Ottos unaussprechliche Glücksgriffe

Und dann ist es plötzlich wirklich passiert. Hertha BSC hat mal wieder ein Fußballspiel gewonnen. 17.23 Uhr an einem Samstag im März. Der berühmt-berüchtigte Bann scheint gebrochen. Durch einen 1:0-Erfolg gegen Werder Bremen. Dass der FC Augsburg in Hannover doch noch den Ausgleich erzielt hat, dass Freiburg zu Hause gegen Schalke gewinnt – in diesem Moment völlig egal. Ein Tor, ein Sieg, drei Punkte.

Otto Rehhagel hatte nach der 0:3-Pleite in Augsburg einiges verändert. Womöglich hatte er der Stammmannschaft zunächst einmal die Chance geben wollen, den Karren selbst aus dem Dreck zu ziehen. Doch nach dem Debakel in der Vorwoche griff Rehhagel durch. Patrick Ebert flog aus dem Kader, Andre Mijatovic aus der Mannschaft. Für Ebert spielte gegen Bremen Nikita Rukavytsya, für Mijatovic rückte Christoph Janker in die Innenverteidigung, während der wiedergenesene Christian Lell auf die rechte Verteidigerseite rückte. Vorne war Adrian Ramos wieder einzige Spitze, Lasogga blieb auf der Bank, links begann Tunay Torun. Und auf der Sechser-Position neben Levan Kobiashvili rückte – Überraschung – Fanol Perdedaj.

Die Maßnahme, den 20-Jährigen, für den gesperrten Peter Niemeyer ins kalte Wasser zu werfen, erwies sich als Glücksgriff. Mit seiner schnellen Auffassungsgabe und seiner Aggressivität war er nicht nur Vertreter von Niemeyer, sondern dürfte nach diesem Spiel eine ernste Alternative darstellen. Denn trotz der ohne Frage größeren Erfahrung von Niemeyer und dem gegen Köln nächste Woche wieder zurückkehrenden Ottl, ist Perdedaj, den Rehhagel selbst „Paradise“ nennt, weil er Probleme mit der Aussprache hat, ein erfrischend schneller Spieler und eben nicht so behäbig wie die anderen Sechser (inklusive Kobiashvili).

Es blieb nicht die einzige Maßnahme von Otto Rehhagel, die sich als Glücksgriff erwies. Auch der andere Unaussprechliche, Nikita Rukavytsya, lief sich zwar ein ums andere Mal in den Bremer Füßen fest, wirkte aber in jeder einzelnen Szene gefährlicher als der schon seit Wochen neben sich stehende Ebert. Folgerichtig erzielte er das spielentscheidende Tor – mit links und von der rechten Seite aus. Endlich, möchte man sagen, hat er seine Chance mal genutzt.

Die Mannschaft hat den Kopf durch den 1:0-Erfolg noch einmal aus der Schlinge gezogen. Hätte sie auch gegen Bremen verloren, wäre sie nach den Ergebnissen von Samstag Tabellenvorletzter. So aber findet sich Hertha nach dem ersten Erfolg seit dem 3:2-Sieg in Wolfsburg – die Älteren werden sich erinnern – auf dem Platz wieder, der am Ende das Ziel sein wird. Am Sonntag kann Markus Babbel „seinen Jungs“ noch einmal helfen und mit seinen neuen Jungs aus Hoffenheim den 1. FC Köln schlagen, damit Hertha in der kommenden Woche die Möglichkeit hat, am FC vorbeizuziehen.

Bis dahin muss Rehhagel weiter an der Rettung von Hertha arbeiten – und fängt am besten damit an, Raffael daran zu erinnern, dass er einer der wichtigsten Spieler für diese Mannschaft ist. Denn von den „paar Zweikämpfen“ die der Brasilianer laut Sky-Kommentator in der Defensive gewonnen haben soll, habe ich genau einen gesehen, als es bereits 1:0 stand. Davor hat Raffael meiner Meinung nach nichts, aber auch gar nichts dazu beigetragen, dass Hertha den Platz als Sieger verlässt. Er hat Zweikämpfe verloren, Fehlpässe gespielt und Freistöße völlig ideenlos zum Gegner geschlagen.

