Magath rettet das Derby

Hanover 96 head coach Mirko Slomka
Mitte/Ende Januar habe ich mal wieder ein Wette verloren, weshalb dieser Beitrag mit Mirko Slomka beginnt. Nedowan (Blog: Langer Einwurf) ging davon aus, dass Mirko Slomka zu Hannover kommen würde. Ich hielt das für unwahrscheinlich, konnte meine Klappe nicht halten und forderte Nedowan zu einer Wette heraus. Slomka kam, ich verlor und darf nun meinen Wetteinsatz einlösen. Ich sollte mir also ein Spiel von Nedowans Lieblingsmannschaft, Schalke 04, anschauen und darüber schreiben. Wenn ich mir schon ein Schalke-Spiel anschaue, das nichts mit meiner Hertha zu tun hat, dann muss es natürlich das Derby gegen Dortmund sein. Dies als kleine Einleitung, wie es dazu kommt, dass ich als Herthaner über ein Spiel zwischen Schalke und Dortmund schreibe. Ehrensache ist Ehrensache.

Sports News - February 26, 2010
Eigentlich erwartet man von einem Derby zwischen Schalke und Dortmund eine große Portion Leidenschaft, Kampf, Verbissenheit, garniert mit der notwendigen Prise Spektakel. Man erwartet, dass die Spieler permanent aneinander geraten, derbe Blutgrätschen ansetzen und wie besessen um jeden Milimeter Rasen kämpfen. In der ersten Hälfte bin ich jedoch fast eingeschlafen. Derby-Atmosphäre? Fehlanzeige! Dass Zidan und Bordon (Bild oben) in der ersten Hälfte ineinander gelaufen waren, entsprang dem reinen Zufall. Das passiert halt in jedem Spiel irgendwann einmal, hat mit einem Derby allerdings wenig zu tun.

Die erste Hälfte des Spiels verbrachte ich also mit der Grübelei über das Phänomen Valdez: Wieso spielt der Paraguayer regelmäßig, obwohl er so gut wie keine Torgefahr ausstrahlt? Sicher, er rennt wie ein bekloppter (!), aber das bringt doch auf Dauer nichts. Die erste Hälfte gehörte den Dortmundern. Sie mussten sich allerdings vorwerfen lassen, mit Valdez gespielt zu haben. Ein paar Mal vergab er in aussichtsreicher Position kläglich oder spielte Pässe, die trotz des perfekten Rasens aussahen als wenn sie auf einem Rübenacker geschickt wurden. Furchtbar.

Sports News - February 26, 2010
Gleich zu Beginn der zweiten Halbzeit zeigte sich der Wert von Valdez jedoch eindrücklich. Er rennt und rennt und rennt die ganze Zeit dem Ball hinterher. So kommt es, dass er auch im gegnerischen Strafraum immer wieder in die Nähe des Ball gerät. Der Unglücksrabe Rakitic war dann so dämlich, dem Ball genauso blind und übereifrig hinterherzutollen. Dabei trat er Valdez auf den Fuß. Foul. Elfmeter für Dortmund. Tor durch Sahin. Der Einsatz von Valdez hatte sich doch gelohnt.

Die zweite Halbzeit begann gleich mit dem nötigen Feuer, das es für ein Derby braucht. Unglücklicher Elfmeter, bedeppert dreinschauende Gastgeber und böllernde BVB-Anhänger. Perfekt! Erstaunlich war allerdings, wie sehr man die Verunsicherung der Schalker spüren konnte, die sich offenbar gänzlich darüber im Klaren waren, dass sie ein Spiel selbst kaum gestalten können. Sie wirkten offensichtlich ratlos. Also passierte eine Viertelstunde nicht viel.

