Hertha hängt

Es ist immer die gleiche Leier. Deshalb ist hier auch noch kein neuer Artikel zum Spiel gegen Mainz erschienen. Hertha bekommt die Chance und nutzt sie nicht. Hertha gewinnt nicht und die anderen sind zu blöd, um das auszunutzen. Seit Rückrundenbeginn ist das nun schon so. Und so langsam nervt es nachhaltig.

Hertha hängt in der Luft. Und wir mit ihr. Es ist ein Schwebezustand zwischen erster und zweiter Liga, zwischen Hoffnung und Trauer, zwischen Befreiungs- und endgültigem Niederschlag. Hannover und vor allem Nürnberg haben jede Woche aufs Neue die Chance, das ohnehin dünne Seil durchzuschneiden oder einfach in den Abgrund zu werfen, an dem Hertha momentan hängt. Aber sie tun es einfach nicht. Sie lassen Hertha da hängen.

Wenn man die Hinrunde als Bild verwenden will, könnte man auch sagen, dass Hertha längst abgestürzt ist. Der Verein liegt im Krankenhaus und hangelt sich nun von Operation zu Operation, während die Fans draußen im Warteraum stehen und jede Woche aufs Neue darauf warten, dass der Arzt endlich mit einem hoffnungsvollen Gesicht aus dem OP-Saal kommt. Doch er kommt jede Woche aufs Neue heraus und sagt: „Wir können leider noch nichts genaues sagen. Die OP ist routinemäßig verlaufen. Es war kein großer Fortschritt, aber verloren ist auch noch nichts.“ Und man selbst steht davor und
wünscht sich einfach nur endlich Gewissheit zu haben.

Hertha ist ein Patient, dessen Familie leidet und dessen Familie nicht will, dass der Patient leidet. Er soll entweder mit Würde sterben oder ein gesundes Leben führen können. Doch der Patient wacht nicht aus dem Koma auf und die Ärzte können nicht sagen, wann es vorbei sein wird: „Vielleicht morgen, vielleicht erst in drei Monaten.“

Ich bin nach jedem Unentschieden ehrlich geneigt zu sagen: Macht die Maschinen aus! Es hat keinen Sinn mehr. Doch dann sehe ich, dass Hannover und Nürnberg auch nicht von der Stelle kommen. Das sollte Hoffnung geben. Tut es aber nicht. Weil ich das Gefühl habe, dass sie nur darauf warten, dass Hertha endlich mal gewinnt – um es dann auch zu tun.

Das zehrt an den Nerven – ich bin mir sicher nicht nur von der Mannschaft. Ich weiß nicht, ob es die Taktik von Friedhelm Funkel ist, die erste Halbzeit jeweils einfach wegzuschenken, um dann in der zweiten (fast) alles nachzuholen. Aber es funktioniert nicht. Hertha muss es 90 Minuten lang versuchen. Hertha muss 90 Minuten lang mutig nach vorne spielen. Hertha muss dem Gegner 90 Minuten lang zeigen, dass es für sie um alles geht. Dass sie an diesem dünnen Seil ums Überleben kämpft, das mittlerweile nur noch ein Faden ist, der gegen Ende (gegen Leverkusen, Schalke und Bayern!) in atomare Bestandteile zerfällt.

Tut sie es nicht, muss man fast hoffen, dass Hannover und Nürnberg sich endlich aufraffen, damit Hertha sich rechtzeitig mit dem Neuanfang in der zweiten Liga beschäftigen kann.

Nachtrag: Wer die Hängepartie in Freiburg live mitverfolgen will, muss sich nur um die Anfahrt Gedanken machen. Die Tickets zahlt die Mannschaft. Ein nettes Zeichen. Aber drei Punkte sind wichtiger.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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14 Kommentare

  1. Am 16. Februar 2010 um 00:48 Uhr veröffentlicht | Permalink

    „Hertha gewinnt nicht und die anderen sind zu blöd, um das auszunutzen.“

    Ich würde eher sagen, die anderen verlieren und Hertha ist zu blöd, um das auszunutzen.
    Ansonsten stimme ich zu.

  2. Sascha
    Am 16. Februar 2010 um 09:38 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ein sehr passender Artikel zur aktuellen Situation und zu dem Gemütszustand von uns Fans.

    Ich denke bloß, dass es für die Familie (sprich die Fans) besser wäre, wenn sie wissen was Sache ist, als immer die Ungewissheit zu haben, wann der Patient nun denn stirbt. Obwohl man auch den Patienten verstehen muss, der will nicht sterben. Aber versucht der Patient wirklich alles um zu überleben?

