Kleine Erfolge des Strebers

Das war also der erste Nicht-Sieg im Olympiastadion in dieser Saison. Keine Niederlage. Aber immerhin ein torloses Remis gegen eine Aachener Mannschaft, die zum Mittelfeld-Establishment der zweiten Liga gehört. Ein Nicht-Erfolg gegen eine Mannschaft, die man am Ende der Saison wohl weit hinter sich lassen wird. So gesehen, ist das natürlich unbefriedigend. Sozusagen nur die Note 2plus für den Klassenstreber, der es gewohnt ist, sich gegen die Konkurrenz der Klasse durchzusetzen. Und jetzt kommt dieses alemannische Nullachtfünfzehn-Talent daher und bekommt auch eine 2plus!

Aber auch der überhebliche Klassenprimus, das arrogante Streberlein, der verbissene Ergeizling wird lernen müssen, mit den kleinen Erfolgen glücklich zu werden. Ja, das torlose Remis gegen Aachen muss Hertha als Erfolg werten! Denn solche Spiele verliert der brillentragende Streber gern einmal. Quasi der Sportunterricht, bei dem der Überflieger auf Grund seiner Unzulänglichkeiten im körperlichen Bereich immer auf die Fresse bekommt. Wenn unsere Hertha nach so einem schlechten Spiel, wie ich es gestern Abend gesehen habe, nicht als Verlierer vom Platz geht, dann ist das ein Erfolg. Quasi Brille heil geblieben, trotz Sportunterricht. Erfolg!

Das war jetzt nicht überragend oder gar zwingend, was die Aachener gespielt haben. Aber sie haben der Hertha eine Aufgabe gestellt, die sie nicht zu lösen im Stande war. Gegen die „hoch stehende“ (so sagte es der Sport1-Mann gefühlte 1000 Mal) Abwehr, die geschickt die Lauf- und Passwege der Hertha zustellte, war fast kein Durchkommen. Hätte Aachen statt Benni Auer einen sprintstarken Stürmer, hätte die alte Dame schnell hinten liegen können, ja müssen. Also Brille kaputt, eigentlich Pflichtübung.

Auch der Trainer kam nach dem Spiel zu dieser realistischen Einschätzung: „Heute brauchte es entweder eine Standardsituation oder eine Einzelaktion, um das Spiel zu gewinnen.“ Beides blieb aus. Und weil Babbel als Erziehungsberechtigter des Klassenstrebers genau zu dieser Einschätzung kam und sie den kleinen blau-weißen Brillenträgern vorhalten wird, dürfen wir uns erst Recht über diesen kleinen Erfolg freuen. Denn es besteht bei allem Verdacht der Schaumschlägerei die Hoffnung, dass dieser junge Trainer unserem Streber das nötige Maß Bodenhaftung und Ernsthaftigkeit angedeihen lässt. Dann werden die kleinen und großen Erfolge in der Summe für ein Klassenzeugnis reichen, das zur Teilnahme an der ersten Bundesliga berechtigt. Und nur darauf kommt es an.

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  • Wer hat das geschrieben?

    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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18 Kommentare

  1. Chuk
    Am 5. Oktober 2010 um 09:47 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Meine Zustimmung hast du, Enno.

    Spiel war langweilig, aber wie sagt Babbel immer so schön: „Wenn man nicht gewinnen kann, dann muß man wenigstens nicht verlieren.“ (oder so ähnlich).

    Wir sind immer noch Tabellenführer und die Jungs ziehen aus diesem Spiel hoffentlich die Erkenntnis, daß man gegen JEDEN Gegner beißen MUSS und das 90% einfach nicht genug sind.

    Also weiter geht’s, die Saison ist noch lang und vielleicht kommen ja bald Lustenberger und Beichler zum Zug und bringen neuen/alten Schwung rein.

  2. XXX
    Am 5. Oktober 2010 um 09:53 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Man, war der Domo gestern schlecht bzw. gut … kann es gar nicht wirklich beurteilen, da ich ihn im Laufe des Spiels nur ein Mal gesehen habe. LOL

    Aber die ganze Mannschaft ist insgesamt zu wenig gelaufen.
    Jetzt in der Länderspielpause ein bisserl Taktikschule mit den Jungs die da sind und dann knacken wir in Zukunft auch Gegner die so pressen.

