Hertha BSC und die Folgen des geteilten Deutschlands

Sieben Gedanken anlässlich der Wiedervereinigung, bzw. der voran gegangenen Teilung Berlins und deren strukturelle Auswirkungen auf die Entwicklung von Hertha BSC.

Im Gegensatz  etwa zu Rainer Calmunds Bayer Leverkusen konnte Hertha BSC zu Wendezeiten nicht mal Ansatzweise mit einer sportlichen Perspektive locken. Von dem fehlenden Kleingeld mal ganz zu schweigen. Hertha BSC spielte bis 1988 nicht einmal in der zweiten Liga. Zwar stieg die Mannschaft kurz nach dem Mauerfall in die erste Liga auf, konnte sich aber trotz oder wegen des Trainers Peter Neururer nicht in der ersten Liga halten. Erst 1997 stieg Hertha wieder auf. Die Wende war – fußballerisch gesehen – bereits verarbeitet. Hertha konnte diesbezüglich nichts zur Integration von Ost und West beitragen.

Es gibt einen Grund für die immer wieder beklagte und häufig für Spott genutzte geringe Auslastung des Olympiastadions. Allerdings wird dieser triftige Grund in den Medien kaum oder nie diskutiert. Stellt man sich nämlich die Frage, worin der Unterschied zwischen (vor allem westdeutschen) Vereinen, die in Sachen Stadionauslastung so unglaublich erfolgreich sind (Bayern, Dortmund, Schalke, Stuttgart, Bremen, HSV), die sogar bei ausbleibenden Erfolgen vor gut gefüllten Rängen spielen (Köln, Gladbach, Frankfurt) und Hertha BSC liegt, dann muss man sich überlegen, was die Mauer für den Verein bedeutete.

In der ganzen Republik gibt es Bayern-Fans. In jeder größeren Stadt wird man eine FC-Bayern-Kneipe finden. Gut, das kann nicht der Maßstab sein. Aber man nehme einmal Bielefeld oder Bonn und Umgebung (willkürliche, aus eigenen Erfahrungsschatz resultierende Beispiele!). Wo fahren unglaublich viele Leute am Samstag hin? Auf Schalke oder nach Dortmund! Überträgt man die Distanz von Schloss-Holte Stukenbrock bei Bielfeld bis zur Veltins-Arena (130km) auf den Berliner Maßstab, wird deutlich, über welche Einzugsgebiete wir reden: Frankfurt/Oder (110km), Dessau (115km), Neustrelitz (1ookm), Eberswalde (75km), Cottbus (130km), jeweils bis zum Olympiastadion. Diese Potentiale konnte Hertha BSC jahrzehntelang nicht nutzen.

Zurück zur Kneipen-Frage: In Berlin findet man zu jedem Bundesligisten ein Kneipe. Selbst für Pauli oder 1860, ja sogar für Bielefelder gibt es Fußball-Kneipen! Man muss sich einmal überlegen, wie ignorant die Zugezogenen während der deutschen Teilung gegenüber den ansässigen Fußball-Vereinen sein konnten. Hertha? Tebe? Wo ist hier die Bundesliga? Also hielt man wie eh und je zum HSV, den Bayern, Schalke oder wem man halt aus was für Gründen sein Herz geschenkt hatte. Mitten in Berlin machten sich also „fremde“ Fußball-Fans breit. Und sie mussten nicht mal mit Widerworten rechnen. Hertha blieb in den Niederungen des Fußballs und der Hertha-Fan zog in das innere Exil. Das macht im übrigen noch heute eine gewisse Grundhaltung aus, die man vielleicht mit arrogantem Trotz beschreiben könnte.

Hertha war im Westen Berlins kein integrierender Faktor. Über die Feindschaften von Dortmund und Schalke sind schon Ehen zerbrochen oder auch gestiftet worden. Über den FC Bayern kann jeder im Büro etwas erzählen. Bremen findet (fast) jeder sympathisch. In Westberlin wirkte Hertha höchstens in dem Sinne integrierend, als dass jeder sagen durfte, dass er mit denen nichts zu tun haben wolle. Und die? Die verkrochen sich in die Eckkneipen, hinter Gardinen und in die Niederungen der Kegelbahnen. Alte Dame Hertha, wie du nach Berliner Wedding miefst.

Nach dem Fall der Mauer und mit dem Erfolg kamen dann die lang ersehnten Fans aus dem Umland. Das Stadion füllte sich und endlich kam Stimmung auf im Olympiastadion. Aber langsam merkten die Alt-Eingesessenen und auch die Verantwortlichen, dass da ein Klientel in das Stadion strömte, das dort nicht willkommen ist. Der rechte Mob aus dem Brandenburger Umland hatte in den Neunzigern die Kurve durchaus dominiert (Zyklon B, Endsieg, Wannseefront, usw. usf.). Für mich war das damals ein triftiger Grund von Hertha Abstand zu halten. Der Verein reagierte – aber für viele viel zu spät – und war dennoch einer der ersten, der bspw. eine gewisse Kleiderordnung einführte, indem er unter anderem das Tragen von Thor-Steinar Klamotten untersagte. Dieses rechte Manko lastet Hertha BSC noch heute schwer an.

Schaut man einmal nach England, Spanien, Italien, Österreich oder die Schweiz: Überall gibt es Hauptstadt-Derbies mit langer Tradition und überregionaler Bedeutung. Es ist ein Fest, wenn Chelsea auf Arsenal trifft, wenn die Roma Lazio empfängt. Austria vs. Rapid, ein Klassiker. Und in Berlin? Da gab es vor dem zweiten Weltkrieg mal die Stadtmeisterschaften, zu denen in der Regel um die 100.000 Besucher kamen. Regelmäßig! Die Welt im Konjunktiv sähe zwei oder gar drei Berliner Mannschaften in der ersten Liga, die um die Vormachtsstellung nicht nur in der Stadt, sondern in der Liga streiten.

40 Jahre deutsche Teilung. Das ist kein Pappenstiel, sondern ein deutlicher infrastruktureller Nachteil, den man in 20 Jahren nicht einfach wett machen kann. Man könnte diese Liste mit Gedanken sicherlich um einige zentrale Punkte erweitern. Um eine abschließende oder lückenlose Begründung geht es mir jedoch nicht. Ich wollte nur lange schon einmal darauf hinweisen, dass Hertha BSC mit keinem anderen Bundesligisten vergleichbar ist, wenn man die infrastrukturellen Auswirkungen eines geteilten Deutschlands nicht berücksichtigt. Vergleiche zwischen Fankultur, Tradition, Leistung und Stadionauslastung sind meist ziemlich gehaltlos, wenn man sie nicht mit einbezieht. Für Ergänzungen, pros und contras bitte die Kommentar-Funktion benutzen.

20 Jahre Mauerfall. Wohl ein guter Anlass, um diese Debatte mal anzustoßen…

Foto: Fauxaddress - Edward
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    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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58 Kommentare

  1. Am 9. November 2009 um 21:58 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „50 Jahre deutsche Teilung“

    Es waren doch nur 40 ;-)

    Ansonsten schöner Beitrag.

    • Enno Enno
      Am 9. November 2009 um 22:25 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Äh ja. Irgendwie hatte ich mich beim Lesen meines eigenen Textes auch schon gewundert… Kleiner Rechenfehler meinerseits. Danke für den Hinweis, ich habe es korrigiert.

  2. spreekicker
    Am 9. November 2009 um 22:04 Uhr veröffentlicht | Permalink

    ich finde den punkt, dass hertha lange nichtmals zweitklassig war für einen wichtigen, weil dieser aspekt auch bedeutet, dass hertha nicht seit eh und je die (unangfochtene) berliner nr. 1 war, welche es verplant hat ihr ohnehin bescheidenes fanpotenzial auszuschöpfen. hier gab es auch andere vereine, aber über tebe, blauweiß und meinetwegen minerva und später dann die ostberliner vereine oder wer auch sonst, über die schimpft keiner, sondern immer schön auf den verein drauf, der noch am erfolgreichsten war.
    man kann das damalige fußballpotential westberlins auch ganz einfach abschätzen 2 mio einwohner, in der brd kamen gut 4 mio menschen auf einen bundesligisten.
    und dann noch die motivation der zugezogenen heute, welche in der großstadt irgendeinen halt suchen, weil alles so groß und achso fremd und superschnell und ultraanonym, etc. pp ist nur weil sie ihr almglocke nicht rund um die uhr hören und euter melken können.
    achja und die gesamtseutsche provinz welche durch berlin regelmäßig ihre tiefste provinzialität vorgeführt bekommt. trotz und vielleicht auch neid sind das ergebnis, nach dem motto, denen in berlin, den zeigen wir es mal, wenigstens im fußball und natürlich im bundesrepublikanischen zentrum allen seins, bei der wetten dass saalwette.

