Pokern mit Dino

Versuchen kann man es ja mal. Ronny und sein Berater tun es gerade. Sie sollen „Millionen“ im Austausch für einen neuen Vertrag fordern. Andererseits schieße der Brasilianer seine Freistöße eben in einem anderen Trikot ins Tor. Anfragen gebe es schließlich genug, sagt zumindest Dino Lamberti von der (Achtung!) „Fair Play Agency“, Ronnys Berater-Agentur.

Es ist jedes Mal dasselbe, wenn bei Profisportlern ein Vertrag ausläuft und es gehört zum nervigsten alles Begleiterscheinungen des Fußball-Geschäfts: Das „Pokern“ um einen Kontrakt. Spielerberater, die astronomische Summen fordern. Und Spieler, die sich von ihnen den Kopf verdrehen lassen. „Pokern mit Dino“ heißt das Spiel also in diesem Jahr.

Ronny ist dabei in einer guten Position, sagt nicht nur Lamberti sondern sogar Michael Preetz. Aber ist das wirklich so? Denn bevor Ronny nach Berlin kam, war er lediglich der Bruder eines talentierten Fußballers, der vor allem durch einen einzigen Freistoß Berühmtheit erlangte – den schnellsten je gemessenen. Hertha verpflichtete ihn damals, damit Raffael auch ein Zweitliga-Jahr emotional durchstehen würde. Er war Teil eines Deals, den möglicherweise sogar Dino Lamberti mit eingefädelt hat. Aber sonst?

In besagtem Zweitliga-Jahr wurde er oft nur eingewechselt, Torgefahr ging hauptsächlich von anderen Spielern aus, Ronny traf nur beim 3:1 in Bielefeld und beim 6:2-Schützenfest in Karlsruhe je einmal. Er war genau das, wofür er geholt wurde: Ein Begleiter seines Bruders. Zurück in der ersten Liga bestritt Ronny letztlich 15 Pflichtspiele, zwei davon in der Relegation gegen Düsseldorf. Da hatte er die Kurve schon langsam bekommen.

Seine Leistung explodierte erst, als sein Bruder dem Ruf des Geldes nach Kiew folgte. In der zweiten Liga, unter Jos Luhukay. Plötzlich jubelten ihm die Fans in Berlin zu, das schlampige Genie erhielt endlich einmal die Anerkennung, die er sich so sehr wünschte und zuletzt nur mit Abstrichen in Portugal und seiner Heimat Brasilien erhalten hatte. Dort war er ja vor allem eine Verheißung gewesen. Was man bei seiner Statur, seinem Auftreten und seinem Aussehen ja immer mal wieder vergisst: Der Mann ist Jahrgang 86.

Im Idealfall ist da leistungstechnisch also sogar noch Luft nach oben. Die Frage ist: Echt? Wann? Und am Ende natürlich: Wo?  Die Antworten kann (und sollte!) nur Ronny selbst geben. Denn ob er sich weiterentwickelt und wann, entscheidet er mit seinem Einsatz in der täglichen Trainingsarbeit sowie mit der Wahl seines Lebensstils in Zeiten des Erfolgs. Die Frage nach dem „Wo“ hängt aber natürlich mit den ersten beiden zusammen. Denn Ronny kann noch so gut trainieren. Wenn er das Vertrauen des Trainers nicht hat, ist er so wertvoll wie ein Flughafen ohne Betriebserlaubnis. Dieses Vertrauen können ihm in Verhandlungen viele Vereine anbieten – fühlen wird es nur in Berlin, weil er es dort bereits besitzt.

Zumal es ja nicht so ist, dass ein Ronny in Top-Form nicht auch noch in zwei Jahren zu einem Top-Klub wechseln könnte, wenn er sich denn tatsächlich auch in der ersten Liga als Top-Scorer gezeigt hat. Wie gesagt, er wird im Mai erst 27.

Die kommenden Wochen werden anstrengend sein für Michael Preetz, für uns Fans und wahrscheinlich auch ein bisschen für Ronny. Denn mit fortschreitender Phase der Saison werden die Fragen nach seiner Zukunft nicht weniger. Und Fußballer wollen doch eigentlich nur Fußball spielen, anstatt sich mit Dokumenten, Anhängen und Klauseln zu beschäftigen. Nach eigener Aussage möchte Ronny ja ohnehin gerne in Berlin bleiben, er fühlt sich schließlich wohl bei Hertha. Er will halt bloß nicht gleich wieder absteigen, hat er gesagt.

Vielleicht sollte er daran das nächste Mal denken, wenn er seinen Berater wieder mit Millionen-Forderungen ins Gespräch schickt. Denn mit jedem Euro, den Ronny mehr fordert, verringert er Herthas Handlungsrahmen für potenzielle und erstligareife Neuzugänge.

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  • Wer hat das geschrieben?

    “Hertha? Ist das dein Ernst?” Das ist der Satz, den ich mir hier in Dortmund ständig anhören muss, wenn ich erzähle, dass mein Herz für den Klub aus meiner Heimatstadt schlägt. (→mehr über Daniel)

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2 Kommentare

  1. proud to be..
    Am 4. März 2013 um 22:43 Uhr veröffentlicht | Permalink

    von mir aus kann ronny weiter ziehen! söldner!!

  2. Am 5. März 2013 um 19:26 Uhr veröffentlicht | Permalink

    Also in der 1 Liga wird Ronny aufgrund seiner Fittnis untergehen. Er wird vielleicht den ein oder anderen Scorerpunkt leisten, aber in der Laufarbeit ist man mit Ronny in Unterzahl. Sollte er sich in diesem Punkt nicht verbessern, sehe ich schwarz.

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