Ein herzliches HA HO HE aus Hessen!

Hallo Hertha-Fans und Hertha-Blog-Leserschaft! Ich bin also die neue Autorin hier, und ich freue mich sehr, dass ich gefragt wurde, ob ich hier mitschreiben möchte. Einige von Euch kennen mich vielleicht aus den Kommentaren, wo ich als „HerthaKiwi“ geschrieben habe, oder von meinem eigenen kleinen Hertha-Blog, und nun bin ich also auch hier, um Felix, Daniel und Maria zu unterstützen.

Wer ich bin, möchte ich Euch in meiner Geschichte erzählen, die in einer anderen Form mal beim Schreibwettbewerb zu lesen war, aber nun noch mal neu geschrieben wurde. So könnt Ihr Euch ein Bild von mir machen:

Ich lebe in einer verschlafenen Kleinstadt mitten im Nirgendwo, auch bekannt als Mittelhessen. 100 Kilometer nördlich von Frankfurt/Main … sollte man da nicht besser Eintracht-Fan sein?

Spontan fällt mir einer unserer Fangesänge ein:

„Als ich ein kleiner Junge war, fragt ich mein Vater ‘Was soll’s denn sein? Wird es Borussia oder die Eintracht?’ Mein Vater sagte NEIN!“ (nur dass ich halt n Mädel bin)

Und um ehrlich zu sein, konnte ich die launische Diva vom Main nie wirklich leiden, seit eh und je ein rotes Tuch für mich. Aber Hertha? Warum nicht Schalke oder Dortmund, die hier in der Region aufgrund der recht schnellen Erreichbarkeit des „Potts“ zahlreich vertreten sind? Oder Bayern München, die eh bundesweit anzutreffen sind? Nein, es muss die „Alte Dame“ sein. Es gibt hier in der Region zwar vereinzelte Hertha-Fans, aber man muss sie mit der Lupe suchen. Und doch halte ich hier stolz die blau-weiße Fahne hoch.

Alles begann mit der Tatsache, dass ich mit Fußball auf die Welt gekommen bin. Mein Papa, gebürtiger Berliner, brachte immer den kicker mit nach Hause, da ich damals noch Werder-Fan war (und bis zum heutigen Tage Sympathien für diesen Verein hege). Es war das Jahr 1990, und die Hertha war gerade in die 1. Bundesliga aufgestiegen. Damals blätterte ich im zarten Alter von noch nicht einmal 10 Jahren den kicker durch und entdeckte neben Werder Bremen die Hertha, deren Trikots mir sofort ins Auge stachen: vorne war ein Bär drauf und darüber stand geschrieben „HERTHA BSC“. Aha, aus Berlin also, die Stadt, die ich (zumindest mal den West-Teil) doch aus x Besuchen kannte und dabei irgendwie lieben gelernt hatte. Ich begann also von diesem Tag an, mich für die Hertha zu interessieren und die Daumen zu drücken. Zwar stieg die Hertha gleich wieder ab, aber ich bemühte mich in all den Jahren, immer irgendwie am Ball zu bleiben, trotz Entfernung und ohne Internet.

In den 90ern folgte zwar ein heftiges Intermezzo mit dem SC Freiburg (anscheinend hab ich’s mit sogenannten „Underdogs“ …), aber die Hertha war immer irgendwie da. 1994 war es dann soweit: ich sah mein erstes Hertha-Spiel live im Olympiastadion. Es war arschkalt, nieselte, etwas über 3000 (!!) Zuschauer hatten sich ins Olympiastadion verirrt, um einem nicht gerade zur allgemeinen Erheiterung oder Erwärmung beitragenden, torlosen Unentschieden von Not (Hertha) gegen Elend (Stuttgarter Kickers) beizuwohnen. Wir reden hier von 2. Liga, damals wirklich Tristesse, und von zwei Teams, die am Ende der Tabelle herumkrebsten. Von da an begann der Wahn, seinen Lauf zu nehmen … Das Skurrile an dieser Geschichte ist, dass ich kurze Zeit später erfuhr, dass ein damaliger Spieler unseres Dorfvereins sich als „wahrscheinlich einziger Hertha-Fan in diesem Landkreis“ outete. Den Schal, den ich ihm damals schenkte, fährt er heute noch in seinem Auto spazieren.

1997. Der Aufstieg in die 1. Bundesliga. Damit hatte Deutschland auch wieder Erstliga-Fußball zu bieten, war man doch jahrelang die einzige europäische Hauptstadt ohne ebendiesen. In diesem Jahr sah ich mein zweites Hertha-Spiel im Stadion. Wir spielten gegen Borussia Mönchengladbach, die damals Spieler wie u.a. Uwe Kamps und vor allem Stefan Effenberg unter Vertrag hatten. Das Stadion war mit weit über 50.000 Leuten gut gefüllt, die Stimmung war um einiges besser als „damals“, und die Partie endete 2-2. Die Hertha war zwar schnell 2-0 in Führung gegangen, aber Gladbach schaffte den Ausgleich dann doch noch.

In diesem Moment wusste ich, dass das mit mir und der Hertha ne ernstere Angelegenheit werden würde. Seit sieben Jahren verfolgte ich ja bereits so gut ich konnte das Geschehen und Wohl und Weh der „Alten Dame“, aber seit eben jenem Jahr begann meine Beziehung zum Hauptstadtclub intensiver zu werden. Da ich aber irgendwie nur selten den Weg ins Stadion fand, wurde eben Samstag Nachmittag um 15.30h die Bundesliga-Übertragung im Radio gehört, mitgelitten, gebangt, gehofft, gezittert … alles. Es folgten Jahre voller Aufs und Abs, Champions League, Beinahe-Abstieg unter Huub Stevens, UEFA-Cup, Mittelmaß (bonjour tristesse!) und die Beinahe-Meisterschaft 2009. Irgendwann, müsste 2007 gewesen sein, schlug eine Freundin – sie ist Frankfurt-Fan – vor, doch mal zusammen nach FFM zu fahren, Stadion und Fußball gucken, Eintracht vs Hertha. Seither stand die Commerzbank-Arena, das von mir aus gesehen nächstliegendste BuLi-Stadion, immer auf dem Plan.