    • Enno Enno
      Am 9. November 2009 um 22:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Sicher ist die Zweitklassigkeit ein Problem. Aber was war zuerst? Henne oder Ei? Hätte Hertha mit einem großen Einzugsgebiet nicht entsprechend viele Sponsoren, Zuschauer und Spieler anziehen können, um zur nationalen Spitze zu gehören? Wäre die zweite (dritte, vierte) Liga überhaupt nötig gewesen? Man könnte meinen: Nein.

    • rainer
      Am 30. November 2009 um 22:16 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Kaiserslautern hat zB immer eine volle Hütte,auch in Liga 2.Kaiserslautern hat kaum 100000 Einw.und selbst mit Umland bekommt man keine 2 Millionen einwohner hin.Die Insellage von Berlin West war schon ein Nachteil,aber die Hertha-Misere darauf zurückzuführen,halte ich schon für gewagt.

  3. Am 9. November 2009 um 22:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Danke für diese Einblicke. So habe ich das noch nicht gesehen, Hertha war halt immer Hertha für mich.

    Eine Sache aber: Sollte ich jemals in eine andere Stadt ziehen, warum sollte ich dann aufgeben HSV Fan zu sein? Man nimmt seinen Verein selbstverständlich mit.

    • Enno Enno
      Am 9. November 2009 um 22:27 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Klar nimmt man den Verein mit. Aber so wie ich in Bielefeld bspw. die Arminia wahrgenommen habe und auch schätzen lernen konnte, lief es mit Hertha nie. Das war immer nur der miefige Verein, mit dem man nichts am Hut haben wollte.

      • dns
        Am 9. November 2009 um 23:48 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Ist bei mir anders. Als Magdeburger bin ich viel rumgekommen in Deutschland und hätte den FCM überall hin mitnehmen können, aber da ich dort mal selbst ein halbes Jahr gespielt hatte (inner b-Jugend). War im Pott und konnte sozusagen frei wählen, ob es gleich umme Ecke Osnabrück oder Münster sein sollte oder doch einer der zahlreichen Bundesligisten im 1h-Einzugsgebiet.
        Danach Frankfurt, nunja, da war ich nur zu einem Spiel, gegen Hansa Rostock, 0:0. Und die Eintracht kam mir schon immer komisch vor.
        In Berlin vor 4 Jahren gings einfach so. Ich konnte mich identifizieren, weil der Verein weder Hochglanz noch Rost war. Das trotzige und die Mittelfeldaura wirkten magnetisch.
        Aber ich bringe auch ausreichend masochistische Ansätze mit. Sehe ich ein Spiel als neutraler Beobachter, bin ich immer für die Mannschaft, die das erste Gegentor kassiert.

        Was deinen Beitrag angeht, Enno, erstklassig. Wann immer ich mal wieder eine Diskussion zu Herthas Zuschauerzahlen an die Backe genagelt bekomme, verweise ich auf diesen Artikel.

    • spreekicker
      Am 9. November 2009 um 22:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

      soll man ja auch mitnehmen, aber berlin ist in sachen mitnahmetoleranz extrem liberal und dann immer die kommentare von denen – dass ist der dank dafür. das mit den vielen fußballkneipen stimmt vollkomen, das gibt es so in keiner anderen deutschen stadt, im gegenteil, finde mal ne hsv-kneipe in münchen, mit dortmund gelsenkirchen muss ich ja wohl erst nicht kommen.
      ich würde sogar tippen das ca. ein drittel bis zur hälfte der zugezogenen fußballfans erst hier in berlin in ihrer diaspora erstmals ernsthaft zu ihrem „ewigen“ heimatverein bekennen.

      • Am 9. November 2009 um 22:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

        HSV Kneipe in München habe ich sogar mal gesucht. (damals, zu CL Zeit…). Gefunden haben wir dann einen Araber. Da haben wir gefragt, ob wir nicht auf HSV umschalten können ;)

        Wieviele Kneipenbesitzer sind denn selber Hertha Fans? Das hat damit doch auch zu tun, oder?

        • spreekicker
          Am 9. November 2009 um 23:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

          den zusammenhang mit den kneipenbesitzern habe ich bisher noch nicht bedacht. meinst du kneipenbesitzer in berlin oder in (west-)deutschland?
          vermutlich egal, weil sich hier wie dort die schlange vermutlich mal wieder selbst in den schwanz beißt.

        • Am 9. November 2009 um 23:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

          finde mal ’ne HSV-Kneipe in München

          *räusper*

          @nedfuller und alle anderen:

          Falls ihr noch mal in die Verlegenheit kommt: geht ins Barschwein. Wird auch öfters von der Isar Raute empfohlen.

          • spreekicker
            Am 10. November 2009 um 19:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

            haben wir ja schon mal EINE, so dann mal bitte ne bielefeldkneipe, verstehste worauf wir hinaus wollen?

    • senior
      Am 25. November 2009 um 11:33 Uhr veröffentlicht | Permalink

      bei der Infrastruktur (Leichtathletik-Stadion, keine Toiletten, kein vernünftiger Abtransport via S-Bahn, gesperrte Zugänge wegen VIP) kann man nur abraten, jemals zu Hertha zu gehen

  4. Daniel
    Am 9. November 2009 um 22:31 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich musste beim Lesen immer wieder nicken, aber versuch das mal in den besagten anderen Städten als Argument zu bringen. Das funktioniert im 11Freunde-Lesezirkel, aber nicht am Stammtisch. Leider.

    Ich kann ja mal kurz erzählen, wie ich das erste Mal mit Hertha als Identifikationsmöglichkeit in Berührung gekommen bin. Für mich existierte der Verein jahrelang nur als Gegner meiner eigenen Mannschaften, als ich in Berlin selbst Fußball spielte. Unter meinen Kumpels gab es eigentlich nur zwei Fraktionen: Bayern und Dortmund. Hertha war nicht vorhanden.

    Irgendwann, so 1996, vielleicht 97, machten wir ein Trainingslager auf dem Hertha-Gelände – was mir damals aber nicht bewusst war. Für uns war es immer nur das Gelände direkt am Olympiastadion. Am vorletzten Tag hieß es dann aber plötzlich, dass wir die Hertha-Spieler treffen würden, auf dem Rasen und direkt nach dem Training.

    Ich wusste nicht, was ich damit anfangen sollte. Einige aus unserer Mannschaft schienen die tatsächlich zu kennen. Ich wusste weder wer Marc Arnold war, noch was Axel Kruse für eine Position bekleidete. Autogramme holte ich mir vorsichtshalber trotzdem – auf einem weißen Pullover, denn ein Trikot hatte ich ja nicht.

    Von da an war dieser Verein in meinem Kopf und irgendwann bat ich meinen Vater mit mir ins Stadion zu gehen. Komischerweise dachte ich immer, mein erstes Spiel wäre Hertha gegen Waldhof Mannheim gewesen (http://www.fussballdaten.de/zweiteliga/1997/28/herthabsc-mannheim/), aber ich war vorher schon gegen Kaiserslautern da und habe mitgefiebert. Es muss also irgendwann vorher gewesen sein. Da es nur noch ein weiteres Spiel vorher gab, an dem Hertha erstmal 0:2 hinten gelegen hat (und ich erst zu diesem Zeitpunkt ins Stadion gekommen bin), muss es also am 23.03.97 gegen Gütersloh gewesen sein (http://www.fussballdaten.de/zweiteliga/1997/22/herthabsc-guetersloh/).

    Aber ich schweife ab.

