In den heiligen Hallen

„Buongiorno, die Dame!“ grüßt mich Zecke Neuendorf. Markus Babbel steht im Foyer und spricht in die HerthaTV-Kamera. Mit Telefon am Ohr sagt Michael Preetz ein freundliches „Hallo“ in meine Richtung.

Seit Anfang November mache ich ein Praktikum auf der Geschäftsstelle von Hertha BSC. Für einen Hertha-Fan ist das ein absoluter Traum. Als ich die Ausschreibung der Stelle auf der Hertha-Homepage sah, habe ich mich einfach auf gut Glück beworben, ohne wirklich an eine Zusage zu glauben. Über einen kleinen Umweg – das ausgeschriebene Praktikum war in der Mitgliederbetreuung, ich arbeite jetzt aber im Ticketing – bin ich doch irgendwie hier gelandet. Und gleich zu Beginn kam ich zu der Erkenntnis, dass es mir fast egal ist, was ich hier mache. Allein bei Hertha BSC zu arbeiten ist ein tolles Gefühl. Die Atmosphäre ist einmalig. Die Gänge und Büros sind blau-weiß, voller Poster, Plakate, Trikots und Logos. Fast täglich lächle ich in mich hinein, wenn ich die Flure entlang gehe. Besonders dann, wenn mir ein Spieler entgegenkommt.

„Meine Frau hat die Tickets zerschnitten“, grinst uns der junge Mann an, der am Fenster des Clearing Points am Olympiastadion steht, und hält uns die zusammengeklebten Barcodes entgegen. Ein betrunkener Fan beschwert sich darüber, dass er von den Ordnern etwas rabiat rausgeschmissen wurde: „Ich hab’n Kreuzbandriss!“ Ein Mann fragt, wo er sein Butterfly-Messer abgeben kann.

Ich arbeite im Ticketing von Hertha BSC. Was heißt das? Zum einen arbeite ich im Büro. Ich habe z.B. buchhalterische Aufgaben zu erledigen. Außerdem gebe ich Auskunft am Telefon und per E-Mail. Ich helfe beim Versand von Auswärtskarten, stelle Zuschauerstatistiken für Kollegen zusammen oder richte bei Bedarf eine neue Preiskategorie im Buchungssystem ein. Und wenn jemand seine Dauerkarte als verloren meldet, kümmere ich mich auch noch darum.

An Heimspieltagen arbeite ich außerdem am Stadion, am sogenannten Clearing Point. Der eine oder andere hat das Häuschen vielleicht schon mal am Südtor gesehen oder sogar unsere Hilfe in Anspruch genommen. Wir kümmern uns dort um Probleme bei der Einlasskontrolle, z.B. wenn der Scanner am Eingang den Barcode nicht lesen kann. Allerdings kommen die Leute mit allerlei Problemen oder Fragen zu uns. Der eine will noch Eintrittskarten kaufen, der nächste seine hinterlegten Karten abholen. Wir versuchen natürlich so gut wie möglich Auskunft zu geben bzw. die Leute dahin zu schicken, wo sie eigentlich hinmüssen.

Ich bekomme hier einen unschätzbar wertvollen Blick hinter die Kulissen eines professionellen Fußballvereins, mit großem Einblick in das Ticketing im Speziellen. Alles ist furchtbar interessant und spannend. Und am Spieltag wird es sogar teilweise abenteuerlich. Langweilig wird es jedenfalls nie.

„Halt, stopp! Sie bekommen noch ihr Armbändchen!“, rufe ich dem Hertha-Mitglied hinterher. Eine Hostess legt mir mein eigenes VIP-Band an. Maikel Aerts lächelt nett in meine Kamera und freut sich, dass ich mich auf Holländisch bedanke.

Abgesehen vom Arbeitsalltag habe ich ab und zu die Möglichkeit, in andere Bereiche hinein zu schnuppern. So habe ich zum Beispiel bei der Mitgliederversammlung mitgeholfen. Ende Januar werde ich den Kids Club auf seiner Auswärtsfahrt nach Bielefeld als Betreuerin begleiten. Außerdem werde ich an der nächsten Ausgabe der Herthafreundin mitarbeiten. Solche Gelegenheiten, den Verein Hertha BSC näher – und von einer anderen Seite – kennen zu lernen, lasse ich natürlich nicht aus.

Ein besonderes Highlight am Spieltag ist übrigens das Recht, nach dem Spiel in den beeindruckenden VIP-Bereich des Olympiastadions zu dürfen. Am besten finde ich jedoch nach wie vor die Möglichkeit, die Spieler hautnah zu erleben. Jetzt arbeite ich zwar schon eine Weile hier, aber wenn mir ein Spieler oder Trainer im Treppenhaus, im Fanshop oder auf dem Parkplatz begegnet, dann finde ich das immer und immer wieder toll. Da bin ich ganz Fan.

An der Station Olympiastadion steige ich aus der U2. Ich stapfe den Weg durch den Schnee hoch zur Geschäftsstelle von Hertha BSC. Ich benutze den Hintereingang. „Nur für Mitarbeiter“ steht da. Ich schüttle lächelnd den Kopf.

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  • Wer hat das geschrieben?

