Hertha im Höhenflug

Sami Allagui und Änis Ben-Hatira hatten am Donnerstagabend viel Zeit, um sich zu unterhalten. Die beiden tunesischen Nationalspieler verpassten nach dem 3:0-Erfolg mit ihrer Landesauswahl gegen Kongo ihren Anschlussflug und mussten in Paris übernachten. Die Zwangspause in der französischen Hauptstadt hat die beiden neben Zeit vermutlich vor allem Schlaf gekostet. Um 5 Uhr morgens nahmen sie den ersten Flug in Richtung Berlin, um 7 Uhr betraten sie deutschen Boden.

In der Realität gelandet

Mit der Ankunft der Flügelzange aus Nordafrika ist Hertha endgültig wieder in der Realität gelandet. Es war ein Höhenflug der medialen Art in dieser Woche. Bundesweit machte die alte Dame mal wieder sportlich erstklassige und vor allem positive Schlagzeilen, alles wunderte sich über diesen Aufsteiger aus der Hauptstadt, rieb sich die Augen und wartete doch auf knackige, das Saisonziel korrigierende, Ansagen aus Berlin. Allein: Die blieben aus. Und es wäre kein Wunder gewesen, wenn Michael Preetz und Jos Luhukay Dankesbriefe an die UEFA geschickt hätten: Denn die von vielen ungeliebte Länderspielwoche hat dem Hype ein bisschen die Wucht genommen.

Die Kehrseite dieser medialen Defensive dank Länderspiel-Berichterstattung ist allerdings die geringe Trainingsbeteiligung. Jos Luhukay sagte es auf der Pressekonferenz am Freitag: „Ich werde am Samstag erstmals in dieser Woche 11 gegen 11 spielen lassen können.“ Vorbereitung auf das erste Auswärtsspiel in Nürnberg? Fehlanzeige.

Drei Verletzte in einer Woche

Hinzu kommt, dass die wenigen, die auf dem Trainingsplatz standen, sich auch noch verletzten. Marcel Ndjeng zog sich eines dieser neumodischen Ödeme zu (gabs früher nicht), Johannes van den Bergh nahm mit einem eher klassischen Muskelfaserriss vorlieb. Beide fehlen mindestens zwei Wochen, Ndjeng eher drei. Die Nationalspieler kamen zwar müde (auch John Anthony Brooks verpasste seinen Anschlussflug), aber immerhin unverletzt zurück. Ausnahme: Hany Mukhtar wurde bei der U19 ins Krankenlager gegrätscht. Insofern ist die Mannschaft, die mit einer Ausnahme (Pierre-Michael Lasogga) so gut durch die Vorbereitung gekommen ist, auch beim Verletzungspech auf dem harten Boden der Tatsachen gelandet.

Jetzt könnte man anfangen zu zweifeln, man könnte auf die Idee kommen, dass diese Ausfälle die Mannschaft bestimmt aus dem Konzept bringen, man könnte schon vor dem Spiel in die Knie gehen, um sich dem Schicksal zu ergeben, das da am zweiten Spieltag auf Hertha wartet. Zumal es nach Nürnberg geht. Gegen den „Club“ hat Hertha seit vier Spielen keinen Punkt geholt. (Hier geht’s zum Interview von mit bei den Clubfans-United – auch die Kommentare sind lesenswert) Aber Hertha 2013 ist die Hertha von Jos Luhukay und ja, auch die von Michael Preetz. Eine Hertha, die ruhig bleibt, egal, wo sie steht. Die für einen Aufsteiger eine gute Tiefe im Kader hat und Ausfälle – zumindest auf dem Papier – kompensieren kann.

Lust oder Last? Spielt keine Rolle

Es ist aber vor allem eine Hertha, die sich nach außen hin professionell gibt und nicht nur so tut. Beispielhaft dafür war die Antwort von Michael Preetz in der Pressekonferenz auf die Frage von Michael Rosentritt vom Tagesspiegel: „Als Tabellenführer nach Nürnberg – Lust oder Last?“ Seine wirklich nur leicht gekürzte Antwort: „Das spielt keine Rolle für uns.“ Es ist eine geerdete Hertha.

Allerdings wird es dem Team nach dem Spiel gegen Nürnberg nicht gelingen, auf dem Boden zu bleiben. Hertha wird am Sonntagabend abheben, egal wie das Spiel ausgeht. Mangels Direktverbindung seitens des Hauptsponsors nimmt die Mannschaft nämlich den Luftweg in Richtung Berlin. Aber den Höhenflug haben Allagui, Ben-Hatira und Co. ja spätestens seit dieser Woche im Repertoire.

Die Pressekonferenz bei HerthaTV:

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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