Endspiel Eins: Eintracht

Es wird Zeit, sich auf das Heimspiel am Wochenende vorzubereiten. Denn es ist zweifelsohne das erste von 20 Endspielen in der Bundesliga. Für mich persönlich ist diese ganze Friedhelm-trifft-auf-Ex-Klub-Hysterie ziemlich Banane. Die Brisanz ergibt sich viel mehr aus der Tabellensituation der beiden Vereine. Die Frankfurter sehen das wohl ähnlich.

Zwar hat Eintracht Frankfurt derzeit mehr als drei mal so viele Punkte (16) wie Hertha BSC (5) eingefahren. Aber irgendwie scheint es in Frankfurt zu rumoren, die Liste der Verletzten ist schon wieder mächtig lang und dann verloren sie die letzten Partien sang- und klanglos (gegen Gladbach!). Aber unsere Hertha muss gegen Frankfurt noch viel dringender gewinnen. Es geht bei dem Punktestand und den darauf folgenden Gegnern gar nicht anders.

Aber selbst drei Punkte allein werden nicht reichen. Es muss ein Befreiungsschlag her! Was nützt es der Mannschaft sich gegen die Frankfurter durchzuwürgen, ein Tor aus abseitsverdächtiger Position zu erzielen oder einen Elfer zu schinden? Nicht viel, wenn es im Anschluss gegen Schalke, Bayer und Bayern jeweils eine Klatsche gibt. Hertha muss sich ein Erfolgserlebnis erarbeiten, dass so wirkmächtig ist, dass sie eine (!) derbe Niederlage gegen bspw. Schalke wegstecken könnten.

Hätte, wäre, könnte! Ja, die Welt des Konjunktivs ist eine schöne, weil man sie sich so denken kann, wie es einem beliebt. Bleibe ich allerdings fest mit den Füßen verwurzelt auf dem Boden des Präsens zurück, stehe ich ziemlich ratlos da. Mehr als Phrasen, mehr als Durchhalteparolen und konjugativen Hochrechnungen habe ich nicht zu bieten. Das ist erbärmlich. Aber was man machen?

Mit meiner Ratlosigkeit bin ich allerdings in bester Gesellschaft. Denn schlaue Kommentare, die über eine hohle Phrase hinaus gehen, habe ich in den letzten Wochen kaum lesen können. So wie die meisten Beobachter bin auch ich mittlerweile vollkommen rat- und hilflos. Ich weiß auch nicht mehr, wie ich mich verhalten soll. Einerseits will ich die Mannschaft unterstützen. Aber sie liefert mir keine Argumente. Also klingt alles abgedroschen.

Andererseits ist der Zustand des Teams und des Vereins so erbärmlich, dass ich es nicht über mich bringen könnte, auch noch zu kritisieren. Wozu auch? Es ist für jeden offensichtlich, dass Hertha niedergeschlagen am Abgrund liegt. Die gründe dafür sind vielfältig. Und ich werde mich bei 60 zu vergebenen Punkten noch nicht mit dem Szenario Zweite Liga beschäftigen. Vor einem Abstieg verschließe ich erst einmal die Augen. Vorerst.

Nun also Endspiel Eins gegen Eintracht. Es sind nicht unbedingt die Punkte, die die Mannschaft gegen Frankfurt holen müsste. Punkte werden noch genug verteilt. Viel wichtiger wäre die Zuversicht, die berechtigte Hoffnung, ein Schimmer am Horizont, der letzte Strohhalm, an den man sich klammern kann, irgendetwas, das nicht nur der Mannschaft, sondern auch uns Fans wieder Mut macht. Darum geht es im ersten Endspiel dieser Saison. Und es könnte schon das letzte gewesen sein.

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  • Wer hat das geschrieben?

    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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17 Kommentare

  1. pia
    Am 26. November 2009 um 08:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

    rat- und hilflosigkeit – in berlin und in frankfurt.
    das riecht förmlich nach einer gruseligen punkteteilung.
    ich werde nicht in berlin vor ort sein, die letzten jahre war ich es.

    „Ich weiß auch nicht mehr, wie ich mich verhalten soll. Einerseits will ich die Mannschaft unterstützen. Aber sie liefert mir keine Argumente. Also klingt alles abgedroschen.“

    auch das kann ich als frankfurt-fan unterschreiben.

    novembergraue grüße aus frankfurt,
    pia.

  2. Am 26. November 2009 um 10:17 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ehrlich gesagt, mir sind die Punkte schon wichtig. Denn meistens, wenn sie mal eine ansprechende Leistung gezeigt haben, haben sie verloren bzw. die Hoffung, die danach bei den Fans aufkam, beim nächsten Spiel wieder zerstört. Deshalb wird mir eine erneute „unverdiente Niederlage“ keinen Mut mehr machen… Nur Punkte zählen.

    • Enno Enno
      Am 26. November 2009 um 10:31 Uhr veröffentlicht | Permalink

      So war das von mir schon gemeint: Die Punkte müssen auf jeden Fall ran. Aber sie allein nützen nichts. Es muss eine Befreiung geben, die nicht allein durch Punkte erreicht werden kann. Die Punkte sind die Grundlage. Ohne sie, ist es völlig egal, wie die Mannschaft spielt.

