Blick über den Kurvenrand #4

Die Anstoßzeiten in der zweiten Liga sind – gelinde gesagt – gewöhnungsbedürftig. Bis zum siebten Spieltag werden die Profis von Hertha BSC zu sieben verschiedenen Uhrzeiten in ihre Zweitligasspiele gegangen sein. Am achten Spieltag folgt dann die erste Dopplung: Montags, 20.15 Uhr, in Duisburg. Da werden vielleicht beim einen oder anderen Erinnerungen wach. Aber die Anstoßzeiten der ersten sieben Spieltage (20.30 Uhr, 15.30 Uhr, 18 Uhr, 20.15 Uhr, 13.30 Uhr, 13 Uhr, 17.30 Uhr) sind nicht nur für rythmusliebende Profis eine Belastung – auch für Blogger ist das keine schöne Situation, weil es schwierig ist, seine Freizeit so zu timen, dass man dann zum Anpfiff der zweiten Liga gerade Zeit hat. Ich habe großen Respekt vor den Fans, die das bei jedem Spiel mitmachen.

Nun aber genug geheult, der Sieg gegen Regensburg war schnell vergessen, obwohl er so wichtig war. Aber wenn das Derby vor der Tür steht, rücken eben schnell andere Prioritäten in den Mittelpunkt. Für den Kurvenrand ist das Derby allerdings fast schon langweilig, denn über Berlin hinaus interessiert sich natürlich niemand dafür.

Vielleicht liegt es ja daran, dass einigen Journalisten die Sprachsicherheit entgleitet, anders ist es nicht zu erklären, dass Michael Färber von der Berliner Morgenpost seinen Artikel über die Unioner Vorbereitungen mit „Mattuschka macht mobil“ betitelt. Ich dachte über Kriegsmetaphern wären wir mittlerweile hinweg.

Für den vom 1. FC Union ausgerufenen „Kampf der Kulturen“ kann Färber hingegen nichts. Ebenfalls in der Morgenpost klärt er zusammen mit Marcel Stein auf, was damit eigentlich gemeint ist:

Der Klub selbst sieht die Brisanz, die in dem Derby liegt, dem Umstand geschuldet, „dass unterschiedliche Auffassungen von Fußballkultur aufeinandertreffen“, wie es auf der Homepage heißt. Hier das Konzept „Fußball pur“ im reinen Fußballstadion in der Wuhlheide, wo noch nicht alles, was sich rund um das Spiel ereignet, von einem Sponsor präsentiert wird, wo man – wenn es nach dem Wunsch vieler alteingesessener Fans geht – lieber unter sich bleiben möchte. Dort, in Neu-Westend, die Sehnsucht nach dem großen Fußball im großen Olympiastadion, nach Dortmund und Bayern statt Duisburg und Aalen als Gegner, nach der Rückkehr in die Bundesliga, die entsprechend finanziert werden muss.

Dann gucken wir doch mal nach Neu-Westend, denn dort hat sich Trainer Jos Luhukay nach dem Spiel gegen Regensburg aus einem Geschäft bedient, das man bei Hertha vielleicht öfter aufsuchen sollte. Dominik Bardow vom Tagesspiegel weiß offenbar, wo es ist:

Der Sieg hat ihm (Luhukay) vor allem Zeit und Ruhe aus dem imaginären Zeit- und Ruheladen gekauft. „Es ist mühsam“, sagt er über den Prozess, aus seiner Truppe ein spielstarkes Team zu formen. Das merkt er jeden Tag im Training.

So mühsam offenbar, dass der Ruhe-Vorrat schon zu Wochenbeginn wieder aufgebraucht war. Luhukay hielt seine nächste Wutrede, diesmal auf dem Trainingsplatz. Michael Rosentritt vom Tagesspiegel war dabei.

Gelegentlich drohte die Stimme Luhukays sich zu überschlagen, derart in Rage war Herthas Trainer geraten. Nach der Einheit spazierte Jos Luhukay dann, ganz die Ruhe selbst, vom Trainingsplatz. „Training soll ja dafür da sein, um weiterzukommen“, sagte er und wollte das als Erklärung für seinen Auftritt verstanden wissen. Er habe in den Saisonspielen Ansatzpunkte gesehen, denen er nachgehen wollte.

