Friedrichs Nachfolger

Am Dienstagabend waren Michael Preetz und Markus Babbel zu Gast im „AUDI Star Talk“ auf Sport1. Auf eine Frage aus dem Publikum wollten beide nicht so richtig antworten (neben der ewigen Frage nach Babbels Vertragsverlängerung):

Wer wird Herthas nächster [deutscher] Nationalspieler?

Bevor Babbel überhaupt etwas sagen konnte, warf ihm Moderator Klaus Gronewald schon den Namen „Lasogga“ hin. Doch Babbel wollte keinen seiner Spieler mit diesem Druck belasten. Preetz sah das genauso.

Sicher haben die beiden Recht. Hertha BSC hat derzeit andere Prioritäten. Und gerade unsere jungen Spieler sollten sich besser erst einmal auf den Verein konzentrieren. Aber hier im Hertha-Blog ist das ja was anderes. Wir können herumspinnen wie wir wollen. Und wenn schon wieder Länderspielpause ist, ist das doch ein guter Zeitpunkt, sich unsere Spieler unter diesem Gesichtspunkt mal genauer anzuschauen.

Zunächst eine Liste aller deutschen Spieler aus dem aktuellen Profikader von Hertha (alphabetisch):

  • Änis Ben-Hatira
  • John Anthony Brooks
  • Sascha Burchert
  • Patrick Ebert
  • Maik Franz
  • Christoph Janker
  • Abu Bakarr Kargbo
  • Thomas Kraft
  • Pierre-Michel Lasogga
  • Christian Lell
  • Alfredo Morales
  • Sebastian Neumann
  • Peter Niemeyer
  • Andreas Ottl
  • Fanol Perdedaj
  • Nico Schulz
  • Tunay Torun

Aus dieser Liste fallen weg: Tunay Torun (21), weil er sich dafür entschieden hat, für die Türkei zu spielen (1 A-Länderspiel). Alfredo Morales (21), der gerade erst von Jürgen Klinsmann in den Kader der Nationalmannschaft der USA berufen wurde und wohl bald seinen ersten Einsatz haben wird. Für diese Mannschaft wird John Anthony Brooks (18) vielleicht auch irgendwann mal spielen. Ein paar U20-Einsätze hatte er schon. Und dieses Wochenende ist er beim Trainingscamp der amerikanischen U23.

Ich möchte weitere Spieler aus Altersgründen ausschließen – (fehlende) Qualität völlig außen vor gelassen. Meine willkürliche Altersgrenze liegt hier bei 25 Jahren. Maik Franz (30), Peter Niemeyer (27), Christian Lell (27), Christoph Janker (26) und Andreas Ottl (26) landen wohl nicht mehr in der Nationalmannschaft.

Es bleiben neun Spieler übrig, von denen vier Stammspieler bei Hertha sind bzw. regelmäßig spielen. Zuerst zu den anderen fünf:

Sascha Burchert (22) hat durch Verletzungen oder Sperren der ersten Torhüter schon einige Erst- und Zweitligaspiele absolviert. Trotz seines unglücklichen Debüts vor 2 Jahren – das ich wohl nie vergessen werde – halte ich ihn für einen talentierten Torwart. Aber an Kraft kommt er nicht vorbei und somit nicht einmal ins Blickfeld der Nationalmannschaft. Allerdings hat er schon 14 Spiele für die Junioren-Nationalmannschaften absolviert (U17 – U20).

Auch Abu Bakarr Kargbo (18) hat bisher sämtliche U-Mannschaften bis zur U20 durchlaufen. Das Supertalent wurde diesen Sommer von Babbel aus Herthas U23 in den Profikader geholt. In der Bundesliga gespielt hat er jedoch noch nicht. Deshalb wäre es schon sehr weit hergeholt, seinen Namen mit der deutschen Nationalmannschaft in Verbindung zu bringen. Aber er ist noch sehr jung. Kargbo könnte übrigens auch für Sierra Leone spielen.