    Was ich sagen will: Wir haben es in Berlin mit einem ganz besonderen Umfeld zu tun, das man verstehen und auf ganz besondere Weise bearbeiten und umwerben muss. Ersteres ist am Schwersten, weshalb es bei Hertha so lange gedauert hat – und noch dauert. Und weshalb man es außenstehenden Fans auch nur ganz schwer erklären kann. In Zukunft kann ich allerdings einfach auf deinen Beitrag verweisen :)

    • Kugelblitz
      Am 9. November 2009 um 23:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Danke für den Verweis auf das Güterslohspiel. Ein Axel Kruse in Höchstform.
      -Niemals aufgeben-
      Vielleicht sollte Funkel das Spiel seinen jetzigen Profis als Freizeitlektüre mit auf den Weg geben.

      Bei den „Zuschauermassen“ könnte es sein, dass wir uns unbewußt begegnet sind.

  5. Am 9. November 2009 um 23:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Einen weiteren Aspekt bezüglich schlechter Stadionauslastung und mangelnder Fanidentität sehe ich in der Dynamik dieser Stadt nach dem Mauerfall. In welcher anderen Stadt findet man ein derartiges Angebot in Sachen Sport, Kultur oder Unterhaltung. Was macht jemand in Dortmund, Bielefeld oder Gelsenkirchen in seiner Freizeit. Er ist BVB-, Arminia oder Schalke-Fan. Wieviele sind dies nicht als Mitläufer mangels Alterntiven geworden (was sicher nie jemand zugeben würde)? Was soll man auch sonst in einer grauen Ruhrpottstadt? So entsteht ein Art Sogwirkung und irgendwann einmal ein Fankult. So etwas konnte in Berlin (mit und ohne Mauer) bis anhin gar nie entstehen, die Hertha kommt kaum oder nur sehr langsam aus ihrer grauen Ecke raus. Schade!

    • Daniel
      Am 9. November 2009 um 23:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Genau das habe ich mal vor ein paar Jahren in meinem Podcast gesagt – und danach wütende Mails aus Dortmund bekommen ;)

      Fakt ist: Es ist so. Am Wochenende guckt hier jeder Fußball, der eine Karte, einen Fernseher oder eine Kneipe in der Nähe hat. Hinzu kommt, dass mir weder eine Handball-, noch eine Basketball- oder eine Eishockey-Mannschaft bekannt ist, die hier regelmäßig für Aufsehen sorgt und damit Zuschauer vom Fußball abziehen würde.

  6. Am 9. November 2009 um 23:17 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @ Pepe: So argumentiere ich auch gerne. Da kann man außerdem gleich wieder die Überlegenheit der Hauptstadt (nicht fußballerisch, sondern allgemein) raushängen lassen :-)

    • dns
      Am 9. November 2009 um 23:54 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Und damit direkt zahlreiche DiskussionsBashingpartner finden, die einen erst wieder in Ruhe lassen, wenn man den Nick wechselt. Immer wieder ein Spass. :p

  7. Kugelblitz
    Am 9. November 2009 um 23:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hm,
    Mauer, Hertha, Zuschauerzahlen – Wie passt dies zusammen?
    Es fehlt dieses gewisse Hertha“gen“. Abhanden gekommen im August 61.
    Vermisstenanzeigen brachten bisher keinen Erfolg.

    Der Hertha fehlen einfach zwei, drei Generationen von Fanpotenzial die dieses gewisse Gen vererben hätten können. Eine Erbkrankheit.
    Zwei, drei Generationen weiter u. diese Erbkrankheit gehört der Vergangenheit an u. all die ohne Dauerkarten wird man klagen hören – Damals, an der Tageskasse. Wißt ihr noch? –

    • dns
      Am 9. November 2009 um 23:58 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Tageskasse gegen Ventspils ging eigentlich ganz gut. Aus jedem Guckloch rief eine(r) „Hallo! Hieha.“ :D

    • Am 10. November 2009 um 00:01 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich bin eine junge Zugezogene, die Mauer und geteiltes Deutschland nur aus den Erzählungen der Dorfältesten kennt, und habe mich tatsächlich in die Hertha verliebt. Kann aber auch daran liegen, dass ich schon immer eine Suchende gewesen bin.
      Trotz des derzeitigen Elends verspreche ich, meine Leidenschaft in die nächste Generation zu tragen :-)

      • spreemaradona
        Am 10. November 2009 um 00:10 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Gott segne dich. Auch wenn er Hertha verlassen hat und es ihn gar nicht gibt…

  8. spreemaradona
    Am 9. November 2009 um 23:57 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die Zugezogenen-Problematik fängt in West-Berlin doch viel früher an. Aus meiner Generation hat fast niemand zwei „rein“ Berliner Elternteile. Das ist bei mir, Baujahr 1979, nicht anders. Da kam dank Befreiung von der Wehrpflicht, 68er Aufbruchsstimmung und Berlin-Zulage Einiges aus der Provinz reingespült. Deren Kinder haben sich in Zeiten der berlinlosen Bundesliga ihrer prägenden Jugendjahre der Herkunft ihrer Eltern erinnert. Das Ergebnis ist dann ein großer Prozentsatz an West-Berlinern die für Hertha verloren waren.
    Die neuen Zugezogenen (Kreuzkölln, iBook, Riesensonnenbrille, Berghain, etc.) beweisen mit ihrer Aversion gegen die Hertha nur, dass Berlin – sei es nun dem Neid oder der vorgeblichen Hauptstadtarroganz geschuldet – im Rest der Republik ganz und gar nicht so beliebt ist, wie manch einer denkt. Sicher kommen sie in Scharen hierher, doch manchmal gewinnt man den Eindruck, dass man als Berliner nur ein Schönheitsfehler in der Landschaft ist. Man hätte Berlin doch lieber für sich; so ganz ohne Berliner.
    Der Berliner ist wie die Hertha. Irgendwie zu eckkneipesk. Und was macht man aus Eckkneipen? Man macht daraus Lounges mit Electro-Mucke. Diese Klientel würde nie auch nur auf die Idee kommen, sich eine Hertha-Dauerkarte zu kaufen. Anders als im Erasmus-Jahr in Barcelona. Da war man bei fast jedem Heimspiel im Camp Nou. Von der Bombonera während des freiwilligen ökologischen Jahrs in Buenos Aires ganz zu schweigen.
    Aber was erzähle ich… Vielleicht ist das alles nur Frustabbau. Derzeit arbeitet mein Verein ja wieder mal kräftig daran seinen Negativruf zu festigen. Sollen sie doch alle erzählen. Auf Mitleid kann ich verzichten. Ich halte es da lieber mit meinem Bruder, der nach dem Köln-Spiel in der S-Bahn meinte: „In meinem nächsten Leben mache ich mein persönliches Glück nicht mehr von einem Fußballverein abhängig.“

  9. Am 10. November 2009 um 00:11 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich bin zugezogen. Ich liebe Berlin mit seinen Berlinern (wohl auch wegen ihnen) und die Hertha. Freak of nature… Ich bin ja damals in Barcelona auch zu Espanyol gegangen.

  10. Am 10. November 2009 um 09:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich greif nochmal das mit den Umlandfans auf, weil das meiner Meinung nach ein ganz interessanter Punkt ist, einzigartig für Berlin, und ich ja irgendwie selbst dazugehörte. Aufgrund der Insellage hatte die Hertha ab 1961 in der Tat nur ein eingeschränktes Fanpotential für den Stadionbesuch, während andere bundesdeutsche Vereine auf Massen an Umlandfans zurückgreifen konnten. Auf der anderen Seite hat die Hertha heute ein bundesligistenfreies Umland, das kein anderer Verein für sich reklamieren kann: Von Rostock bis Cottbus, von Warschau bis Hannover kein einziger Club, der der Hertha so rein lagetechnisch Konkurrenz machen könnte.

    Blöd nur, dass sich natürlich auch die Leute im Osten zu Zeiten der DDR einen Bundesligisten gesucht hatten zum Anfeuern. Meine Generation war zum Beispiel praktisch aufgeteilt in „Ich bin HSV“ bzw. „Ich bin Bayern“. Dann waren meinetwegen auch noch ein paar Gladbach oder Dortmund, aber Hertha war niemand – mangels Printmedien war es ja schon schwierig, allein die Ergebnisse der bundesdeutschen 3. Liga zu erfahren und klar wollte der Durchschnitts-Ossi mit seinem Wahlverein auch mal auf der Siegerstraße sein.* Da man sowieso nicht ins Stadion konnte, war die regionale Nähe zum westdeutschen Lieblingsverein absolut kein Kriterium – man sah seine Lieblinge sowieso nur Samstags in der Sportschau (Hertha nicht).