Aber das ist dann auch das Einzige, worüber ich mich am Samstag aufgeregt habe. Ansonsten freue ich mich jetzt schon darauf, am Montag im Büro endlich mal wieder ohne mitleidige Blicke der Kollegen auszukommen – und mit einem guten Gefühl in die neue Woche zu starten!

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    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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11 Kommentare

  1. tztz
    Am 3. März 2012 um 19:28 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Kobi und Perdedaij waren klasse und endlich haben die Mannschaft gekämpft – weiter so

  2. Felix Felix
    Am 3. März 2012 um 19:46 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Kobiashvili im DM gefällt mir ganz gut. Ingesamt war die Abwehr aber schon ziemlich porös und es ist der Ideenlosigkeit der Bremer zu verdanken, dass drei Punkte eingefahren werden konnten. Ein wenig Lethargie und vielleicht auch Arroganz schien ebenfalls im Bremer Spiel gewesen zu sein. Bestes Beispiel ist wohl ein Freistoß 20 Meter vor dem Tor (ca. in der 80. Minute), der abgewehrt wird, weil der Ball nach dem antippen „irgendwie liegenbleibt“.

    Unterm Strich war die Mannschaftsleistung der Hertha dieses Spiel deutlich besser als gegen Augsburg (schlechter geht es ja auch kaum), aber auch um einiges schlechter als vor zwei Wochen bei der Niederlage gegen den BVB. Offensive und Defensive waren insbesondere im zweiten Durchgang häufig zu weit voneinander entfernt und es mangelte daran den Ballführenden Spieler agressiv anzugehen. Glück, dass Werder es immer wieder ohne viel Kreativität mit dem Ball durch die Mitte versuchte. Somit reichen dann zwei Torchancen zu einem Sieg, der zwar nicht besonders schön war, aber eine Trendwende einleiten könnte.

    0 Punkte auf Freiburg gutgemacht, aber dafür jeweils zwei auf Kaiserslautern und Augsburg. Wenn Köln morgen patzt, dann ist Platz 14 aus eigener Kraft am nächsten Wochenende erreichbar. Hoffentlich ist jetzt endlich der Knoten geplatzt und dieser Sieg sorgt für das nötige Selbstvertrauen schwerere Prüfungen als die heutige zu bestehen. Sie werden auf jeden Fall kommen, denn Werder hat sich heute ja nicht gerade mit Ruhm bekleckert.

  3. Halblinks
    Am 4. März 2012 um 10:21 Uhr veröffentlicht | Permalink

    für Perde freut es mich ganz besonders. Er hatte seine Chance schlichtweg verdient und hat sie genutzt. Bin mal gespannt, was passiert, wenn nächste Woche der Lahmarsch mit der Stammplatzgarantie wieder eingesetzt werden muß!

  4. Enno Enno
    Am 4. März 2012 um 11:22 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich weiß nicht. Mir scheint, dass Hertha mehr Glück als Verstand hatte bei diesem Spiel. Wirkliche Veränderungen habe ich nicht gesehen, außer halt, dass Perdedaij mehr Biss im defensiven Mittelfeld bringt, was zumindest für den Moment eine Bereicherung scheint. Aber auf lange Sicht braucht es da zumindest auch einen Schuss Kreativität… Ramos in der Spitze? Ja, aber wann überwindet der Junge endlich mal sein Phlegma? Mal schauen, ob Raffa noch die Kurve kriegt. Vermutlich spielt er kommende Saison in Gladbach. Alles andere wäre zumindest eine große Überraschung für mich.