Fanol Perdedaj (20), Sebastian Neumann (20) und Nico Schulz (18) sind letzte Saison ins Blickfeld der Hertha-Fans geraten. Diese Saison spielen sie bisher nur in der zweiten Mannschaft. Neumann durfte noch im Pokal in Essen ran. Außerdem gehört er zurzeit zum Stamm der deutschen U21, die ja ein gutes Sprungbrett für die A-Nationalmannschaft sein kann. Er zeigt dort auch eine gute Leistung, sogar mit Torvorlagen und einem Tor. Aber bei Hertha hat er derzeit keine Chance, in der Abwehr zum Einsatz zu kommen. Perdedaj gehört zum (erweiterten) Kader der deutschen U20, Schulz spielt regelmäßig für die U19. Nur bei Herthas erster Mannschaft ist derzeit kein Platz für sie.

Es bleiben vier Namen:

Thomas Kraft (23) ist ein exzellenter Torhüter, der sich in den nächsten Jahren bei Hertha noch weiterentwickeln und verbessern wird. Sein Problem ist, dass er Deutscher ist. Denn Deutschland hat seit Jahrhunderten kein Torwartproblem. Und gerade zurzeit sprüht die Bundesliga nur so vor jungen Torwarttalenten. Die Zielers, Trapps und ter Stegens dieser Welt werden sich die nächsten Jahre um die beiden Plätze hinter Neuer prügeln. Kraft wird es da schwer haben. Eventuell ist er auch schon zu alt, so blöd das klingt.

Änis Ben-Hatira (23) und Patrick Ebert (24) wurden von Babbel aus Leistungsgründen für das Spiel in Wolfsburg aus dem Kader genommen, haben aber gegen Gladbach per Einwechslung wieder eine Chance bekommen. Für weitere Einsätze konnten sie sich allerdings nicht empfehlen. Beiden hängt das Label des „ewigen Talents“ an. Beide haben vor über zwei Jahren das letzte Mal für die deutsche Nationalmannschaft (U21) gespielt. Sie waren Teil der Europameistermannschaft von 2009. Weitere Teammitglieder waren Manuel Neuer, Benedikt Höwedes, Jerome Boateng, Sami Khedira, Mesut Özil und Mats Hummels. Weder Ben-Hatira noch Ebert sehe ich jemals dort ankommen, wo diese Spieler schon sind.

Am Ende bleibt tatsächlich nur der 19-jährige Pierre-Michel Lasogga. Er war Herthas Spieler der Saison 2010/11. Die entscheidende Frage nach dem Aufstieg war, ob er auch in der 1. Liga bestehen könnte. Bisher konnte er die meisten seiner Einsätze gut nutzen, hat 4 Tore in 10 Ligaspielen erzielt und 3 Torvorlagen beigesteuert. Aber bekanntlich hängt Lasoggas Spiel stark von seinen Mannschaftskollegen ab. Er ist ein Knipser, braucht also verwertbare Flanken oder Bälle in die Spitze. Diese fehlen bei Hertha leider häufig. Er ist kein großer Techniker, aber ein Kämpfer, der 90 Minuten lang rennt. Und in den entscheidenden Momenten an der richtigen Stelle steht. Wie Neumann gehört Lasogga zum aktuellen Kader der U21-Nationalmannschaft. Dort hat er drei Tore in sechs Spielen geschossen. Wenn er so weiter macht – bei Hertha und in der U21 – wird vielleicht auch Jogi Löw irgendwann auf ihn aufmerksam werden. Ich hoffe, er bleibt Hertha noch lange erhalten (seinen Vertrag hat er ja erst im Mai bis 2015 verlängert), denn hier kann er sich gut weiterentwickeln. Und mit etwas Glück A-Nationalspieler werden.

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  • Wer hat das geschrieben?