  3. Anonymous
    Am 5. Oktober 2010 um 10:14 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Habe das Spiel gestern auf SKY verfolgt und als die Ostkurve das Lied „BSC – wir sind da – jedes Spiel – ist doch klar – zweite Liga tut so weh – scheißegal BSC“ anstimmte hat der Kommentator doch tatsächlich erzählt, die Hertha Fans singen jetzt „Nie mehr zweite Liga“. Erstens: ist die Melodie eine völlig andere und zweitens: warum hätte man dies bei solch einer Leistung und solch einem Ergebnis singen sollen?
    Bitte, gebt uns endlich Mal Kommentatoren, die auch etwas von Fußball verstehen und nicht immer nur Typen die immer irgendeinen Schmarn erzählen!!

    • Chuk
      Am 5. Oktober 2010 um 10:21 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Das wird wohl ein frommer Wunsch bleiben. :P

    • Oliver
      Am 5. Oktober 2010 um 10:38 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Die will sich Sky anscheinend für die zweite Liga nicht leisten, wenn sie überhaupt welche haben. Aber die Außenwirkung einer solchen Fehlinformation über einen Fangesang ist verheerend. Alle Gegner denken, Hertha ist sich seiner Sache sicher, den zeigen wir es jetzt mal. Konnte man gestern schon sehen. Daher finde ich, auch wenn nicht ganz ernst gemeint, gönnerische Hochrechnungen über vier Siege in Folge genauso unnötig wie nicht endendes Rumnörgeln an der unsicheren Abwehr. Erst orakelt man, wie schlecht der Torwart wahrscheinlich ist, (Drobny hat auch nicht gleich „die Spiele für Hertha gewonnen“), dann soll die Abwehr nach ein paar gemeinsamen Pflichtspielen bombensicher stehen.
      Die Konkurrenz ist auch nicht doof, auch andere Trainer außer Tuchel sehen sich Spiele ihrer Gegner an und stellen dann einen „Plan“ auf. Wenn dann noch ein bißchen Nachlässigkeit dazu kommt, ist es schon passiert.
      Ich bin mal gespannt, wer als erstes Mainz knackt, so wie es Favre und seine Mannschaft vor zwei Jahren mit Hoffenheim getan haben.
      (Um mal wieder an eine bestimmte Person und an ein sehr gutes Spiel zu erinnern.)
      Außerdem ist es ein Jammer, gerade jetzt in dieser verrückten Erstligasaison in der zweiten Liga zu sein, da so viele der Favoriten straucheln. Jetzt bitte keinen Kommentar, am Abstieg sei ja auch Favre schuld.
      Und Babbel bekommt das schon hin.

      • Joel
        Am 5. Oktober 2010 um 10:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Ja das wäre vermutlich ein freudiger Anblick wenn die Hertha in dieser Saison noch in der ersten Liga mitkicken würde. Jedenfalls unter den Umständen man hätte 17 Punkte nach 7 Spielen ;-)

  4. Joel
    Am 5. Oktober 2010 um 10:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich bin ja froh das wenigstens Bela Rethy einem erspart bleibt… ;-) auf SKY und Co.

    • Oliver
      Am 5. Oktober 2010 um 11:14 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Da hast du auch wieder recht. Aber das ist sowieso ein leidiges Thema, immerhin bietet einem Sky die Möglichkeit, den unsäglichen Kommentar abzustellen und trotzdem die Stadiongeräusche zu hören. Das hilft immer.

      • Joel
        Am 5. Oktober 2010 um 15:19 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Das wäre ja mal bei der WM auch eine echte Alternative gewesen Vuvuzela an oder aus ;-) Ein Glück das das Thema durch ist….

  5. Blauer Montag
    Am 5. Oktober 2010 um 11:30 Uhr veröffentlicht | Permalink

    So einfach kann man also gegen Hertha punkten.
    Die Lauf- und Passwege zustellen und schon produzieren die herthaner Fehlpässe im Überfluss. Für einen Sieg gegen Alemannia Aachen wären nötig gewesen:
    A. Mehr Laufbereitschaft, um sich dem Mitspieler anzubieten.
    B. Mehr Kombinationen über die Außenbahnen.
    C. Mehr Mut und Geschick in 1 zu 1 Situationen.

