Erwärmt unsere Herzen!

36.000 Fans haben sich bis Donnerstag bereits Karten für das Spiel gegen Hannover gesichert. Bei voraussichtlich minus 7 Grad, was durch den Kühlschrank Olympiastadion gefühlt so um die minus 20 sein dürften. Hertha rechnet deshalb auch „nur“ mit 4000 Kurzentschlossenen. Ich glaube, es werden nicht mal so viele (euren Tipp könnt ihr im Zuschauertippspiel abgeben).

Trotzdem: Knapp 40.000 Schals. 40.000 Mützen. Und 35.000 lange Unterhosen. In der Ostkurve ist man schließlich hart. Ich hoffe, dass der Caterer am Samstag daran denkt, nicht nur Bier, sondern auch Kaffee, Kakao und Glühwein im Repertoire zu haben.

Die Hertha-Fans lassen sich die offensichtlichen Probleme der Mannschaft also nicht anmerken. Die Resonanz ist für diese Temperaturen überwältigend. Die Frage ist, ob es Michael Skibbe in dieser Woche geschafft hat, sein Team auf Kurs Richtung Klassenerhalt zu bringen.

Ich habe am Mittwoch bei 90elf gesagt, dass ich angesichts der Konterstärke von Hannover 96 und der zuletzt gezeigten Leistungen der Herthaner mit einem Unentschieden erstmal zufrieden wäre. Einfach, weil es den Abwärtstrend zumindest stoppen würde (und ich nicht an eine so exorbitante und zu einem Sieg führende Leistungssteigerung von Hertha glaube). Außerdem hat Hannover von den letzten sechs Spielen fünf Unentschieden gespielt. Nur letzte Woche gegen Nürnberg gab es einen 1:0-Erfolg. Ein Remis wäre also kein völlig abwegiger Tipp. Aber klar ist auch, dass nur drei Punkte die Ruhe zurück nach Berlin bringen würden.

Es kommt Hertha natürlich ganz gelegen, dass bei Hannover mit Emanuel Pogatetz (Rot-Sperre) und Karim Haggui (Afrika-Cup) die komplette Stammbelegschaft in der Innenverteidigung ausfällt. Aber das ist bei Hertha ja mit leichten Unterschieden genauso der Fall. Es wird also auf die Offensiven beider Mannschaften ankommen, die sich dadurch zwangsläufig öffnenden Lücken zu nutzen.

Ich persönlich halte das, was dort in Hannover nach dem Fast-Abstiegsjahr (Hannover bliebt drin, Hertha stieg ab) passiert ist, immer noch für ein Wunder, das mit dem in Gladbach zurzeit zu vergleichen ist. Was Mirko Slomka aus dieser Mannschaft gemacht hat, die bis auf ein paar zugegeben nicht ganz unwichtige Ausnahmen immer noch die von damals ist, ist fantastisch. Vor allem das Mittelfeldzentrum imponiert: Sergio Pinto, bei Schalke und in Aachen nie wirklich explodiert, zeigt in Hannover zu was er im Stande ist. Und Manuel Schmiedebach, der Berliner, der von Hertha nach Hannover ging und dort zum potentiellen Nationalspieler aufstieg (es wird dazu kommen, da bin ich mir sicher), hat ebenfalls eine unglaubliche Entwicklung durchlaufen. Sie strahlen zusammen eine Torgefahr aus, die ich mir mal in Ansätzen von unseren Sechsern wünschen würde.

Aber gut, die Bundesliga ist kein Wunschkonzert und wenn Manuel Schmiedebach nicht Heimweh bekommt, wird es wahrscheinlich schwer, ihn irgendwann mal im Hertha-Trikot zu sehen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass die Jungen, die am Samstag gegen Hannover endlich einmal ihre Chance bekommen, diese auch nutzen. Das Problem ist immer: Viele erwarten ja Wunderdinge von ihnen. Dabei würde es schon reichen, wenn sie nicht durch grobe Schnitzer auffallen. Solide Partie spiele, Note 3 und ab nach Hause. Alles was darüber geht, wäre eine Sensation.

Alfredo Morales traue ich diese Sensation durchaus zu. Was man von dem jungen Mann, der mit der Poelchau-Schule 2007 Schulweltmeister wurde (zusammen mit Fanol Perdedaj), gehört hat, hat er nicht nur das Potenzial zu einem guten Bundesligaspieler, sondern bei seinen Anlagen die Pflicht dazu. Bei Sebastian Neumann hat man schon deshalb hohe Ansprüche, weil er U21-Nationalspieler ist – und jetzt zugreifen muss, so er denn spielt und nicht Neuzugang Felix Bastians.

Den Rest müssen ohnehin die Stammspieler leisten. Ich erwarte von Spielern wie Andreas Ottl und Levan Kobiashvili, dass sie sichtbar (!) die Führung der Jungen, ja der ganzen Mannschaft übernehmen. Sie sind gerade in einer solchen Situation gefragt. Ich war beruhigt, als Stadionsprecher Udo Knierim bei 90elf sagte, dass Skibbe aus der Coaching-Zone versucht, Einfluss auf die Spieler zu nehmen. Ich mochte die Art und Weise von Babbel nie, dort einfach nur auf seinem Stuhl herumzusitzen.

Skibbe hat Änderungen angekündigt. Möglicherweise läuft am Samstag der verspätete Berliner Tannenbaum auf. Mit Viererkette und drei Sechsern: Ottl, Niemeyer und Lustenberger. Allein, damit der Schweizer endlich mehr Einsatzzeiten bekommt, hoffe ich, dass es so passiert – und funktioniert.

Es wird ziemlich sicher ein hartes Spiel am Samstag. Der Gegner ist stark, das eigene Selbstvertrauen niedrig und die Temperaturen arktisch. Aber vielleicht erwärmt ja auch das Spiel die Herzen der Zuschauer – die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

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    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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Ein Kommentar

  1. Am 3. Februar 2012 um 13:35 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Das Problem mit den jungen Spielern ist, dass sie die groben Schnitzer machen dürfen müssen.
    Wenn sie sich nichts zutrauen dürfen und auf bloße Fehlervermeidung spielen, dann kann Ottl auch weiter machen.
    Die Fehler im Defensivverbund auffangen zu können, darauf würde es ankommen, von mir aus mit einem Catenaccio, mit Niemeyer als Libero in der Viererkette und doppelter Absicherung auf den Außenbahnen. Dafür müssten dann Bastians und Morales auch marschieren, Flanken sollten sie die Woche geübt haben.
    Fehlervermeidung scheint auch das bestimmende Prinzip von Manager Preetz zu sein, ein Konzept wie die Premiummarke Hertha BSC zu entwickeln und zu vermarkten ist, ist überhaupt nicht zu erkennen und was er bei Dieter H. lernen konnte, dafür fehlt inzwischen jegliche Grundllage.
    Man sollte niemanden die Lernfähigkeit absprechen, aber wenn nicht bald die nötigen Punkte eingefahren werden, ist der Vorstand sowieso gezwungen, die sportliche Leitung auszuwechseln.
    Gernot Rohr ist beim Afrikacup die Woche durch und sollte eigentlich schon gefragt worden sein.