Orientierungsprobleme

Ich bin etwas durcheinander gekommen in den letzten Tagen. Seltsam. Ein paar Tage weg vom fußballerischen Alltagsgeschehen und schon ist es passiert: Ich erwische mich dabei, Friedhelm Funkel für den Frankfurter Trainer zu halten. Nur ganz kurz. Dann gibt es einen kurzen, aber schmerzhaften Stich. Und schon weiß ich es wieder besser: Funkel. Ist. Jetzt. Bei. Hertha. A.b.s.t.i.e.g.s.k.a.m.p.f!

Entschuldigung. Alles nicht so leicht derzeit.

Kleinere Orientierungsprobleme dürften aber auch bei Anhängern anderer Bundesligisten derzeit auftreten und ihnen das Leben schwer machen. Die Winterpause ist einfach zu kurz. Und einige Clubs wagen die ganz große Rochade. Gekas von Leverkusen und Kobiashvili von Schalke zu Hertha. Ottl und Breno von den Bayern zu den Franken. Kluge landet nach zig Stationen nun auf Schalke, wo sich auch noch Baumjohann einfindet. Kurz nach der Wiedervereinigung mit Schmadtke sitzt Hecking nun in Nürnberg. Wer trainiert noch mal den HSV?

Wer blickt da noch durch? Alles eine Suppe…

Zurück zu Hertha (und Funkel!). Zurück zum Abstiegskampf (zu Stein!). Zurück zum Alltag (Mallorca!). Daniel bleibt zwar optimistisch und nimmt’s humorvoll, aber eigentlich glauben doch schon alle, dass Hertha definitiv abgestiegen ist. Mal im Ernst: Es wäre doch schon ziemlich naiv, an den Klassenerhalt zu glauben. Gekas, Kobi und Hubi. Das klingt nach Teletubbies, nicht nach Abstiegskampf. Aber dieses bundesweite Fast-schon-abgestiegen-Sein auch etwas Gutes.

Man kann sich ganz entspannt zurück lehnen.

Was soll man auch schon erwarten? Auf Wunder kann man sich schließlich nicht verlassen. Ganz im Gegenteil: Man muss sich dem Schicksal fügen. Ich tue das. Und mich befreit das vom schier unmenschlichen Druck, den ich als armer, bemitleidenswerter Fan mitten im Abstiegskampf meines Vereins tagtäglich ertragen muss. Ich lasse das alles hinter mir. Frei. Alles abgestreift. Was sind schon Zahlen? Tabellenstände? Tordifferenzen?

Nichts als Schall und Rauch…

Und dann kommt’s! Hertha wird wieder einen Lauf haben. Die Mannschaft wird vielleicht keinen schönen, aber erfolgreichen Fußball spielen. Sie wird die entscheidenden Tore schießen, als hätte sie schon immer so selbstverständlich die Punkte mit nach hause genommen. Das Olympiastadion ausverkauft, ein riesiger Partykessel. Gekas, Raffael, Kacar werden die Lieblinge – nicht nur bei den Berliner Fans. Endlich wieder anerkenndes Kopfnicken, wenn ich mit meinem Hertha-Trikot in die Kneipe gehe! Und im wichtigen Spiel gegen Frankfurt macht deren Trainer einen entscheidenden Fehler: Friedhelm Fu – – – !! – – –

Aua!! Verdammt!

Mann, tut das weh! Immer dieser stechende Schmerz, wenn man mal kurz in Gedanken ist und sich nur für ein paar Minuten gehen lässt. Es bleibt einem aber auch gar keine Ruhe vor der Realität… Und Herr Gott, nochmal! Friedhelm Funkel ist nun Trainer bei Hertha BSC! Will das denn endlich mal in meinen Kopf hinein? Also nochmal: Funkel. Ist. Jetzt. Bei. Hertha. A.b.s.t.i.e.g.s.k.a.m.p.f!

Entschuldigung. Wo war ich stehen geblieben?

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  • Wer hat das geschrieben?

    Mein Name ist Enno: im Jahre 1982 geborener Berliner, Exil-Herthaner in Bielefeld und Bremen. Seit 2006 schreibe ich im Internet über Hertha BSC. (→mehr)

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10 Kommentare

  1. dns
    Am 4. Januar 2010 um 21:21 Uhr veröffentlicht | Permalink

    :p Einen Arzt bitte. Ist denn hier kein Arzt? Der junge Mann scheint übel mitgenommen. Schnell, ein Arzt!

    ;) Tapfer bleiben Enno. Die zweite Loiga ist die stärkste, die es gibt, heißt es in der Werbung. Das ist doch was.

  2. Thomas
    Am 4. Januar 2010 um 21:29 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Hallo Enno,

    nehmen wir mal an, dass nichts mehr zu retten ist. Nehmen wir mal an, dass Hertha wirklich absteigt. Was machst du dann? Bloggst du dann weiter?

