„Es wird ein heißer Kampf“

Am Freitag tritt Hertha BSC beim 1. FC Köln an und nimmt dort den nächsten Anlauf für den ersten Sieg in der Rückrunde. Auswärts in Köln ist die Stimmung immer gut und der Gegner gerade zuletzt gerne mal nachlässig in der Chancenverwertung. Und wenn man sich seine Getränke selbst mitbringt, verdurstet man aufgrund der weit verbreiteten 0,2l-Gläser auch nicht. In kurz: Köln ist auf jeden Fall eine Reise wert. Und der FC-Blog effzeh.com auf jeden Fall auch einen Klick. Im Vorfeld der Partie war Redakteur Patrick Neunzig so nett und hat sich unseren fünf Fragen zum Spiel angenommen.

Wenn ich an Köln denke, fällt mir seit einiger Zeit als Erstes nicht mehr Lukas Podolski ein, sondern vor allem Peter Stöger. Was macht der Österreicher bei euch anders, als viele Trainer zuvor und wie verhindert ihr, dass Schalke ihn, wenn es mit Breitenreiter nicht klappt, bei euch abwirbt?

In Köln denkt man noch viel an Poldi. Seine Präsenz in der Stadt ist nach wie vor groß, was auch aus seinem Engagement in und um die Stadt herum resultiert. Dass der erste Gedanke in der Bundeshauptstadt an Köln Peter Stöger gilt, verdanken wir mehreren Faktoren. Da ist zum einen ein starkes und geschlossen auftretendes Präsidium. Mit Schmadtke, Wehrle und Jakobs haben wir zudem zum ersten Mal seit langer Zeit eine sportliche und wirtschaftliche Führung, die den Verein in sichere Bahnen lenkt. Dadurch werden für einen Trainer natürlich solide Grundlagen geschaffen. Nicht zuletzt zeichnet den Österreicher aber auch eine ganze Menge aus. Mit seinem Humor ist er in Köln, insbesondere auch bei den Printmedien, gut gelandet. Seine Kommunikationsverhalten ist vorbildlich und schafft nur wenig Angriffsfläche. Wie gesagt steht ihm dabei auch gutes Personal zur Verfügung. Fußballerisch ist er ein ausgeprägter Taktikfuchs. Nicht alle Fans stimmen mit ihm bei seinen Entscheidungen überein, aber letztlich gibt ihm der Erfolg Recht.

Das Derby in Gladbach ging mit 0:1 verloren, Stöger sagte nach dem Spiel, dass eine solche Leistung nicht ausreiche, um in der Bundesliga etwas mitzunehmen. Erwartet Hertha am Freitag eine wachgerüttelte und bis in die Haarspitzen motivierte Kölner Mannschaft, die auch den Fans zeigen will, dass das Gesicht, das sie gegen Gladbach gezeigt hat, nicht das ihre ist?

Vor allem die erste Halbzeit in Gladbach hat wohl für Verstörung unter einigen Fans gesorgt. Man darf aber nicht vergessen, welche sportliche Qualität in deren Kader steckt. Aufgrund der wesentlich besseren Hälfte hätten sich die Gastgeber auch nicht beschweren dürfen, wenn wir da noch einen Punkt mitgenommen hätten. Aber so herum dürfen wir uns auch nicht beschweren. Die Mannschaft hat starken Charakter, das hat sie in dieser Saison schon mehrfach auch nach nicht so guten Auftritten demonstriert. Wiedergutmachung wird den Spielern für Freitag wichtig sein, weil sie auch viel Geduld bei uns Fans feststellen. In Köln ist man ja traditionell schon zufrieden, wenn wenigstens alle alles gegeben haben. Das hat aber in dieser Saison meistens auch zum Erfolg geführt. Insofern bin ich etwas hin- und hergerissen- Auf der einen Seite habe ich immer Bammel davor, dass die Mannschaft mal einen schlechten Tag erwischen kann. Auf der anderen Seite habe ich immer wieder gesehen, wie sie Rückschläge, auch Gegentore, wegsteckt.

Der FC spielt gerne mal Unentschieden (nur Hoffenheim hat mehr), Hertha hat in der Rückrunde in fünf Spielen vier Mal die Punkte geteilt. Warum spielt der FC so oft Remis und für wie wahrscheinlich haltet ihr es, dass das am Freitag wieder passiert?