    Ich bin Maria, Jahrgang 1988, geborene Sächsin. Seit Herbst 2008 wohne ich in Berlin, wo Hertha mich eingefangen hat. Vorher war ich nämlich vereinsloser Fußballfan. Mittlerweile bin ich Hertha-Mitglied und habe eine Dauerkarte für die Ostkurve. Als großer Sport- und Berlin-Fan gehe ich auch ab und zu fremd bei den Füchsen, Eisbären, ALBA etc. Vor meiner Zeit als Autorin beim Hertha BSC Blog bin ich schon regelmäßig auf verschiedenen Hertha-Blogs als Leserin und Kommentatorin unterwegs gewesen. Denn ich schätze die Fanmeinungen der Autoren und Leser sowie die allgemeine Atmosphäre. Ihr findet mich auch bei Twitter unter @Maria_Berlin, wo ich immer offen für Diskussionen bin.

14 Kommentare

  1. Halblinks
    Am 11. November 2011 um 09:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Allerdings vertritt Lasogga ja auch einen Spielertyp, den nicht gerade Wenige vom Aussterben bedroht sehen. Gut, die aktuelle Galaform vom Gomez scheint die Überlebensdauer dieser Stürmerart eventuell noch ein wenig zu verlängern. Ob aber nach einer „Ära“ Gomez zukünftige Nationaltrainer nochmal einen solchen Stürmer dauerhaft in die Formation einbinden, bleibt zumindest fraglich.

    Kurzum, ich glaube ehrlicherweise, dass keiner der aktuellen Herthaspieler Nationalspieler werden wird. Finde ich persönlich auch nicht tragisch, es gibt dutzende gute bis sehr gute Spieler, die nie ein Nationaltrikot überziehen durften (oder bestenfalls in unwichtigen Freundschaftsspielen).

  2. Maria Maria
    Am 11. November 2011 um 09:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Diesen Gedanken zu Lasogga hatte ich auch (ich habe aber absichtlich nicht alles in den Artikel gepackt). Aber wer weiß, was aus ihm noch wird. Nicht ohne Grund habe ich am Ende „Glück“ ins Spiel gebracht. Denn das gehört irgendwie immer dazu. Ich sage nur Verletzungen. Seien es eigene oder die der anderen.

    Und ich gebe dir Recht, dass es nicht schlimm ist, wenn ein Verein keinen Nationalspieler hat. Gerade unsere aktuelle Nationalelf ist ja so gut besetzt wie ewig nicht mehr. Es ist also eh schwierig, selbst als sehr guter Spieler da rein zu kommen.
    Aber eben weil unsere Nationalmannschaft zurzeit so schön spielt und erfolgreich ist, wäre es ja toll, wenn daran ein Herthaner beteiligt wäre (mir persönlich ist die Nationalelf sehr wichtig – geht ja nicht allen so). Deswegen das Gedankenspiel.

  3. Klaus
    Am 11. November 2011 um 09:31 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die sind doch alle sehr weit weg vom derzeitigen Leistungsstand der Nati. Spontan dachte ich: Dem Niemeyer würde ich mal ne Chance geben, und dem Lasogga könnte, mit viel Glück und Schweiß, die Zukunft gehören. Aber stimmt schon: Für Niemeyer ist es wohl zu spät, an der bockstarken Konkurrenz auf seiner Position noch zu kratzen. Dass Lasogga ein aussterbender Typ ist, da bin ich mir allerdings nicht so sicher. Man könnte auch argumentieren: Selbst das derzeit moderne 4-5-1 kommt nicht ohne eben diesen einen Stürmer aus. Und wenn man sich umschaut, was an qualifizierten Deutschen auf dieser Position rumläuft, dann kommt hinter Gomez nicht mehr viel… Daher würde ich denken: Träumereien rund um Lasogga kann man sich mal gönnen. Aber geholfen ist damit weder ihm noch Hertha.

