Mit Raffael gegen den HSV – oder etwa nicht?

Es gibt viel Diskussionsstoff zu Hertha BSC nach dem Katastrophen-Start gegen Nürnberg. Das meiste haben die Spieler selbst eingesehen. Vom Trainer war lediglich zu hören, dass das nicht seine Mannschaft gewesen wäre dort auf dem Platz, aber dass es mit Sicherheit nicht die Qualität sei, die fehle. Die Berliner Morgenpost berichtete gestern über die möglichen Abgangs-Gedanken von Rob Friend und Raffael, woraufhin sich Markus Babbel beeilte, den Brasilianer in höchsten Tönen für seinen Trainingseifer zu loben. Auch die Spieler legten nach und forderten und in Person von Christian Lell und Andre Mijatovic den Startelf-Einsatz für den Brasilianer. Nur zu Rob Friend hab ich noch nichts gehört. Ein Zeichen?

Egal, denn übermorgen ist erstmal wieder Bundesliga. Das ist ja das Schöne an einer Saison: Meist sind alle Diskussionen nach einem Spiel wieder hinfällig, auch wenn ich das als Fan kritischer Beobachter mit gesundem Hang zum Pessimismus in diesem Fall nicht glaube. Der Gegner heißt Hamburger SV und hat in der letzten Woche ähnlich wie Hertha eins auf die Mütze bekommen. Allerdings nicht von einem potentiellen Abstiegskandidaten (so die fast einhellige Pressemeinung über den 1. FC Nürnberg vor der Saison), sondern vom aktuellen Deutschen Meister aus Dortmund. Eine Einschätzung zum Spiel gegen Dortmund, zu den ehemaligen Herthanern beim HSV, dem neuen Hamburger bei Hertha und natürlich dem Spiel hat Samstag hat uns der Kollege Florian alias Nedfuller gegeben, der in seinem Blog sehr lesenswert, regelmäßig und akribisch über den HSV berichtet.

Hertha-Blog: Der HSV hatte die undankbare Aufgabe gleich im ersten Spiel auf die Übermacht des BVB zu treffen. Wie ist die Stimmung in Hamburg nach dem Spiel? Auch so desillusioniert wie in Berlin? Oder eher nach dem Motto: In Dortmund kann man schon mal verlieren?

Florian: Das letzte ist wohl sehr zutreffend. Desillusioniert wohl nicht, wir haben ja ein Tor geschossen ;-)
Die Stimmung in Hamburg? Naja, kommt darauf an, wen du fragst. Die Presse sieht schon schwärzer, als es die Verantwortlichen vom HSV tun. Die Fans waren in Dortmund weltklasse, keine Pfiffe sondern 90 Minuten Support. Ich selber sehe es nicht schwarz, sondern versuche was Positives aus dem Spiel zu ziehen: Dortmund war stärker, aber wir sind nicht untergegangen, haben dagegen gehalten und sogar ein Tor geschossen.

Hertha-Blog: In Dortmund spielten auch die beiden ehemaligen Herthaner Gojko Kacar und Jaroslav Drobny von Anfang an. Wie haben Sie sich seit ihrer Ankunft in Hamburg gemacht? Haben sich die Wechsel deiner Meinung nach gelohnt?

Florian: Von Kacar hätte ich mir mehr erwartet. Allerdings wurde sein Talent in der Innenverteidigung verschwendet und im ersten Spiel der Bundesliga hatte er eher defensive Aufgaben zu verrichten (was er leidlich hinbekommen hat). Drobny ist ein guter Bundesligatorwart. Wir gehen also kein Risiko mit ihm zwischen den Pfosten ein. Also einmal ein Jein (Kacar), einmal ein Ja (Drobny) auf die Frage, ob sich der Transfer gelohnt hat.

Hertha-Blog: Mit Tunay Torun wechselte ein HSV-Spieler vor der Saison nach Berlin. Was hast du gedacht, als du vom Wechsel gehört hast? Und glaubst du, dass er Hertha auf lange Sicht (besser) helfen kann (als dem HSV)?

Florian: Ich habe zuerst gedacht: Schade, ein Hamburger Jung weg. Allerdings war seine Gehaltsforderung anscheinend sehr hoch (man munkelte 1,5 Mio per annum) und für einen Ergänzungsspieler wollten wir ja nun nicht mehr so viel Geld ausgeben. Ob er euch helfen kann? Er ist ein schneller Aussenspieler, seinen Schuß kann man nicht verachten. Leistungsträger wird er wohl nicht werden, aber immer mal wieder reingeworfen werden, das bekommt er hin.