Sports News - February 26, 2010
Dann allerdings begann das Dortmunder Kuriositätenkabinett, bei dem Kevin Kuranyi einen gewissen Anteil hatte. Durch einen kleinen Schubser an Hummels rannte dieser mit voller Wucht in die Faust des herauseilenden Keepers Weidenfeller. Kurzzeitiges K.O. und Kieferbruch. Ich wünsche gute Besserung. Auf dem Foto sieht man das durchaus sensible Mitempfinden des ursächlichen Auslösers. Soviel Verständnis sieht man selten in einem Derby.

Apropros Kevin Kuranyi. Gestern zeigte er mal wieder, warum er so eine besondere Art von Fußballer ist. 100% Ballgefühl, 0% Technik. Das führte dazu, dass ihm in aussichtsreicher Position mehrmals die Bälle vollkommen unkontrolliert vom Fuß sprangen, statt gezielt im Tor zu landen. Das sah eleganter aus als bei Valdez, war aber nahezu ähnlich erbärmlich.

Sports News - February 26, 2010
Magath wechselte in der 65. Minute den zur Halbzeit gekommenen Moritz wieder aus, weil er nun taktisch umstellen musste. Die Wirkung war deutlich zu sehen, Schalke drückte endlich und glich – wen wundert es – durch einen Standard aus. Ein ansehnlicher Kopfballtreffer von Höwedes stellte die Dortmunder Verteidigung bloß. Der Siegtreffer von Raktic belohnte das Schalker Engagement schließlich. Aber auch hier spielte der Zufall eine entscheidende Rolle, denn man kann wohl sagen, dass Rakitic auf Grund der unglaublich kurzen Reaktionszeit das Tor nur mit viel Glück getroffen hat. Dennoch war das eine sehr sehenswerte Aktion.

Sports News - February 26, 2010
Insgesamt sorgten die Trainer in der zweiten Halbzeit für die größte Stimmung in diesem eher nüchternen und unterkühlten Derby. Vielleicht erwarte ich zuviel von solch einem Spiel. Aber auch wenn man von dem ganzen Medientheater im Vorfeld solch einer Partie absieht, sollte man mehr erwarten können von zwei Mannschaften, die um den dritten Platz in der Liga spielen. Es ist schon erstaunlich, wie wenig fußballerische Glanzpunkte man von zwei deutschen Spitzenmannschaften geliefert bekommt. Aber wenn ich an den erfolgreichen, aber nüchternen Spielstil aus Herthas vergangener Saison denke, dann kann ich die Kritik daran durchaus nachvollziehen. Es macht einfach keinen Spaß.

Zu guter Letzt gab es aber noch ein richtiges Derby-Moment. Allerdings fand die Szene erst nach dem Spiel statt als Jan Henkel den Schalker Trainer, Felix Magath, zum Spiel befragen wollte. Das war kaum mehr möglich, weil der als Stoiker bekannte Trainer einen seiner seltenen emotionalen Momente darbot und sich selbst wohl kaum noch unter Kontrolle hatte. Seht selbst:

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Mit dieser kurios-humoristischen Einlage von Felix Magath und den eher hilflosen Rettungsversuchen von Jan Henkel wurde das Derby dann doch noch gerettet. Schalke gewann irgendwie verdient mit ZweizuEins und hatte am Ende auf jeden Fall den Faktor „Unterhaltungswert“ auf seiner Seite. Die nächsten Spiele von Schalke und Dortmund werde ich mir nur dann anschauen, wenn sie gegen unsere Hertha spielen oder es in der kommenden Saison den Weg in die Championsleague schaffen sollten. Ansonsten fehlt mir eine masochistische Veranlagung, um mir diese tristen Veranstaltungen regelmäßig anzuschauen.

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    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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Ein Trackback

  • Von Derbysiege sind schön « Langer Einwurf am 27. Februar 2010 um 16:45 Uhr veröffentlicht

    […] durfte und direkt auch einen Sieg sah. Seine Gedanken zum Derbysieg hat Enno jetzt als Wett-Einsatz aufgeschrieben und […]