Neujahrsansprache


Liebe Herthanerinnen und Herthaner, ich wünsche Ihnen und Ihren Familien für das neue Jahr 2010 Gesundheit und Zufriedenheit. Zum ersten Mal darf ich Ihnen diesen Wunsch an einem Silvesterabend von dieser Stelle aus übermitteln. Doch heute ist für mich kein Silvesterabend wie jeder andere. Unsere Hertha ist Letzter.

Es ist wahr: Noch haben wir nicht alle Herausforderungen einer stabilen Abwehr bewältigt. Aber wahr ist auch: Es war die Kraft der Freiheit, die Dieter Hoeneß zu Fall gebracht hat. Und es ist diese Kraft der Freiheit, die uns heute Mut für das neue Jahr und das nächste Jahrzehnt machen kann. Sie trägt uns gerade auch bei den Aufgaben, die uns im neuen Jahr viel abverlangen. So denke ich in dieser Stunde ausdrücklich zuerst an die vielen freiwilligen Helfer, an die Fans und an die Blogger, die teils fern ab vom gewohnten Erfolg ihren Dienst tun müssen. Sie tun ihren Dienst an vielen Orten der Welt unter Einsatz ihres Lebens, ganz besonders in Neukölln. Hertha BSC weiß um die Härte und die Gefährlichkeit ihres Auftrages. Aber dieser Auftrag unserer Fans und Supporter, er ist und bleibt ein für uns alle bedeutender: Sicherheit und Stabilität in der Abwehr so zu schaffen, dass von dort nie wieder Gefahr für unseren Erfolg und unser Wohlergehen ausgeht. Das ist der Auftrag.

Für die offensive Spielanlage müssen und werden wir die Bedingungen schaffen, damit die Verantwortung in den nächsten Jahren Schritt für Schritt an neue Spielmacher übergeben werden kann. Genau dazu diente die Mitgliederversammlung im November. Liebe Herthanerinnen und Herthaner, ja, dies ist kein Silvester wie jedes andere. Es beginnt ein neues Jahrzehnt, in dem sich vieles für unseren Verein entscheiden wird. Es wird sich entscheiden, wie wir Erfolg und Spielkultur in einer Welt schützen, die Wettbetrug, Gewalt und Doping nicht völlig zu bannen vermag; wie wir die schwerste sportliche Krise in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland überwinden und in Verantwortung für die nächsten Generationen die Punktekrise meistern; wie wir als Verein nach Zahlen zwar immer weiter wachsen, aber das Image der grauen Maus ablegen; wie wir unseren Erfolg erhalten, indem wir unsere Spielphilosophie leben.

Das vergangene Jahr stand im Zeichen der größten sportlichen Krise unserer Zeit. 2010 wird sich entscheiden, wie wir aus dieser Krise herauskommen. Ich sage es sehr offen: Wir können nicht erwarten, dass der sportliche Einbruch schnell wieder vorbei ist. Manches wird gerade im neuen Jahr erst noch schwieriger, bevor es wieder besser werden kann. Aber wir können mit guten Gründen hoffen, dass Hertha BSC diese Krise meistern wird; dass unser Verein stärker aus ihr hervorgehen wird, als er in sie hinein gegangen ist; dass sich eine solche Krise nie mehr wiederholt.

Dazu müssen und werden wir weiter entschieden daran arbeiten, neue Regeln auf den Transfermärkten einzuführen, die das Zusammenballen von Maßlosigkeit und Verantwortungslosigkeit in Zukunft rechtzeitig verhindern. Dazu müssen und werden Abwehr und Angriff sich in den kommenden Monaten vor allem um die Sicherung des Klassenerhalts kümmern; dabei vor allem auch um ausreichende Kredite für unsere Transfers, insbesondere für das Mittelfeld. Dazu müssen und werden wir alles tun, um Punkte zu erzielen. Denn wir wollen mit mehr Punkten klug aus der Krise kommen. Die sportliche Krise darf aber keinesfalls als Ausrede dafür dienen, andere Herausforderungen des Vereins in den Hintergrund zu drängen.

