Mit neuer Kraft in die Bundesliga

Wer aus dieser Überschrift zwei Nachnamen herausgelesen hat, der dürfte schon ahnen worum es sich in diesem Artikel handelt. Kaum war der Aufstieg rechnerisch geglückt wurde auch schon der erste Transfer vermeldet: Thomas Kraft vom FC Bayern wechselt ablösefrei für vier Jahre zu Hertha. Aus vielerlei Hinsicht ist das ein bemerkenswerter Transfer, den Michael Preetz da zum Abschluss gebracht hat.

– In dieser Transferperiode gab es auf der Torhüterposition ungewöhnlich viel Bewegung. Hoffenheim, Gladbach, Hannover, Schalke und Hamburg gaben ihre Nummer 1 ab, doch bevor sich die Vereine sich nach Alternativen umsehen konnten, hatte Preetz schon Kraft verpflichtet. Ein paar Wochen später wäre es wesentlich schwerer geworden den Transfer zustande zu bringen.

– Mit Kraft wurde endlich mal wieder ein vielversprechendes, junges deutsches Talent verpflichtet. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr daran erinnern wann es das zuletzt bei Hertha gab. Vielleicht Sebastian Deisler? Die neue Ausrichtung bei den Transfers ist auf jeden Fall neu und liegt sicherlich auch an Markus Babbel. Favre suchte sich seine jungen Spieler vorwiegend in der Schweiz und in Osteuropa. Funkel setzte auf erfahrene Routiniers aus der Bundesliga. Babbel hingegen hat bisher ausschließlich Spieler geholt, die schon längere Zeit in Deutschland leben oder Muttersprachler sind. Ein Trend, den ich sehr löblich finde. Vor Fehleinkäufen wie Daniel Beichler ist man natürlich nicht gefreit, aber das Risiko ist mit Sicherheit auch bedeutend geringer als bei Spielern wie Lima, Chermiti, Bengtsson, Kaká und Pejcinovic, die allesamt noch nie in Deutschland spielten und als sie ankamen der Sprache nicht mächtig waren.

– Jeder weiß wie schlecht es um die Finanzen bestellt ist. Hertha ist daher unbedingt auf ablösefreie Spieler angewiesen. Die Vereinsführung hat das so langsam verinnerlicht und in den letzten zwei Transferperioden sehr ordentliche Spieler „zum Nulltarif“ verpflichten können. Mit fehlt das Hintergrundwissen, aber es macht für mich den Eindruck als sei der Verein wesentlich besser organisiert als in der Vergangenheit. So wurden früher viele Transfers erst sehr spät getätigt und die Verpflichtung von ablösefreien Bundesligaspielern schien ausgeschlossen.

– Die Gefahr, dass sich Kraft bei Hertha gut entwickelt und nach zwei Jahren ohne Ablösesumme zu seiner nächsten Station wechselt ist nicht gegeben, da er einen Vierjahresvertrag unterschrieb. Gerade im Hinblick auf sein Alter und Talent war gut ihn langfristig an sich zu binden.

– Schon bei den Bayern hat mir Kraft ausgesprochen gut gefallen. Sicherlich wäre ich nicht so weit wie einige Bayernfans gegangen, die lieber Kraft als Neuer im Tor sehen, aber dennoch hat er mich nachhaltig beeindruckt. Im Gegensatz zu Aerts kann er etwas mit seinen Füßen anfangen und strahlt eine unglaubliche Sicherheit aus. Sein Selbstbewusstsein scheint aber auch die größte Gefahr für sein Spiel zu sein. Wohin so eine ausgeprägte coolness führen kann, erlebte Kraft beim entscheidenden Spiel gegen Hannover. Durch die Verletzung von Aerts scheint Kraft vorerst als Stammtorhüter festzustehen. Ich hoffe das Publikum wird ihn fairer behandeln als den Niederländer, der in der letzten Saison zu Urecht Pfiffe kassierte und in Grund und Boden geredet wurde.

Ich wünsche Thomas Kraft einen guten Einstieg bei uns und hoffe, dass er sich in der Bundesliga bei all den starken Torhütern etablieren kann. Das Potenzial dürfte er besitzen.

Thomas Kraft ist für mich...

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  • Wer hat das geschrieben?

    Hallo, ich bin Felix und gehöre wie die meisten Herthafans in meinem Alter, zur 98er Generation, die 2010 den ersten Abstieg miterlebt hat. (→mehr)

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5 Kommentare

  1. Am 17. Juli 2011 um 16:56 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Mit der Verpflichtung von T. Kraft hat M.Preetz den „Vogel“ abgeschossen. Einfach sensationell. Kraft ist für mich definitiv die Nummer 1 im Tor der Hertha. Ob es für Kraft dann auch zu mehr, sprich Nati, reichen wird, liegt wohl eher an der weiteren Entwicklung von Hertha BSC.

  2. Am 17. Juli 2011 um 17:13 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich bin ehrlich gesagt auch ziemlich begeistert, was die bisher getätigten Transfers für die 1. BuLi angeht. Gerade der eingeschlagene Kurs, junge Talente zu holen ist für mich zukunftsträchtiger, als ältliche „Erfahrene“ einzusetzen. Ist natürlich auch ein Risiko.

    Ich habe oben auf Perspektivspieler geklickt. Alles andere wäre reines Rätsel raten. Kraft ist wohl der beste, den wir ohne Geld verpflichten konnten – ob es zu internationaler Klasse (nach Kicker-Maßstab) reichen wird, werden die nächsten 2-4 Jahre zeigen.

  3. Daniel
    Am 18. Juli 2011 um 09:04 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Aerts mag ein toller Mensch, ein großer Motivator, ein Führungsspieler sein. Kraft ist der bessere Torwart.

  4. dns
    Am 26. Juli 2011 um 13:19 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Zu dieser Überschrift fallen mir 2 Dinge ein.
    1. Der Kraft-Transfer rockt total. Meine Erwartungshaltung war zugegebenermaßen schon sehr gering in Anbetracht der Wirtschaftszwänge. Dann aber einen TW zu bekommen, der in der CL keine schlechten Eindruck machte, war schon sehr erfreulich.
    2. Ich denke der Blog-Titel-Untertitel „auch in der zweiten Liga erstklassig“ kann erstmal wieder in die Schublade gesteckt werden – und warum nicht glatt durch den Titel dieses Beitrags ersetzen? ;)

    • Felix Felix
      Am 26. Juli 2011 um 19:32 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Danke für den erneuten Hinweis! Den Untertitel habe ich jetzt angepasst.

      Gruß Felix

Ein Trackback

  • Von Wohin mit Ottl? | Hertha BSC Blog am 21. Juli 2011 um 19:07 Uhr veröffentlicht

    […] unserem zweiten Transfer aus München bin ich etwas ratlos. Babbel bezeichnete ihn als seinen absoluten Wunschkandidaten. […]