  4. Daniel
    Am 11. November 2011 um 09:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Schöne Idee :) Und ich finde es normal, dass wir als Aufsteiger keine Spieler haben, die da oben anklopfen. Soweit sehe ich auch Lasogga noch nicht und wenn man sich – wie schon angesprochen – die Entwicklung bei der Nationalmannschaft anschaut, dann wird Lasogga dort wohl eher nicht landen. Löw steuert auf ein 4-2-4 ohne echte Sturmspitze hin. Er will eigentlich keinen Gomez, er will lieber zwei Kloses, die hinter den Ball kommen und auch Zuckerpässe spielen können. Insofern wird eher Kargbo mal Nationalspieler (von welchem Land auch immer), als Lasogga, so leid mir das für ihn tut.

    Christian Lell war ja nach dem Aufstieg sogar mal kurz im Gespräch, als Philipp Lahm in der Nationalmannschaft von rechts nach links gewechselt ist und sich weder Jerome Boateng, noch Benedikt Höwedes, noch Christian Träsch für die Position angeboten haben. Aber ich fürchte für Lell, dass auch der Zug abgefahren ist und wenn man ehrlich ist, reicht das auch qualitativ nicht für höhere Sphären.

    Was immer sein kann – und schon oft passiert ist – ist, dass Spieler erstmal von Hertha weg mussten, um woanders ihre volle Leistungsstärke zu entfachen. Deshalb sehe ich für alle aufgeführten U-Nationalspieler noch Chancen auf die EM 2016 oder in einer untergeordneten Rolle, für die WM 2014.

    Den immens wichtigen Faktor Glück hattest du ja schon erwähnt.

  5. Maria Maria
    Am 11. November 2011 um 10:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich finde aber auch einige „Beiprodukte“ des Artikels interessant: Die Liste der deutschen Spieler bei Hertha ist ganz schön lang. Ist ja auch nicht selbstverständlich. Die Hälfte oder so stammt aus der eigenen Jugend. Und was Daniel angesprochen hat: Viele spielen für die Juniorennationalmannschaften (bzw. haben da mal gespielt). Insgesamt ist das eine schöne Entwicklung.

    • Halblinks
      Am 11. November 2011 um 10:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

      da bin ich absolut bei dir.
      Ich frage mich allerdings woran das liegt und wie lange es ggf. anhält. Ich denke, es sind viele Spieler aus deiner Aufzählung durch den Umstand des „Neuaufbaus“ mit einem gewissen Sparzwang in Liga zwo an die erste Mannschaft herangerutscht. In Liga eins sehen wir jetzt aber, dass die Meisten derzeit allerdings keine oder kaum Einsatzchancen haben. Es könnte somit sein, dass der Trend bei Hertha sich wieder dreht und sukzessive Zukäufe in die Mannschaft integriert werden, die dann bestenfalls zufällig Deutsche sind.
      Mich wundert immer ein bisschen, dass das in anderen Vereinen (vor allem BVB) doch anders ist und dort ständig extrem junge Deutsche spielen und man sogar Meister wurde. Ich bin mir über seinen Fitnesszustand ehrlicherweise nicht ganz sicher, aber würde ein Nico Schulz in Dortmund nicht schon längst den „alten Mann“ Kobi abgelöst haben? Er ist genau so ein Spieler, wo ich befürchte, dass er demnächst für überraschend schmales Geld weggekauft wird, um dann dort in kürzester Zeit Stammspieler zu sein.

      • Maria Maria
        Am 11. November 2011 um 11:01 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Ja, ich finde es auch schade, dass die jungen Herthaner, die letzte Saison Potential gezeigt haben, mittlerweile keine Rolle mehr spielen. Und dass die dann wohin gehen, wo sie spielen dürfen, und eben dort ihr ganzes Potential entfalten, wäre dann wieder typisch Hertha.