    • Enno Enno
      Am 4. Januar 2010 um 21:56 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Ja, ich glaube, dass mein Vertrag auch für die zweite Liga gilt. Da muss ich aber noch mal meinen Berater fragen…

      • Thomas
        Am 4. Januar 2010 um 23:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Na, wenigstens schon mal ein Lichtblick für das neue Jahr -hoffe nur, dass nich noch der Berater easy dazwischen funkt, damit es mit dem Blog hier weitergehen kann

  3. Felix Felix
    Am 5. Januar 2010 um 09:23 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Tja vielleicht wirds in diesem Frühjahr für unsere Hertha wirklich Zeit für Telebubbie winke, winke in Liga 1.

    Aber irgendwie klingt mir das alles zu endgültig. Alles is noch drin (mehr oder weniger)!

  4. Herthana
    Am 5. Januar 2010 um 11:18 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Enno, du hast es geschafft meiner Gefühlslage einen Namen zu geben. Orientierungslos.
    Vor sieben Monaten noch nach jedem Spiel die Heiserkeit im Hals – ausgelöst durch euphorische „Spitzenreiter, Spitzenreiter…“ und „Hey das geht ab“ Gesänge. Und nun nach jedem Strohhalm greifend – Frankfurt hat es immerhin mal geschafft zehn Punkte in der Rückrunde aufzuholen…
    2003/2004 waren wir auch letzter und haben es noch gepackt…
    Die zweite Liga wäre natürlich ganz großer Mist, aber ich komme aus meinem Vertrag nicht mehr raus.

  5. Kathy
    Am 5. Januar 2010 um 23:51 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich würde mich in dieser Situation nicht als orientierungslos bezeichnen, aber es ist ein großer Zwiespalt.

    Die eine Gehirnhälfte leugnet: „NEIN! Nein, nein, nein! Wir steigen nicht ab. Wie denn auch? Geht gar nicht. Nein. Ein Abstieg kommt nicht infrage.“

    Die andere Hälfte hat schon resigniert, neigt in dieser depressiven Stimmung aber zur Aggressivität: „Dann steigen wir halt ab! Na und?!?! Hey, super, zweite Liga, TOLL!!“

    Wenn beides in der Zentrale zusammenkommt, hört sich das dann so an: „Verdammt, wir dürfen nicht absteigen! Das wäre das Ende… Aber es macht ja nichts, dann eben zweite Liga, passt scho… Oh Gott, bitte nicht!“

    Bei Gesprächspartnern geht das dann im Endeffekt wahrscheinlich doch als Orientierungslosigkeit durch. Es ist furchtbar.
    Aber noch Ende dieses Monats werden wir erlöst sein. Dann gibt es entweder wieder ernsthafte Hoffnung, oder es ist besiegelt.
    Kann grad jemand die Zeit vordrehen?

    • Herthana
      Am 7. Januar 2010 um 16:41 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Die momentane Gefühlslage hast du sehr schön ausgedrückt !! Meine Gehirnhälften verhalten sich im Moment genauso.
      Mir fehlen zur Zeit oft die richtigen Worte und da fand ich orientierungslos erstmal ganz passend. Nach zwölf Jahren erste Liga braucht man ein bisschen Zeit um sich an den Abstiegskrampf zu gewöhnen.
      Ich genieße gerade die Pause und habe etwas Angst vor der bevorstehenden nervenaufreibenden Zeit…wo werden wir am 34. Spieltag stehen ??
      Ende Januar ist es entweder gelaufen oder es wird noch ein langer Weg werden, vielleicht sogar mit dem Relegationsspiel am Ende…mir wird jetzt schon ganz schummerig bei dem Gedanken…

  6. Sascha
    Am 6. Januar 2010 um 09:11 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich glaube dieses zwiegespaltene Gefühl hat jeder „normale“ Hertha-Fan zur Zeit. Realismus und Hoffnung treten sich gegenseitig in den Allerwertesten, da der Spruch „die Hoffnung stirbt zuletzt“ einfach im Herzen verankert ist!

    • Kathy
      Am 6. Januar 2010 um 10:49 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Sehr schön, das zu hören.
      Ich befinde mich jetzt zum ersten Mal in dieser Situation und fürchtete schon, Ennos Arzt müsste auch mal nach mir schauen! ;-)

Ein Trackback

  • Von Abstiegskampfquotient | Hertha BSC Blog am 7. Januar 2010 um 21:38 Uhr veröffentlicht

    […] Hertha BSC absteigen? Diese Frage treibt uns um, macht uns ganz verrückt und bereitet dem ein oder anderen schlaflose Nächte. Eine endgültige Antwort werden wir wohl erst […]