“Funkel ist kein Medienmensch”

Kommt es zur Trennug, ist man normalerweise schlecht beraten, sich beim Ex über die verflossene Beziehung zu erkundigen. Beim Fußball ist jedoch alles komplizierter und zugleich viel einfacher. Deshalb konnte ich mich bei Stefan vom famosen Blog-G erkundigen (einfach), was es über den Ex-Trainer der Eintracht, Friedhelm Funkel, zu berichten gibt (kompliziert). Drei Fragen, drei Antworten.

Enno: Friedhelm Funkel hat fünf Jahre bei Eintracht Frankfurt als Trainer gearbeitet. Vor seiner Amtszeit verschliss die Eintracht ihre Trainer deutlich schneller. Funkel wird in Frankfurt also bestimmte Qualitäten als Trainer unter Beweis gestellt haben. Welche würdest du besonders
herausstellen?

Stefan: Funkel hat – zumindest in Frankfurt – sehr oft ein Gespür dafür gehabt, das Richtige im entscheidenen kritischen Moment zu machen. Sei es in Sachen Motivation der Mannschaft oder auch Aufstellung bestimmter Spieler. Er ist ein unheimlich guter Beobachter im Training mit einem Gefühl dafür, wann ein Spieler gut drauf ist und wann nicht. Und Funkel kennt den Abstiegskampf.

Enno: Dennoch kam es im Sommer zur Trennung von Funkel. Hat sich die Beziehung zwischen Trainer und Verein abgenutzt oder ist Funkel in bestimmten Dingen letztlich kein “guter” Trainer?

Stefan: Die Beziehung zwischen Funkel und den Fans hatte sich abgenutzt. Und man darf nicht vergessen, dass Funkel fünf Jahre mit einer im Stamm gleichen Mannschaft zusammengearbeitet hat. Da hat sich sicher etwas zwischen ihm und der Mannschaft “abgenutzt”. Die Situation am Ende seiner Zeit in Frankfurt ist aber nicht mit der bei der Hertha zu vergleichen.

Enno: Nach zwei Niederlagen und erst zwei Trainings mit der kompletten Mannschaft hat Funkel nun tief in das Phrasenschwein gegriffen und verbal den Abstiegskampf eingeläutet. Ich habe ihn aus seiner Frankfurter Zeit nicht unbedingt als Lautsprecher in Erinnerung und bin zugegebenermaßen jetzt schon genervt. Wie schätzt du seine Öffentlichkeitsarbeit im Allgemeinen ein und müssen wir Herthaner uns auf weitere Sprüche der Marke “Lattek” einstellen?

Stefan: Funkel ist kein Medienmensch, kein guter Verkäufer in eigener Sache. Aber er war in Frankfurt immer eines: Gnadenlos ehrlich den Medien und den Fans gegenüber. Das hat ihm auch am Ende den Job gekostet. Klar, dass sowas auch über Phrasen abläuft. Phrasen dreschen sie irgendwie alle, manche verpacken sie nur besser. Funkel ganz sicher nicht. Eines ist aber klar: Verbal rettet man die Klasse nicht. Im Grunde ist’s egal was er sagt, wenn er Erfolg hat. Und mit dieser Phrase möchte ich schliessen. ;)

Enno: Vielen Dank für das Interview!

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15 Kommentare

  1. Erstellt am 19. Oktober 2009 um 20:43 | Permanent-Link

    Das ist keine Phrase, Stefan. Erfolg ist nicht zu ersetzen. Das ist auch unstrittig. Auseinander gehen die Meinungen nur darüber, was Erfolg ist und was nicht.

    An der Stelle, an der die Verkäufer auftreten, fehlt Funkel. Funkel ist einfach keiner, er könnte nicht einmal einen Erfolg als Erfolg verkaufen. Immer wird ihm seine sachliche Art, die man auch spröde nennen kann, im Wege stehen.