  6. Daniel
    Am 11. November 2011 um 11:01 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Also bei Nico Schulz verstehe ich den Hype ehrlich gesagt nicht. Er hat zwei bis vier mutige Auftritte gehabt und dadurch dann auch gute Presse. Aber schon die Verhandlungen um einen neuen Vertrag haben mir eigentlich gezeigt, dass hier einer nicht darum spielt, im Profifußball zu zeigen, was er kann, sondern vor allem um Geld zu verdienen. Vielleicht hab ich hier auch das ein oder andere Interview mit ihm nicht mitbekommen, aber es kam mir so vor, als ob sich da jemand für den neuen Messi hält und das auch vom Verein so honoriert haben möchte.

    Ich jedenfalls hab von ihm noch nicht ein Spiel über 90 Minuten gesehen, in dem er mich vollends überzeugt hat. Was natürlich auch daran liegt, dass ich nie U23-Spiele sehen kann.

  7. Blauer Montag
    Am 11. November 2011 um 20:23 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Mich wundert immer ein bisschen, dass das in anderen Vereinen (vor allem BVB) doch anders ist und dort ständig extrem junge Deutsche spielen und man sogar Meister wurde. …Nico Schulz… ist genau so ein Spieler, wo ich befürchte, dass er demnächst für überraschend schmales Geld weggekauft wird, um dann dort in kürzester Zeit Stammspieler zu sein.

    N ‚Abend,
    über diese Aussagen von Halblinks bin ich am Meisten ins Grübeln gekommen. Da läge ja die Vermutung nahe, dass die Ausbildung beim BVB einfach meisterlich ist. In den letzten 1,5 Jahren sehe ich dagegen nicht, dass ein junger Spieler, der vorher in der Ausbildung bei Hertha war, bei anderen Vereinen in kürzester Zeit Stammspieler in der 1. oder 2. Profiliga wurde.

    • Halblinks
      Am 11. November 2011 um 22:01 Uhr veröffentlicht | Permalink

      das hast du mich etwas mißverstanden. Mir ging es nicht um die Frage, ob der BVB gute Spieler en masse auszubilden weiß. Das können die ggf genauso gut, wie andere Vereine auch, keine Ahnung. Der Unterschied scheint doch aber zu sein, dass man die Jungspunde direkt ins kalte Wasser wirft und ihnen das nötige Vertrauen gibt. Ganz egal, ob selbst ausgebildet oder dazugeholt.
      Und ja, in den letzten 1,5 Jahren hat Hertha wohl keinen Jüngling abgegeben, der sofort den Durchbruch schaffte (Schorch? Hmm, kein wirklicher Durchbruch). Allerdings liegt in dieser Phase eben auch das eine Jahr zweite Liga, wo Hertha für die jungen Spieler spürbar attraktiver wurde/war. Was machen die ganzen oben aufgeführten jungen Spieler aber in den nächsten 12 Monaten? Bleiben die alle, spielen Regionalliga und warten? Währenddessen hopst mit dem Leitner das nächste hoffnungsvolle Talent über den Rasen des Westfalenstadions.

  8. Am 13. November 2011 um 08:42 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Lasogga ist groß aber trotzdem beweglich, ich teile deine Einschätzung, daß er ein möglicher Kandidat aus eurem Kader wäre.

    Änis hat es mal wieder geschafft, alle zu blenden. Ein paar gute Spiele bei uns, ein guten Agenten, schwubbs hat er einen guten Vertrag. Wir wollten ihm das Geld nicht zahlen, weil wir wußten, wie unkonstant seine Leistungen sind.

    Daher ist er meilenweit weg. Wie Patrick „wo sind die Aussenspiegel“ Ebert. Vor drei Jahren hätte er Gas geben müssen.

    Noch mal zu Lasogga: Wenn er lernt mehr wie Klose als wie Gomez (von der Rolle, nicht der Qualität spreche ich hier), dann würden sich seine Chancen erhöhen, denn so einen Stürmer haben wir zur Zeit nicht.