Weil Training aber eben immer nur eine Simulation des Ernstfalles ist, hat Hertha noch schnell ein Testspiel ausgemacht.

Eine aus Profis und Spielern der U23 zusammengestellte Auswahl wird am Mittwochnachmittag gegen den UMM Salal Sports-Club Doha aus Katar ein öffentliches Freundschaftsspiel bestreiten.

Anpfiff ist um 15.30 Uhr im Amateurstadion, der Eintritt ist frei. Die Kollegen von immerhertha sind bestimmt wieder live dabei.

Ebenfalls live dabei – bei der Reha von Pierre-Michel Lasogga – waren die Pressemitarbeiter von Hertha. Wie es dem Hoffnungsträger von Hertha in der anstrengenden Phase der Regeneration geht, beschreibt er auf der Hertha-Website.

Die Mühe scheint sich zu lohnen, denn der 20-jährige Offensivspieler berichtet selbst: „Die Ärzte sind immer wieder positiv überrascht, wie gut das Knie verheilt. Ich machen mir aber keinen Druck, es dauert alles so lange wie es dauern muss.“

Etwas anderes, was schon sehr lange auf sich warten lässt, ist der Durchbruch des als Riesen-Talent gehandelten Lennart Hartmann. Fraglich, ob das nochmal was wird, denn mittlerweile ist er nach einer Zwischenstation ohne Einsatz bei Alemannia Aachen beim SV Babelsberg 03 gelandet. Schön, dass ihm wenigstens bei Hertha noch gehuldigt wird. Paul Linke von der Berliner Zeitung ist nämlich aufgefallen, dass Hertha eine „original matchworn Trikotshort“ von Hartmann als „Sammlerstück der Extraklasse“ bewirbt. Wer sie haben will, hier entlang.

Abschließend noch ein Hinweis zum Derby: Der Blog Berlinderby beschäftigt sich – Überraschung – ausschließlich mit dem Derby. Muss allerdings langsam mal loslegen.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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3 Kommentare

  1. Halblinks
    Am 30. August 2012 um 09:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

    müsste der Titel des Beitrages nicht „Blick über den Kurvenrand #4 “ lauten?

    • Daniel
      Am 30. August 2012 um 10:35 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Natürlich! Danke!

  2. Arnfinn
    Am 10. September 2012 um 22:22 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hallo liebes Hertha–Blog–Team,

    ihr seid wohl im Urlaub, oder? Ich dachte der Derby–Sieg würde vielleicht noch einen Eintrag nach sich ziehen, würde mich freuen.

    Beste grüße

    Arnfinn

Ein Trackback

  • Von Die Blog- & Presseschau für Mittwoch, den 29.August 2012 | Fokus Fussball am 29. August 2012 um 08:50 Uhr veröffentlicht

    […] Daniel vom Hertha-Blog hat einen Pressespiegel rund um die alte Dame zusammengebaut. Nebenbei stoßen ihm die Anstoßzeiten der zweiten Liga übel auf. Am achten Spieltag folgt dann die erste Dopplung: Montags, 20.15 Uhr, in Duisburg. Da werden vielleicht beim einen oder anderen Erinnerungen wach. Aber die Anstoßzeiten der ersten sieben Spieltage (20.30 Uhr, 15.30 Uhr, 18 Uhr, 20.15 Uhr, 13.30 Uhr, 13 Uhr, 17.30 Uhr) sind nicht nur für rythmusliebende Profis eine Belastung – auch für Blogger ist das keine schöne Situation, weil es schwierig ist, seine Freizeit so zu timen, dass man dann zum Anpfiff der zweiten Liga gerade Zeit hat. Ich habe großen Respekt vor den Fans, die das bei jedem Spiel mitmachen. […]

  • Hey, was geht ab?

    Drei Berliner kommentieren ihre Erlebnisse als Herthaner in Dortmund, Bielefeld/Bremen und Berlin. Polyvalent, kritisch - Hertha! Folglich kommen wir über das geschriebene Wort ins Spiel. Ein Thema, drei Perspektiven und nur manchmal einer Meinung. Mehr...
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