    Mithin gewann die Hertha nach dem Mauerfall plötzlich ein tausende Quadratkilometer großes Umland dazu, dessen Fanpotential aber leider weitgehend schon aufgeteilt war auf die erfolgreichen BL-Vereine. Eine Berliner Besonderheit, die für mich gemeinsam mit den von dir zitierten sozio-kulturellen Faktoren eben auch eine Rolle spielt.

    * NB: Funktioniert in Italien genauso: Praktisch jeder Süditaliener ist neben seinem Regionalverein auch noch Fan eines der 3 großen Clubs aus dem Norden, damit man auch mal was gewinnt.

  11. Enno Enno
    Am 10. November 2009 um 09:33 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @Alle: Danke für die Kommentare und Hinweise!

    @MisterAltravita: Danke für diese Ergänzung über die „Aufteilung“ des Einzugsgebiets während der deutschen Teilung. Das war mir mangels eigener Erfahrung nicht bekannt.

    @spreemaradona: Ja, die Eckkneipe aus der eine Elektro-Lounge wird, ist ein Parade-Beispiel!

    @Pepe: Du hast schon Recht mit der Vielzahl Berliner Kultur-Angebote. Aber dieser Aspekt wird selten als Argument, eher als Beleidigung aufgefasst. Deswegen habe ich das mal nicht erwähnt. Dennoch danke für die Ergänzung.

    @spreekicker: Gewagt These, dass die Zugezogenen erst in Berlin ihre „schon ewig bestehende“ Treue zum Heimatverein entdecken. Ist aber gar nicht so abwegig.

    @Daniel: Dein Fan-Werden erscheint mir als geradezu typisch. Überall woanders wärst du wahrscheinlich schon viel früher im Stadion sozialisiert worden.

  12. Jeff Murdoch
    Am 10. November 2009 um 11:27 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Zitat Enno: „Der rechte Mob aus dem Brandenburger Umland“. Schon ein bisschen eindimensional, diese Neu-Herthaner der 90er Jahre als Neonazi-Flut abzuqualifizieren, oder? Gerade vor dem Hintergrund der aggressiven und stark rechtslastigen Hertha-Frösche, die die Kurve der 70er und 80er beherrschten. Doch genau in einer solch westzentrisch-engstirnigen Einstellung liegt eine der zentralen Ursachen für die geringe Akzeptanz der Hertha im gesamten Ostberlin: Das klassische Hertha-Klientel sieht seinen Verein als einen Westberliner Verein, da passen Ost- und Randberliner nicht rein! (Frontstadtmythos!!!) Ich selbst komme ursprünglich aus dem Umland und bin in den 90ern des Öfteren in die Hertha-Kurve gegangen, doch fand ich, so richtig ist die Berliner Region dort nie zusammengewachsen… Ich denke, dies begann erst ansatzweise mit den jungen Leuten der 97er-Generation.

    Ergebnis: Noch heute ist es so, dass man überall in Ostberlin viele Autoaufkleber und Fähnchen des 1. FC Union und der Unaussprechlichen sieht – aber kaum welche von Hertha. Und das wird erst einmal auch so bleiben – versprochen! Über diesen Fakt sollte sich die Marketingabteilung der Hertha vielleicht einmal Gedanken machen…

    Ein (hier noch nicht genannter) Grund für die bundesweit geringe Akzeptanz der Hertha ist sicher auch die blau-weiße Selbstwahrnehmung. Anspruch und Wirklichkeit gehen – genau wie die des früheren Westberlins– meilenweit auseinander: Genauso wenig wie Westberlin früher eine Metropole war, ist Hertha heute eine Spitzenmannschaft. Doch ging und geht man davon aus, dass sich dies automatisch aus der hohen Bevölkerungszahl ergeben würde. So wirkt die Hertha auf den neutralen Beobachter arrogant, hat für ihn aber gar keinen Grund dafür!

    Und genau deshalb interessiert sich meiner (!!!) Meinung nach keiner für die Hertha. Ein Beispiel: Neulich (beim Spiel gegen Fürth) habe ich einen meiner Stamm-Dönerverkäufer in der Alten Försterei gesehen. Da kann ich nur lakonisch-provokativ sagen: Jetzt kommen selbst die türkischstämmigen Berliner nicht zu euch, sondern in die Alte Försterei! (Obwohl wir da ja eigentlich die sog. “Problemfans“ sind, nicht wahr?!)

    Und jetzt: Feuer frei!

    • dns
      Am 10. November 2009 um 12:50 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Gern. Da lass ich mich nicht 2 mal bitten. :)

      Den Abschnitt „Anspruch und Wirklichkeit“ kann ich kaum noch hören.
      Jeder andere Verein, der Ambitionen auf die 1. Liga hat, in jeder Sportart und in jedem anderen Umfeld posiert und bauscht sich selbst auf. Die Bayern geben sich, als wären sie Dauer CL-Sieger, die Hamburger machen auf Macht im Norden und bekommen regelmäßig von den Grünen auf die Mütze. Der Ruhrpott hat ebenfalls schon etliche Versuche hinter sich, über sich hinaus zu wachsen und musste feststellen, dass was fehlt.
      Was soll denn der Verein als Parole ausgeben? „Sorry, wir sind zwar zufällig in der Hauptstadt gemeldet, aber eigentlich sind wir nur Dorfies, die bissl Fussball spielen wollen? Achja und nochmal sorry dafür, dass wir die Tabellenspitze anstreben, obwohl wir aus Demut und Hochachtung vor allen anderen doch lieber unsere Lizenz abgeben sollten. Und nochmal eine Bitte um Entschuldigung für unsere bloße Existenz. Wir verkriechen uns auch gleich wieder“
      So besser? Also bitte, Ansprüche können kaum zu hoch sein. Dass es AUCH in Berlin oft an den Fähigkeiten mangelt, Taten folgen zu lassen, kann ja kaum Begründung dafür sein, die Ansprüche zu senken.
      Auch in der letzten Saison hat kein einziger Herthaner sich hingestellt und gesagt, wir werden Meister, weil wir die Tollsten sind und eh eigentlich Abo-Meister sein sollten, wiel wir ja in der Kapitale ansässig sind.

      • streiflicht
        Am 10. November 2009 um 13:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

        :-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-):-)

        Stimmt genau! Ich will mich nicht mehr dafür entschuldigen oder rechtfertigen müssen, Herthafan zu sein!

      • Jeff Murdoch
        Am 10. November 2009 um 15:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Hallo dns!

        Da biste ein bisschen an dem vorbeigeschrammt, was ich mit meinem Beitrag eigentlich ausdrücken wollte. Im von dir angesprochenen Abschnitt geht es nicht um das Streben nach sportlichem Erfolg, in der Hoffnung eines Tages ganz oben zu stehen. Denn das muss das Ziel eines jeden Vereins und seiner Anhänger sein, ansonsten könnte man den Laden auch gleich schließen. Es ging mir vielmehr um ein gewisses Selbstverständnis, das bei Hertha vorherrscht und das nicht gerade sympathiestiftend im restlichen Deutschland wirkt. Aber dass du so dünnhäutig reagierst, spricht ja auch schon für sich. (Wie mein Vater immer sagt: „Getroffene Hunde bellen.“)

        Meine Kritik richtete sich auch gar nicht primär gegen die Fans, sondern vielmehr gegen die verantwortlichen Entscheidungsträger: Bei Hertha sieht man doch nur die 4,5 Millionen Menschen in der Berliner Stadtregion und hat den Anspruch an diese, sie mögen doch bitteschön eine große Fangemeinde bilden. Doch die tatsächlichen Maßnahmen, dies zu erreichen, gestalten sich eher schmal. Es reicht eben nicht, ein paar Plakate in der Stadt aufzuhängen und es reicht auch nicht, ein paar Städtepartnerschaften zu initiieren. Dies ist nicht ausreichend, um Identifikation zu schaffen!!!