    “Der letzte Mohikaner” ist er nicht, er gehört auch nicht einer “Spezies” an, die vom Aussterben bedroht ist. Aber es scheint mir, als sei die Art Trainer, die “nur” ihren Job beherrscht, immer weniger gefragt.

    Wie dem auch sei: Wer Funkel holt, bekommt, was er sieht. Funkel ist kein Blender und deswegen hat er immer noch meinen Respekt.

    Ob er einer Mannschaft, die keine Mannschaft mehr ist, helfen kann? Ich weiß es nicht. Ich hätte den Job in Berlin nicht übernommen. Nichts für ungut, Enno, aber der letzte Auftritt war schlimm. Mehr als Phrasen bleiben da keinem Trainer.

  2. Erstellt am 19. Oktober 2009 um 21:00 | Permanent-Link

    Ich hätte gerne Positiveres geschrieben, Enno. Irgendetwas aus dem Programm “Wenn es einer schafft, dann Funkel”. Aber das wäre nur eine weitere Phrase.

    In ein paar Wochen kann ohnehin vieles wieder ganz anders aussehen. So oder so. Ich drücke dir und deiner Hertha die Daumen!

  3. Murmeltier
    Erstellt am 19. Oktober 2009 um 22:04 | Permanent-Link

    Klar, gnadenlos ehrlich hat Funkel auch seinen Sonderurlaub auf Malle verkauft.
    Natürlich ist er auch nur an seiner Ehrlichkeit gescheitert, dem Umfeld mit seinen Erwartungen und natürlich an der Weltwirtschaftskrise.
    Achja, ist schon ein Klassetrainer, der wird die Hertha sicher da hinführen, wo sie hingehört ;-)

  4. Erstellt am 19. Oktober 2009 um 22:21 | Permanent-Link

    Ob Herthafans nach diesem Saisonstart Trübsal blasen, wenn Funkel in dieser Spielzeit bei der Hertha so “scheitern” sollte wie in Frankfurt?
    Na ja, warum sollen nur Trainer austauschbar sein? Das jeweilige “Umfeld” ist es vielleicht auch.

  5. schusch
    Erstellt am 19. Oktober 2009 um 22:37 | Permanent-Link

    Favre war wohl extremer als alles, was wir bei der Eintracht seit Ehrmantraut, vielleicht sogar Stepanovic erlebt haben.

    Seltsamerweise war Favre irgendwie mein feuchter Traum eines Trainers. Modern, Konzept, System, Laufwege, etc. Und die Berliner werden sich an ihren kurzen Frühling doch wieder gerne erinnern.

    Funkel ist harte, ehrliche Arbeit. Nicht mehr, nicht weniger. Der Mann inspiriert nicht, er bringt einfach nur das Boot wieder in den Hafen.

    Er hat es bei uns getan, die Hertha ist vielleicht sogar noch schwieriger. Er kann es aber. Und er wird dafür nicht geliebt werden. Man will ja mehr.

    Aber jetzt lassen wir den Berlinern wieder ihr Blog.

  6. Erstellt am 19. Oktober 2009 um 22:42 | Permanent-Link

    Aber jetzt lassen wir den Berlinern wieder ihr Blog.

    Man kann es dir einfach nicht recht machen, schusch. Wer hat denn vorhin noch Kommentare “vermisst”? ;-)

    Und über deine “wet dreams” müssen wir auch mal reden … ;-)

    • schusch
      Erstellt am 19. Oktober 2009 um 22:49 | Permanent-Link

      Wet Dream?

      Den neuen Arrigo Sacchi, Rinus Michels, Ernst Happel bei der Eintracht. Und Caio bewegt sich innerhalb dieses organischen Körpers einer Mannschaft wie in einer großen Choreographie.

