Koblenz vs. Hertha: 61m-Strahl von Stahl

Oooch… Warum tut man sich Hertha im Pokal eigentlich an? Als Herthaner zumindest. Als Gegner, der die alte Dame zugelost bekommt, ist das natürlich eine erfreuliche Sache. Quasi ein Freilos. Da braucht man auch eigentlich nichts mehr schreiben. Ist ja eh jedes Jahr die gleiche Leier. Man könnte also getrost die Texte des Vorjahres rauskramen. Nur von einer Blamage im eigentlichen Sinne oder der sogenannten „Pokalsensation“ kann dieses Jahr keine Rede sein. Wenn ein Zweitligist gegen einen abgestiegenen Zweitligist verliert, ist das jetzt keine große Überraschung. Und wenn Hertha verliert, ist es eh keine Überraschung mehr.

Da haben wir sie nun. Die erste Niederlage in dieser zwar nicht mehr ganz jungen, aber dennoch frischen und ungewohnten Saison. Aber auf Hertha ist Verlass. Raus aus’m Pokal, rein in’s Ligavergnügen. Jetzt wird die spannende Frage endlich beantwortet, was passieren wird, wenn diese Mannschaft einmal verlieren würde. Gibt es jetzt einen Knick? Oder macht sie in der Liga einfach so weiter wie gehabt? Hertha ist derzeit geschwächt. Klar. Aerts, Mijatovic und Rukavytsya gesellten sich zu Beichler, Ebert, Lustenberger und all den anderen ins Lazarett. Vielleicht war das jetzt die eine Verletzung zu viel, die die Mannschaft nicht mehr verkraften konnte. Mir ist aber zumindest keine einzelne Position aufgefallen, die deutlich unterbesetzt oder fehleranfällig spielte. Schulz hatte vielleicht nicht seinen besten Tag und auch Friend spielte schwach. Aber die beiden gehören ja fast zum Stamm. Verletzungen sind also keine gute Begründung für die Niederlage.

Man weiß nicht genau, woran es gelegen hat. Aber vielleicht ist es einfach so, dass eine Mannschaft ganz plötzlich resigniert, wenn sie sich ein Zufallstor fängt, wie es gestern Michael Stahl mit einem Strahl aus 61 Metern gelang. Das Tor der Woche dürfte für Michael Stahl bereits gebucht sein. Für das Tor des Monats hat er gute Chancen. Und eventuell dürfte dieser „verunglückte“ Klärungsversuch auch für das Tor des Jahres nominiert werden. Sicher aber ist, dass Hertha genau dieses Tor nicht verkraftet hat. Das kann passieren. Und es passiert häufig im Pokal. Und mit nahezu an Sicherheit grenzende Wahrscheinlichkeit ist Hertha irgendwie beteiligt. Daher gilt: Das Video des Tores noch mal anschauen und dann abhaken.

YouTube Preview Image

Update: Soeben gibt die Sportschau das Tor des Jahres bekannt. Und wer ist es? Genau. Der Strahl von Stahl. Natürlich gegen Hertha. Ich gratuliere Michael Stahl zum Titel Torschütze des Jahres 2010. Das passt irgendwie zum Jahr 2010 von Hertha…

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  • Wer hat das geschrieben?

    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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7 Kommentare

  1. Daniel
    Am 27. Oktober 2010 um 08:13 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich hab mich grad über den BILD-Artikel aufgeregt. Wochenlang feiert diese Zeitung die Mannschaft – und dann kommt ein Spiel, in dem es mal nicht so funktioniert und sie haut drauf, als hätte es das alles vorher nicht gegeben. Nicht, dass es mich wundert, das ist man von denen ja gewohnt. Aber geärgert hats mich trotzdem.

    Ganz klar: Normalerweise darf Hertha dieses Spiel nicht verlieren. Dass einige Spieler in Halbzeit eins echte Standprobleme hatten, geschenkt, denn bis dahin war ja noch nichts passiert.

    Zweite Hälfte kommt Hertha besser aus der Kabine – und dann haut dieser Typ solch ein Teil raus. Respekt, würde Felix Magath sagen, für deine Leistung.

    Aber dass Hertha nach dem Tor resigniert hätte, habe ich nicht so gesehen. Die Mannschaft weiß ganz genau, dass sie immer ein Tor erzielen kann. Doch als Domo seinen Gegenspieler im Strafraum umlegt und Koblenz den Elfmeter bekommt, DA gingen die Köpfe runter. Auch zu Unrecht, wie ich finde, denn es waren noch 20 Minuten Zeit. Aber vielleicht fehlt dann in dieser Situation ein erfahrener Mijatovic, der den Ball aus dem Netz holt und sagt: Hab ich alles schon erlebt, Ball raus und jetzt da vorne eins machen. Dann wollen wir doch mal sehen, ob die nicht anfangen zu schwimmen.

    Bitter, dass Raffael sich da noch zu diesem Tritt hat hinreißen lassen – auch wenn er keine Auswirkungen auf die Liga hat. Ich habe das ganze Spiel leider nicht gesehen, aber mich würde schonmal interessieren, wie hart der Schiedsrichter durchgegriffen hat und wie früh er Gelbe Karten gezogen hat. Denn Raffael war natürlich gefrustet, aber ich kann mir eigentlich nur vorstellen, dass er deshalb nachgetreten hat, weil er zuvor schon zwanzigmal gehalten wurde, ohne dass das vom Schiedsrichter geahndet worden ist. Trotzdem darf er den Gegenspieler dann natürlich nie so fällen.