    Ich bin Maria, Jahrgang 1988, geborene Sächsin. Seit Herbst 2008 wohne ich in Berlin, wo Hertha mich eingefangen hat. Vorher war ich nämlich vereinsloser Fußballfan. Mittlerweile bin ich Hertha-Mitglied und habe eine Dauerkarte für die Ostkurve. Als großer Sport- und Berlin-Fan gehe ich auch ab und zu fremd bei den Füchsen, Eisbären, ALBA etc. Vor meiner Zeit als Autorin beim Hertha BSC Blog bin ich schon regelmäßig auf verschiedenen Hertha-Blogs als Leserin und Kommentatorin unterwegs gewesen. Denn ich schätze die Fanmeinungen der Autoren und Leser sowie die allgemeine Atmosphäre. Ihr findet mich auch bei Twitter unter @Maria_Berlin, wo ich immer offen für Diskussionen bin.

12 Kommentare

  1. Am 20. Dezember 2010 um 21:48 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hi Maria,

    herzlich willkommen als erste Herthabloggerin. :)

    Mich würde noch interessieren wie du das Praktikum mit dem Studium unter einen Hut kriegst. Wie viele Stunden bist du pro Woche dort? Gibt es viele Praktikanten? Zahlt der Verein eine Vergütung und was passiert eigentlich wenn ich meine Dauerkarte verliere?
    Ich dachte bis dato, dass ich beim Verlust der DK einfach Pech gehabt habe.

    • Am 20. Dezember 2010 um 22:22 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Danke für das Willkommen :-)

      Es ist ein Vollzeitpraktikum, weshalb ich ein Urlaubssemester genommen habe
      Ja, Hertha hat zurzeit ganz schön viele Praktikanten. Über vertragliche Einzelheiten kann ich natürlich nichts sagen ;-)
      Was die DKs angeht: Wie man auf der Homepage sehen kann, gibt es ein Formular, mit dem man den Verlust melden kann. Aber wenn die Leute eine neue DK bekommen, dann ist das reine Kulanz von uns. Verpflichtet zu einer Erstattung ist Hertha nicht.

  2. Enno Enno
    Am 20. Dezember 2010 um 22:11 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Auch von mir ein herzliches Willkommen!

    Vielleicht ist die Frage nicht leicht zu beantworten, aber mir scheint, dass sich die Öffentlichkeitsarbeit von Hertha seit dem Weggang von Dieter Hoeneß und noch einmal nach dem Abstieg deutlich verändert hat. Lockerer, direkter, frecher. Gibt es da einen Zusammenhang und wenn ja, warum ist das so?

    • Am 20. Dezember 2010 um 22:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Sorry, aber davon hab ich keine Ahnung. Also ich sehe das schon genauso, dass sich die Öffentlichkeitsarbeit sehr ins Positive gewandelt hat. Aber woran das liegt, weiß ich nicht.

      • Enno Enno
        Am 20. Dezember 2010 um 22:27 Uhr veröffentlicht | Permalink

        OK, hätte ja sein können, dass du bei Flurgesprächen was aufgeschnappt hättest. Andererseits würdest du das dann wahrscheinlich nicht öffentlich hier im Blog breittreten. :-)

        • Am 20. Dezember 2010 um 22:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

          Das kommt natürlich noch hinzu. Interna sind Interna :-)

          • Joel
            Am 21. Dezember 2010 um 11:21 Uhr veröffentlicht | Permalink

            naja aber wir gehören doch praktisch zur Familie ;-)

  3. Am 22. Dezember 2010 um 05:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Glückwunsch!!! Da wollte ich mich erstmal auch bewerben :-) Aber wollte mein Studium dann doch nicht verlängern. Hört sich aber gut an!

  4. Hertha Fan
    Am 22. Dezember 2010 um 23:37 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Toller Einblick in das Leben eines Hertha Mitarbeiter/Praktikanten, sehr erfreulich auch, dass unsere Hertha offensichtlich vorbildlich mit Praktikanten umgeht, und diesen in Punkto Erfahrungen sammeln tatsächlich etwas bietet.

    Und die Frage von Enno würde ich als Außenstehender defintiv mit ja beantworten. Die Öffentlichkeitsarbeit hat sich zu meinem subjektiven Befinden in der Tat verbessert. Für mich steht das auch in dem Zusammenhang, dass leute wie Zecke oder Sejna wieder an den Verein gebunden werden. Diese Marschroute hatte Preetz bei der Aussprache im Frühjahr? (weiß nicht mehr genau wann das war) auch angekündigt und scheint ja jetzt auch Taten folgen zu lassen.
    Ich stelle auch mal die Behauptung auf, dass dies auch mit dafür verantwortlich ist, dass nach dem Abstieg keine „Fan-Depression“ entstanden ist, sondern vielmehr eine Aufbruchstimmung.

  5. Am 23. Dezember 2010 um 00:10 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Bei dem Bericht bedaure ich es noch mehr, nicht in Berlin zu wohnen und diesen Service nicht in Anspruch nehmen zu können…

  6. Am 23. Dezember 2010 um 13:16 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Klasse Artikel Maria ;)
    Solche Momente wird man einfach nicht mehr vergessen.

    Habe solche Momente im Catering schon erleben dürfen. Habe letztes Jahr nach dem Pokalfinale auch mal den DFB-Pokal halten dürfen, als ich gerade von meinen Stand endlich weg kam. ;)

    • Am 23. Dezember 2010 um 14:55 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Auch nicht schlecht :-)