      Favre wird aber irgendwo irgendetwas noch reißen. Das denke ich schon

  7. Erstellt am 19. Oktober 2009 um 23:01 | Permanent-Link

    Wenn der Ex spricht, dann verliert er doch nie ein gutes Wort…

    Ich habe das gleiche mit Bruno Labbadia und Jens Peters (catenaccio.de) durch. Seit dem bin ich noch pessimistischer…

  8. aussenrist
    Erstellt am 20. Oktober 2009 um 05:25 | Permanent-Link

    “Ob er einer Mannschaft, die keine Mannschaft mehr ist, helfen kann?”

    ich denke schon. man kann ja meinem friedhelm *polier* vieles vorwerfen.
    zwietracht gab es in fünf jahren nicht. und spiele, wie das letzte der herta, in einer situation wo es eng wird hinten in der tabelle, wo die (achtung phrase) mannschaftliche geschlossenheit vorraussetzung für den erfolg ist, auch nicht.

    ich denke ff ist der richtige für die hauptstadt.

  9. franz ferdinand
    Erstellt am 20. Oktober 2009 um 07:44 | Permanent-Link

    kann sein, dass er der richtige ist, kann nicht sein….hauptsache, er ist nicht mehr in frankfurt. und enno – bei all den lobeshymnen – ,eins ist auch gewiss bei funkel: ihr kriegt den häßlichsten, beschissensten fußball geboten. und dass, solange er da ist.

    • dns
      Erstellt am 20. Oktober 2009 um 14:19 | Permanent-Link

      Naja, diesen Fussball hat die Hertha nach einhelliger Meinung aller Nicht-Herthaner ja sowieso, egal wie die Hertha spielt. Damit wird man wohl keinen Hertha-Fan schocken können. ;)

      • franz ferdinand
        Erstellt am 20. Oktober 2009 um 20:23 | Permanent-Link

        korrekt, aber so hart wollte ichs vorhin nicht sagen – bin ja gast. allerdings passt die mischung ja dann doch:-)

  10. aussenrist
    Erstellt am 20. Oktober 2009 um 11:39 | Permanent-Link

    nicht nur, daß ein frankfurter trainer euch den fussball regelt, nein, jetzt müssen wir auch noch für euch bloggen. so wird das nichts, herrschaften.
    arsch hoch!

  11. Erstellt am 20. Oktober 2009 um 11:48 | Permanent-Link

    Ich glaube nicht an Funkel in Berlin. Ich fürchte, ihm wird’s ähnlich gehen wie Röber in Dortmund. Bald wird er in der Mannschaft mehr Feinde haben als Favre je hatte, kein Wunder, hat Favre doch vornehmlich SEINE Spieler geholt. Es wird nur funktionieren, wenn Funkel bis zum Winter überlebt und dann SEINE Spieler holen darf. Bei gleichzeitiger Entsorgung von Favres Lieblingen. Zerstörer statt Gestalter. Viel Spaß.

    Heimkehrer Benny Köhler kommt vielleicht. Und vielleicht sogar Ali Streit. Nur glaub’ ich nicht daran, dass es je soweit kommt. Die Stimmen der im nächsten Spiel Ausgebooteten werden lauter ob der Erfolglosigkeit gegen starke Gegner (zuerst Wolfsburg). Und die Presse lauert schon und heizt die Zuschauer an. Sorry, aber das kann nicht gutgehen.

2 Trackbacks

  1. [...] beim sympathischen Club aus der Hauptstadt. Hertha entlässt also Favre, Enno vom Hertha-Blog befragt Unwissende zum aktuellen Berliner Trainer, und in Stuttgart bibbert Babbel bedenklich [...]

  2. [...] gekriegt. Wenn es auseinander geht, da gehen einem die Eigenarten des anderen eben auf die Nerven. Aber sich schon am Anfang Gedanken darüber machen, ob das mal gut geht? Ich wünsche es ihm so sehr, dass zu der Vernunft auch ein wenig Zuneigung hinzukommt. So ein neuer [...]

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