        Ganz oben auf einem solchen „Identifikationskatalog“ würde für mich die Möglichkeit eines Dialogs zwischen dem Verein und seinen Fans stehen. Die sehe ich bei Hertha aber nicht. Was darüber hinaus auch wünschenswert wäre, wäre eine Identifikation der Führung mit den Fans. Auch das sehe ich bei Hertha nicht. Die Distanz zwischen beiden Seiten empfinde ich von außen (!) als relativ groß. Deshalb gelingt es in meinen Augen auch nicht, die Menschen langfristig an Hertha BSC zu binden.

        Bei uns sagt man gerne: „Andere Vereine haben Fans, wir Fans haben einen Verein.“ Dass das in dem Maße bei Hertha nicht durchsetzbar wäre, ist ja gar nicht zu leugnen. Schon aufgrund der ganz anderen Dimension, die bei euch vorherrscht. Aber da sage ich mir, dass mein Verein lieber ’ne Nummer kleiner bleiben soll, ich mich dafür aber von ihm ernst genommen fühlen kann. Denn genau ein solches Gefühl schafft doch erst eine tatsächliche Identifikation der Menschen mit einem Sportverein. Wenn du, dns, dieses Verbundenheitsgefühl auch unter den aktuellen Bedingungen entwickeln und aufrecht erhalten kannst, dann ist das sehr schön für dich. Ich könnte es definitiv nicht!!!

        Fazit: Bloß weil in der Stadtregion 4,5 Millionen Menschen leben und die Stadt immer metropolitaner wird, muss sich das nicht zwangsläufig auf den örtlichen Fußballverein übertragen. Diese Annahme erkenne ich aber bei Hertha BSC, v.a. bei den Verantwortlichen.

        PS: Ich bitte um Korrektur, wenn ich etwas in den Strukturen von Hertha BSC falsch interpretiert habe. Schließlich schätze ich die Situation ja nur von außen ein…

        • dns
          Am 10. November 2009 um 16:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

          Hoi,

          persönlich getroffen gefühlt habe ich mich nicht so sehr, vielmehr ist es so, dass das Selbstwahrnehmungsproblem dem gemeinen Hertha-Sympathisanten gern um die Ohren gehauen wird und ich da ein wenig übersäuert bin.

          Dass du die Vereinsführung anvisiert hast, habe ich nicht erkannt (Es fehlen bei Kommunikation über Text halt ein paar Kanäle). Nur, dass das berlinerische im Allgemeinen und das herthanische im Speziellen in weiten Teilen Deutschlands nicht sehr sympathisch wirkt, ist wirklich ein Problem. Dummerweise schleifen sich solche Ansichten relativ leicht und dauerhaft ein und nur gezieltes langanhaltendes Gegenwirkung könnte da was bewegen. Und hier stimme ich dir ganz zu, die aktuelle Führungsriege scheint sich da eher schwer zu tun, Sympathien zu erwecken. Durch Leistung hätte man es letztes Jahr fast geschafft zumindest bei noch nicht vergebenen Interesse zu wecken. Durch einen schlechten Start und wenig gelungene Aktionen auf Verwaltungsebene hat man dafür dieses Jahr alles wieder eingerissen. Zumindest den LF hatte man der Hertha ja hoch angerechnet. Mit Funkel nachzulegen, hat alle Naserümpfer der letzten Saison bestätigt und alle Neuinteressierten wieder verjagt. :-/

          Vielleicht sollte Ennos Artikel plus einiger Rückmeldungen mal der Vereinsleitung nahegelegt werden.

          „Ganz oben auf einem solchen „Identifikationskatalog“ würde für mich die Möglichkeit eines Dialogs zwischen dem Verein und seinen Fans stehen. Die sehe ich bei Hertha aber nicht. Was darüber hinaus auch wünschenswert wäre, wäre eine Identifikation der Führung mit den Fans.“

          Hier kann ich mir im Moment nur schwer vorstellen, wie das aussehen kann/soll. Kannst du bitte ein Beispiel geben? Zum Beispiel, wie es woanders läuft oder gelaufen ist (Mal abgesehen von Pixelauktionen wie in Köln)?

          • Jeff Murdoch
            Am 10. November 2009 um 20:30 Uhr veröffentlicht | Permalink

            Weil ich diesbezüglich zu anderen Vereinen nichts Fundiertes sagen kann, bleib ich einfach mal bei „meinem“ Verein. Bei uns gibt es die sog. „Fan- und Mitgliederabteilung“ (FuMa), in der sich jeder Fan engagieren kann. Die FuMa unterteilt sich in verschiedene Arbeitsgruppen (AG Faninteressen; AG Kommunikation; AG Nachwuchs; AG Marketing; AG Soziales), die sich einerseits für Fanbelange gegenüber dem Verein einsetzen, andererseits aber auch die Außendarstellung des Vereins aktiv mitprägen. Über die Schnittstelle der FuMa wird also der von mir erwähnte Dialog zwischen Verein und Anhängern hergestellt, den ich für so wichtig halte.

            Daneben zeigt diese Institution aber auch, dass der Verein seine Fans ernst nimmt und sie bewusst an seiner Weiterentwicklung und Identifikationsschärfung beteiligen will. U.a. das meinte ich mit der Identifikation des Vereins (bzw. der Vereinsführung) mit seinen Fans. Was mir außerdem sehr gefällt sind Entscheidungsträger, die tatsächlich FANS ihres Vereins sind (bzw. es schon vor ihrer Amtszeit waren) und dies auch nach außen zeigen. Auch solch ein Verhalten schafft ein gegenseitiges Zusammengehörigkeitsgefühl.

            Eine nette Anekdote, die das besondere Verhältnis zwischen Verein und Fans illustriert: Ich wollte Karten für ein Heimspiel gegen Babelsberg 03 besorgen (September 2007), kam aber erst ganz kurz vor Geschäftsschluss in die Geschäftsstelle. Das EC-Karten-Gerät war schon runtergefahren und ich hatte 16 Euro zu wenig dabei. Ich weiß nicht, ob ich einfach so erbärmlich aussah oder ob er mir wirklich vertraute, aber der Typ vom Ticketing gab mir meine vier Karten und sagte, ich solle das Restgeld vor dem Spiel bei ihm abgeben, was ich natürlich auch tat. Vielleicht unterschätze ich andere Vereine, aber ich kann mir z.B. nicht vorstellen, dass dies bei Hertha möglich wäre. Ich war da zwei-, dreimal auf der Geschäftsstelle und hatte immer das Gefühl, die Fans würden primär als Kunden betrachtet, und nicht als Partner des Vereins.

          • dns
            Am 10. November 2009 um 23:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

            Verstehe, glaube ich.

            Ist die FuMa eigentlich eine fan-initiierte Einrichtung oder wurde das vom Verein angeschoben und wie muss ich mir das vorstellen? Stellt der Verein Ressourcen und Kontaktpersonen (vermutlich Fanbetreuer?) zur Verfügung? Soweit ich das nun verstanden habe ist es mehr als ein Fanclub, oder? Denn ein Fanclub kann ja auch die Aussenwirkung mitgestalten bzw. Fanbelange an den Verein herantragen (wobei es sich ja da oft auf Trainer raus-Rufe beschränkt. ^^).

  13. Tim
    Am 10. November 2009 um 11:42 Uhr veröffentlicht | Permalink

    so wichtig und richtig diese sichtweise und das mauerproblem war und ist, es gibt auch die andere seite. der klub (hoeneß) hat selbst nicht viel getan, um eine fanbasis im umland und im osten berlins aufzubauen, oder?

  14. streiflicht
    Am 10. November 2009 um 11:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Spannendes Thema, Enno.

    Unsere einzigartige politische Geschichte, das Inseldasein. Piefig miefiger Eckkneipencharme, Fehler beim Verein, der Skandal in den 80ern (wenigste Fanbeteiligung bei den heute 30- bis 40jährigen). Die Zugezogenen mit Stinkefinger. Zu viele kulturelle Alternativen. Und Trotz. Und die Erfolglosigkeit. Größenwahn. Das sind u.a. Gründe für den miserablen Stellenwert unserer Hertha.

