Markus „Fiffi“ Babbel?

Manche nennen ihn Hennes – und man muss kein Gladbacher sein, um zu wissen, dass dies eine der größten Huldigungen ist, zu denen man dort im Stande ist. Hennes Weisweiler hat mit der Gladbacher Borussia in den 70er Jahren nicht nur Meisterschaft, Pokal und Uefa-Cup gewonnen, sondern eine Ära geprägt, an der sich aktuelle Gladbacher Mannschaften noch immer messen lassen müssen. Hennes Weisweiler ist der Vater der berühmten Fohlen-Elf.

Insofern ist es Lucien Favre, der am 2. November seinen 54. Geburtstag feiert (Alles Gute dazu!), wahrscheinlich eher ein bisschen unangenehm, mit dieser Ikone der Gladbacher Fußballgeschichte verglichen zu werden. Favre ist ein Meister des Understatements. „Es liegt an nichts“ hat er in Berlin einmal gesagt, als seine Hertha knappen Sieg an knappen Sieg reihte und sogar die Meisterschaft zeitweise nicht unrealistisch erschien. In Berlin wusste damals jeder (bis auf Marko Pantelic), dass es an Favre lag. Die Entwicklung in der Saison danach gehört immer noch zu den größten Missverständnissen in der jüngeren Geschichte von Hertha BSC.

Am Samstag nun trifft dieses Missverständnis mit seiner neuen Mannschaft auf seinen alten Verein. Favre kehrt zum ersten Mal seit dem 0:4 gegen den SC Freiburg am 20. September 2009 ins Berliner Olympiastadion zurück.

Seitdem ist viel passiert in Berlin, auch wenn die Mannschaft an entscheidenden Stellen noch seine Sprache spricht. Raffael, daraus machte Favre nie einen Hehl, war immer sein Wunschspieler. Adrian Ramos sollte laut Favre Marko Pantelic sofort ersetzen – kam aber erst, als es eigentlich schon zu spät war. Und Fabian Lustenberger hat auf der nach oben offenen Polyvalenz-Skala einen Wert, den Favre sicher auch noch heute als „überragend“ bezeichnen würde, „das ist klarr.“

Klar ist aber auch, dass das am Samstag ein alles andere als schön anzusehendes Spiel sein wird. Denn wie oft haben wir damals gedacht, „Gott sei Dank ist das unser Trainer“, als Hertha die gegnerischen Abwehrreihen regelmäßig zur Verzweiflung brachte und „schmutzige“ Siege einfuhr. Favre-Siege. Sieben von elf Spielen der Gladbacher endeten in dieser Saison 1:0, viermal ging die Borussia als Sieger vom Platz. Auf Schalke, in Freiburg und in Hoffenheim gab es jeweils 0:1-Niederlagen. Auswärtssiege holten die Favre-Fohlen allerdings „nur“ in Hamburg – und am ersten Spieltag in München.

Insofern wird das am Samstag vermutlich ein Geduldsspiel, dass dann aus Hertha-Sicht auch mal (wieder – Stichwort Mainz) 0:0 ausgehen darf. Das ist dann zwar nicht schön, aber zweckmäßig. Und nur darum geht es in Jahr eins nach dem Wiederaufstieg.

Womit wir dann endgültig wieder im Jetzt wären und das heißt bei Hertha Markus Babbel. Man muss natürlich immer sehen, dass die Ergebnisse stimmen, aber die Art und Weise wie Babbel sich immer mehr profiliert, imponiert mir sehr. Dass er Patrick Ebert und Änis Ben-Hatira nach zuletzt sehr mäßigen Leistungen einfach mal aus dem Kader streicht, ist mutig. Doch statt öffentlich Unruhe in die Mannschaft zu bringen, nehmen die beiden die Kritik an und arbeiten härter, um wieder in die Mannschaft zu kommen. Sie würden das nicht tun, wenn sie nicht wüssten, dass Babbel so etwas honoriert. Und nebenbei hat Babbel mit der Aktion Nikita Rukavytsya sowie allen anderen, die zuletzt ein bisschen hinten dran waren, gezeigt, wie schnell es gehen kann – und dass sie ein wichtiger Teil der Mannschaft sind. Vor allem Rukavytsya ist mit seiner Schnelligkeit eine Waffe, die den Unterschied ausmachen kann.

Babbels Rotation im Pokalspiel in Essen verdient Hochachtung. Ich war zunächst hin- und hergerissen, denn natürlich hätte das auch nach hinten losgehen können. Mein erster Gedanke war allerdings ein anderer: Jahrelang sind wir in Bestbesetzung rausgeflogen, warum es also nicht mal auf diese Art und Weise versuchen? Und auch wenn am Ende Stammspieler Ramos den Unterschied ausgemacht hat, das Signal an die Mannschaft war deutlich.

Babbel hat dafür gesagt, dass in Berlin nur noch dann über Favre gesprochen wird, wenn der Schweizer mit seiner Mannschaft gegen Hertha spielt. Einen neuen Spitznamen hat Markus Babbel in Berlin im Gegensatz zu Favre in Gladbach aber noch nicht bekommen.

Irgendwelche Vorschläge?

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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6 Kommentare

  1. Daniel
    Am 2. November 2011 um 12:20 Uhr veröffentlicht | Permalink

    So, mit Schmerztablette und ein bisschen Zeit geht dann doch ein bisschen was ;)

  2. Am 2. November 2011 um 13:48 Uhr veröffentlicht | Permalink

    In Berlin wusste damals jeder (bis auf Marko Pantelic), dass es an Favre lag.

    Gefällt mir ;-)

    Irgendwelche Vorschläge?

    Wir haben einen Prinzen, der noch spielt, und einen Kaiser, der nur noch von jenseits der Berge grantelt. Dazwischen wäre doch Platz für einen König, auf gut bayerisch also „Kini“.

    Aber da Babbel sich ja als Hitzfeld-Schüler geoutet hat, könnte er auch dessen alten Spitznamen „General“ übernehmen, vielleicht dann als „Jennerall“? Passt jedenfalls zu seinem Stil.

    Oder gleich „Ottmar“.

    Oder „Napoleon“, wie Dettmar Cramer damals. Warum? *Sehr weit herhol*: Babbel hat doch in der Vergangenheit für drei „rote“ Vereine gespielt und einen davon auch trainiert: Bayern, Liverpool, Stuttgart. Und jetzt kommt Blau-Weiß als Trainer dazu. Mach Blau-Weiß-Rot, die Trikolore… Nur die Körpergröße passt nicht so recht.

  3. Am 2. November 2011 um 13:50 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Kann mich der Analyse nur anschließen. Aber ein Spitzname für Babbel? Ach nöööööö…

  4. Blauer Montag
    Am 2. November 2011 um 17:08 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Vielleicht gefällt dem Trainer selbst „James“ (Hetfield)?

  5. Daniel
    Am 3. November 2011 um 10:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ein wirklich hochinteressantes Interview zum Thema Favre hat die B.Z. mit Ex-Assistent Harald Gämperle geführt.

    http://www.bz-berlin.de/sport/hertha-bsc/favre-hat-um-den-rauswurf-gebettelt-article1309084.html

  6. Blauer Montag
    Am 3. November 2011 um 12:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Danke Daniel,
    die Sichtweise deines Namensveters D. Stolpe in der Berliner Morgenpost auf die Trainerentlassung im Herbst 2009 ist wiederum eine andere.

    http://www.morgenpost.de/sport/hertha/article1814196/Favre-tritt-als-Chef-gegen-Hertha-an.html

    Und jeder Fan und jeder Zuschauer hat eventuell auch noch seine eigene Sichtweise.