Friede, Freude, Eiterkuchen

Draußen wehten die blau-weißen Fahnen. Alle waren sie gekommen,  um die neuesten Zahlen zu sehen, darüber zu diskutieren und natürlich weil sie wissen wollten, wie es jetzt weitergeht. Die Schulden sind gestiegen, das ist nach den Entwicklungen der Vergangenheit keine Sensation. Sie hatten ja versucht, gegenzusteuern. Zu retten. Immer wieder. Aber die Verehrer der blau-weißen Flagge litten trotzdem. Viele wendeten sich ab, wenn sie konnten. Doch manche können ja nicht. Allerdings – und das ist die Erkenntnis der Nacht – es gibt Hoffnung.

Griechenland kann gerettet werden.

Ob das für den Fußballverein Hertha BSC auch gilt, hängt nicht von ganz so vielen Faktoren ab, wie beim Euro-Schuldenstaat. Wer Erfolg hat, verdient auch Geld. So einfach ist die Regel im Fußball. Insofern könnte man jetzt jubelnd durch Berlin rennen, doch etwas diffiziler ist es dann doch. Denn der Erfolg muss langanhaltend sein und – natürlich – in der ersten Liga stattfinden.

Auf der Mitgliederversammlung am Montag wurden mal wieder verheerende Zahlen präsentiert. Gut, im Vergleich zu dem, was Griechenland braucht, hören sich diese 42 Millionen natürlich nach lächerlich wenig an. Die Frage, die sich aber nicht erst seit gestern stellt, ist: Wo soll der Erfolg herkommen, der diese 42 Millionen Euro (und eigentlich sind es ja noch mehr) wieder einspielt? Die Antwort von Hertha lautet: Keine Ahnung, wir hoffen eh, dass hier bald ein Investor einsteigt.

Doch wie lange hofft man das in Berlin eigentlich schon?

Die Griechen haben gestern Abend von den Finanzministern der Eurozone 44 Milliarden Euro zugesichert bekommen. Europa ist ein Hahn, der vermutlich nie versiegt. Das Fußballgeschäft in Berlin ist es nicht. Der Investor, der Hertha gleichzeitig zum Erfolg führt und saniert, muss vermutlich erst noch geboren werden. Die Sache ist – wie übrigens auch das Versprechen, in Zukunft die Fahne auf der Brust zu lassen – ein reines Ablenkungsmanöver. Wie die Band auf der Titanic. Bitte spielen Sie weiter, es soll sich niemand aufregen. Friede, Freude, Eiterkuchen.

Das Dumme ist: Uns bleibt außer Hoffnung ohnehin nichts.

In Berlin kann man nämlich nicht davon ausgehen, dass plötzlich ein Jürgen Klopp vom Mainzer Himmel herabsteigt, eine No-Name-Truppe zum Serienmeister macht und den Klub finanziell innerhalb von vier Jahren von Griechenland in China verwandelt. Sowas gibt es vielleicht einmal in 50 oder 100 Jahren – und ich kann mir bei bestem Willen nicht vorstellen, dass Hertha der auserwählte Verein des nächsten Jürgen Klopps ist.

Dieser Schuldenberg, den Hertha vor sich herschiebt, darf genauso wenig die Sicht verdecken, wie der derzeitige temporäre und leider wenig lukrative Erfolg in der zweiten Liga. So schön das momentan ist, der Erfolg ist mit Blick auf die finanzielle Lage weiterhin Pflicht. Und wenn der Aufstieg dann hoffentlich gelingt, heißt Herthas einzige Chance auch in zehn Jahren noch ein Bundesliga-Verein zu sein, konsequente und zum Erfolg verdammte Jugendarbeit. Mit regelmäßigen hohen Einnahmen durch Ablösesummen. Ich sehe kein anderes Modell. Und ich habe auf der Mitgliederversammlung auch von keinem anderen gehört.

Hertha und Griechenland, blau-weiß, hochverschuldet und von vielen schon begraben. Herthas Vorteil ist, dass der Sport das Finanzielle jede Woche überdecken kann.

Mögen noch sehr sehr viele weitere Wochen dazu kommen.

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    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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5 Kommentare

  1. Chris
    Erstellt am 27. November 2012 um 11:58 | Permanent-Link

    Schön geschriebener Artikel, der Bezug zu Griechenland mit der ebenso blau-weißen Flagge nett.

    Allerdings brauchen wir Herthaner keinen neuen Jürgen Klopp. Mit Luhukay scheinen wir einen ausgemachten Fachmann an Bord zu haben, der es schafft die Jugend zu integrieren. Abzuwarten bleibt nur, wie er es schafft dies ggf. in Liga 1 weiterzuführen.