  3. spreemaradona
    Am 16. Februar 2010 um 15:19 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Es ist einfach nur belastend, dass man nach jedem Spiel denkt, dass jetzt der Abstieg besiegelt ist und dann beim nächsten Spiel wieder fingernägelkauend dasitzt um nach dem Abpfiff das gleiche wie in der Vorwoche zu denken. Nach dem Motto:
    -„Wo gehst du hin?“
    – „Ins Kino.“
    – „Was schaust du dir an?“
    – „Quo vadis.“
    – „Was heisst das?“
    – „Wo gehst du hin?“
    – „Ins Kino.“
    – „Was schaust du dir an?“
    – …
    Ich würde mir wünschen dass Preetz mal den funkel’schen Teufelskreis durchbricht und der Mannschaft sagt: „Jungs, wir steigen ab und planen für die 2. Liga. Jetzt zeigt in den letzten Spielen einfach mal dass ihr es könnt. Nebenbei könnt ihr euch so auch für andere Vereine empfehlen.“ Diese jeden-Spieltag-einen-Punkt-auf-die-Konkurrenz-aufholen-reicht-Taktik wirkt sich ja lähmender als jedes Nervengift auf die Mannschaft aus. Hat denn schon mal jemand dem Friedhelm gesagt, dass die Saison nur 34 Spieltage hat?

  4. Am 16. Februar 2010 um 15:43 Uhr veröffentlicht | Permalink

    …Und jetzt hat auch noch Cicero Funkel kritisiert. Wenn er Worte über Leistung stellt, dann wird wohl am Donnerstag einer der Lichtblicke in der zweiten Mainz-Hälfte auf der Bank sitzen. Hmpf.

  5. lissy
    Am 16. Februar 2010 um 16:55 Uhr veröffentlicht | Permalink

    ich kann mir kaum vorstellen, dass funkel sich das wagt er wird ja jetzt schon von den fans ausgepfiffen.
    und wenn er uns auch noch den letzten funke(l)n hoffnung auf besserung klaut wackelt sein stuhl nicht nur, sondern er muss aufpassen dass der nicht schneller abgesägt wird wie er denkt.
    ich war nie begeistert über seine einstellung als trainer bei hertha, leider konnte er mich nicht des besseren belehren.
    ich sage immer wieder hätte man favre die zeit gegeben müssten wir nicht so viel leiden.
    übrigens so lange wir rein rechnerisch nicht abgestiegen sind will ich von der 2. liga nichts wissen

  6. Mirko030
    Am 16. Februar 2010 um 18:52 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich halte es so langsam nicht mehr aus. Diese Ungewissheit. Wie blöd sind diese 3/4 Mannschaften da unten eigentlich, dass keine von denen gewinnen tut. Geb uns doch endlich den Gnadenstoss und lasst uns nicht hängen. Ich gebe Dir also völlig recht, dass diese Situation alles andere als optimal ist. Aber vielleicht reichen ja diese Saison auch 28 Punkte für den Klassenerhalt. Egal wir werden wohl noch eine Weile länger gequält. Das ist die härteste Saison, die ich als Herthafan bis jetzt erleiden musste.

  7. Tanja*
    Am 16. Februar 2010 um 23:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Es sind aber die Spieler die kämpfen müssen und sie zeigen in meinen Augen nur sehr wenige Minuten Kampfgeist und verpennen die meiste Zeit das ist unverschämt!!!
    (und dafür bekommen die auch noch fett Kohle!!!)
    In meinen Augen gilt das alte Motto: Wir sind Herthaner und DIE nicht!!!!

    • dns
      Am 17. Februar 2010 um 13:02 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Das stimmt schon. Wie hatte Rehagel damals über seine Griechen gesagt? „Ich verbiete denen doch nicht das Toreschießen.“

      Man kann Funkel einiges vorwerfen, vor allem im letzten Spiel, aber dass die Spieler auf dem Platz nicht aus den Puschen kommen, muss man auch an den Spielern festmachen.
      Wenn die Spieler finden, dass der Trainer „falsch“ auf- und/oder einstellt, dann müssen sie das Ruder selbst in die Hand nehmen.
      Wenn sie nicht verstehen, was der Trainer von denen will, müssen sie den Mund aufmachen und dem Trainer sagen, dass sie nix verstehen.
      Wenn sie keine Lust auf Abstiegskampf haben, sollen sie einfach ihren Hut nehmen und zu Hause bleiben, dann ersparen sie sich und uns ne Menge Knatsch.
      Und wenn der Trainer der Meinung ist, dass Aufholkriechenjagd und Unentschieden zusammen passt, dann hat der massiv einen an der Waffel.
      Soviel Stuss wie FF momentan verbreitet, erfindet nicht mal die Boulevardpresse. Die müssen sich gar keine albernen Geschichten mehr ausdenken, die werden derzeit doch frei Haus geliefert. Positive Bestärkung ist eine Sache, aber schwarz als weiß verkaufen, da fallen nichtmal 5-Jährige drauf rein. Und obendrauf noch erzählen, der Plan wäre genauso aufgegangen, wie geplant. pff.