Hertha-Blog: Am Samstag kommt es zum direkten Duell zwischen Dino und alter Dame: Meinst du, wir können uns auf ein entsprechendes Spieltempo einstellen? Die Auftaktspiele deuteten ja zumindest bei Hertha auf eine – allerdings nicht sehr erträgliche – neue Entdeckung der Langsamkeit hin…

Florian: Ich war eigentlich davon überzeugt, daß wir Geschwindigkeit gelernt haben. Die beiden Vorbereitungsspiele in dem merkwürdigem TelefonCup deuteten darauf hin. Oldenburg und auch Dortmund haben dann aber gezeigt, daß wir noch nicht unbedingt so weit sind, wenn es ernst wird. Hertha wird auf Konter setzen, also könnte es gut sein, daß ihr ein wenig schneller laufen werdet, als gegen den Club. Wir wollen und werden das Spiel machen, also gehe ich davon aus, auch wir werden schneller spielen.

Hertha-Blog: Uns kannst du es ja sagen: Was ist die große Schwachstelle des HSV, durch die es Hertha gelingen könnte, in Hamburg zu gewinnen?

Florian: Schwachstellen? Wir? Keine!  (Meinst du ich erzähle hier Betriebsgeheimnisse? Die Trainer lesen doch bestimmt mit!)

Hertha-Blog: Dein Tipp?

Florian: Wir gewinnen. 3:0. Und Patrick Ebert bekommt eine rote Karte.

Klare Meinung also aus Hamburg: Wir werden auch nach dem Spiel dort noch viel zu diskutieren haben. Wenn man sich an die vergangene Saison erinnert, hat Hertha auswärts oft bessere Spiele gemacht, als zu Hause. Die drängendste Frage wird sein: Lässt Babbel Raffael draußen – wie auswärts wegen der grundsätzlich defensiveren Ausrichtung in der letzten Saison häufig praktiziert? Oder bringt er den Brasilianer – und beugt sich damit dem Druck der Medien und auch eines Teils der Mannschaft?

Ich glaube fast, dass Raffael am Samstag um 15.30 Uhr wieder ein weiches Polster unter dem Arsch haben wird…

Und ihr?

This entry was posted in Hertha BSC and tagged , , , , , , , . Bookmark the permalink. Both comments and trackbacks are currently closed.
  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

    Ich würde mich freuen, deine Meinung zum Artikel zu erfahren. Schreib doch einen Kommentar und diskutiere mit!

    Und bleib auf dem Laufenden: Abonniere neue Beiträge des Hertha BSC Blogs (RSS-Feed / E-Mail)

11 Kommentare

  1. Am 11. August 2011 um 11:09 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Raffael muss spielen ! Ottl/Niemeyer, Ebert oder Torun müssen raus. Ramos sollte wieder auf links gehen und Raffael als hängender Stürmer spielen. Und Hamburg – Hertha 3:0 ??? Never !!! Hertha gewinnt 3:1, gewagter Tipp, aber ich denke das Ding geht klar an uns ! LG

  2. Am 11. August 2011 um 11:21 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich sag das mal jetzt als persönliche Meinung und nicht als Repräsentant des FCN: Ich glaube, dass die Hertha einfach den Club (wie schon die viel zitierten Pressemeinungen) vollkommen zu Unrecht und aus einer gewissen Arroganz heraus unterschätzt hat. Das sollte sich korrigieren lassen, denn bereits im nächsten Spiel wird die Hertha wohl kaum mehr glauben, dass man jetzt einfach so weiter machen kann wie in Liga 2. Ich traue da Babbel und dem Team durchaus zu, sich zu fangen und am Ende nicht abzusteigen. Beim HSV hab ich aber meine großen Bedenken. Es war nicht allein der Gegner Dortmund, es war der HSV, der genau die Anzeichen zeigt, die wir unter MO schon beim Club sahen. Kommt man ins Laufen, sieht das nett aus, aber stottert der Motor, geht es gleich so richtig in die Binsen.

    • Daniel
      Am 11. August 2011 um 11:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

      WENN das so war, ist das ein Armutszeugnis für alle, Trainer und Spieler.

      Dagegen spricht, dass man das zur Halbzeit mit einer entsprechenden Einstellungs-Änderung hätte korrigieren können. Was nicht der Fall war.

  3. Klaus
    Am 11. August 2011 um 11:34 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Nach den Eindrücken vom Nürnbergspiel gehört Raffael absolut ins Team. Erst mit ihm war eine kritische Masse an ballsicheren Offensivspielern erreicht, die den Ball auch mal sinnvoll in Strafraumnähe kommen ließ.

  4. Am 11. August 2011 um 11:35 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Dazu gehört aber auch der Gegner. Und ich finde – im Übrigen auch sehr kontrovers von Clubfans diskutiert – dass die Nürnberger Mannschaft einfach auch einen super Tag erwischt hat in Bezug auf „Spiel gegen den Ball“.

