Grottensieg

Cottbus gegen Hertha, Montagabend, es gibt Schlimmeres könnte man meinen. Und nach dem Spiel, als Hertha mit dem 2:1-Erfolg die drei Punkte aus dem Stadion der Freundschaft entführt hatte, da konnte man das erst recht behaupten. Auch, wenn das Spiel über weite Strecken schon das Prädikat “schlimm” verdient hatte.

Die Stimmung war natürlich auch in Cottbus zwölf Minuten und zwölf Minuten lang vergleichbar mit einem Kreisliga-Kick. Spielerisch war es leider ähnlich. Hertha war wieder mit Sami Allagui auf der rechten Seite aufgelaufen, Sandro Wagner markierte die Sturmspitze, links verdiente sich Ben Sahar mit viel Laufbereitschaft Fleißkärtchen. Das Problem: Die drei waren – obwohl mehrfach aussichtsreich von Ronny in Position gebracht – komplett ungefährlich. Und so fiel dann auch die Hertha-Führung nicht aus einer Laune der Offensiv-Leute heraus, sondern aus einem Kraftakt der beiden Defensiv-Spezialisten. Schuss Niemeyer, Kopfball Kluge – 1:0 Hertha.

Es war für lange Zeit die letzte gefährliche Aktion der Herthaner, die den knappen Sieg – bis zum Ausgleich – wohl auf Sparflamme mit nach Hause nehmen wollten. Während sich Sami Allagui vorne immer wieder neben Sandro Wagner gesellte, dort aber vergeblich auf die Flanke wartete, reichte Cottbus ein Standard zum Ausgleich. Sandro Wagner – so wertvoll er auf der anderen Seite sein kann – hatte seinen Gegenspieler zum Kopfball kommen lassen.

So drohte den Berlinern ein unnötiger Punktverlust im “Spitzenspiel”, wie es Roland Evers von Sky sicherlich ausschließlich mit Blick auf die Tabelle nannte. Andererseits stand bei ihm auch ein Thomas Kirschbaum bei Energie im Tor, wo es doch Thorsten war, der Herthas Sieg bei beiden Toren etwas begünstigte. Hatte er den ersten Schuss von Niemeyer noch nach vorne abklatschen lassen, so kam er bei Ronnys überraschendem Linksschuss schlicht zu spät. Der Ball schlug im kurzen (Torwart-)Eck ein.

Wieder einmal hatte Ronny seinen Jungs wichtige Punkte im Kampf um den Aufstieg gerettet. Wie schon gegen Paderborn, Union, Kaiserslautern und Köln. Der Brasilianer macht in dieser Hinrunde häufig den Unterschied aus. Allerdings: Gegen Cottbus spielte er solide erste 30 Minuten, um dann bis zum Tor völlig abzutauchen. Solange er am Ende Spiele entscheidet, kann er sich das leisten. In einer Krise (die gerne ausbleiben darf), könnte es ihm als Lustlosigkeit ausgelegt werden. Den Eindruck wiederlegte er gegen Cottbus jedenfalls kurz nach seiner Auswechslung, als er in der Nachspielzeit von der Bank aufsprang, um seine Kollegen noch einmal anzufeuern.

2:1 in Cottbus also, ein echter Grottensieg. Drei Einzelaktionen und ansonsten eine solide Abwehrleistung. Solange Hertha so die Punkte zum Aufstieg holt, darf es gerne mehr solcher “schlimmen” Montagabendspiele geben. Das ist ja das Schöne am Fußball: Man kann immer irgendwo etwas zum Meckern finden. Vor allem, wenn man trotzdem drei Punkte in der Tasche und nach der Hälfte der Hinrunde vier Punkte Vorsprung auf den Relegations- und acht auf einen Nicht-Aufstiegsplatz hat.

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Hertha BSC und getagged , , , , , , . Bookmarken: Permanent-Link. Momentan ist weder das Kommentieren noch das Setzen eines Trackbacks möglich.
  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

    Ich würde mich freuen, deine Meinung zum Artikel zu erfahren. Schreib doch einen Kommentar und diskutiere mit!

    Und bleib auf dem Laufenden: Abonniere neue Beiträge des Hertha BSC Blogs (RSS-Feed / E-Mail)

3 Kommentare

  1. Klaus
    Erstellt am 3. Dezember 2012 um 23:49 | Permanent-Link

    och komm, sei doch mal gnädig. sie fahren nach schrottbus, wo neulich erst braunschweig drei punkte abwerfen musste, sie sind zumindest in der ersten hälfte das bessere team, sie gewinnen gegen eine kampfstarke heimmannschaft das derby. bisschen glücklich. ganz egal. jetzt freu dir doch mal!!