    Was mir schon seit Wochen auffällt, ich weiß nicht genau seit welchem Spiel, ist die Leistung von Domo. Klar, das Tor gegen Fürth war wichtig, aber es war nicht so, dass er sich das erarbeitet hätte. Schon ein, zwei Spiele zuvor ist er alleine auf den Torwart zugelaufen und hat das Tor nicht gemacht. Gegen Koblenz wieder. Dafür, was er kann, ist das – und auch seine sonst meist eher unauffällige Leistung – zu wenig und auch nicht mehr mit Pech zu umschreiben. Das ist Unvermögen. Vielleicht hat er mal ne Pause nötig.

  2. Am 27. Oktober 2010 um 09:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    @daniel Sich über die Bild aufregen… Nee, das lass mal.

    Zum Text: Nein, eine Überraschung ist es sicherlich nicht. Jedenfalls nicht, wenn man dem Gesetz der Serie vertraut. Oder doch? Ich war jedenfalls überrascht. Denn ich hatte Hertha eine Entwicklung zugetraut, in der sie durch die Zweitligaerfahrung keinen Gegner auf die leichte Schulter nimmt. Die TuS ist vergleichbar mit FSV Frankfurt und Rot-Weiß Oberhausen. Und da habe ich einen Sieg erwartet. Insofern schade um die schöne Möglichkeit, etwas für Reputation und Finanzen zu machen.

    Man kann sich ja damit trösten, dass man nicht wie Union in der ersten Runde gegen einen Viertligisten rausgeflogen ist. Wobei ich darin wenig Trost finden würde.

  3. Am 27. Oktober 2010 um 10:06 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich habe den weiten Weg auf mich genommen und war gestern im Stadion. Heute abend oder morgen werde ich etwas drüber schreiben. Bin jedenfalls noch fix und fertig. Heute morgen um 4 Uhr aufgestanden und vor einer Stunde auf der Arbeit eingetrudelt. Zum Glück gibts Kaffee

  4. herthawolf
    Am 28. Oktober 2010 um 12:33 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Das Tor des Jahres? Stahl! Der Tor des Jahres? Sejna – der kuckt ja nicht mal zum Spiel hin. Hatte schon gedacht, Union in Augsburg wäre nicht zu toppen gewesen (Möhrle – das Tor, Glinker – der Tor). Auf meine beiden Vereine ist eben immer wieder Verlass.
    Am Witzigsten finde ich aber, dass Raffael für drei POKAL-Spiele gesperrt wurde. Wenn Hertha so weiter macht, braucht er ja zwei bis drei Jahre, um diese Sperre abzusitzen.

    • Oliver
      Am 29. Oktober 2010 um 19:55 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ich glaube, da muß man Sejna verteidigen. Es sieht doch so aus, als ob er den Ball sieht, schnell rückwärts laufen möchte, dabei stolpert, dann merkt, daß er nicht mehr rankommt und deshalb nur noch langsam zurückläuft. Dann sagt „Stahli“ auch noch: „Der Trainer sagt immer zu mir, Stahli, wenn du nicht weißt wohin damit, dann schlag den Ball einfach weg.“ Das ist ja wohl wirklich „old school“, das war also nicht mal so gewollt.
      Der eigentliche Idiot ist Domo: Er will bei seiner Großchance den Ball ins Dreiangel schießen, wie es ihm im Olympiastadion einmal geglückt ist und dann verursacht er noch den Elfmeter.
      Ich habe auch diesmal wieder daran geglaubt, daß Hertha im Pokal weiterkommt. Da hilft wieder nur an alte Zeiten denken:
      Auch wenn man es fast nicht glauben kann, Hertha war 77-79 eine richtige Pokalmannschaft geworden. Zwei Mal im Pokalfinale nur ganz knapp unterlegen, 77 im Wiederholungsspiel, 79 in der Verlängerung, dazu 79 fast ins Finale des Uefa-Cups eingezogen. Man kann es wirklich nicht glauben. Aber es geht also, als Herthaner muß man einfach leidensfähig sein. Vielleicht muß das Pokalfinale auch mal wieder weg aus Berlin und für den Europapokal brauchen wir einfach die Championsleague, Euroleague zieht in Berlin nicht. Das hat man 1999 gesehen, damals ließ es sich doch ganz gut an, und wenn man gegen Barcelona nicht das Pech mit dem Nebel gehabt hätte, wäre auch die zweite Gruppenphase anders gelaufen.
      Also: Weiter daran glauben, irgendwann kommt Hertha im DFB- Pokal ganz weit und spielt auch wieder Championsleague.

  5. Am 28. Oktober 2010 um 12:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ne ziemlich harte Sperre. Kann ich nicht nachvollziehen.

  6. Enno Enno
    Am 22. Januar 2011 um 18:07 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Nun ist es raus: Der Strahl von Stahl wurde zum Tor des Jahres gewählt…