. Sondern jetzt. Denn es wird nicht langen, jeden Spieltag ein Pünktchen aufzuholen. Da wäre man dann zwar nach 27 bis 28 Spieltagen endlich auf einem Level mit Nürnberg, Hannover und Freiburg angekommen. Doch am Ende lauern die großen Drei und damit noch größere Aussichten auf Null Punkte im Schlusspurt.

    Zudem glaube ich nicht, dass der Club sich da unten unmittelbar vor Hertha hält, sondern jetzt anfängt sich Stück für Stück rauszuarbeiten. Das hieße für Hertha wiederum, auch mit Eichhörnchentaktik wäre maximal Rang 16 – also der Relegations-Strohhalm einer Fifyt-Fifty-Chance – drin.

    • Kugelblitz
      Am 3. Februar 2010 um 23:16 Uhr veröffentlicht | Permalink

      …“Aber wenn der aktuelle Kader schon im Sommer zusammen gewesen wäre, sähe es bestimmt anders aus. „…

      Auch diese Aussage finde ich sehr bemerkenswert.

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