Kiew zahlt – Raffael wechselt

Nun ist es also endlich soweit. Sollte bei Raffael Caetano de Araujo nicht plötzlich ein naldosches Knie auftreten, wird er in der Ukraine den lukrativsten Vertrag seiner Karriere unterschreiben und Hertha die zweithöchste Ablösesumme seiner Vereinsgeschichte bescheren. Nachträglich quasi, zum 120. Geburtstag.

Ich habe von vielen gehört und gelesen, dass ihnen der Abgang des Brasilianers besonders wehtue, weil er als letztes Überbleibsel einer goldenen Zeit – der Favre-Ära (wenn man knapp zweieinhalb Jahre so nennen möchte) – gilt. Aber bei aller Melancholie ist dieser Transfer das Beste was sowohl dem Spieler als auch Hertha passieren konnte. Es war schließlich zu  sehen, welche Probleme Raffael in der zweiten Liga hatte, unter Markus Babbel kam er dort häufig sogar – wenn überhaupt – nur von der Bank in Spiel. Auch in der vergangenen Bundesliga-Saison hatte er seine Probleme – weil er keine Mitspieler hatte, die ihm ebenbürtig waren. Deshalb sah es häufig so aus, als liefe er mit dem Kopf durch die Wand. Dabei hatte er natürlich nur Angst, dass der von ihm so geliebte Ball dann zu schnell wieder beim Gegner landen würde. Trotzdem hat man Raffael nie lautstark murren hören. Er hat der am Stock gehenden alte Dame mehrfach über die Straße geholfen, nun ist es für ihn an der Zeit, an sich selbst zu denken.

Raffa auf dem Weg nach Kiew (Foto mit freundlicher Genehmigung von Sebastian Fiebrig @saumselig)

Vielleicht wird die Lebensqualität für den Brasilianer ein Stück sinken. Vielleicht ist aber auch das genaue Gegenteil der Fall. Raffael trifft in Kiew auf vier seiner Landsleute, seine Familie reist ja ohnehin überall mit hin. Und auf eine kleine Laufbahn muss er beim Jubeln auch nicht verzichten. Außerdem sollen ihm die Ukrainer sein auf vier Jahre ausgelegtes Engagement mit vier Millionen Euro pro Jahr versüßen. Eine weitere ist bei erfolgreichem Saisonverlauf im Bereich des Möglichen. Das Gleiche gilt für Hertha: Führt Raffael die Ukrainer gegen Feyenoord Rotterdam in die Champions League, kassiert Hertha mit. Wird Kiew Meister, gilt das ebenfalls. Grund genug, sich ab und an mal für die Ergebnisse in Kiew zu interessieren.

Nun, wir müssen trotzdem oder gerade deshalb nach vorne schauen. Und wie könnte das besser gelingen, als mit einem Bundesliga-Sonderheft. An dem Tag, an dem Raffael nämlich endlich für die rekordverdächtige Summe von acht Millionen von Berlin nach Kiew wechseln wird, ist auch das 11Freunde-Bundesliga-Sonderheft für die kommende Saison offiziell (und nicht nur für Abonnenten) erschienen. Ich durfte auch wieder meinen Senf dazu abgeben, interessant ist das Heft aber nicht nur deshalb oder wegen des umwerfenden Layouts, sondern vor allem, weil es seit Herthas Aufstieg ja große Veränderungen in der zweiten Liga gegeben hat. Acht von 18 Vereinen wechselten seitdem die Liga. Neu sind natürlich die Drittliga-Aufsteiger aus Regensburg, Aalen und Sandhausen sowie die Mitabsteiger aus der Bundesliga Köln und Kaiserslautern. Hinzu kommen mit St. Pauli, Braunschweig und Dresden drei Auf- bzw. Absteiger aus der Vorsaison.

