Ein heikler Deal

Was waren wir naiv. Natürlich war es völlig unrealistisch zu glauben, dass Hertha – unsere immer noch von Hoeneß’scher Buchhaltung durchzogene Hertha – finanziell mal eben so einen Abstieg in die zweite Bundesliga verkraften könnte. Wir wussten von den Schulden, die der Verein hat. Wir wussten auch, dass die Offiziellen stets behaupteten, es wäre alles im Lot. Und wir glaubten das. Selbst als Hertha mit Raffael, Ramos und Hubnik drei für die zweite Liga eigentlich viel zu teure Spieler in Berlin hielt.

Was waren wir naiv.

Denn natürlich mussten die Jungs aus der Finanzabteilung mit Chef Ingo Schiller – mal wieder – tricksen, um die Liquidität zu sichern, wie man so schön sagt. Trickhelfer war die Stadiongesellschaft, die Hertha das Olympiastadion vermietet und die faktisch dem Land Berlin gehört – und da wirds dann halt schwierig. Um das kurz vorwegzunehmen: Hertha muss man da keinen Vorwurf machen, der Klub muss versuchen, möglichst günstig die Einnahmen unter Kontrolle zu halten. Aber es ist schon arg blauäugig vom Berliner Senat sich darauf einzulassen, Hertha in diesem Jahr und auch in der kommenden Saison quasi kostenlos im Olympiastadion spielen zu lassen. Denn obwohl das offiziell ein Kredit ist (Hertha muss auf die laut Artikel etwa 5 Millionen Euro cica 5% Zinsen zahlen), ist die Rückzahlung an die Stadiongesellschaft nur dann gesichert, wenn Hertha wieder aufsteigt. Bleibt das Team in Liga Zwei kann ich mir kaum vorstellen, dass die Summe dann „nebenbei“ aufgebracht werden kann.

Und da wirds dann eben heikel. Denn eigentlich ist Berlin nicht dazu da, dem Verein Kredite zu geben. Dafür gibt es Banken. Die Stundung der Stadionmiete mag eine noble Geste sein, die angeblich sogar „wirtschaftlich“ ist, sie ist aber auch Eingeständnis an die Macht von Hertha BSC als Hauptmieter der Stadions. Ein Freibrief, der die Stadiongesellschaft – und damit die ohnehin völlig verschuldete Stadt – irgendwann (im Falle eines Nichtaufstiegs zum Beispiel) in arge Bedrängnis bringen könnte.

Wollen wir einfach mal hoffen, dass es gar nicht erst soweit kommt.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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10 Kommentare

  1. Alfred
    Am 12. September 2010 um 11:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hier interpretiere ich den Artikel aber komplett anders, na ja nicht komplett anders.

    Hertha steht natürlich wie seit Jahren leider am Abgrund, aber die Stundung erfolgte als man noch mal alle Kräfte für den Nichtabstieg bündeln wollte. (Wir haben dafür ja auch den Wunderstürmer Gekas, Hubnik und Kobi bekommen)

    Laut dem Artikel zahlen wir diese Stundung aktuell aber ja schon zurück, nur ist es für Hertha zu viel die Stundung zu begleichen und nebenbei noch die normale Miete zu zahlen, so das auch diese Saison gestundet wurde.

    Es ist natürlich nicht toll schon wieder von einem Kredit in den nächsten zu schlittern, denn das kann nur böse ausgehen. Aber die Hoffnung stirbt zu Letzt. Sollten wir wirklich aufsteigen…

    • Daniel
      Am 12. September 2010 um 11:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Dass Hertha zahlreiche Kredite zurückzahlen muss, ist klar und uns auch allen bewusst.

      Aber, dass die Stadt da jetzt (erst?) mit drin steckt, finde ich halt schwierig.

  2. Hugo
    Am 12. September 2010 um 19:55 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Welche Alternative hatte die Stadt? Der Hauptmieter des Stadions,Hertha, hätte ohne Lizenz Insolvenz anmelden müssen und die Stadiongesellschaft wäre dann kurz danach gefolgt.