  3. Am 26. November 2009 um 12:25 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wenn man das Eintracht durch VfL und das Frankfurt durch Bochum ersetzen würde, könnte der Text auch für meine Kölner (fast) 1:1 so übernommen werden. Ich fühle mit euch und drücke die Daumen, denn eine Bundesliga ohne Hertha wäre mittlerweile irgendwie schräg.

  4. Am 26. November 2009 um 12:30 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hertha hatte schon lange nicht mehr so viele Endspiele wie in dieser Saison. ;) Gegen den Abstieg spielen ist besser als im Mittelfeld dümpeln.

    • Enno Enno
      Am 26. November 2009 um 12:37 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Oooch, da könnte ich wirklich gut drauf verzichten, auf den „Nervenkitzel Abstiegsangst“…

    • Herthana
      Am 28. November 2009 um 12:19 Uhr veröffentlicht | Permalink

      ach, ich finde es im Mittelfeld ganz schön…

  5. Am 26. November 2009 um 13:57 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Vor einem Abstieg verschließe ich erst einmal die Augen. Vorerst.

    Ich wünsche viel Erfolg dabei, mehr jedenfalls als dem ollen Calli damals: „Das Abstiegsgespenst sitzt zu Hause in meinem Wohnzimmer. Und wenn ich abends das Licht ausknipse, liegt es schon unter meiner Decke.“

  6. Tanja*
    Am 26. November 2009 um 14:38 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Und im Anschluss folgr am Mo. die Mitgliederversammlung und da können sich alle Beteiligten auf etwas gefasst machen. Das wird bestimmt die hitzigste Versammlung seit Jahren egal wie es am Sa. ausgeht. Mir graut vor beiden Tagen und gleichzeitig bin ich gespannt, aber sehr realistisch.

  7. Am 26. November 2009 um 15:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Kriegen wir für Samstag überhaupt elf Spieler auf den Platz? Das mit den Verletzungen (oder Krankheiten oder Sperren) kotzt mich auch langsam an…

    • Tanja*
      Am 26. November 2009 um 15:27 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Wie sagte schon Andi Brehme; „Haste Scheiße am Schuh haste Scheiße am Schuh.“

  8. spreekicker
    Am 26. November 2009 um 15:59 Uhr veröffentlicht | Permalink

    das uefacup-endspiel ist nicht zu vergessen!

    • Enno Enno
      Am 26. November 2009 um 16:08 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Den Cup gewinnen wir doch sowieso! ;-)

      Außerdem ist das Spiel ja erst nächste Woche. Es zählt immer nur das nächste Match. Absolute Fokussierung auf Frankfurt, bitte! :-)

      • Anonymous
        Am 26. November 2009 um 18:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

        ach komm, gegen frankfurt gewinnen wir doch sowieso, die hauen wir doch mit links weg

  9. Boris
    Am 28. November 2009 um 17:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die Versager von Hertha BSC – namentlich Michael Preetz und Meister Gegenbauer – haben es verdient, so glamourös unterzugehen! Vor der Saison haben sie nichts investieren wollen, jetzt ist es zu spät. Den besten Trainer der Hertha aller Zeiten (unter dem die Mannschaft noch besser gespielt hat als unter Funkel) haben sie abgeschossen. Einen zwiespältigen Arne Friedrich haben sie anstelle von Simunic gehalten. Einen Wichniarek haben sie gegen Favres Willen geholt. Ein System, eine Idee und eine Vision haben sie in den Abgrund geschickt. Alles, was wir jetzt erleben ist nichts als die Konsequenz.

    • Tanja*
      Am 28. November 2009 um 19:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Danke genau das denke ich seit langem!!!!
      Du sprichst mir leider aus der Seele.
      Ich könnte heulen, heulen, heulen und die Genannten sind die Wurzel allen Übels!!! Sparen, sparen, sparen und den Verein direkt in die Zweitklassigkeit führen, dass scheinen sie sich zum Ziel gesetzt zu haben, sonst hätten sie nach den Abgängen Spieler geholt, die diese hätten kompensieren können, aber NICHTS ist seitdem passiert, rein gar nichts. Mir und vielen anderen war das was jetzt eingetreten ist von vornherein klar, leider.

      Was diese „Rumpfmannschaft“ (darf sich sowas noch Mannchsft nennen?) da gezeigt hat war unterirdisch, armselig und einfach nur peinlich…. Fußball kann man das jedenfalls nicht nennen…
      Meine Gemütsverfassung schwankt zwischen absoluter Niedergeschlagenheit, Trauer und riesiger Wut. Wenn sie wenigstens kämpfen würden und dann mit Anstand untergehen, wenigstens das wären sie uns schuldig…

  10. spreemaradona
    Am 29. November 2009 um 12:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Patrick Ochs und Maik Franz unter den Torschützen. Ich fasse es nicht. Als wäre es nicht schlimm genug dass wir uns von Frankfurt an die Wand spielen lassen. Wie demütigend…

2 Trackbacks

  • Von Dankbar sein | Hertha BSC Blog am 26. November 2009 um 09:19 Uhr veröffentlicht

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  • Von “Sieg und Blut am Schuh” | Hertha BSC Blog am 27. November 2009 um 06:02 Uhr veröffentlicht

    […] schrieb ja bereits vom ersten Endspiel der Saison und da ist es nur passend, dass die Frankfurter Blogger-Kollegen einen martialischen Ton […]