Bis ich dann in der Saison 2008/2009 beschloss, dass man sich ja auch mal andere Stadien angucken könnte. Das erste Ziel: Stuttgart, gefolgt von Hannover (absolute Spontan-Aktion, da eigentlich ursprünglich gar nicht eingeplant, aber ich hatte Spaß am Auswärtsfahren gefunden …) und eben der Trip nach Karlsruhe damals, als wir 4-0 von den KSClern abgeschossen wurden. Ade, Champions League …

Es hat mich gepackt, ich fahre so oft auswärts, wie es nur irgendwie geht. Was machbar ist, wird abgeklappert. Bochum, Nürnberg (das erste Spiel, wo ich aus dem Block gehen und nach Hause fahren wollte, bevor das Horrorszenario auf dem Platz ein Ende hatte …), Mainz, München (wo ich mit einem Bus voller Bayern-Fans hingondelte und als Erinnerung einen Bayern-Schal mitbrachte … Schaltausch … freiwillig hätt ich mir das Teil nie geleistet …) usw. Es macht einfach Spaß. Auch wenn es nicht immer von Erfolg gekrönt war bisher, sodass ich schon dachte, es läge an mir – wenn ich dabei war, haben wir meistens entweder verloren oder bestenfalls unentschieden gespielt. Ausnahme war ein 2-0 bei der Eintracht im August 2008, und jetzt eben Karlsruhe im Februar, wo ich ja auch Maria traf.

Und ich kann sagen – ist man erstmal mit dem Hertha-Virus infiziert, kommt man nicht mehr davon los, egal, wie gut oder schlecht die Mannschaft spielt und wo sie am Ende in der Tabelle landet. Ja, ich habe mir zwar mehr als einmal gesagt „Ich fahr nie wieder zur Hertha!“ Aber dann war ich doch wieder unterwegs in Deutschland, unterwegs zu meiner Hertha, meinem „Leib- und Magen-Verein“. Klar werde ich hier in der Gegend meist schief angeschaut, wenn ich mit meinen Hertha-Klamotten herumlaufe, aber da steh ich drüber. Es ist mein Verein, meine Liebe, meine Leidenschaft, und das lass ich mir durch nichts und niemandem auf der Welt nehmen. Zumal Hertha und meine Leidenschaft zum Fußball mir in den letzten Monaten etwas zum Festhalten gegeben haben, etwas, das mir Mut gemacht hat, weiterzuleben, das wie ein Anker für mich war. Und auch immer noch ist.

Hertha forever.

 

Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Felix (danke noch mal fürs Einladen!), Maria und Daniel und auf Eure Leserkommentare.

HA HO HE!

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  • Wer hat das geschrieben?

9 Kommentare

  1. Am 6. März 2011 um 23:07 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Und ich freue mich auf deine Beiträge. Wir Herthaner in der Diaspora (ok, Karlsruhe ist nicht sooo schlimm als Diaspora) müssen zusammenhalten!

  2. Halblinks
    Am 7. März 2011 um 10:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    na, dann von mir auch ein herzliches Willkommen. Bin auf deine Beiträge gespannt.

    Aber eine organisatorische Bitte vorweg: Sag mal bitte Felix, dass er das Tippspiel aktualisieren möge ;-)

  3. Gerd
    Am 7. März 2011 um 14:07 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Na dann-willkommen. Gruss aus Frankfurt am Main

  4. Am 7. März 2011 um 17:25 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Herzlich willkommen in Berlin Maren.
    Immer eine Reise wert.

  5. Joels
    Am 7. März 2011 um 20:27 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Auch von mir ein herzliches Hallo.

  6. Ronny
    Am 7. März 2011 um 21:08 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Yeah, es macht mir Mut, wenn ich hier immer wieder von anderen Herthanern lese die nicht in Berlin wohnen und trotzdem dem Verein die Treue halten. Ich freu mich auf künftige Beiträge und Siegesfeiern bei den Auswärtsspielen! :)

    Grüße aus Dortmund

  7. Heiko
    Am 7. März 2011 um 21:58 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Schön zu lesen, dass es hier in Nordhessen doch noch Herthaner gibt. Ich bin seit 1976 Hertha Fan und lebe nun in der Nähe von Kassel. Ich habe bis 1986 in Berlin gelebt und war dort schon regelmäßig im Olympiastadion. Grus aus Vellmar HaHoHe !

    • Monika
      Am 13. Mai 2011 um 18:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Hallo Heiko, schön in der Nähe einen Hertha Fan zu wissen!
      Wohne jetzt in Baunatal, habe bis Ende 2005 in Berlin gelebt.
      Naja, noch 2 Jahre, dann gehts zurück. Mein Sohn lebt in Berlin, hat eine Dauerkarte und ist natürlich am Sonntag dabei! – Neid –

      Gruss
      Monika

  8. Enno Enno
    Am 7. März 2011 um 22:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Toll: der typische Hertha-Trotz, den man im Exil, aber auch in Berlin, immer wieder beobachten kann und dem ich mich sehr verbunden fühle!