  9. junichi
    Am 15. November 2011 um 03:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Lasogga könnte es vielleicht schaffen. Niemeyer hätte in mancher Nati eine Chance, aber wir sind auf der Position weltweit am besten und tiefsten besetzt, da hat er wohl keine Chance.
    Was der Jogibär will oder nicht will, ist im Übrigen schnurzpiepe. Denn seinen Lieblings-Klose wird selbst er nun nicht mehr bis zur WM 2014 durchschleppen können, insofern werden die nächsten Jahre ganz im Zeichen des Spieler(typs) Gomez stehen. Vielleicht noch befeuert dadurch, dass bei einem CL-Sieg von Bayern und einem EM-Titel von Deutschland der Barca-Hype schnell abebben wird. ;)

  10. junichi
    Am 15. November 2011 um 05:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wo jetzt die Rede auf den BVB kam und ob wir es nicht genauso machen können, will ich doch mal versuchen, das Phänomen Dortmund aus meiner Sicht als Hertha-Fan und Fußballinteressierter zu analysieren und einzuordnen.
    Der BVB ist vor einiger Zeit den Weg weg von teuren ausländischen Spielern hin zu jungen deutschen Spielern gegangen. Erleichtert wurde dies im Allgemeinen durch die wesentlich größere Menge an gut ausgebildeten Spielern, bedingt durch die must-have-Nachswuchszentren bei den Buli-Klubs. Es gibt aber strukturelle Unterschiede zu Hertha:

    1. Die finanziellen Möglichkeiten sind bei Dortmund weiter andere als bei Hertha, praktisch immer gewesen, außer vielleicht in den ersten eins, zwei Jahren nach dem Absturz. Dortmund hat ein so hohes Standing in der Wirtschaft, sowohl regional als auch national, ein so hohes Zuschaueraufkommen, dass hohe Einnahmen garantiert sind. Herr Hoeneß mit dem Bayern-Gen hingegen wollte das nicht so wahr haben und wählte den Weg zur Bank.

    2. Hertha hat nicht den Ruf im traditionellen Fußballdeutschland wie Dortmund, Schalke oder Bayern. Das ist mir aufgefallen, seitdem ich vor 15 Jahren das erste Mal das Stadion betreten habe. Selbst zu größten Erfolgszeiten war die Medienberichterstattung immer von einer seltsamen Distanz geprägt, einer durchscheinenen Unsicherheit, ob denn dieser komische „Neuling“ (die bis heute gültigen Strukturen im dt. Fußball sind in den 70er und 80er Jahren gelegt worden) das Niveau wird halten können. Ich hab mich lang darüber geärgert, mittlerweile ist es mir egal. Hertha gehört zu den absoluten Zuschauermagneten in Europa, doch unter diesen ist keiner unbekannter als unsere Alte Dame. Das hat nicht zuletzt die Folge, dass herausragende deutsche Spieler, deren Blicke (und die von ihren Beratern) traditionell auf die „großen Klubs“ gerichtet sind, eher weniger an Hertha denken. Anders herum hat die Alte Dame auch eher in Brasilien gesucht als vor der eigenen Haustür. Nicht umsonst hatte Hertha als die wohl drittbeste Mannschaft der Zeit zwischen 1998 und 2009 nur einen beständigen Nationalspieler. Hinzu kommt anscheinend die Unfähigkeit zuzuschnappen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Der Gedanke, dass Hertha Spieler wie Perisic, Ayew, Gustavo und Reus hätte verpflichten können, lässt einem leicht schummrig werden.

    3. Dortmund verkörpert ein Ideal. Das Versprechen mit einem Typen als Trainer, ausgestatett mit großem taktischen Verständnis und einer guten Spielerführung vor „geiler Kulisse“ „brutal guten“ Fußball zu bieten. Klopp wollte mittelfristig etwas aufbauen, und dass der BVB perfekte Voraussetzungen dafür bietet, war immer klar. Allein das Versprechen klingt verlockend, da hätte ich auch Lust als junger Fußballer.