Natürlich besteht die Gefahr, dass am Freitag wieder „nur“ ein Unentschieden rumspringt. Das wird auch in den diversen Foren viel diskutiert, dass da manchmal der Mut zu mehr fehle. Auf der anderen Seite glaube ich, dass diese Unentschieden auch unsere Rettung sind. Und zwar in doppelter Hinsicht. Zum einen, weil wir auch diese Punkte wie das eifrige Eichhörnchen sammeln, auf der anderen Seite, weil es eben keine Niederlagen sind, wie sie in der Vergangenheit oft passiert sind. Wie schnell kann das gehen: man spielt voll auf Sieg, vergeigt es dann, weil man einen Konter fängt, und dann steht man mit leeren Händen da. Das wäre halt auch ein Schlag für die Moral der Truppe. Da ist manchmal das gefürchtete Unentschieden vielleicht die klügere Option. Auch wenn mein Herz als effzeh-Fan nach Attacke, Risiko und Offensive schreit. Für Freitag bin ich aber mal mutig und prophezeie einen Heimsieg, wenn es auch ein heißer Kampf werden wird.

Beim bislang letzten Auswärtssieg in Köln habe ich mich etwas geschämt, weil er komplett unverdient war und ich noch weiß, dass Anthony Ujah erst aus fünf Metern die Latte getroffen hat und wir dann auf der anderen Seite durch einen abgefälschten Freistoß gewonnen haben. In dieser Saison hat Hertha zwar auch schonmal Glück gehabt, es sich aber auch oft verdient. Wie nehmt ihr Hertha in dieser Saison wahr?

Es ist nie verkehrt sich zu schämen, wenn man aus Köln Punkte mit nach Hause nimmt. An das von dir genannte Spiel erinnere ich mich auch noch recht gut. Das war schon leicht unverdient für eure Hertha. Tatsächlich scheint Hertha in dieser Saison bereits einiges an Glück gehabt zu haben. In Berlin ist ja das Medienaufkommen noch höher als in Köln, zumindest was die Vielfalt an Printmedien betrifft. Davon kommt hier im Rheinland allerdings wenig an. Trotzdem scheint man den Verein, ähnlich wie bei uns, ein wenig in ruhigeres Fahrwasser bekommen zu haben. Mit Sicherheit tragen da auch die guten Einkäufe ihr übriges zu bei. Für beide Vereine gilt aber, dass das mit fehlendem Erfolg schnell umschlagen kann. Insgesamt glaube ich, dass immer noch mehr als die in der Tabelle derzeit zwei Mannschaften vor Hertha stehen müssten – wenigstens Gladbach, Leverkusen und Wolfsburg ordne ich da spielstärker ein. Die Formkurve der Hertha zeigt aktuell auch nicht unbedingt nach oben. Vier unentschieden aus den letzten 5 Spielen, erst ein Sieg in der Rückrunde überhaupt – das ist Tabellenplatz 17 in der Rückrundentabelle. Folglich bleibt die Hertha ein bisschen die Wundertüte. Wenn die Form der Hinrunde gefunden werden kann, ist die Hertha aber vielleicht noch für weitere Überraschungen gut. Auf den Erfolg und Tabellenplatz muss man aber tatsächlich respektvoll schauen und dies neidvoll (!) anerkennen.

Mit einem Sieg in Berlin könnte der FC die berühmte Tuchfühlung zu den Europa-League-Plätzen aufnehmen. Bei neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz Hand aufs Herz: Seid ihr damit zufrieden oder darf es ruhig noch etwas mehr sein?

In Köln darf es immer ein bisschen mehr sein. Nein: es MUSS immer ein bisschen mehr sein. Das wollen auch gar nicht aus unseren Köpfen rauskriegen. Ich finde die sachlich-bescheidene Art, die auf der Führungsebene vorgelebt wird, zwar auch manchmal langweilig, aber letztlich sind Ziele mit Kopf doch besser zu erreichen als durch die puren Emotionen von uns Fans. Auch wenn mein Herz mir etwas anderes sagt, möchte ich doch zunächst einmal den sicheren Klassenerhalt verbuchen, bevor ich Ansprüche nach oben korrigiere. Wenn du mich aber jetzt nach meinem Herzen fragst, dann kann ich nur singen: „Erste Runde Budapest, zweite Runde Rom…“

Wenn ihr mehr über den 1. FC Köln wissen wollt, schaut mal bei effzeh.com vorbei.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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