Ein Nachmittag in Paderborn

Man könnte auch getrost „Ein Nachmittag zum Vergessen“ sagen.

Doch der Reihe nach. Zum Zeitpunkt des Auswärtsspiels in Paderborn befand ich mich gerade in Bad Arolsen in einer psychosomatischen Klinik, um mich wegen Depressionen und Panikattacken behandeln zu lassen. Während dieser Zeit machte ich natürlich immer wieder auf meine Vereinszugehörigkeit aufmerksam, indem ich in irgendwelchen Hertha-Klamotten (und wenn es nur morgens früh beim Walken die warme Jacke und der Mitgliedsschal und eine Mütze waren) rumlief. Das fiel natürlich den Mitpatienten auch auf, und so wurde ich von einem angesprochen. B. mochte auch Fußball und eben auch die Hertha, also beschlossen wir, an dem Sonntag zum Spiel nach Paderborn zu fahren. Denn an den Wochenenden hatten wir gewissermaßen „Ausgang“ und durften uns im Umkreis von etwa einer Autostunde Entfernung aufhalten. Da dies auf Paderborn zutraf, bestellte ich Karten (leider gab es nur noch Sitzplätze, und sitzen ist ja eigentlich für’n Allerwertesten, aber egal, hauptsache STADION!), und dann ging es an jenem Tag gemütlich nach Paderborn zur Energie Team Arena (dieser Name …).Wohlgemerkt, ich stand bereits in voller Montur (zwei Schals, Mütze, Trikot überm Pulli und Jacke) im Foyer der Klinik und wartete auf B., da dieser etwas später kam, was natürlich für einige amüsierte Blicke sorgte. ;-)

Unterwegs fragte B. mich, wie ich eigentlich Hertha-Fan wurde, und ich erzählte ihm die Geschichte, wie es dazu kam. Mithilfe seines iPhones navigierten wir uns dann in Paderborn zum Stadion, suchten einen Parkplatz und marschierten die wenigen Meter zu dieser überdimensionierten Blechbüchse. Um es vorweg zu nehmen: nein, mir hat das Stadion nicht wirklich gefallen, was allerdings auch an den Heimfans lag. Denn von denen kam nicht unbedingt viel, was Support angeht. Dafür war unser Auswärtssupport einmal mehr erstklassig. Die gut 3000 mitgereisten Hertha-Fans machen mehr Stimmung als die Heimfans. Hut ab. Wirklich. Lob allerdings gibt es für die Essensauswahl, nicht nur den Klassiker Stadionwurst, sondern gleich drei verschiedene Sorten Pizza gibt es dort im Angebot. Wir also Essen organisiert und dann ab zu unseren Plätzen. Gesessen haben wir nur vor dem Anpfiff und während der Halbzeit, ansonsten wurde der Sitz- in einen Stehplatz umfunktioniert … und für sowas zahlt man da 31 (!!) Euro, ziemlich happig, wie ich finde.

Der Kick selber war ziemlich trostlos, fast so, wie bei meinem ersten Hertha-Spiel: grau, kalt und nicht gerade erheiternd. Wenigstens regnete es nicht. Die Hertha lieferte ihre bis dahin schlechteste Saisonleistung ab, nach vorne lief wenig, Paderborn kämpfte, biss und kratzte und machte es uns schwer, unser Spiel aufzuziehen. Und irgendwie beschlich mich da schon etwa in der Mitte der ersten Halbzeit ein SEHR ungutes Gefühl …

Welches sich in Durchgang zwei bewahrheiten sollte. Ich denke mal, jeder Hertha-Fan wird sich mit ziemlichem Frust an diese eine gewisse Szene erinnern. Ein Paderborner kommt in einem harmlosen Zweikampf mit Ramos im Strafraum zu Fall und wälzt sich theatralisch am Boden. Der Schiri pfeift zunächst Freist0ß für uns, Sejna und der Rest sind schon in den Vorbereitungen für diesen, als der Linienrichter sich einschaltet und was gesehen haben will. Was außer ihm aber, wie auch hinterher die Fernsehbilder auf Sport1 eindeutig bewiesen, sonst niemand gesehen hat. Von der Paderborner Hintertor-Tribüne nun ein gellendes Pfeifkonzert, das schließlich in Jubel ausbricht: der Schiedsrichter zeigt auf den Punkt und stellt Ramos vom Platz. Hä? Alles Protestieren seiner Mannschaftskameraden hilft nichts, Ramos muss gehen, und der Elfmeter führt zum Tor. „Schieber! Schieber!“ brüllen die Hertha-Fans, während die Heimfans aus sich hinausgehen und mal anständig jubeln. Ansonsten sind die ja eher ruhig gewesen und haben nur nach dem Abpfiff noch mal ihren Sieg gefeiert – Kommentar eines Hertha-Fans vor mir beim Rausgehen: „Oh, es lebt!“

Die Hertha versuchte in der Folge zwar noch mal das eine oder andere, um doch noch zu einem Ausgleich zu kommen, aber ich glaube, an diesem Nachmittag hätten wir bis in die Ewigkeit spielen können, da wäre nichts passiert.

Frustriert, denn dass wir irgendwie nicht gewinnen, wenn ich dabei bin, kenne ich ja, traten B. und ich dann auch wieder den Rückweg nach Bad Arolsen an. Als wir auf dem Parkplatz in der Schlange standen, wurden wir plötzlich von zwei Männern angesprochen. Sie hatten B.s Kennzeichen, IZ, gesehen und wollten wissen, ob wir aus der Gegend um Hamburg bzw. Itzehoe seien. B. ja, der ist ein Nordlicht, ich dagegen bin ja aus Hessen. „Und dann seid ihr Paderborn-Fans?“ „Nee, Hertha!“ Das hat die beiden Herren beeindruckt, und sie wünschten uns eine gute Heimfahrt.

Nein, ich schiebe die Schuld an der Niederlage nicht nur auf die Schiedsrichterleistung. Sie hat dazu beigetragen, ja, aber wir haben auch wirklich sauschlecht gespielt an dem Tag. Daher geht die Niederlage in Ordnung, wenn auch das WIE einen faden Beigeschmack hinterlassen hat. Gleichzeitig war diese Niederlage, die erste Auswärtsniederlage in der Saison, der Beginn einer kleineren Hertha-Krise, da wir auch in Osnabrück und München, sowie zuhause gegen Duisburg alle zu null verloren und in Augsburg nur ein Unentschieden holten. Zwischendurch waren wir sogar auf den 5. Rang abgerutscht. Ich hoffe nun, dass sich die Geschichte am Sonntag vor der Traumkulisse nicht wiederholen, sondern uns die „Revanche“ glücken wird.

In diesem Sinne …

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2 Kommentare

  1. spreemaradona
    Am 4. April 2011 um 10:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Revanche“ geglückt, obwohl nicht wirklich eine Leistungssteigerung gegenüber dem Hinspiel zu erkennen war. Aber eine durchschnittliche Schiedsrichterleistung reicht eben auch mal für drei Punkte.

  2. Joel
    Am 12. April 2011 um 08:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Und auch die zweite Runde Bochum vs Hertha ging an die Berliner :-)