    Wenn sich schon unser Verein nicht richtig bemüht (oder nicht fähig ist), etwas dagegen zu unternehmen, müssen wir es wohl tun. Du, Enno, hast da bereits Deinen Anteil daran, bzw. Ihr Drei. Ihr tut was für die Fanbildung, für die Identifikation. Dass sich Leute mit Hertha auseinander setzen. Und lernen zu verstehen.

    Mein eigener „Kampf“ begann ca. 1995 inmitten von Herthahassern, Unionfans oder AusPrinzipBlossNichtZurHerthaGehenDeppen. Ein einsamer und schwerer Kampf. Wurde ich doch immer nur auf die schlechte Auslastung im Olympiastadion, die miserable Spielweise, die Mittelmäßigkeit…eben immer nur auf die ewig mies gemachten Themen polemisch angesprochen. Beim Thema Hertha winkt man ab. Oder belächelt mich mitleidig. Das ist doch ignorant und arrogant!
    Und ich verstehe eben nicht, wieso man als Berliner, jung oder alt, sich nicht vernünftig eine Meinung über Hertha bilden kann. Ein bisschen Lokalpatriatismus bitte – man muss ja nicht gleich ein glühender Verehrer werden.

    Das Thema Hertha bietet doch so viel mehr! Es ist spannend und einzigartig. Aber Identifikation wächst eben nicht auf Bäumen. Die muss wachsen und den Weg muss man gehen.

    hierzu unser immer gern verwendeter Xavier Naidoo:
    http://www.youtube.com/watch?v=6FuKWOv2ZQM

  15. -Daniel-
    Am 10. November 2009 um 15:00 Uhr veröffentlicht | Permalink

    ich sehe aber auch das olympiastadion an sich, nicht unbedingt als
    zuschauermagnet bzw. vorteil für hertha an. wenn man sieht was die anderen vereine mitlerweile so aufgefahren haben.
    es gibt doch nur noch reine fusbballstadien (die letzen nicht reinen
    stadien wie bremen oder stuttgart verschwinden auch gerade).
    und wer schonmal in dortmund, frankfurt, hamburg ect. im stadion war, weiss um den unterschied.
    bin der meinung, hätte die hertha ein reines fussballstadion mit ca. 55.000 plätzen wäre das hier auch JEDES heimspiel ausverkauft.
    und das die eigene manschaft vor vollen rängen besser spielt und der gegner bzw. auch schieri beeinflusst wird (12. mann) wenn 55.000 gegen einen bzw. für einen sind ist wohl auch unbestrietten.

  16. Rensen
    Am 10. November 2009 um 15:27 Uhr veröffentlicht | Permalink

    sehr schöner Artikel, ich bin Union Berlin Fan, habe aber großes Mitleid mit der derzeitigen Situation der „Grand-Dame“.

    Ich komme aus dem Umfeld „Lutherstadt Wittenberg-Dessau,-Bitterfled“ welche ca. 2 St. Autofahrt von Berlin entfernt ist.

    Mit der Alten Generation im Osten hst du schon recht. Da gibt es meist nur den Typ Fan der sich noch ansatzweise für Halle und Magdeburg (in meiner Umgebung halt) interessiert und dann schon immer „Westdeutsche“ Vereine wie Schalke, Dortmnd oder Bayern gut fand, Hertha war und ist nebensache. Allgemein ist es in meiner Heimat üblich lieber Fan von einer Manschaft zu sein die weit weg ist und sie am Fernseher zu sehen als sich eine in der nähe zu suchen wie z.B. Hertha (welche einfach mal die naheste ist). Auch hör ich viele ältere spotten über Westvereine. Ostdeutsche fühlen sich nach der Zusammenlegung der Fußballligen betrogen, schau seit dieser Saison gibt es ja gar keinen „Ostclub“ mehr in der Bundesliga und ich denk das dies auch eine komponente ist warum viele aus dem Berliner Umland kein Interesse an Hertha hat.
    Als Unionfan kann ich nur sagen das sie mich ne sonderlich interessiert hat. Union war der symphatische „Amateurverein“ mit emotionalen und unglaublich treuen Publikum. Hertha war der verwöhnte Großstadtverein. Mir kam alles so künstlich vor. Die Fans, das Stadionprogramm (also diese ganzen Sponsor Dinger im Stadion und vollgenerve mit Werbemittel), ja alles irgendwie ich kanns nicht genau beschreiben. Sorry Herthaner mir hat es einfach nie gefallen auch wenn ich nur 3 mal in meinem Leben bis jetz im Oly war.

    Ach die alte Dame tut mir leid, ich mein ich mag sie nicht besonders, Sie war immer die arogante große Schwester, aber man wünscht niemand den Ruin.

    Viellicht fängt sie sich ja noch, auch wenn soon Derbie in der AF nächstes jahr geil wär, würde ich lieber darauf noch 5-6 Jahre warten bis wir in der 1. Liga spielen sofern alles für unseren Verein so gut läuft wie die letzten 4 Jahre.

    UNVEU

    • Kugelblitz
      Am 10. November 2009 um 16:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Tja, soweit ist es also schon gekommen, dass Union’er Mitleid mit der ollen Tante haben.
      Keine Häme, kein Spott sondern Mitleid.

  17. Süven
    Am 10. November 2009 um 15:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Lieber Enno, Wannseefront und Zyklon B kommen ärgerlicherweise aus Westberlin, meiner geliebten untergegangenen Heimat, nicht aus Brandenburg und beide waren auch bereits bzw. gerade in den 80er Jahren bekannte Gruppierungen in dem damaligen Fanblock A. Die kann man den Brandenburgern nicht anlasten, zu mindestens nicht ursprünglich.

    • Enno Enno
      Am 10. November 2009 um 15:59 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Süven, vielen Dank für diese Korrektur. Die Brandenburg=Rechtsradikale-These ist zugegebenermaßen ziemlich dünn. Zumindest ist sie schwer belegbar und vielleicht tatsächlich ein Westberliner Vorurteil.

  18. alnus.glutinosa
    Am 10. November 2009 um 16:21 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Toller Artikel zu meinem persönlichen 20-jährigen Jahrestags des Betretens der NSW.
    Aber ganz unwidersprochen möchte ich ein paar Argumente nicht lassen. Ich bin fest davon überzeugt, das Hertha nach der Wende definitiv die Möglichkeit gehabt hätte, das Fanpotenzial im brandenburger Umland anzusprechen. Wie viele Zuschauer waren damals im Oly beim ersten Spiel gegen Union nach dem Mauerfall? Und das waren ganz bestimmt nicht nur Union-Fans, sondern auch eine ganze Menge potenzieller Hertha-Anhänger. Zur Aktivierung dieses Potenzials wäre auch nicht notwendig gewesen, olle Calmund den Thom wegzuschnappen. DAS wäre sogar eher kontraproduktiv gewesen, der spielte schließlich beim verhassten BFC. Schlimm genug, das er später trotzdem für die Hertha tätig war. Aber den ein oder anderen jungen, talentierten Spieler aus dem Umland hätte man durchaus in den Kader holen können. Aber diese Chance wurde vertan und meiner Meinung nach ist das mindestens hälftig schuld in der im Artikel beschriebenen Misere.

    Und eins sollte man zwischen dem ganzen Argumenten und Rückblicken auf Mauer und Weddinger Mief nicht vergessen: Haste Erfolg, ist auch die Hütte voll. Und das Argument „in Dortmund, Schalke, Hamburg gehen ist auch in schlechten Zeiten die Hütte immer voll“ kann man auch nicht so stehen lassen. Mein Nachbar ist ein altes HSV-Urgestein und der erinnert sich auch nicht so gern an die späten achtziger im zugigen Volksparkstadion, als der HSV eher im grauen Mitteldfeld versank . Das war bestimmt nicht immer ausverkauft. Oder als fiktives Beispiel: Hätte Dortmund 5 Jahre zweit- und drittklassig gespielt und hätte nicht die CL und Meisterschaft gewonnen, würde dann trotzdem jedes Wochenende gefühlte 200.000 Leute dort sein? Wie hoch ist die Fanidentifikation (nicht messbar) oder der Zuschauerschnitt (messbar) bei Fortuna Düsseldorf, Eintracht Braunschweig, Preußen Münster, Saarbrücken? Ohne den ein oder anderen Heimsieg bekommt kein Verein dauerhaft die Hütte voll.