    Was wir bräuchten wäre ein entsprechendes Korrektiv im Hintergrund (Klopp schafft das was er tut ja auch nicht allein in Dortmund sondern hat dort mit Watzke, Rauball, Zorc eben dieses an der Seite).
    Unser Management drängt sich doch sofort in den Vordergrund wenn es mal gut läuft (Stichwort: Dieter-Hoeneß-Festspiele zu einem Zeitpunkt wo es um die Meisterschaft ging) und reagiert kopflos wenn es mal schlecht läuft (Skibbe- und Rehhagel-Verpflichtung) und hält an den falschen Personen fest (Preetz).

    Von daher ist leider keine Verbesserung in Zukunft zu erwarten, das Zerwürfnis mit Luhukay lauert doch schon hinter der nächsten Ecke.

    • Daniel
      Erstellt am 27. November 2012 um 12:19 | Permanent-Link

      Ich will Luhukay hiermit auch gar nicht rausschreiben. Mir gefällt seine Arbeit.

      Was ich vermisse, ist eine klare Aussage der Geschäftsführung: Passt auf Leute, wir werden auch in den nächsten zehn Jahren – es sei denn es geschieht ein Wunder – nicht plötzlich 20 Millionen Euro Plus pro Jahr machen. Deshalb ist das hier unser Konzept! Stattdessen wird immer mal wieder mit einem Investor geliebäugelt oder herumlaviert, dass man kommende Herausforderungen meistern müsse usw. Abstrakte Konstruktionen, die alles heißen können, aber eben auch nichts.

      Wie will man denn die nächsten Jahre in der (hoffentlich) ersten Liga überstehen? Gibt es da eine Strategie? Oder hofft man darauf, dass die Bayern in der kommenden Saison wieder fünf Spieler abgeben, von denen drei ablösefrei nach Berlin kommen? Geld ist nicht da – aber mit dem derzeitigen Kader Bundesliga spielen? Na ich weiß ja nicht. In Dortmund wurde damals die klare Ansage gemacht: Bei zwei Spielern, die auf einem Level sind, spielt der Jüngere. Das ist zum Beispiel eine Aussage, mit der Spieler – auch solche, die noch gar nicht daran denken, mal bei Hertha zu spielen – arbeiten könnten. Ist aber nur ein Beispiel.

      Die Strategie muss von oben kommen. Sie darf von mir aus auch heißen: Hallo Berlin, wir haben kein Geld und deshalb sind wir jetzt erstmal nicht mehr als ein Ausbildungsverein. Mit allem was dazu gehört. Was nicht dazugehört: Für 2,5 Millionen Euro einen Stürmer kaufen, der dann auf der Bank sitzt. Zum zweiten Mal.

      Bloß bisher habe ich das Gefühl, dass es gar keinen Plan gibt, der über mehrere Jahre geht. Sondern, dass sich nur von Jahr zu Jahr gehangelt wird.

      Vielleicht kann man aufgrund der finanziellen Situation auch nicht über ein Jahr hinaus planen. Vielleicht tue ich der Geschäftsführung auch Unrecht, denn was weiß ich schon? Aber gefühlt werden da – um im Duktus des Vorstands zu bleiben – längst nicht alle Potenziale ausgeschöpft.

      • Mr. Jaycobz
        Erstellt am 30. November 2012 um 15:11 | Permanent-Link

        Zustimmung! Seh’ ich ganz genau so.

      • Joel
        Erstellt am 2. Dezember 2012 um 11:34 | Permanent-Link

        … Für 2,5 Millionen Euro einen Stürmer kaufen, der dann auf der Bank sitzt. Zum zweiten Mal….

        Was ist den schlimmes passiert als der Stürmer beim ersten Mal dann nicht spielte, richtig ein neuer “Stern” ist aufgegangen und man konnte sogar den Stürmer nach Frankfurt für gutes Geld weiterverkaufen, so what?
        Was ist nun mit SA gelaufen? Man hat ja ausser ihm auch noch Wagner und Ben Sahar geholt, unterschiedliche offensiv Kräfte und bei SA denke ich jetzt -aber was weiß ich schon- das dieser als Ersatz für AR geholt wurde, nun blieb dieser und ggf. noch über den Winter hinaus, so muß SA weiter sich anbieten, aber einen Fehler der Leitung sehe ich hier eher weniger….

  2. Joel
    Erstellt am 8. Dezember 2012 um 14:00 | Permanent-Link

    idiotswin???

  • Hey, was geht ab?

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