Mehr als nur drei Punkte

SOCCER: Bayern Munich Beats Hamburg 1-0

Am morgigen Samstag geht es um viel. Wenn Hertha auf den Mladen Petric und seinen HSV trifft, dann werden nicht wie sonst üblich nur drei Punkte verteilt. Für Hertha geht es um die sportliche Existenz, weil nur ein Verbleib in der ersten Liga dafür sorgen kann, den großen Schuldenberg zu reduzieren und die eigene Handlungsfähigkeit wiederherzustellen. Für Friedhelm Funkel geht es – trotz aller gegenteiliger Bekundungen – um seinen Job als Trainer in Berlin. Damit verbunden ist mittlerweile auch die Personalie des Managers. Denn Preetz hat sich intern gegenüber dem Präsidium und nach außen deutlich hinter Friedhelm Funkel gestellt. Eine Demission des Trainers würde nun auch die Autorität des Managers in Frage stellen.

Für mich wäre alles andere als eine deutliche Niederlage in Hamburg eine große Überraschung. Mehr kann man von Funkelfußball und den „Versagern“ derzeit nicht erwarten. Überhaupt ist es verwunderlich, dass Hertha im Abstiegskampf nicht schon weiter abgeschlagen dasteht. Ähnlich äußere ich mich in einem Interview beim HSV-Blogger ned, der mich zu Herthas aktueller Situation, meinen Hoffnungen und einigen ehemaligen Herthanern befragte.

Was passiert nach einer Niederlage in Hamburg? Wird Preetz weiterhin an Funkel festhalten? Dass dieser – ähnlich wie sein Vorgänger Lucien Favre – selbst an seiner Mission zu zweifeln beginnen wird, ist äußerst unwahrscheinlich. Sollte Funkel tatsächlich gefeuert werden, wer käme dann? Mein Favorit wäre Hans Meyer, der nur für die letzten neun Spiele coacht und im Falle des Klassenerhalts eine dicke Prämie kassiert (300.000 bis 500.00€). Danach sollte dann ein Neuaufbau mit einem jungen, engagierten Trainer erfolgen.

Nur ein Szenario bereitet mir jetzt schon Kopfschmerzen: Eine Reaktivierung von Röber oder gar Götz. Beim Letztgenannten ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering. Aber Röber hat sich via Boulevard schon in Stellung gebracht. Obwohl er auf Grund seiner großen Erfolge mit Hertha großen Rückhalt in der Kurve genießt, muss man doch auch sehen, dass er als Trainer keine Erfolge mehr hatte. Egal, wo er beschäftigt war, seine Punktequote pro Spiel lag immer unterhalb von 1,0 und das durchschnittliche Torverhältnis war ebenso im negativen Bereich. Das war in Wolfsburg so, beim BVB, in Moskau und in Ankara (über die Zeit in Belgrad finde ich leider keine verlässlichen Daten). Mit anderen Worten: Röber hat als Trainer abgewirtschaftet und Hertha würde sich ziemlich sicher keinen Gefallen mit einer Verpflichtung machen.

Allein weil die Alternativen derzeit fehlen und Horrorszenarien mit Götz oder Röber am Horizont wabern, hoffe ich in voller Naivität, dass Hertha am Samstag gegen den HSV vollkommen überraschend einen Sieg mit nach hause nimmt. Wenn Funkel den Abstieg wirklich verhindern können sollte, dann werde ich mich – notgedrunge, aber nicht wirklich gerne – auch noch ein weiteres Jahr mit seiner Vorstellung von Fußball herumplagen. Tatsächlich muss man Preetz einen großen Vorwurf machen, dass er sich von Funkel eine Verlängerungsoption bei Klassenerhalt hat abschwatzen lassen, wie Marxelinho ganz treffend kritisiert.

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Ein Kommentar

  1. Konstantin
    Am 6. März 2010 um 10:45 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hm, würdest Du an der Stelle von Meyer so einen Job annehmen? Klar, hat er den Ruf des „grad noch so den Klassenerhalt geschafft, obwohl erst 5 min vorher eingestellt“-Trainers, aber genau den könnte er mit einer Annahme eines solchen Angebots halt auch wieder verlieren. Und zuletzt sprach er immer davon, bald aufhören zu wollen. Es wäre also sehr wahrscheinlich für ihn, dass er mit der Hertha den Klassenerhalt (leider…) nicht schafft und dass dann kurz vorm Karriereende die dankbaren Erinnerungen an ihn einen ordentlichen Dämpfer bekommen. Da sind 500.000€ Anreiz nicht viel…
    Als Favre damals ging oder gegangen wurde, sprach er von Differenzen zur Mannschaft, die ihm seine Arbeit nicht mehr möglich machten. Wir haben gar keinen Einblick, was in der Mannschaft eigentlich so los ist. Sind die jetzt ein eingeschworenes Team, das Niederlage für Niederlage hinnehmen muss, obwohl die Vorraussetzungen zum siegen vorhanden sind? Oder ist da am Ende eine zerstrittene Hammelherde, von denen die meisten schon einen Kontakt zu einem anderen Verein für die kommende Saison haben?
    Sollte das Mannschaftsklima sehr zerrüttet sein (so hörte es sich für mich damals nach der Favre Entlassung definitiv an!), dann kann man den Trainer wechseln, wie man will. Dann hilft nur ein Neuanfang.