  19. logo
    Am 10. November 2009 um 17:15 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Nachtrag : auch „Endsieg“ ist ein uralter „rechtslastiger Fanclub“ aus alten Herthazeiten. Diese politische Ebene sehe ich nicht als Grund und ist eher mariginal anzusehen, denn das Problem hatten alle Vereine der BuLi in den ’70gern bis ’90igern (Adlerfront, Borussenfront etc.pp).
    Ich sehe das alles zu schwarz gemalt. Hertha ist der einzige Hauptstadtclub der eine gewisse innere Einheit mit dem Umland und „Ostberlin“vollbracht hat.
    Nehmen wir die Eisbären, da sind in Wirklichkeit nur die Sponsoren aus dem Westen, eishockeyinteressierte Zuschauer oder gar Fans- Mangelware siehe Züge nach Eisbärenspiele in Richtung „Weststadt“ umgekehrt bei Alba, Füchse genauso. Siehe Dir die vollen Züge aus der „Oststadt“ an bei Herthaspielen und Du begreifst das das ein Zusammenwachsen war und ist. Union allerdings immer noch ein Ostkiezclub geblieben ,das macht weder der einzelne „Wessi“ noch der Dönerverkäufer wett. Dies hat natürlich auch mit der jahrzehntelangen Erfolglosigkeit des Vereins zu tun, das zwar die Anhängerschaft zusammenschweißte, aber wirklich keine Zuschauer lockte.
    Die augenblickliche Verdoppelung der Zuschauer bei Union ist schon ein Erfolg, aber in bundesweiter Sicht nur Zweitligamittelmaß. Zu konstatieren wäre bei Union, das sie auf einen anderen und vielleicht bedeutend besseren Weg sind als Hertha.
    Hertha und das Umland ! Es wird eigentlich gut bedient vom Umland, sieht man übrigens bei der weitaus niedrigeren Zuschauerzahl bei Mittwochspielen, nur wurde, wie hier schon richtig erkannt , im erweiterten Umland kaum Zuschauer gewonnen. Das hat damit zu tun das Hertha nur sehr wenig International früher tätig war (1X) im Ostblock und die ganzen „DDR“ Fans damals den Westvereinen in den Ostblock nachfuhren. Da war Hertha eben sehr blass….
    Der entscheidene Punkt ist aber hier noch nie angesprochen worden, Berlin war nie eine Fußballstadt ! Weder in den ’20igern und ’30igern des vorigen Jahrhunderts, noch nach dem Krieg , noch nach dem Mauerfall. Viele andere Sportarten meistens auf höchsten Niveau, kulturelle Angebote in höchster Quantität und Qualität, eigene Subkulturen, „Verkietzung“ der Stadt (gibt es nirgendwo wie in Berlin) und auch der schmalere Geldbeutel (arm aber sexy) lassen kaum Luft für Fußball und trotzdem sehen wir Hertha , wie Union in jeweiliger Liga im Zuschauermittelmaß. Nach oben gehts eben nur mit Erfolge…..

    • Enno Enno
      Am 10. November 2009 um 17:23 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Das stimmt in einem Punkt definitv nicht. Man erinnere sich an die Dreißiger Jahre: „…mit der „Plumpe“ als Heimspielstätte stieg Hertha zu einer der stärksten Mannschaft des Deutschen Reichs in den folgenden Jahren auf. Zwischen 1926 und 1931 erreichte man sechs Mal in Folge das Finale um die deutsche Meisterschaft. Allerdings konnten nur zwei Meisterschaften errungen werden…“(Quelle: Wikipedia).

      Zu den Berliner Stadtmeisterschaften kamen damals regelmäßig bis zu 100.000 Zuschauer. Berlin war sehr wohl eine Fußball-Stadt. Wäre die Teilung nicht dazwischen gekommen, hätten die Stadt-Derbies eine kaum vergleichliche Tradition und überregionale Bedeutung.

    • Tanja*
      Am 15. November 2009 um 22:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Mal am Rande. Die Wiege des Deutschen Fussballs ist auf dem Tempelhofer Feld in Berlin (jetzt „Flughafen Tempelhof“) zu finden. Die Quellen hierzu finden sich im Archiv des Sportmuseums Berlin auf dem Olympiagelände.

      • rainer
        Am 30. November 2009 um 23:04 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Der DFB wurde um die Wende vom 19.zum 20. Jahrhundert in Leipzig gegründet und mit ihm fußballerische Strukturen geschaffen.Die Wiege des eigentlichen Fußballbetriebes stand eigentlich in Sachsen,nichts für ungut…

  20. Am 12. November 2009 um 15:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

    sehr schön geschriebener artikel!

    zur stadionauslastung: es ist einfach einfacher nen 50 tsd. mann stadion dauerhaft voll zu bekommen als ein 75 tsd mann stadion!

    außerdem wären solche aktionen wir bei Union mit dem stadionumbau bei Hertha nie umsetzbar gewesen, da Hertha immer als die „reiche-Tante“ gesehen wurde! klar wurden viele kleinere und größere fehler gemacht und letztendlich ist die summe der fehler größer als die einzelenen…

    LF war damals der richtige mann, der die „arrogante Tante“ wieder zurückgestutzt hatte auf ein sehr sympathisches maß! Hertha ist nach wie vor ein schlafender Drache der sich letzte Saison mal umgedreht hat.. bisher hat es aber weder D.H. noch M.P. geschafft ihn richtig zu wecken… D.H. hat im gegenteil nach und nach spät wirkendes schlafmittel verabreicht…. die folgen: sehen wir gerade…

    ich denke wir sollten uns die nächsten 2-4 jahre nur um den klassenerhalt kümmern und damit glücklich sein wenn es klappt.. alles andere ist träumerei und geht an der realität vorbei… (leider)

    dennoch bin ich alle 14 tage im stadion in der kurve und schrei mir die kehle aus dem hals…

  21. Clubfan
    Am 13. November 2009 um 11:14 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Zunächst mal:
    Sowohl der Artikel als auch die Kommentare greifen viele interessante Gesichtspunkte auf und eigentlich ist das meiste gesagt. Ich möchte nur aufgrund eigener Erfahrung auf einen Punkt eingehen, der meiner Meinung nach noch nicht so deutlich aufgezeigt wurde.
    Sicher hat das fehlende Umland während der Mauerzeit einiges an Zuschauerpotential gekostet, man darf aber nicht vergessen, dass auch zu Mauerzeiten Berlin ein massives Immigrationsgebiet war, und damit meine ich nicht nur für Ausländer (was übrigens auch eine Rolle spielt) sondern für Westdeutsche. Als ich in den 80ern nach Berlin kam, hatte ich den Eindruck, es gäbe hier keine Einheimischen. Wenn ein Mittzwanziger wie ich seinerzeit aus Nürnberg nach Berlin zieht, hat er seine Fußballsozialisation natürlich hinter sich, und ohne jetzt ein Diskussion über „richtige“ oder „wahre“ Fans zu starten: seinen Lieblingsverein kann man einfach nicht wechseln wie Klamotten. Deswegen findet man hier (und da steht Berlin wirklich einzigartig da) eine Kneipe für jeden Erstliga- und sogar für die meisten Zweitligavereine, denn der Zuzug aus anderen Gegenden hat sich nach dem Mauerfall ja weiter verstärkt. Das ist natürlich ein Manko, für das Hertha überhaupt nichts kann, aber wohl oder übel muss die „alte Dame“ damit leben. Das einzige, was Hertha machen kann, ist attraktiven Fußball zu bieten, dann gehen auch Leute, deren Lieblingsverein ein anderer ist, wenigstens ab und an in’s Olympiastadion, weil sie einfach mal ein schönes Fußballspiel sehen möchten. Wie man gegen Ende der letzten Saison gesehen hat, ziehen bei Erfolg ja doch einige „Erfolgsfans“ Richtung Spandau. Dass man mittlerweile seinen Lieblingsverein jederzeit live im TV oder Internet sehen kann trägt natürlich auch noch dazu bei, dass Leute wie ich am WE lieber in eine Kneipe gehen, anstatt ab und an mal in’s Olympiastadion.
    Zum Abschluss eine Beobachtung aus jüngerer Vergangenheit, die mich doch nachdenklich gestimmt hat:
    Diese Saison beim Spiel FCN – Hertha „streikte“ unsere Clubfankneipe. Nun dachte ich, es sollte doch bei einem Auswärtsspiel der Hertha kein Problem sein, in unmittelbarer Nähe (Prenzlauer Berg) eine andere Kneipe zu finden, die dieses Spiel überträgt, war ja gerade in dieser Gegend Ende letzter Saison überall Hertha auf der Großleinwand. Doch weit gefehlt, fast überall lief Konferenz.