  5. Analog Berliner
    Am 4. März 2012 um 13:38 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Perdedaj hab ich nicht so recht wahrgenommen, aber das mag bei einem 6er durchaus mal passieren. Ansonsten denke ich auch, dass das Spiel gestern nicht besser war als die gegen Hannover, Mönchengladbach und Dortmund – der Unterschied war, dass 1. endlich mal ein Ball reingegangen ist und 2. der Gegner vorne keinen Geistesblitz/Sonnatgsschuss hatte. Ansonsten sehe ich die (Heim-)Spiele schon ziemlich in einer Linie … spannend wird nun die Frage, ob endlich die gravierende Auswärtsschwäche 2012 (da eben nicht nur ergebnis-, sondern umfassend spielbezogen) überwunden werden kann. Ich erinnere mich an das 3:1 (in Hannover) in der Hans-Meyer-Rückrunde 2004 und das 3:0 in Köln in der Funkel-Rückrunde 2010 und hoffe auf Wiederholung!

  6. Daniel
    Am 4. März 2012 um 16:53 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Ich seh das vielleicht ein bisschen zu einfach, aber ich brauche keine Weiterentwicklung der Mannschaft im Moment. Was wir brauchen sind dreckige und schmutzige Punkte, die uns in der Liga halten. Wenn das durch ein ideenloses 1:0 gegen den Tabellensechsten passiert, bin ich damit hochzufrieden. Gegen Gladbach, Dortmund und Hannover war Hertha nicht schlechter – und verlor am Ende mit 0:1. Wenn Hertha in den nächsten drei Partien schlechter ist und trotzdem gewinnt, ist mir das in der jetzigen Situation deutlich lieber.

  7. herthawolf
    Am 4. März 2012 um 19:42 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Auch ich bin froh, endlich mal meine 11-Freunde-Tasse („Ich möchte nicht übers letzte Wochenende sprechen“) mal im Schrank lassen zu können!!
    Wenn Otto sie richtig einstellt, wird Köln nächstes Wochenende hinter uns sein!!!

  8. Faase
    Am 5. März 2012 um 12:49 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Gegen Hannover, Gladbach und Dortmund haben wir, im Rahmen unserer Möglichkeiten, gut gespielt und etwas unglücklich verloren.

    Gegen Bremen haben wir, im Rahmen unserer Möglichkeiten, gut gespielt und etwas glücklich gewonnen.

    Gegen Bayern werden wir ein bisschen mehr Glück brauchen, um etwas zählbares mitzunehmen – aber grundsätzlich sollte man mit diesen Leistungen die Klasse halten können.

    Auswärts haben wir dieses Jahr bislang leider nur abstiegsreife Leistungen gezeigt. Vielleicht schaffen wir in Köln endlich mal ein dreckiges 0:0 oder 1:1. Ansonsten bin ich (mal zur Abwechslung ;) mit Daniel. Wie die Punkte rankommen ist mir diese Saison sch****egal.

    HaHoHe!

    • Halblinks
      Am 5. März 2012 um 14:36 Uhr veröffentlicht | Permalink

      Hmm, Hertha hat zuhause 12 und auswärts 11 Punkte geholt. Immerhin zweimal WOB und DO konnte auswärts gewonnen werden.
      Da finde ich, dass man am Sonnabend schon mit dem Anspruch eines Auswärtssieges nach Köln fahren sollte. Zumal die ein direkter Konkurrent sind.

      • Faase
        Am 5. März 2012 um 15:39 Uhr veröffentlicht | Permalink

        Wir sind zuletzt Auswärts ausschließlich als Trümmertruppe aufgetreten. Ich wäre schonmal froh, wenn wir nicht wieder 3 Stück reinkriegen. Wolfsburg und Dortmund sind lange verjährt. Das Rezept lautet: Auswärts punkten und Heimspiele gewinnen.

        (Ich würde mich natürlich nicht beschweren, wenn wir einen Dreier aus Köln mitnehmen ;)

  9. IgorJoel
    Am 7. März 2012 um 09:34 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Genau der rechte Zeitpunkt die Auswärtsserie neu auszurichten.