    4. Die Argumente 1, 2 und 3 führen zum Kader des BVB. Wen setzt der BVB denn eigentlich genau ein? Woher kommen die Talente? Wie bei Hertha aus einer großen Nachwuchsgeneration (wirklich Wahnsinn, wo die ganzen Hertha-Eigengewächse mittlerweile alle spielen)?
    Wagen wir doch mal einen Blick auf den erweiterten Stamm: Tatsächlich befinden sich darunter sehr viele junge Spieler. Die Innenverteidigung allein ist mit Ø22 Jahren wahnsinnig jung, noch erstaunlicher aber: Sie spielen schon in der 3. bzw. 4. Saison alle Spiele beim BVB! ABER: Die beiden haben zusammen auch knapp 9 Millionen Ablöse gekostet, absolute Kracher, das wusste damals schon jeder. Ähnlich bei Gündogan, sehr jung, aber auch schon sehr weit. Schlappe 4 Millionen Euro blätterte der BVB für ihn. Ähnliches gilt für Lewandowski und Perisic, nochmal 10 Millionen.
    Die Personalien Sven Bender und Moritz Leitner, die aus der Kaderschmiede von 1860 kommen, sind in derselben Transfer-Kategorie wie die Innenverteider anzusiedeln, auch wenn sie einen Entwicklungsschritt früher gekauft wurden. Ganz ähnlich wie bei Volland und Mlapa, die wegen der Tanner-Connection und ansehnlichen finanziellen Bedingungen in den Rhein-Neckar-Kreis wechselten, waren sie in die Kategorie „herausragende Talente“ einzuordnen, gut für Dortmund, dass der Vertrag von Bender ausgelaufen ist, sonst hätten sie wie Leverkusen tief in die Tasche greifen müssen.
    Anders sieht es auf der linken Verteidigerposition aus, zwei Jungs, die sehr jung im Nachwuchs bzw. in der Regionalliga gescoutet wurden, praktisch ohne finanzielles Risiko gekommen und trotzdem wahnsinnig einschlugen. Hier zeigt sich auch (wenn man will, kann man den Fall Kagawa noch mit dazunehmen), dass Dortmund sicher über eine sehr gute Scoutingabteilung verfügt.
    Großkreutz und Julian Koch, dem leider eine sehr schwere Verletzung einen dicken Strich durch die Karriereplanung gemacht hat, sind Eigengewächse, gute Spieler zweifelsohne. Dazu kommt noch ein Sahin.
    Und dann bleibt noch einer: Mario Götze. Wenn Götze spielt, schaltet die Nation den Fernseher ein. Mehr braucht man dazu wohl nicht zu sagen. Bin nur nicht sicher, ob das der erste Nachwuchstrainer gecheckt hat, als Klein-Mario acht oder zehn Jahre alt war.