  3. Blauer Bär
    Am 13. September 2010 um 18:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Es wäre am schonendsten für die Nerven der Fans und die Liquidität der Hertha, wenn die Saison jetzt abgepfiffen wird.
    16. Wolfsburg in der 1. Liga.
    3. Hertha in der 2. Liga.
    Und sofort ertönt der Anpfiff für zwei spannende Relegationsspiele gegen die Mannschaft des GröFuMaZ.

  4. Moritz
    Am 14. September 2010 um 09:35 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hallo, mein Kommentar ist off topic:
    Weiß jemand etwas genaues darüber, ob
    und auf welchem Sender das Spiel am
    Freitag im Radio übertragen wird?
    Bis jetzt weiß ich was von Radio 88,8 aber das
    nur so gerüchteweise. Internetradio ist an
    dem Tag für mich leider keine Alternative und
    Sky/Kneipe auch nicht.
    Danke schonmal

  5. alexander
    Am 14. September 2010 um 09:43 Uhr veröffentlicht | Permalink

    inforadio überträgt die komplette 2. halbzeit ab 19:00, solang musst du mit 88.8 vorlieb nehmen

  6. Daniel
    Am 14. September 2010 um 10:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Schöner Kommentar vom Tagesspiegel. Ein bisschen über die Stundung an sich, aber vor allem über Unions Versuch, dadurch die Kluft zwischen beiden Vereinen noch ein bisschen größer zu machen.

    http://www.tagesspiegel.de/sport/ein-mietaufschub-schiesst-keine-tore/1932874.html;jsessionid=6CCDB0C0E171E0E7F75CC68F3D1256D3

  7. Daniel
    Am 14. September 2010 um 10:31 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Und in der Morgenpost ein Union-Präsident, der dem Senat ein westliches Handeln vorwirft: http://www.morgenpost.de/sport/union/article1394464/Union-Praesident-attackiert-den-Senat-wegen-Hertha.html

  8. herthawolf
    Am 14. September 2010 um 10:58 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Und wer auf Springerpresse verzichten will: Auf der Internetseite im Tagesspiegel eine gut gefüllte, differenzierte Kommentar-Leiste!
    Ansonsten warte ich darauf, einen Vorab-Artikel von Felix, Daniel oder Enno auf Freitag hier vorzufinden.
    Ich habe mir schon ein Plakat gemalt: „Wir haben unseren Feind und brauchen keinen weiteren!!“ – (daneben ein Anti-BFC-Logo).

  9. Am 14. September 2010 um 11:55 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich werde am Freitag mal die Augen auf halten, ob sich Herr Wowereit oder Herr Härtel, das Spiel ansehen werden. Das interessiert mich schon, wie schmerzbefreit die beiden sind.
    Ansonsten ist doch über die Stundung alles gesagt und wenn Unions Präsident und dann noch der Manager nicht noch gemeinsam mit der Morgenpost die Ost-West-Stufe gezündet hätten, würde jetzt keiner ernsthaft darüber noch reden.
    Zinglers Ärger ist allzu verständlich, wenn man bedenkt, welch dicke Bretter man beim Senat über Jahre bohren musste, um überhaupt zu diesem Erbpachtvertrag zu kommen. Und dann gibt es hier eine Mietstundung für Hertha und dort mal schnell mal einen günstigen Pachtvertrag für den Golfclub Wannsee. Aber vor einem solchen Spiel ballt man vielleicht die Faust in der Tasche und sagt nichts dazu.
    Und aus Hertha und Union ein Ost-West Ding zu machen, muss man entweder nicht mehr ganz jung sein oder nicht aus Berlin kommen…

Ein Trackback

  • Von ZACK | Hertha BSC Blog am 14. September 2010 um 20:22 Uhr veröffentlicht

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