Die 11Freunde haben – wie in jedem Jahr – Bloggern, Fanbeauftragten oder Fans der Vereine (je nach Verfügbarkeit) kreative Fragen gestellt und nach möglichst kreativen Antworten verlangt. Für einen ersten Eindruck des jeweiligen Vereins reicht das völlig aus. Die Klassiker-Frage: „Wer verlässt die Liga nach oben?“ musste aber natürlich auch sein und hat – wie ich finde – leicht überraschende Ergebnisse zutage gefördert. Natürlich muss berücksichtigt werden, dass nicht alle ernsthaft geblieben sind, trotzdem ist hier schonmal ein erstes Ranking für die kommende Saison. Nennungen als Aufsteiger im 11Freunde-Sonderheft:

  • 1. FC Köln 6
  • FC St. Pauli 6
  • 1860 München 5
  • 1. FC Kaiserslautern 4
  • Hertha BSC 4
  • VfR Aalen 2
  • Geheimtipp/Überraschungsmannschaft 2
  • SV Sandhausen 2
  • SSV Jahn Regensburg 1
  • VfL Bochum 1
  • Erzgebirge Aue 1

Geht es danach, steht Hertha also eine schwere Saison bevor, an deren Ende kein Wiederaufstieg steht.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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5 Kommentare

  1. Halblinks
    Am 27. Juli 2012 um 09:55 Uhr veröffentlicht | Permalink

    ich drücke ihm die Daumen, dass dieser Wechsel nicht nur gut fürs Bankkonto sein wird.
    Letztlich ist es gut zu wissen, dass hoffentlich endlich Geld in die Kassen kommt und dieses unzumutbare „Durchfinanzierungs-Geseiere“ aufhört. Allerdings traue ich den Verantwortlichen mittlerweile diesbezüglich kaum noch über den Weg. Keiner von uns weiß wahrscheinlich, wieviel der Ablöse tatsächlich auf einem Herthakonto landet (und wann) und wieviel der „geheimnisvolle“ Investor ggf. direkt einstreicht.
    Immer dann, wenn Hertha zuletzt deutlich mehr (als kalkuliert) einnahm hat das dennoch nie zu einer Verbesserung der wirtschaftlichen Situation beigetragen. Ich erinnere nur an die fast doppelt so vielen Zuschauer (wie kalkuliert) in der letzten 2.Liga-Saison.

  2. Felix Felix
    Am 28. Juli 2012 um 11:12 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ist Raffael denn nicht der teuerste Transfer? Für KP Boateng wurden damals doch „nur“ 7,5 Mio. hingeblättert, oder?
    Wenn man Raffael und Boateng miteinander vergleicht, dann wäre eigentlich eine noch höhere Ablösesumme denkbar gewesen. Gemessen am Zeitpunkt des Verkaufs ist Raffael der deutlich erfahrene und bessere Spieler. Allerdings muss man bedenken, dass solche Transfersumen auch nur zu erreichen sind, wenn ein Angebot aus England, Russland, der Wüste oder eben der Ukraine kommt.

    Zur EM hat das 2df eine sehr interessante Dokumentation über Fußball in der Ukraine ausgestrahlt. Dort gehören ausnahmslos alle Vereine der ersten Liga stinkreichen Unternehmern des Landes. Es gilt dort als Statussymbol einen Club zu besitzen. Ich versuche mal in der Mediathek den Link zu finden.

    • Daniel
      Am 28. Juli 2012 um 11:17 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Der teuerste Transfer war bislang auf jeden Fall Sebastian Deisler mit etwas mehr als neun Millionen Euro. Mit Boateng war das damals reines Glück, dass Tottenham plötzlich in einen Geldtopf gefallen war ;-)

  3. Felix Felix
    Am 28. Juli 2012 um 11:20 Uhr veröffentlicht | Permalink
  4. boRp
    Am 1. August 2012 um 14:54 Uhr veröffentlicht | Permalink

    …ich bin ehrlichgesagt froh, dass er weg ist, die Gründe hat Daniel schön dargelegt. Letzte Saison erinnere ich mich nur an Dortmund als Beispiel, wie Raffael die Mitspieler zu mehr animieren kann. Die restlichen Spiele zeigten, wie die anderen ihn herunterziehen können. Und gerade mit seinem ewig lethargischen Gesichtsausdruck hatte ich schon vor 2 Jahren genug von ihm. Auf dass er Kiew ins Viertelfinale schießt, glücklich wird und Hertha das Geld mal nicht vollkommen sinnlos verballert (lol, das glaubt keiner…)