    Ich denke, dass aus der Aufstellung eins deutlich hervorgeht: Dortmund holt kaum „Risikospieler“ in die erste Mannschaft, sie hatten über die letzten Jahre einige herausragende Talente im eigenen Nachwuchs, darüber hinaus kaufen sie die besten jungen Spieler, die wir in Deutschland haben. Diese werden fertig/ fast fertig ausgebildet verpflichtet, max. 20, 21 Jahre alt, auf einem Markt, auf dem sie nicht allein unterwegs sind, auf dem sie aber aufgrund der obigen Argumente die besten Karten haben. Unter den finanzstarken Klubs will Bayern kein Risiko eingehen („wir sind kein Ausbildungsverein“), deswegen haben sie einen Hummels auch ziehen lassen, außerdem haben sie es nicht so nötig, Schalke hat sich ganz anders orientiert, ebenso Wolfsburg und Stuttgart, so blieben Leverkusen, Dortmund, Bremen und Hoffenheim. Bremen hat sehr viele junge Spieler verpflichtet, unter anderem diesen Herren:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas_Andersen
    der als ehemaliger U20-Natioalspieler mittlerweile arbeitslos ist und als Negativbeispiel dienen kann für viele Spieler, die im hohen Norden den Sprung nicht geschafft haben. Leverkusen versuchte sich immer an einem Mix, der aus meiner Sicht recht gut gelungen ist, wenn auch die Abwehrprobleme wie in Bremen nicht zufriedenstellend gelöst sind. Hätte der Vater von Götze keinen Ruf nach Dortmund, sondern einen nach Mannheim mit späterem Wechsel zu Hoffenheim, und wäre Ibisevic nicht so lang verletzt gewesen, würde man trotz der ganzen oben beschriebenen Umstände weniger über den BVB als über die Blauen sprechen, und das jetzt schon, wo Hoffenheim seine Strategie erst seit Tanner ganz radikal auf der neuen Schiene fährt.
    Im Nachwuchsbereich hat Hertha als führender Verein der Region zwei Bundesländer, aus denen sie die talentiertesten Jugendlichen zu sich holen können. Darüber hinaus weiß ich nicht genau, wie die Nachwuchsabteilung national vernetzt ist und auftritt, die Auseinandersetzung mit Hoffenheim um Talente geschah sicher nicht aus einer Position der Stärke heraus. Vielleicht wäre das ein Ansatzpunkt, der uns mittel- bis langfristig weiterbringt. Siehe dazu:
    http://www.morgenpost.de/sport/hertha/article1587189/Hertha-erteilt-Hoffenheims-Chefscout-Hausverbot.html
    Dortmund ist für mich also kein Vergleich, wenn, müssten wir Vereine wie Mönchengladbach und Nürnberg heranziehen, in dieser „zweiten Talenteklasse“ sind wir definitiv konkurrenzfähig, müssten dann aber vielleicht auch eher mit Aussetzern wie dem von Klose am letzten Spieltag fertig werden, wo interessant zu sehen sein wird, wie Verein und Spieler damit umgehen.

    Im Übrigen verspreche ich, mich mit weiteren Beiträgen in dieser Länge zurückzuhalten, allein schon, weil ich eigentlich gar keine Zeit dafür habe und man ja nie sicher sein kann, ob man der Wahrheit auch nur nahe kommt. ;)

    PS: Schön, dass auch Frauen das Forum bereichern.

  11. junichi
    Am 15. November 2011 um 06:22 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Leider gibts keine Vorschaufunktion, deswegen als Ergänzung:
    Weiteres Dortmund-Beispiel: natürlich Bittencourt. Wird sich schnell durchsetzen, um das vorauszuahnen, muss man kein Experte sein. Dortmund versucht es mit aller Macht, und so stechen sie eben auch Bayern und Bayer aus.
    Zu Hertha: Seb. Neumann habe ich nur dunkle Erinnerungen, recht solide würde mir einfallen. Ich fand Schulz in der letzten Hinrunde eigentlich recht überzeugend, eine Chance hätte er allemal verdient. Liegt dann schlussendlich aber auch am Trainer, ihm eine Chance und das nötige Selbstvertrauen zu geben. Babbel, der so ziemlich das Gegenteil des Projektes Dortmund verkörpert (hört Heynckes in ein oder zwei Jahren auf?), hat vielleicht auch nicht den ganz großen Anreiz, in Fünf-Jahres-Zyklen zu denken. Aber auch bei Babbel zählt sicher zuerst Qualität (sagen wir, solang keiner der Kontrahenten von Bayern kommt), und deswegen haben diese ihn im Training wohl nicht so überzeugen können. Man tritt ihnen wohl nicht zu nahe, wenn man sie nicht in der Kategorie der oben erwähnten Spieler sieht (lass mich natürlich gern vom Gegenteil überzeugen).

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