    • Daniel
      Erstellt am 3. Dezember 2012 um 23:55 | Permanent-Link

      Ich freue mich! Ehrlich! Über die Punkte, über den Sieg. Ich hab halt hohe Ansprüche, für die die gegenwärtige Mannschaft aber überhaupt gar nichts kann. Insofern geb ich dir recht, dass im Artikel ein Lob für Herthas Effektivität und die Tatsache, dass sie dieses Spiel dann eben doch gewinnen statt nur Unentschieden zu spielen (oder sogar zu verlieren), fehlt ;-)

  2. achim
    Erstellt am 4. Dezember 2012 um 17:02 | Permanent-Link

    Recht gut geschriebener Blog/Artikel, wenn auch die begeisterung fehlt. Nichts anderes als ein Derbysieg war das gestern.
    Und zwar das richtige Derby wenns nach mir geht.Derbys Definieren sich m.M.n nämlich nicht unbedingt über nähe, sondern eher über Tradition und Historie. und seien wir erlich, gegen union fehlts da schon an der anzahl an spielen.

    wie dem auch sei, ich habe gestern eher gesehen, das uns cottbus auf ihr niveau runter gezogen hat. hertha hat in der ersten halbzeit gut gespielt(kontrolliert und diszipliniert), wenn auch zu glücklos im abschluss.
    dann wurde aufgrund eines zahmen gegners und der führung das tempo peu à peu mal komplett rausgenommen. is ja schließlich bald weihnachten, da will keiner zum gabentisch humpeln…
    und cottbus kam auch nur nach einem standart vors tor und logischerweise zum ausgleich. das reichte den lausitzern dann wohl auch, weil sie mal keine anstalten machten weiter auf den sieg zu drücken.
    hertha brauchte dann wieder eine weile um den motor anzuschmeißen, vielleicht wäre da ein wechsel für allagui oder ben sahar früher besser gewesen.
    naja und mit nem schönen schuss von ronny und der kräftigen unterstützung vom schauspieler kirschbaum(oscar-reif) wurde es dann doch verüglich.

    und jetzt mal erlich, in welcher welt würden wir leben, wenn man wirklich ein “feuerwerk” in der lausitz erlebt(aufm platz,nicht den rängen)?dann müsste ich mir wegen dem 21.12 wirklich wieder anfangen sorgen zu machen.

    peace achim

Ein Trackback

  1. [...] vom Hertha BSC Blog sah einen “Grottensieg”, blickt aber ohne Groll [...]

  • Hey, was geht ab?

    Drei Berliner kommentieren ihre Erlebnisse als Herthaner in Dortmund, Bielefeld/Bremen und Berlin. Polyvalent, kritisch - Hertha! Folglich kommen wir über das geschriebene Wort ins Spiel. Ein Thema, drei Perspektiven und nur manchmal einer Meinung. Mehr...
  • Facebook, Twitter, Newsletter

    Du bist bei Facebook? Werde gemeinsam mit 520 anderen ein Fan des Hertha-Blogs!
  • Luhukay Fan-Shirts

    1,width=280,height=280
  • Mobile Version

    m.hertha-blog.de, optimiert für mobile Endgeräte!
  • Letzte Kommentare

    • Zu: Leise Zweifel trotz starker Transfers (3)
      • Daniel: Absolut möglich, dass ich hier mal wieder in die Glaubwürdigkeits-Falle getappt bin und Lasogga für einen...
      • Rayson: “Unzähliger” sollte das natürlich heißen. Und die Liste könnte auch mit “A” wie Alves...
      • Rayson: Nach allem, was man zuletzt so über das Verhältnis von Hertha und Lasogga lesen durfte, gibt es genau einen...
    • Zu: Hört mir auf mit Europa (6)
      • Rayson: Kein Widerspruch! Für eine Mannschaft, die eher über ihre Verhältnisse spielt und daher in die Nähe dieser...
      • Halblinks: 100% Zustimmung. Europa braucht (zur Zeit) kein Mensch! Es ist doch auch fatal und widerspricht nicht erst...
      • boRp: Danke. Vollkommen richtig. Jede Woche bete ich das beim Konferenzgucken runter, wieviele Punkte Hertha noch auf...
    • Zu: Tops und Flops der Hinrunde (2)
      • Pinsty: Zu deiner ersten Frage: Ja! Ich bin mehr bei “fantastisch”, “großartig”....
  • Top Kommentatoren

  • Letzte Artikel