Im Gegenteil, die Liga muss zeigen, dass sie ihre Lektion umfassend gelernt hat. Hertha BSC und Meisterschaft sind keine Gegensätze, sie bedingen einander – mehr denn je. Davon dürfen wir uns auch durch Rückschläge wie gegen Freiburg und Hoffenheim nicht beirren lassen. In Heerenveen haben wir guten Willen und Bereitschaft zum Handeln erlebt, aber leider eben auch viel Zögern und Eigensinn. Sich davon entmutigen zu lassen, das wäre denkbar falsch. Hertha BSC wird das nicht tun. Hertha bietet an, über die in Europa vereinbarten Gehaltsobergrenzen noch hinauszugehen. Hertha stellt Mittel für die Entwicklung junger Spieler bereit, die eine Unterstützung auf dem Weg zum Profisport brauchen. Hertha BSC wird weiter dafür werben, dass Liga-Probleme nur gemeinsam gelöst werden können. Vor allem aber wird Hertha BSC seine eigene Wirtschaftsweise mit ganzer Kraft hin zu mehr Nachhaltigkeit umbauen.

Wir alle können uns fragen, wie wir langfristiger denken können – in der Spieltaktik, bei den Finanzen, in der Transferpolitk, nicht zuletzt aber auch, indem wir noch mehr in die tollen Blogs investieren. Gelingen wird dieser Umbau zu mehr Nachhaltigkeit, wenn wir uns gleichzeitig weiter um eines kümmern: Darum, dass der gute Geist des Zusammenhalts, den ich in diesem Jahr der Krise so oft erlebt habe, auch im kommenden Jahr erhalten bleibt, dass die Erfahrung des Miteinanders von Starken und Schwachen, Jungen und Alten, Ost und West, Einheimischen und Exil-Herthanern uns auch im kommenden Jahr trägt.

Liebe Herthanerinnen und Herthaner, es gibt schon jetzt viele Ereignisse, auf die wir uns im kommenden Jahr freuen können: auf die Fußballweltmeisterschaft, auf die Partien in der Europa-Liga, auf den Klassenerhalt. Die Kraft der Freiheit und die Erfahrung des Miteinanders, 117 Jahre Hertha BSC und 12 Jahre erste Liga – das zeigt: Unser Verein hat schon ganz andere Herausforderungen bewältigt. Deshalb können wir auch die Herausforderungen dieser Spielzeit meistern. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und Ihren Familien ein erfülltes, ein glückliches und ein gesegnetes Jahr 2010.

Herzlichst, ihre Bundesherthanerin Dr. Rangel Erkela.

Foto: M Kuhn
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    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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3 Kommentare

  1. Am 1. Januar 2010 um 11:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Bravo – eine richtig gute Idee und eine sehr unterhaltsame Umsetzung :-) Hoffentlich sieht es für Deutschland nicht genauso düster aus wie für unsere Hertha. Wenn die Hertha-Verantwortlichen jetzt viele richtige Entscheidungen treffen, steigen wir diese Saison vielleicht nicht mal ab. Ob die Bundeskanzlerin einen drohenden Abstieg Deutschlands in die 2. Liga verhindern kann, man wird sehen. Ein Wiederaufstieg Deutschlands wird in jedem Fall schwieriger, als ein Wiederaufstieg Herthas.

  2. Daniel
    Am 1. Januar 2010 um 17:25 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Stark! Frau Erkela hält ihre Rede extra für uns – wer kann das schon von sich behaupten ;)

    Ich hoffe nur, dass sich die Spieler an ihren Worten orientieren.

  3. Am 1. Januar 2010 um 18:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

    ROFL – Und viel passender als das Original!

Ein Trackback

  • Von DailySoccer 02/01/2010 | Spielfeldrand - Das Magazin am 2. Januar 2010 um 18:33 Uhr veröffentlicht

    […] Neujahrsansprache Aber dieser Auftrag unserer Fans und Supporter, er ist und bleibt ein für uns alle bedeutender: Sicherheit und Stabilität in der Abwehr so zu schaffen, dass von dort nie wieder Gefahr für unseren Erfolg und unser Wohlergehen ausgeht. Das ist der Auftrag. […]