Fußball ist die Regel, nicht mehr die Ausnahme

Im Fußball gibt es eine ganze Reihe ungeschriebener Regeln. Ungeschrieben deshalb, weil sie in keinem Regelwerk auftauchen, aber trotzdem ihn gewisser Regelmäßigkeit passieren, sodass man allgemein an sie glaubt. Eine davon lautet: Wenn du ein Team hast, das schlecht dasteht und du wechselst den Trainer, dann wird dieses Team sofort besser funktionieren.

Hertha BSC v Hamburger SV - Bundesliga

Hertha war in den letzten Jahren sehr anfällig für solche „Trends“. Man könnte sogar sagen: Hertha ist in den vergangenen Jahren ein beliebter Aufbaugegner gewesen. Immer, wenn irgendwo in der Bundesliga ein Trainer entlassen wurde, konnte man sich darauf verlassen, dass der nächste Gegner Hertha BSC heißen würde und dass dieser nächste Gegner dankbar Spalier stehen würde bei der Wiederaufnahme der eigentlichen Leistungsstärke des bislang desolaten Teams.

Am Samstag trat Hertha BSC wieder einmal gegen einen solchen Trend an. Der Hamburger SV hatte clever recherchiert und wusste: Wenn er Bruno Labbadia nach dem Spiel gegen die Bayern entlassen würde, dann hieße der nächste Gegner Hertha BSC. Also entließ der HSV Labbadia nach einem ordentlichen Auftritt gegen die Bayern (0:1) und verpflichtete den ehemaligen Hoffenheimer Übungsleiter Markus Gisdol.

Und zunächst schien auch alles so zu laufen, wie es nun einmal läuft bei solch einem Trend. Nicolai Müller hatte genauso die Chance zum 1:0 wie Filip Kostic, doch der HSV hatte die Rechnung ohne die neue Hertha gemacht. Denn die hatte ja in den letzten Wochen nicht nur sehr viel Selbstvertrauen gesammelt und war hervorragend eingespielt, sondern hatte auch einen eigenen „Trend“ mitgebracht. Den nämlich, dass frisch gebackene Väter für ihren Nachwuchs Tore schießen.

Hertha BSC v Hamburger SV - Bundesliga

Vedad Ibisevic ist auf dem Platz ein Timing-Monster. Er ahnt, wenn vor dem gegnerischen Tor etwas passiert und reagiert dann blitzschnell. Sein Nachwuchs scheint es ihm gleichzutun. Um kurz nach 10 am späten Freitagabend wurde Ibisevic Vater, um 12 habe er schon im Bett gelegen, sagte er am Tag danach. Der Nachwuchs stand dem Papa in Sachen Timing also in nichts nach.

Timing war gegen den HSV auch besonders wichtig, denn die Hamburger spielten nicht wie ein Team, das in fünf Versuchen erst ein mickriges Unentschieden zustandegebracht hatte. Sie hatten ihre Chancen, doch immer, wenn die Waage zu sehr in Richtung Hamburg zu kippen drohte, hielt Papa Ibisevic seinen Daumen drauf und erzielte ein Tor.

Hertha ist in diese Saison so gut gestartet, wie noch nie. 13 Punkte nach sechs Spielen, vier Siege, ein Unentschieden, eine Niederlage gegen die Bayern, Platz 2! Das ist ein Start, den Hertha nach der Schmach von Bröndby wohl niemand ernsthaft zugetraut hätte. Doch im Vergleich zur vergangenen Saison hat sich das Team von Pal Dardai weiterentwickelt, die Siege waren – mit Ausnahme des glücklichen 2:1 gegen den SC Freiburg, gut herausgespielt. Hertha kann nun auch etwas mit dem Ball anfangen. „Fußball. Fußball. Fußball.“ Was in der vergangenen Saison eine lobenswerte Ausnahme war, ist in dieser Saison die Regel.

Die Länderspielpause fühlt sich deshalb gerade sehr gut an, vor allem, wenn man einen schönen Drucker zu Hause hat und sich gerne Bundesliga-Tabellen aufhängt. Doch nach der Pause hat Hertha ein deutlich schwereres Programm zu spielen, als in der ersten Phase der Saison. Los geht es mit dem schweren Auswärtsspiel in Dortmund, dann kommen die in dieser Saison noch ungeschlagenen Kölner nach Berlin, bevor Hertha zeigen muss, ob die Souveränität auch in dieser Saison in den Pokal herübergerettet werden kann – beim FC St. Pauli. Drei Spiele, bei denen Timing und die ungeschriebenen Gesetze des Fußballs wieder eine Rolle spielen können.

Großartig daran: Man kann sich einfach drauf freuen und muss keine Sorgen haben, dass die Mannschaft bei drei Niederlagen auseinanderbricht. Hertha wirkt höchst stabil und macht schon wieder sehr viel Spaß. Das darf gerne so weitergehen.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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