    Nur wenn das in Zukunft regelmäßig gelingt, kann die Hertha als Klassenprimus gelten. Sonst wird es schwer, die Aufstiegsplätze zu erreichen.

    • dns
      Am 5. Oktober 2010 um 14:57 Uhr veröffentlicht | Permalink

      So einfach ist das garnichtmal, alle Lauf und Passwege zustellen. Und im Umkehrschluss hat man ja auch gesehen, dass das nur auf Kosten der eigenen Offensive gelingt. Das haben auch andere Mannschaften versucht und denen ist es nicht einfach gefallen.
      Wenn sich eine Mannschaft einigelt, die sich mit einem Punkt zufrieden gibt, hat jede Mannschaft Probleme zu guten Chancen zu kommen, nicht nur Hertha.
      Das hat man bei der WM deutlichst sehen können. Kaum ein defensiver Gegner wurde innerhalb von 90 Minuten (deutlich) geschlagen, obwohl es riesige Unterschiede in der individuellen Klasse gab, wie z.B. Spanien gegen die Schweiz.

  6. Daniel
    Am 5. Oktober 2010 um 12:21 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich war gestern auch sehr zufrieden mit dem Unentschieden. Spielerisch war das wie in der letzten Saison extrem schwach – da hätten wir das Spiel aber mit großer Sicherheit 0:1 verloren.

    Den Punkt hat uns Aerts gerettet, in der 1:1-Situation gegen Auer, der ja schon das eine oder andere Tor in seiner Karriere gemacht hat, hat er sehr stark reagiert.

    Ansonsten war das Highlight der Partie ja fast schon die „Tätlichkeit“ von Peter Niemeyer an Schiedsrichterin Steinhaus…

    Schnell abhaken und sich über die Punkte freuen :)

  7. dns
    Am 5. Oktober 2010 um 14:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    TätSCHlichkeit! ;)

    • Joel
      Am 5. Oktober 2010 um 15:24 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich fand das einen Highlight mit Niemeyer und dem Schirie

  8. Am 5. Oktober 2010 um 17:25 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Im Stadion hab ich die Situation natürlich nicht mitbekommen, aber heut gibts das ja auch auf youtube zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=_5CziqhDpi0 ;)

    • Enno Enno
      Am 6. Oktober 2010 um 09:08 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Oooch Leute! Das ist doch nicht euer Ernst, oder? Diese „Tätschlichkeit“ war ja ganz witzig. Aber doch nicht der Rede wert. Einzig die Reaktion der Kommentatoren, Trainer und Schreiberlinge ist bemerkenswert. Soviel pubertären Pennäler-Humor hätte ich in der Bundesliga nicht erwartet…

  9. Schoddie
    Am 6. Oktober 2010 um 08:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich hätte mich gefreut, wenn Babel mal nach 60 oder 70 Minuten das System ein bisschen umgestellt hätte. Es ging ja wirklich gar nichts nach vorn und wenn doch, dann nur durch die Mitte.

    Und dann sagt Babel nach dem Spiel auch noch “Heute brauchte es entweder eine Standardsituation oder eine Einzelaktion, um das Spiel zu gewinnen.”. Da frag ich mich noch mehr, warum er während des Spiels nicht mal was ändert. Ist die Mannschaft noch nicht so weit?

    Vom Sofa hätte ich mal auf 4-1-3-2 oder ein offensives 4-4-2 umgestellt und es mit Friend, Lasogga und Flanken versucht. Friend war die ganze Zeit auf sich alleine gestellt. Der hat ja gar keinen Ball bekommen.

    Na ja, Hauptsache nicht verloren. Ein Aufstieg ohne Niederlage ist noch möglich!

    • Enno Enno
      Am 6. Oktober 2010 um 09:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Über eine Umstellung habe ich auch immer wieder nachgedacht. Offensiv hätte das sicherlich etwas bewirken können. Dafür gibt es genug Potential in der Mannschaft (erst recht, wenn auch Beichler und Ebert wieder mit dabei sind!). Das Problem war doch aber, dass die Aachener nicht müde geworden sind und bis zur letzten Minute in der Lage waren, schnelle Konter zu fahren. Hätte Babbel also offensiver umgestellt, wäre das Risiko durch einen Konter in den letzten Minuten noch zu verlieren, sehr hoch gewesen. Insofern hat der Trainer alles richtig gemacht.