    • Daniel
      Am 11. August 2011 um 11:40 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Keine Frage, dass eure Truppe überragend gegen den Ball gearbeitet hat, ständig in Bewegung war und unsere Abwehrspieler schon kurz vor dem eigenen Strafraum angelaufen hat. Aber das ist ja nichts Neues, wer die Spiele des Clubs in der letzten Saison gesehen hat, der weiß, dass sie defensiv hervorragend eingestellt sind. Aber dafür gibt es ja Videoanalysen, damit man eine Taktik findet, da durch zu kommen. Und die heißt nicht (und sollte nie heißen): Lang nach vorne.

  5. Am 11. August 2011 um 11:56 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hoch und lang und Wollscheid köpft raus… Das war ein Graus. Original wie 2009 mit Artur und Gekas !! Ich glaube Franz wurde von Babbel noch nicht gebrieft bzw. hat noch nicht ganz kapiert, dass Hertha nicht wie Eintracht Frankfurt auf gut Glück spielen will und einfach hofft der Grieche kommt vorne irgendwie an den Ball, weil der wie bei Bayern gegen Gladbach irgendwie unberechnbar aufkommt. Wollscheid hatte übrigens 90 % gewonnene Zweikämpfe…

    • Daniel
      Am 11. August 2011 um 11:59 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Joa, Franz ist zumindest ab und zu mal mit Ball nach vorne gesprintet – im Gegensatz zu Mijatovic und Kobiashvili, deren einziges Mittel in der Not der lange Ball war. Im Vergleich zu den beiden kannst du Franz fast schon als variantenreich bezeichnen ;)

  6. Am 11. August 2011 um 12:05 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Stimmt, ich erinner mich dunkel, dass der mal in Richtung Mittellinie gegangen ist. Was ich auch erschreckend fand, ist wie wenig sich die Spieler zugetraut haben. Keiner hat ein Dribbling gegen den Gegenspieler gewagt oder ähnliches. Kam ein Nürnberg nur in Sichtweite wurde sofort quer oder nach hinten gespielt. Das hätte ich eher gegen Real erwartet. Dort haben die sich aber mal getraut gegen die „Stars“ ein Dribbling anzusetzen und mit Tempo zu kombinieren. Also ich verstehe es einfach nicht, wie man vor Nürnberg Angst haben kann, trotz der guten Defensivleistung des Clubs.

  7. Enno Enno
    Am 11. August 2011 um 12:30 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Danke für das Interview! Ich bin schon gespannt auf das Spiel, das ich mir gemeinsam mit meinem Vater (einem HSV-Fan) anschauen werde. Ich befürchte allerdings, dass es eher so die Kategorie „Pest gegen Cholera“ werden wird… Es sei denn, der HSV hat über die Woche auf einmal ein ganz anderes Spielsystem…

  8. Daniel
    Am 11. August 2011 um 16:56 Uhr veröffentlicht | Permalink

    EILMELDUNG: Babbel ändert Traktik grundlegend: „Wir müssen als Mannschaft präsent sein und jeder muss an seine Grenzen gehen. Dann, aber nur dann, haben wir eine gute Chance beim HSV.“

    ;)

    Quelle: http://www.bz-berlin.de/sport/hertha-bsc/der-tag-bei-hertha-article1246092.html#bzRSS

  • Hey, was geht ab?

    Drei Berliner kommentieren ihre Erlebnisse als Herthaner in Dortmund, Bielefeld/Bremen und Berlin. Polyvalent, kritisch - Hertha! Folglich kommen wir über das geschriebene Wort ins Spiel. Ein Thema, drei Perspektiven und nur manchmal einer Meinung. Mehr...
  • Twitter

  • Facebook, Twitter, Newsletter

    Du bist bei Facebook? Werde gemeinsam mit anderen ein Fan des Hertha-Blogs!
  • Mobile Version

    m.hertha-blog.de, optimiert für mobile Endgeräte!
  • Letzte Kommentare

    • Zu: Impressum (4)
      • Gucci Outlet: Placed a time restricted about tunes. Such as a obvious it’s essentially a small monopoly where...
    • Zu: Datenschutzerklärung (1)
      • Cheap Gucci: Experts may anticipate less expensive costs intended for cellular phone servicesBy LEONG PUT YEE
    • Zu: Kontakt (3)
      • Gucci Outlet: Fran I think it is best to promise the right to help tunes like the to certainly medical care and we...
      • cheap jerseys: our LG R400 can easily detect our wi-fi compatability yet cannot link up… even if i actually...
    • Zu: Blogroll (2)
      • cheap jerseys: Excellent just one. not a soul says these type of „Apple ipad tablet Lacks“ info. however...
    • Zu: Ach, Hertha (1)
      • : Ja, Dezember.. Mein beseelter Kommentar bei HerthaUnser während des Nürnbergspiels (beim Stand von 0-0):...
    • Zu: Chancenlos durch die Nacht (5)
      • o.ja: „hat einen herausragenden BVB gesehen, der einen Klassenunterschied präsentierte, der auf dem Papier...
  • Letzte Artikel