  22. Am 14. November 2009 um 15:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Guter Artikel, gefällt mir, räumt so ganz nebenbei in meinem Kopf mit einem anderen Vorurteil zum Teil auf. Dem nämlich dass Hertha die Wende verschlafen habe und alle DDR-Profis gen Leverkusen ect abziehen lassen. Ist für einen Zweitligisten schon nicht einfach, stimmt. Die richtig Guten hätten man vielleicht nicht bekommen, aber es gab ja auch andere die damals gar nicht aus Berlin weggewolt hätten. Da hat Hertha nie versucht etwas zu bewegen.

    Aber das war ja nicht das Thema, sondern die Teilung. Es stimmt zwar, dass die Mauer 1961 gebaut wurde, aber damit war war ja die alten Dame auch nicht aus den Köpfen des Umlandes verschwunden. Man konnte halt erst einmal nur nicht hin! Mit anderen Worten, Herrschaften aus Eberswalde, Brandenburg etc hätten ihre Hertha durchaus weiter im Herzen tragen und das Feuer der Tradition weiter geben können.

    Das Argument der sportlichen Zweitklassigkeit zieht nur bedingt. Denn bis 1980 war Hertha erstklassig. Und bis 1979 auch gut siehe Halbfinalteilnahme im UEFA-Cup. Die Crux begann doch damit, dass man den „Betriebsunfall Abstieg“ nach zwei Jahren repariert glaubte und prompt sofort wieder abstürzte. Dann sogar sporadisch in die Drittklassigkeit. Sporadisch! Zu sagen “ man spielte bis 1988 nicht mal in der zweiten Liga“, ist ein bisschen Effekthascherei.

    Und mit der Wiedervereinigung hätte etwas sofort passieren können. Brandenburg, Frankfurt/O,, Hütte und wie sie alle hießen stürzten doch schnell ins Bodenlose. Cottbus war noch nicht mal auf der Bildfläche. Da hätte auch schon ein GUT geführter Zweitligist interessieren können.

    Aber dies sind nur Anmerkungen. Grundsätzlich ist d r Artikel interessant und hat einige richtige Ansatzpunkte.

  23. DM101
    Am 15. November 2009 um 16:44 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Viele Sichtweisen die hier geäußert wurden kann ich gut nachvollziehen und sie haben sicher Anteil am Zustand der Hertha von Heute.

    Nur straft die letzte Saison viele der Argumente Irrelevanz.

    Hat Hertha Erfolg, folgen auch die Berliner, die Zugezogenen, die Brandenburger, die durch das Kulturangebot Berlins Abgelenkten und Nicht-Preußen.

  24. dns
    Am 18. November 2009 um 13:58 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Wenn man sich die Verkaufszahlen für die Testspiele des DFB anschaut, könnte man meinen, Hertha hat alle seine eh nie ins Stadion gehenden Fans an die Nationalmannachaft verloren. Statt nicht mehr ins Olympiastadion zu Hertha, gehen die nun einfach alle nicht mehr zur Nationalmannschaft. :p

    • Am 18. November 2009 um 14:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Böse, aber gut

    • alnus.glutinosa
      Am 19. November 2009 um 08:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Es lohnt sich auch nicht, für Freundschaftsspiele oder Spiele, bei denen es um nichts geht, einen Haufen Geld auszugeben.
      Ich erinnere nur an das letzte Spiel gegen England im Oly oder gegen Finnland in Hamburg. Beispiele für Grottenkicks dieder Güte gibt es genug.
      Entweder es geht um was (siehe Spiel gegen Russland) oder man bleibt besser zu Hause.

  25. matz
    Am 3. Dezember 2009 um 13:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Als Schalker in Berlin, der natürlich seinen Verein mitgenommen hat (schon wegen der seltsamen Abneigung der Herthaner gegenüber S04), möchte ich noch einige Anmerkungen machen:

    – die Fanrivalität: Hertha fehlt es wirklich an einem Derby mit Tradition. S04 vs. BVB ist eben ganzjährig Gesprächsthema im Pott. Dazu kommen innerhalb einer Stunde Fahrtzeit drei weitere Erstligisten (Köln, Leverkusen, Bochum) und drei Zweitligisten (MSV, RWO, Fortuna). Nach Bochum fährt man mit der Straßenbahn, nach Wattenscheid konnte man früher sogar zu Fuß laufen. Selbst zum Spiel der Reserve gegen RW Essen kommen mehr mehr als 10.000 Zuschauer, nicht weil es sportlich relevant wäre, sondern weil es eine uralte Feindschaft auszuleben gilt. Das bewirkt, dass der Fußball am Wochenende im Revier für jedermann sichtbar ist. Wenn man dort als Kind aufwuchs, konnte man Fußball lieben oder hassen, aber man konnte ihn nicht ignorieren. Das geht in Berlin ganz gut. Hier weht eben nicht vor jedem dritten Haus eine Vereinsflagge. Gleichermaßen konnte sich auch nie eine andere Sportart im Ruhrgebiet wirklich etablieren. Handball in Essen, Eishockey in Oberhausen oder Duisburg, alles immer im Konkurs geendet.
    – Trotzdem ist der Verweis auf die Zuschauerzahlen nicht ganz richtig. S04 hatte im Parkstadion in den 90ern als höchsten Zuschauerschnitt 46.600. Mit dem Bau der Arena wurden es 61.000. Einen ähnlichen Sprung machten der HSV oder Frankfurt mit dem Bau ihrer Arenen. Das Olympiastadion ist ein echter Nachteil. Ein modernes Stadion in der Mitte Berlins würde auch das Potenzial von 15.000 Eventzuschauern ausschöpfen (ob man das gerne mag, ist eine Frage), das sich die anderen Bundesligavereine zu Beginn dieses Jahrzehnts erschlossen haben.
    Dass ein möglicher Abstieg der Hertha im Westen so wenig Beachtung findet, liegt auch daran, dass die Hertha aufgrund ihrer Insellage (wie der gesamte Westberliner Fußball) nie so ganz integraler Bestandteil des bundesdeutschen Fußballs war. Als Kaiserslautern abstieg, war es ein Drama für die „ganze Region“, das würde die westdeutsche Sportpresse bei Hertha wohl so nicht formulieren.
    Mir persönlich wäre es (schon aus Eigennutz) lieber, Union würde aufsteigen und Hertha drinbleiben. Ein Stadtderby in Liga 1 hätte den Fußball in Berlin ungeheuer beflügelt.

    • Kugelblitz
      Am 3. Dezember 2009 um 16:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Im Moment weiß ich aber nicht ob ich ein Derby haben möchte. Die ständige Gefahr zweier Niederlagen vor Augen u. die Häme u. der Spott im Anschluß.
      Muß nicht wirklich sein.

    • dns
      Am 4. Dezember 2009 um 00:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Beim 1. FCM wars auch so, neues Stadion und zack Zuschauerzahlen verdoppelt.

  26. Am 19. Januar 2010 um 13:42 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Die FAZ versucht sich anhand des Beispiels Hertha, die Schwierigkeiten der Positionierung eines Vereins in der Sportstadt Berlin zu beschreiben: Stadt ohne Hertha-Gefühl

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    […] sich Sonderserien zu diesem Thema. Ein paar starke Gedanken in treffende Worte gekleidet fand ich hier, das geteilte Deutschland durch die Brille eines Herthaners […]

  • Von Nach drüben kucken at ***textilvergehen*** am 10. November 2009 um 12:40 Uhr veröffentlicht

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