      Die Jagd ist in meinen Augen abgeblasen. Fahrer Funkel pirscht sich mit dem Mannschaftsbus jetzt ökologisch rücksichtsvoll an den Vorwegfahrenden heran und gleitet noch im Windschatten mit bis zur nächsten Abfahrt. Die Spieler schlafen tief und fest zu Erdmusik und das Management spielt konzentriert Solitär auf dem Blackberry. Der Abstieg ist im Grunde ein Komplettversagen aller Beteiligten (nein, einzig Ramos scheint noch wach zu sein). Da braucht man eigentlich gar keinen einzelnen mehr rauspicken.

  8. anwalt
    Am 16. Februar 2010 um 23:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    … die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

  9. Am 17. Februar 2010 um 09:34 Uhr veröffentlicht | Permalink

    So schlimm ein Abstieg auch sein mag – er kann auch eine Chance sein. Deshalb nicht gleich den Kopf hängen lassen. Mainz und Bochum haben es vorgemacht…

    • Tanja*
      Am 17. Februar 2010 um 12:21 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Dann muss sich aber einiges und vorallem in den Führungsetagen tun da regiert der alte Filz

  10. Herthana
    Am 17. Februar 2010 um 17:13 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Dieses von Woche zu Woche hangeln ist grauenhaft und so langsam erwische ich mich dabei zu hoffen das es in die zweite Liga geht ( ein schreckliches Gefühl aber während der 1. Hälfte gegen Mainz dachte ich es muss ein Neuanfang her … )
    Und gerade die Mainzer dienen mir dafür als gutes Beispiel.
    Nach dem Abstieg und dem Weggang von Klopp dachte ich von denen wird man lange Zeit nichts mehr hören, falsch gedacht ein mir bis dahin unbekannter Trainer und eine frische Mannschaft überzeugen mich Spieltag für Spieltag.
    Frech und taktisch hervorragend aufgestellt …
    Ich werde natürlich bis es rechnerisch nicht mehr möglich ist weiter hoffen und an den Nägeln kauen – keine Frage – aber wenn wir absteigen, müssten endlich Köpfe rollen (Preetz/Gegenbauer & Co.) !!!
    Sonst wird es nix mit dem Neuanfang … und davor graut es mir am aller meisten, denn auch wenn die alte Dame es noch schaffen sollte – wird es nur eine kurze Feier geben – denn ohne frische Konzepte steigen wir wohl in der nächsten Saison ab …bzw. so schnell nicht wieder auf …
    @ Daniel dein Patientenvergleich ist super …

  11. Tanja*
    Am 19. Februar 2010 um 18:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich hörte eben die Spieler hätten mit dem Verein eine Prämie ausgehandelt, falls sie international weiter kommen. Noch so ne Unverschämtheit, sie hätten lieber mal ne Prämie für Nichtabstieg aushandeln sollen…

  12. Fussball Blog
    Am 20. Februar 2010 um 00:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hertha hängt, und kommt irgendwie über Unentschieden nicht hinaus! Das Unentschieden gegen Benfica ist allerdings recht hoch zu bewerten. 1:1 gegen den führenden der portugiesischen Liga ist nicht schlecht für den Bundesliga Letzten!

    [Edit von Enno: Geht es vielleicht auch mit einem Nick-Name, der weniger nach SEO riecht? Dann gerne auch wieder mit Link. Bis dahin halt ohne. Link entfernt.]

5 Trackbacks

  • Von Wo bleibt die Gewinnspielverlosung? | Hertha BSC Blog am 16. Februar 2010 um 10:57 Uhr veröffentlicht

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  • Von eingeNETzt 17/02/2010 | Spielfeldrand - Das Magazin am 17. Februar 2010 um 16:12 Uhr veröffentlicht

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  • Von 1995 | Hertha BSC Blog am 14. März 2010 um 11:26 Uhr veröffentlicht

    […] da eine Mannschaft ums Überleben kämpfte, während die andere immer wieder am Kabel wackelte, das die lebenserhaltenen Maschinen mit Strom versorgte. Dass der Kampf nicht belohnt, sondern im Gegenteil, sogar bestraft wurde, ist die bittere Ironie […]

  • Von Letzte Chance – mal wieder | Hertha BSC Blog am 19. April 2010 um 22:40 Uhr veröffentlicht

    […] Male. Und trotzdem hat die Mannschaft immer dann noch einmal weiter geatmet, als jemand gerade die lebenserhaltenden Geräte ausstellen […]

  • Von Antworten aus der Schweiz | Hertha BSC Blog am 10. Mai 2010 um 14:34 Uhr veröffentlicht

    […] den Lucien Favre danach noch auf der Bank saß. Danach war sein Kredit aufgebraucht. Hertha atmete noch 26 Spieltage lang weiter. Dann war auch sie am […]